Menschen, die keine Fragen stellen

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Vor einigen Monaten schrieb uns ein Leser, dass er sich in vielen unserer Texte wiedererkenne und begeistert sei, dass wir auch aus Leipzig stammen. Er bat um ein Treffen und da er sympathisch wirkte, willigte ich ein. Schließlich lerne ich gerne Menschen kennen, mit denen mich einiges verbindet.

Kurz darauf trafen wir uns in einem Café. Schon nach wenigen Minuten bereute ich meine Zusage, denn das Gespräch verlief ganz anders, als ich es erwartet hatte. Anstatt sich für mich und unsere Gemeinsamkeiten zu interessieren, sprach er pausenlos von sich selbst. Er muss mir seine ganze Lebensgeschichte erzählt haben. Nur erinnern kann ich mich an diese nicht, denn je länger er redete, desto weniger interessierte mich, was er sagte. Bald fütterte ich ihn nur noch mit ein paar Fragen, um die Zeit herumzukriegen.

Von mir erfuhr er an jenem Nachmittag nichts, da er lediglich eine Frage stellte und ich nicht die Lust aufbrachte, ungefragt etwas von mir zu erzählen. Fasziniert und irritiert ging ich nach Hause. Bis heute verstehe ich nicht, warum er sich mit mir treffen wollte.

Ähnlich erging es mir vor ein paar Wochen bei einem Date. Wir hatten uns über eine Partnersuche kennengelernt. Schon als wir uns schrieben, war es schwer ein Gespräch am Laufen zu halten. Dennoch trafen wir uns zeitnah zum Frühstück. Auch diese Unterhaltung verlief sehr einseitig. Sie beantwortete jede meiner Fragen – teils knapp, teils ausführlich. Nur mich fragte sie in den ersten anderthalb Stunden nichts. Keine einzige Frage. Bei einem Date! Zum Ende hin ließ sie sich dazu hinreißen, hier und da eine Gegenfrage zu stellen, doch da war das Date längst gelaufen.

Für mich ist es völlig normal, in einem Gespräch weniger zu reden als mein Gesprächspartner. Das liegt in meiner Natur als introvertierter Mensch. Deshalb fühle ich mich sogar wohler dabei, etwas mehr zuzuhören, als zu reden. Allerdings hat meine Lust zuzuhören ihre Grenzen. Wenn mein Gesprächspartner nur von sich selbst erzählt und nichts über mich wissen möchte, verliere ich mein Interesse an ihm. Ich werde müde, schweife in Gedanken zunehmend ab und kann mir nichts merken.

Ich weiß, dass es nicht nur an mir liegt. Ich habe dieses Phänomen mit Freunden besprochen, die alle solche Menschen kennen. Menschen, die einfach keine Fragen stellen – auch, wenn man sich schon lange kennt. Ich kann nur darüber spekulieren, warum sie sich so verhalten. Vielleicht glauben sie interessanter zu wirken, wenn sie aus ihrem Leben erzählen, vielleicht finden sie sich selbst spannend, vielleicht hört ihnen sonst niemand zu, vielleicht trauen sie sich nicht, vielleicht sind sie aber auch einfach unaufmerksam. Ich würde es gern wissen, denn möglicherweise ist alles nur ein großes Missverständnis.

Ein gutes Gespräch ist ein Geben und Nehmen. Jeder sollte etwas von sich erzählen, aber auch dem anderen Raum geben und dann interessiert nachfragen. Nur so kann man sich einander annähern. Wenn ich mich für jemanden interessiere, wird derjenige mich automatisch mehr mögen. Das ist menschlich. Auf diese Weise entstehen gute Beziehungen – egal, ob freundschaftlich, romantisch oder beruflich.

Falls du zu jenen Menschen gehörst, die wenige Fragen stellen, und du dich das nächste Mal dabei erwischst, wie du einen sympathischen Menschen mit endlosen Monologen belagerst, halte inne und signalisiere dein Interesse, indem du eine Frage stellst. Lass die Antwort kurz auf dich wirken und frage tiefer nach. Es wird sich auszahlen.

Mehr dazu: Wie du richtig zuhörst und weise wir(k)st.


