Wie Narzissten mir das Leben schwer machten und was mir geholfen hätte

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Das Weltbild von Narzissten und woran du sie erkennst

In dem griechischen Mythos verliebt sich Narziss in sein eigenes Spiegelbild und ertrinkt bei dem Versuch sich mit diesem zu vereinigen. Die hier tragische Selbstliebe ist typisch für Narzissten. Sie glauben, dass ihnen von Natur aus etwas Besseres zusteht als anderen Menschen. Daraus leitet sich ihr Verhalten ab.

Ein gewisser Grad an Narzissmus ist gesund und notwendig. Sich selbst und die eigenen Leistungen als großartig einzuschätzen trägt zum Selbstwertgefühl bei. Wenn Narzissmus allerdings krankhaft wird, liegt eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung vor (siehe Wikipedia). Für mich als Laien war es bisher nie klar, aber auch nicht relevant, ob es sich um gesunden Narzissmus oder um die krankhafte Form handelte. Es war unangenehm, so oder so. Daher vernachlässige ich die Abgrenzung im weiteren Verlauf des Artikels.

Narzissten legen meist Wert auf ein gepflegtes Äußeres und beeindrucken bzw. blenden bei der ersten Begegnung mit ihrem Selbstvertrauen. Meist zeigen sie auch einige der folgenden Verhaltensweisen:

  1. Sie erwarten Aufmerksamkeit und Bewunderung. Sie sind pikiert, wenn man ihnen nicht genügend Respekt zollt.
  2. Bei der leisesten Spur von Zurückweisung reagieren sie gekränkt.
  3. Sie halten sich für überdurchschnittlich charmant.
  4. Sie können es nicht ertragen, wenn jemand sie warten lässt.
  5. Sie sind meist sehr ehrgeizig, wollen berufliche und private Erfolge erreichen.
  6. Sie meinen, einen beruflichen Aufstieg verdient zu haben.
  7. Sie glauben ihren Erfolg nur sich selbst zu verdanken und stellen fremde Erfolge als die eigenen dar.
  8. Sie sind schnell neidisch auf den Erfolg anderer.
  9. Sie meinen Vorrechte zu verdienen und sich Ausnahmen leisten zu können. Die für alle Welt gemachten Regeln gelten für sie nicht.
  10. Sie schummeln ohne schlechtes Gewissen.
  11. Sie nehmen gern Vergünstigungen und Privilegien in Anspruch.
  12. Sie geraten in Rage, wenn ihnen angebliche Privilegien streitig gemacht werden.
  13. Sie kritisieren andere Menschen hinter deren Rücken.
  14. Sie manipulieren andere Menschen und nutzen sie aus, um ihre Ziele zu erreichen. Sie wechseln die Strategien von Schmeichelei über Schuldgefühle, Einschüchterung und Kameradschaftlichkeit.
  15. Sie verfügen über wenig Empathie.

Falls du glaubst selbst ein Narzisst zu sein, kannst du hier oder hier einen Test machen. US-Forscher glauben allerdings, dass lange Psychotests unnötig sind und Narzissmus allein an der Zustimmung zu der Aussage „Ich bin ein Narzisst“ abzulesen sei.

Mein Familienangehöriger, der Narzisst

Als Kind hinterfragte ich nicht, warum mein Familienangehöriger immer krank war. Ich war an seine Leiden gewöhnt und wusste, dass ich zu funktionieren hatte, denn Ungehorsam würde die Krankheit(en) verschlimmern. Dieses Gefühl wurde mir jedenfalls eingeimpft.

Kopfschmerzen, Tablettenabhängigkeit, Darmprobleme – alle Details würden hier den Rahmen sprengen. Nur so viel: „Narzissmus ist häufig ein Grundbaustein für eine Sucht- oder sogar Suizidgefahr.“ (Quelle) Ich weiß nicht, ob der Narzissmus in die Sucht führte oder umgekehrt. Das war auch egal.