Foto: Zwei Männer unterhalten sich von Shutterstock

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29 Kommentare

  1. Hallo! Schon seit Längerem stille Leserin, jetzt muss ich aber etwas schreiben :) Ich muss sagen, dass ich fast grinsen musste, weil ich mich in dem Artikel so wiedererkannt habe! Ich denke mir dann oft, dass die Leute sonst nicht so richtig einen zum Quatschen haben, und ein Ohr gerade brauchen. Wenn man es als Kompliment für seine Gesprächsführung sieht und die einseitigen Monologe als entgegengebrachtes Vertrauen, lässt es sich besser aushalten, finde ich.
    Und jetzt, da ich einmal schreibe, gleich ein großes Kompliment an euren tollen Blog!

    • Hallo Alice,

      vielen Dank für deinen ersten Kommentar! Freut mich, dass du dich in dem Text wiedererkennst :-)

      Bis bald
      Patrick

  2. Hallo Patrick,

    wenn ich so etwas erlebe, dann fühle ich mich teilweise richtig meiner Zeit bestohlen …. und ja, ich glaube, die meisten brauchen einfach Aufmerksamkeit und Du hast wahrscheinlich diese Eigenschaft. Ein guter Zuhörer zu sein. Eine gewisse Gesprächskultur will gelernt sein. Das eine ist „ERZÄHLEN“ und das andere ist „MITEINANDER REDEN“ Manchmal ziehe ich dann das „Nicht-Treffen“ vor – weil Alleinsein in solchen Fällen bereichernder sein kann. Ich finde gut, dass Du das thematisierst. Danke dafür. Lg Sandra

  3. Genau das ist mir gestern Abend auch passiert – und das mit einer langjährigen Freundin :( Solche Treffen langweilen mich zu tode und über kurz oder lang lasse ich solche „Freundschaften“ einschlafen.

  4. Hallo Patrick,
    ich schreibe normerweise auch nie selbst in Blogs, aber der Artikel trifft mal wieder den Nagel auf den Kopf :-) Gerade in letzter Zeit habe ich auch ein paar solcher Situationen erlebt. Im Gegensatz zu früher fällt es mir heute allerdings leichter, diese Art von Freundschaft, Bekanntschaft oder Date loszulassen bzw. aufzugeben, und mich mit Menschen zu umgeben, die sich wirklich für mich interessieren. Und mir fällt es leichter, dieses Verhalten zu verzeihen. Nach meiner Erfahrung liegen die Gründe selten an einem selbst bzw. an einem grundsätzlichen Desinteresse, sondern daran, dass der Gesprächspartner (aufgrund von Problemen und Baustellen) so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, dass einfach kein Platz für andere Gedanken oder Menschen ist. Oft ist es auch eine gewisse Unsicherheit und / oder der Wunsch, jemand anderem besonders zu gefallen, indem man möglichst viel (positives) über sich berichtet. Vielleicht fand dein Date dich einfach nur Total Toll ;-)
    In jedem Fall wieder mal ein super Artikel, um sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Danke dafür.
    LG Silke

    • Hallo Silke,

      ich glaube, mein Date und ich fanden uns gegenseitig nicht so toll ;-)

      Es kann schon sein, dass manche Menschen tatsächlich so sehr mit sich selbst beschäftigt sind – aufgrund von Arbeit, Hobbys, Partnerschaft, Kinder etc. – dass keine Zeit für wahres Interesse an anderen bleibt. Vielleicht ist das eine mögliche Antwort.

      Viele Grüße und viel Erfolg beim Loslassen mancher Bekanntschaften :-)
      Patrick

  5. Ja, komisch, diese Menschen. Für mich ist naheliegendtse Erklärung immer Desinteresse. Letzte Woche habe ich Zeit mit einem fast fremden Mann verbracht, viel Zeit, mehrere Tage. Und er hat es nur auf eine einzige Frage geschafft: Ob ich Geschwister habe. Noch dazu fing er jedes Mal, wenn ich gerade tief Luft holte um wenigstens eingeninitiativ etwas zu erzählen, mit dem nächsten Monolog an. Das hat mich irgendwann regelrecht aggressiv gemacht, sodass ich das Thema angesprochen habe. Die Antwort war schier unglaublich, weil sie mir wohl raffiniert den Wind aus den Segeln nehmen sollte: „Ich rede aber nur so viel, wenn ich mich bei Menschen wohl fühle – also darfst du dich geehrt fühlen. Meine Monologe sind ein gutes Zeichen“. Auf dass ich besser verzichte :-)

    • Hallo Lisa,

      für den Mann wäre es vielleicht besser gewesen, zu erkennen, dass du dich in der Situation unwohl fühlst und es auf Dauer auch nichts nutzt, wenn nur er sich wohl fühlt ;-) Ich kann verstehen, dass du darauf besser verzichtest.

      Viele Grüße
      Patrick

  6. Das ist ein sehr interessantes Thema, schön, dass du es aufgegriffen hast.
    Mir und meinem Partner haben nach einem Abend mit einer langjährigen Freundin und ihrem Mann die Ohren gesurrt vor lauter belangloser Geschichten und dem Geläster über Dritte. Sie aber haben wirklich nicht eine einzige Frage gestellt. Tendenz war natürlich schon länger so, aber diesmal war es einfach furchtbar! Für mich ist das ein eindeutiges Zeichen, dass an der Freundschaft/dem anderen eigentlich kein Interesse besteht. Blöd sich das einzugestehen, aber hilft ja nichts. ;-) Habe lange gehadert, aber inzwischen bin ich überzeugt, dass es besser ist die Freunschaft einschlafen zu lassen. Solche Treffen rauben so viel Energie, sind Zeitverschwendung und machen irgendwie traurig. Es anzusprechen wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Aber mir fällt es schwer, Kritik so offen zu äußern und ihr noch viel viel schwerer diese anzunehmen. Wenn ich allein dran denke, wie viele Menschen an diesem Abend durch den Dreck gezogen wurden, angefangen bei ihrer Schwester, über die Eltern bis hin zu gemeinsamen Freunden… Komischerweise sind natürlich immer die anderen Schuld an allen Differenzen und Streitigkeiten. Das zeigt zusätzlich, dass man sich selbst zu wichtig nimmt, viel zu sehr von sich überzeugt ist und das eigene Verhalten nie reflektiert.

    Wenn man auf solche Erfahrungen verzichtet, hat man den ein oder anderen Abend Zeit um alleine vorm PC zu sitzen und eure interessanten Texte zu lesen. :-)

    Schönen Abend und liebe Grüße…

    • Hallo Susanne,

      auch wenn ich nicht in jedem Fall bereit wäre, eine Freundschaft einschlafen zu lassen – in deinem Fall würde ich wohl genauso handeln. Wenn dir durch ein gemeinsamer Abend so viel Energie entzogen wird, ist das schon mal ein ganz schlechtes Zeichen und Dauerlästern über andere natürlich auch. Da weiß ich dann schon, dass beim nächsten Mal ich das „Opfer“ sein werde. Macht keinen Spaß. Dann lieber unsere Texte lesen, genau ;-)

      Viele Grüße
      Patrick

  7. Hallo Patrick und auch ein Hallo an alle bisherigen Kommentatoren!

    Als ich eben den Artikel las, habe auch ich mich wiedererkannt! Aber nicht so, wie die meisten der anderen Kommentatoren. Bei mir ist es genau umgekehrt: andere haben keine Probleme damit, Interesse an mir zu zeigen und ICH tue mich so verdammt schwer damit, Fragen zu stellen! Dass ein anderer (mein) Interesse nicht wahrnimmt, heißt ja nicht zwangsläufig, dass es nicht vorhanden ist!?

    Ihr alle die ihr euch (scheinbar) so sehr für euren Gesprächspartner interessiert – wieso verurteilt ihr so schnell und fragt nicht, warum der andere so wenige oder auch gar keine Fragen stellt??? Silke, vielen Dank, dass (wenigstens) du dir darüber Gedanken machst!

    Nun, da ich mir über mein scheinbares Desinteresse an anderen Menschen durchaus schon des längeren bewusst bin, ist Patricks Artikel mal wieder Anlass über mein Problem nachzudenken. Wenn ich mir aus der Sicht eines anderen meine ersten Sätze durchlese, könnte man auf den Gedanken kommen, dass dieser jemand nicht genug Aufmerksamkeit, Interesse von anderen bekommen kann.