Bei so viel Egozentrik blieb kein Interesse für mich oder meine Familie übrig. Alles sollte sich um Krankheiten, Untersuchungen und Operationen drehen.

Ein paar Tage nicht anzurufen war undenkbar. Eines Abends fiel mir abends ein, dass ich zwei Tage nicht angerufen hatte, und brach in Tränen aus. Da war ich ungefähr zehn Jahre alt.

Manchmal kippte seine Stimmung aus dem Nichts. Dann weinte er aus für mich unerklärlichen Gründen, es hagelte Vorwürfe sowie Schuldgefühle auf meiner Seite.

Immer wieder gab es Phasen des Kontaktabbruchs, der Einschränkung des Kontakts, doch nie gab es ein wirklich gesundes oder herzliches Verhältnis.

Einige Jahre spielte ich widerwillig mit, rief an, ließ Leidensgeschichten über mich ergehen, übernachtete dort noch mit über 20 Jahren. Doch das teilweise verachtende Verhalten – auch gegenüber anderen Familienmitgliedern – wurden mir irgendwann zu viel. Ich brach den Kontakt vor ein paar Monaten wieder ab.

Als ich diese Geschichte neulich mit einer Freundin teilte, erzählte sie mir von ihrer narzisstischen Mutter. Wir stellten viele Parallelen fest. Als Kind hatte meine Freundin miterlebt, wie ihre Mutter mehrmals eine Ohnmacht vortäuschte, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Sanitäter waren ratlos. Sie konnten nichts tun, denn die Leidende hatte nichts.

Warum ich ein gutes Opfer für Narzissten bin

Erst seit Kurzem weiß ich, dass ich introvertiert und hochsensibel bin. Introvertierte richten ihre Aufmerksamkeit und Energie stärker auf ihr Innenleben. Hochsensible (high sensitive person = HSP) reagieren stärker auf Reize, nehmen diese genauer wahr und verarbeiten sie anders als nicht-hochsensible Menschen.

Laut „Hochsensibel Was tun?geraten HSPs oft an Narzissten. Der Grund dafür ist, dass HSPs ihre Beziehungen gern schnell vertiefen. (Ich glaube, das kennen viele Frauen: Während es für ihn lose Treffen sind, sucht sie schon die Namen für die drei Kinder aus.)

HSPs sind gute Zuhörer, empathisch und streben nach Nähe. Dem Narzissten kommt das entgegen. In dem Zuhörer hat er einen Bewunderer gefunden. Da HSPs ihre eigenen Interessen eher zurückstellen, kommen sie ihm nicht in die Quere.

Es war folglich kein Zufall, dass ich immer wieder an Narzissten geriet und lange Zeit mitspielte. „Jemand anderes hätte das nicht mitgemacht“, meinte meine Therapeutin. Doch ich nahm vieles in Kauf, dachte viel nach, analysierte, interpretierte – und schrieb Fehler im Zweifelsfall mir zu. Ein mangelhaftes Selbstwertgefühl war dabei nicht gerade hilfreich.

Was Experten im Umgang mit Narzissten raten 

Ich möchte dir die Strategien der Autoren von „Der ganz normale Wahnsinn: Vom Umgang mit schwierigen Menschen“ vorstellen. Vielleicht helfen sie dir im Umgang mit jemandem, den du nicht vermeiden kannst.

  1. Bedenke das Weltbild der Narzissten. Sie glauben etwas Besseres zu verdienen und verstehen daher nicht, warum dir ihre Ansprüche überzogen und ihr Verhalten dreist vorkommen. Folglich können sie auch deine Kritik nicht nachvollziehen.
  2. Trete innerlich zurück und bleib ruhig (Bauchatmung).
  3. Soweit möglich, rufe dir in Erinnerung, weshalb du in Kontakt mit der Person stehst. Wenn dein Partner narzisstisch veranlagt ist, besinne dich darauf, weshalb du ihn ausgesucht hast. Wenn es ein Freund ist, denke an seine positiven Seiten.
  4. Zeige bei aufrichtigem Verhalten Anerkennung. Das macht dich zu einem Menschen, dem er vertrauen kann. So kannst du später auch mal Kritik anbringen.
  5. Kritisiere nur an absolut notwendiger Stelle. Statt die Person anzugreifen („selbstverliebter Egoist!“), beziehe dich auf konkrete Situationen und Verhaltensweisen sowie deren Konsequenzen.
  6. Setze Grenzen, bevor es zu spät ist. Wenn er Witze auf deine Kosten macht oder dich in illegale Machenschaften hineinziehen will, sage in einem Vier-Augen-Gespräch „Nein“.
  7. Schweige über deine eigenen Erfolge und Privilegien, um keinen Neid zu schüren.

Manchmal ist die einzig richtige Strategie aber auch: Flucht. So lautet auch der Tenor in dem Artikel „So entkommen Sie dem Psychoterror der Narzissten„.

Aufgrund meiner Erfahrungen bin ich unsicher, ob ich jemals mit ausgewachsenen Narzissten auf Dauer klarkommen könnte. Als ich sie gebraucht hätte, kannte ich noch keine der genannten Strategien. Vielleicht hätten sie mir das Leben leichter gemacht. Bei meinem Familienmitglied glaube ich, dass der Zug auch aufgrund des hohen Alters abgefahren ist.

Gängige Fehler (die ich allesamt gemacht habe)

Hast du einmal die Strategie der Narzissten durchschaut, neigst du wie ich evtl. dazu, allem zu widersprechen und dich aufzulehnen. Dieses Verhalten ist leider zwecklos. Du wirst als Feind angesehen und notfalls aus dem Weg geräumt.

Falle nicht auf Manipulationsversuche herein. Sei skeptisch, wenn du sonst kaum beachtet wirst und plötzlich das Goldkind oder der Mitarbeiter des Monats bist. Identifiziere dich nicht zu sehr mit dem Lob (schwierig für mich als Wettbewerbstierchen). Es wird beim nächsten Fehler in unverhohlene Kritik (vor Anderen) umschlagen.

Gewähre keine einmalige Gunst, d. h. lass dich zu nichts überreden, was du nicht möchtest. Wenn du einmal spätabends ans Telefon gehst, wird der Narzisst es künftig immer wieder von dir erwarten.

Erwarte nicht, dass sich ein Narzisst für deine guten Dienste revanchiert. Er ist der Meinung, dies stünde ihm zu.

Generelle Strategien im Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten

  1. Beachte Warnsignale: Hat er den Kontakt zu mehreren ehemaligen Freunden oder Familienangehörigen abgebrochen, redet schlecht über sie oder hat anderweitig verbrannte Erde hinterlassen? Hör auf dein Bauchgefühl.
  2. Halte einen gesunden Abstand zu der Person. Schütze dein Privatleben, soweit möglich. Es fängt mit unverfänglichen Fragen zu deinem Wochenende an und endet mit der Einmischung in Familienangelegenheiten.
  3. Pflege deine Freundschaften und umgib dich mit Menschen, die dir Kraft geben. So kannst du deine Gedanken loswerden, dich beraten und dich vergewissern, dass es auch normale Menschen in deinem Umfeld gibt.
  4. Halte dich selbst bei Laune, indem du die Dinge tust, die dir gut tun: Hobbys, Sport oder Zeit mit deinen Lieben. Halte guten Kontakt mit dir selbst. Das gibt Stabilität für den Umgang mit kraftraubenden Menschen.

Ich wünsche dir viel Erfolg und wenig Kummer im Umgang mit Narzissten. Wenn du Anmerkungen, Erfahrungsberichte und Tipps hast, freue ich mich über deinen Kommentar!


Inspiriert durch die Bücher:

Foto: Eitler Geschäftsmann von Shutterstock

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