    Vielleicht lenken all die Fragen meiner Gesprächspartner aber auch den Fokus zu sehr auf mich selbst, dass ich im Kopf nicht umschalten kann, um die Dinge an die Oberfläche zu holen, die ich mein Gegenüber gern fragen möchte. Oft fehlt es einfach an einer Gesprächspause, einem Moment der Stille, so dass ich im mich gehen kann. Und mit solchen Gesprächspausen können nicht viele Menschen gut umgehen.

    Was ich grundsätzlich in unserer Gesellschaft beobachte ist, dass man oft sehr schnell andere Menschen für dieses oder jenes verurteilt, ohne darüber nachzudenken, welche Erfahrungen der andere gemacht hat, auf dessen Basis dieses Verhalten entstanden ist. Das wäre aus meiner Sicht dann echtes, wahres Interesse!?

    Sonnige Grüße an alle, Beate

    • Hallo Beate,

      mich interessiert es schon, warum manche Menschen keine Fragen stellen bzw. kein Interesse signalisieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie gar kein Interesse an mir haben oder mich nicht mögen. Warum sollten sie sich sonst mit mir treffen wollen? Das Phänomen tritt ja nicht nur beim ersten Treffen auf, sondern teilweise bei Menschen, die ich jahrelang kenne. Allerdings gehe ich mit der Zeit zunehmend auf Abstand, da es mir zu anstrengend ist.

      Es wird schon Gründe geben, warum manch einer nichts fragt, so wie auch du offenbar Gründe hast, wie fehlende Gesprächspausen. Dazu möchte ich dir einen Hinweis geben: Wenn jemand mir ohne Punkt und Komma von sich erzählt, halte ich das Gespräch manchmal mit weiteren Fragen am Laufen, um selbst nichts gefragt zu werden. Warum? Weil jemand nach einem langen Monolog (aus meiner Erfahrung) keine sinnvollen Fragen stellt. Da kommt mit Sicherheit etwas wie: „Und bei dir so?“ oder „Jetzt erzähl du mal was!“. Was soll er/sie auch fragen? Es gibt ja keine Anhaltspunkte aus dem bisherigen Gesprächsverlauf. Mit solchen Fragen kann ich aber nichts anfangen. Ich stammele dann herum und Sekunden später geht der Monolog des anderen weiter.

      Egal, wer daran nun Schuld trägt, klar ist, dass so kein gutes Gespräch entsteht und dass es vielleicht kein nächstes geben wird. Daher würde ich empfehlen, nicht erst eine Stunde zu reden, sondern von Anfang an Fragen zu stellen und weiter nachzufragen, ohne immer gleich wieder etwas von sich selbst zu erzählen.

      Viele Grüße
      Patrick

  8. Hallo Patrick,

    Vielen Dank für deine Gedanken. Ich verfolge dich schon seit deiner vielen Reisen und lese eure Artikel sehr gerne.

    Mir geht es leider selbst oft so, dass ich viel rede. Manchmal entschuldige ich mich bei meinen Freunden deswegen sogar, aber die winken immer ab und finden es angeblich o.k.. mich ärgert es im Nachhinein dann aber doch sehr, dass ich so viel erzähl und wenig frage. Es ist also nicht immer böse gemeint. Wahrscheinlich handelt es sich einfach um Unaufmerksamkeit. :-( Wie kann ich denn in der Situation besser auf andere eingehen? Ich habe immer Angst, dass ich andere mit zu vielen Fragen am Ende auf die Nerven gehe, dass sie sich eventuell ausgefragt fühlen. ….Vielleicht liegt es auch an unsrer Gesellschaft, da wir dazu erzogen werden, etwas Einzigartiges zu sein und über alle Gefühle reden zu müssen. Hmmm.

    Liebe Grüße Evi

    • Hallo Evi,

      es ist wahrscheinlicher, dass du jemandem mit zu vielen Informationen über dich selbst nervst als mit Fragen. Grundsätzlich erzählt doch jeder gern etwas von sich selbst. Das gilt auch für die stilleren Menschen, für die es okay ist, weniger zu erzählen. Die musst du im Zweifel nur mehr locken. Ich erzähle z. B. nichts, wenn man mich nichts fragt. Je mehr Fragen und interessierte Nachfragen man mir stellt, desto mehr rede ich. Man muss es so ein bisschen aus mir herausholen. Ich muss das Interesse meines Gesprächspartners spüren.

      Wenn jemand wirklich von deinen Fragen genervt ist, wirst du es vermutlich daran spüren, dass die Antworten zunehmend einsilbiger werden oder dein Gegenüber das Gespräch auf andere Themen lenkt.

      Viele Grüße
      Patrick

  9. Hey Patrick, Hey Kommentatoren,

    erstmal danke für den sehr offenen Artikel! Wenn ich mich zu einem Kommentar hinreißen lasse, hat er definitiv einen Nerv bei mir getroffen. :-)

    Ich würde gerne zwischen Menschen unterscheiden, die einfach keine Fragen stellen (wie Patricks Date) und Menschen, die pausenlos über sich reden und deshalb keine Fragen stellen (Patricks Treffen mit dem Typ).

    Mir ist es definitiv lieber anderen zuzuhören und nicht von mir selbst zu erzählen. Obwohl mich Dauermonologe irgendwann auch langweilen.
    Trotzdem habe ich mich selbst tatsächlich schon häufiger gefragt, warum ich anderen keine oder nur selten Fragen stelle.
    Da wäre meine Frage an dich, Patrick, was Du gerne gefragt werden würdest. Was soll dein Date an dir interessieren?
    Ich möchte im Gespräch gerne einen gemeinsamen Nenner finden, etwas das mich und meinen Gesprächspartner berührt, über langweilige Faktenfragen wie zum Beispiel nach der Geschwisterzahl komme ich da eher schwer hin und frage deshalb auch nicht danach. Wenn ich frage wie es dir heute geht oder was dich gerade beschäftigt beantwortest Du es vielleicht nur knapp, weil dir noch das nötige Vertrauen für mehr Offenheit fehlt. Also Sackgasse, obwohl mich das ehrlich interessieren würde.

    Ich glaube ich möchte auch noch zwischen Gesprächen mit Freunden/Bekannten und Fremden unterscheiden. :-)

    Und ich werde jetzt erstmal noch ein wenig über das Thema grübeln, danke an alle für den Denkanstoß. :-)

    LG Meli

    • Hallo Meli,

      auch wenn ich keinen Small Talk mag, habe ich mittlerweile akzeptiert, dass er nützlich ist, um in ein Gespräch zu kommen. Natürlich würde ich bei der Frage, wie es mir geht, nicht gleich die volle Wahrheit sagen. Das mache ich nicht mal gegenüber Freunden. Ich brauche immer etwas Zeit, um warm zu werden. Manchmal komme ich zu den interessanteren Themen erst nach ein paar Stunden.

      Bei ganz neuen Menschen muss man dann eben erstmal durch die Fragen nach Geschwistern o. ä. durch. Klar, ist es nicht so interessant, dass jemand einen Bruder hat, der 27 Jahre alt ist und in Hamburg wohnt. Aber wenn man noch ein, zwei tiefere Fragen stellt, verbirgt sich dahinter vermutlich etwas Interessantes. Irgendwann stößt man auf Gemeinsamkeiten und kann über diese sprechen.

      Doch manche Menschen stellen trotz großer Gemeinsamkeiten keinerlei Fragen. Neulich war ich auf einer Party und unterhielt mich mit einer Frau. Wir beide sind Fußball-Fans und sie kam gerade aus der Toskana zurück (wo ich vor einem Jahr war). Sie hat über beides begeistert erzählt. Ich hab zu beidem immer mal wieder ungefragt was beigesteuert (das mache ich selten) – aber ich hab nicht eine Frage zurück bekommen, dabei wäre das in diesem Fall so leicht gewesen. Das finde ich faszinierend :-)

      Viele Grüße
      Patrick

      • Hey Patrick,

        also halten wir mal fest, dass Du das Bedürfnis hast im Gespräch vom Gegenüber wahrgenommen und gehört zu werden. Dadurch kannst Du eine tiefere Verbindung mit der anderen Person herstellen und das ist dein eigentliches Ziel. Korrigiere mich, wenn ich damit falsch liege.

        Du machst dir doch aber selbst das Leben schwer, wenn Du mit der Erwartungshaltung in Gespräche gehst, dass die andere Person auch das Bedürfnis hat eine Verbindung zu dir zu finden. Und damit auch abhängig von deren „korrektem“ Gesprächsverhalten.

        Ich finde Gespräche auch am bereicherndsten, wenn sie von gegenseitigem Interesse geprägt sind. Kommunikation geht aber viel öfter schief, als dass sie funktioniert. Mir ist die Lösung zu einfach, dass die Leute im richtigen Moment die richtigen Fragen stellen sollen… Auch wenn es vermeintlich offensichtlich ist. Die wenigsten Menschen sind in der Lage ein Gespräch zu „führen“. Sie verlieren sich in ihrem eigenen Geplapper oder hoffen, dass der andere die Gesprächsthemen lenkt. Von daher finde ich die vorgeschlagene Meta-Kommunikation von Robert gar nicht schlecht, die wenigsten reflektieren wahrscheinlich ihr eigenes Kommunikationsverhalten.

        Querulanten-Grüße
        Meli

        • Hallo Meli,

          ich glaube, wir kommen auf keinen gemeinsamen Nenner und das ist völlig in Ordnung. Vielleicht wollen wir verschiedene Dinge von Gesprächen und Beziehungen. Nicht alle Menschen sind kompatibel miteinander :-)

          Viele Grüße
          Patrick

  10. hallo!

    ich denke es gibt Momente wo das in Ordnung ist. wenn jemand gerade von der Weltreise zurückkommt und es nur so aus ihm raussprudelt, oder wenn ein Freund gerade einen Schicksalsschlag hinnehmen musste.

    MMN geht es dabei aber nicht nur um fragen. wenn man irgendwie in einem Flow ist, dann ergeben sich gute Gespräche ohne fragen. man kann ja auch mal ne Pause lassen damit der andere seine Sichtweise beitragen kann. Menschen, die extra gefragt werden müssen, find ich manchmal etwas schwierig, ehrlich gesagt.

    ansonsten finde ich es gut, das einfach anzusprechen. das ist zwar nicht ganz leicht aber total spannend. es gibt dem anderen auch die Chance darüber nachzudenken was hier gerade passiert. das Tonband, das der andere abspult wird plötzlich total unterbrochen und es kann etwas Neues entstehen. nämlich ein echter Dialog. idealerweise einer bei dem man während des zuhörens nicht nur daran denkt was man als nächstes sagen soll. also so ein Statement wie „du, ich hab das Gefühl das ist ein Monolog und kein Gespräch. wenn ich nicht da wäre, würde es wenig Unterschied machen“ (oder ein wenig diplomatischer – je nach Typ halt) kann Wunder wirken.

    • Hallo Robert,

      ich glaube auch, dass Ehrlichkeit hier weiterhelfen könnte. Aber damit zwingst du mir als Zuhörer einen Konflikt auf, den ich gar nicht haben will. Auch nicht schön :)

      Viele Grüße
      Patrick

  11. Schöner Artikel. Danke!
    Abgefahren ist auch, wenn das Gegenüber zwar hin und wieder Fragen stellt, aber die Antwort gar nicht abwartet oder das Gespräch sofort wieder mit eigenen Themen und Geschichten „bereichert“. Da werde ich dann auch immer stiller, weil ich merke, dass die Fragen nur Pro Forma gestellt worden und eine (ausführlichere) Antwort gar nicht gewünscht ist.
    Da kann ich dann ganz schnelle ganz still und wortkarg werden. Das war’s dann mit dem Gespräch. Und meistens merken die anderen es noch nicht mal.
    Ich habe auch keine Lust, mir immer wieder mit „Lass mich doch mal ausreden.“ oder „Ich möchte auch mal was erzählen.“ das Wort zu erkämpfen.
    Nee, wirklich anstrengend sowas.

  12. Guter Artikel und mich nervt das auch regelmäßig. Habe länger überlegt zu posten, weil ich das Thema nicht so einfach finde.

    Irgendwo habe ich gelesen, dass jeder Mensch in seinem Leben die Hauptrolle spielt und man sich daher damit abfinden müsse, dass andere kaum Interesse an dem Leben anderer hätten. Ich finde das irgendwie unschön. Wenn jeder nur an sich Interesse hat, wie sieht dann soziale Interaktion aus? Das erinnert mich an den Ausspruch „Wenn jeder an sich denkt, dann ist an alle gedacht.“

    Personen die pausenlos nur von sich erzählen versuche ich inzwischen zu meiden. Ein ehemals sehr guter Freund hat eine sehr schwere Zeit hinter sich. Während dieser stand ich ihm immer zur Seite und für mich war es klar, dass diese Zeit primär von seiner Geschichte geprägt sein würde. Nun ist die Thematik abgeschlossen, aber es dreht sich weiterhin nun alles um ihn.
    Es ist anstrengend immer nur seinen Gedanken zu folgen und selbst wenn er etwas fragen sollte, dann hat er die Thematik schnell wieder vergessen. Ich erzähle, dass ich ein neues Auto habe und eine Woche später fragt er mich auf dem Parkplatz, ob oder seit wann ich ein neues Auto hätte.

    Ich möchte mit solchen Leuten eigentlich keinen längeren Kontakt mehr haben. Aber das würde wohl bedeuten komplett zurückgezogen zu leben, was auch nicht so toll sein würde.

  13. Hallo Patrick,

    ich würde auch unterscheiden zwischen Menschen, die wirklich kein Interesse am Gegenüber haben und mit Freude nur von sich erzählen, und Menschen, die merken, dass man selbst ungern einfach so etwas von sich erzählt und die darauf damit reagieren, dass sie die Führung des Gesprächs in ihre Hand nehmen und teilweise bewusst nichts fragen oder z. B. wirklich private Fragen ausklammern. Ich gehöre zur Sorte der Nicht-gern-Erzähler und erlebe dieses Grundprinzip immer wieder mal in verschiedenen Ausprägungen. Je nach Person erzähle ich dann doch was von mir und das Gespräch wird weniger einseitig, oder ich lasse es lieber – kommt eben auch immer darauf an, wen ich gerade vor mir habe und in welcher Stimmung ich mich gerade befinde.

    Viele Grüße
    Gina

  14. Ich tu das zuweilen. Es gibt dafür drei Gründe:
    1. ich finde jemanden wirklich toll und trau mich nicht, will nicht „neugierig“ wirken. Ich denke, dass mir die Person schon etwas erzählen wird, wenn sie das möchte. Das passiert eher selten und ist auch dem Verhalten der Person „geschuldet“. Es gibt einfach Menschen, die geben einem das Gefühl, sie möchten nichts von sich preisgeben.

    2. Vor allem bei Onlinedates – die Person lässt sich alles aus der Nase ziehen. Zu Beginn fragt man, aber es kommen immer nur kurze Antworten. Da ich auf sowas keine Lust habe und so auch kein Gespräch entstehen kann, rede ich dann einfach, ist irgendwie besser als schweigend rumzusitzen. Versuche aber dann das Ganze schnell zu beenden. Ich hatte aber auch schon ein, wo er sich beschwert hat, ich würde ihn gar nix fragen, obwohl er von sich aus eh schon die ganze Zeit von sich erzählt hat.

    3. Bei Freunden manchmal: ich hatte schon länger niemanden zum reden und die Wörter müssn raus.

    Generell bin ich mir meiner „Fehler“ durchaus bewusst und rede auch einfach gern. Ich habe aber auch festgestellt, dass ich sehr wohl Fragen stellen und zuhören kann, wenn die Chemie einfach stimmt. Dann entsteht ganz automatisch ein toles Gespräch, wie es sein muss.

  15. Hallo,
    ein Artikel, der mir aus der Seele spricht…
    So oder so ähnlich habe ich es auch schon öfter erlebt und ich bin jedesmal baff!

  16. Hallo,
    ein tolles Thema, dass mich in letzter Zeit auch sehr beschäftigt.
    Früher haben sich bei mir die Gespräche mit den Freunden eher von selbst ergeben durch die vielen gemeinsamen Unternehmungen, die man machte. Durch Familie und Partnerschaft wird das natürlich weniger und man trifft sich in etwas größeren Abständen. Ich bin dann aber anscheinend die einzige, die sich richtig dafür interessiert, wie es den anderen geht, was sie gemacht haben etc. und freue mich auf deren Neuigkeiten, habe mich auch immer darauf gefreut, von mir und meinen Neuigkeiten zu erzählen….und da wären wir am Punkt.
    Meine Art, mit guten Freunden zu kommunizieren, ist eine Vorfreude auf den gemeinsamen Abend, schön dich mal wieder zu sehen, wie geht’s bei dir, wie wars im Urlaub, was hast du gemacht, blablabla. Umgekehrt erwarte ich dieselbe Vorfreude auf mich und dasselbe Interesse an meinem Leben. Doch genau hier ist das Problem…die Dauer-Sender fragen nicht nach anderen, die sind mit sich selbst so beschäftigt, dass sie problemlos einen ganzen Abend über sich selbst reden können. Und das sind immer die gleichen Leute. Redet man einfach mal drauf los über sich, wird das Gespräch so bald es geht wieder umgelenkt oder man wird unterbrochen. Das langweilt mich derart, dass ich mich dann lieber zurückziehe und den ganzen Abend den Dauer-Sendern überlasse, wenn es sein muss.
    Es ist in Ordnung, wenn ich nicht viel neues zu erzählen habe und ein anderer gerade ganz viel, dann rede ich gerne nur über das Leben der anderen. Aber habe ich in dem Moment das Interesse an mir auf ewig verwirkt?
    Oder haben wir einfach unterschiedliche Auffassungen darüber, wie man Interesse bekunden sollte? Ich persönlich erzähle sehr gerne was von mir und bin sehr offen, wenn ich ein Interesse dafür spüre. Wenn ich merke, man hört mir nicht richtig zu (Blick aufs Handy, dazwischenreden, keine Fragen dazu stellen etc.) schalte ich sofort in den Kurzform-Modus oder auf AUS. Da ist mir meine Energie zu schade, sie einfach zu verschwenden und ich will niemanden langweilen. Mittlerweile merke ich das sehr schnell.
    Ich weiß nur nicht, ob ich da vielleicht eine falsche Erwartungshaltung habe, indem ich von mir und meiner Art auf andere schließe?
    Gerade ihr Vielredner, sagt doch mal eure Meinung dazu!

  17. Hallo Patrick,
    dein Artikel hat mich enorm angesprochen, denn ich kann es nachvollziehen wie es sich anfühlt, vor einem Gegenüber zu sitzen der begeistert von sich und seinem Leben erzählt und außer Acht lässt, nach deinem Leben oder deinen Visionen zu fragen. Ich bin einfach der Ansicht dass es zu viele Menschen nach meiner Erfahrung gibt, dich sich nicht für die Bedürfnisse, Wünsche, Träume oder Persönlichkeit des anderen interessieren, sondern lediglich ihre Welt sehen, gibt es eine Antwort weshalb das so ist? Es gibt unzählige, eine davon ist, sie scheuen sich davor ihre eigene Persönlichkeit unter die Lupe zu nehmen und sich zu fragen ob ihr Verhalten bei anderen ankommt und ob sie verstanden werden wollen – das ist eine Wahnsinnsarbeit und oft mit Schmerzen verbunden, dennoch machen sich immer mehr Männer und Frauen auf den Weg an ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten, und auf die konzentriere ich mich, vielleicht dient dir mein Kommentar als Anregung. Alles Gute für euren Blog. Dagmar

  18. Danke für diesen Artikel! Da ich Fragen stelle, habe ich mich das schon sooo oft gefragt. ;) Und es interessiert mich auch dringend, warum es Menschen gibt, die nie Fragen stellen und was deren jeweiliger Grund ist.

    Mich macht es am meisten traurig, dass es solche Menschen auch in meiner engsten Familie gibt. Meine Vermutung da ist, dass sie keinerlei tiefer gehendes Gespräch zulassen wollen. Deshalb werden keine oder allenfalls Fragen nach dem Wetter gestellt.

  19. Es gibt ja den Spruch „Keine Antwort – kein Interesse“. Ich würde ihn erweitern auf „Keine Frage – kein Interesse“. Danke Patrik für diesen Artikel!

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