Dafür keine Zeit? Über gesunde Gewohnheiten in einer Beziehung

Vielleicht ist dir beim Lesen unserer Tipps zu gesunden Gewohnheiten der Gedanke gekommen, dass das ja alles schön und gut, in einer Beziehung aber unrealistisch ist. Schließlich musst du dich nach deinem Partner (deiner Partnerin) richten.

Wenn du eine Familie hast, wollen noch mehr Personen deinen Alltag mitbestimmen. Viele Menschen in einer Beziehung stellen ihre eigenen Interessen daher zurück.

Ich kann nichts zum Leben mit Kindern sagen. Aber ich möchte der Frage nachgehen, ob es in einer Beziehung schwieriger ist gesunde Gewohnheiten umzusetzen.

Lass uns zusammen überlegen, was uns in einer Beziehung davon abhält unsere Healthy Habits jeden Tag durchzuziehen.

Hindernis 1: Eine Beziehung macht unflexibler

Wenn langjährige Singles plötzlich liiert sind, haben sie weniger „Freizeit“, wollen auf einmal alles mit IHR/IHM abstimmen und erscheinen manchmal als Einzelperson nicht mehr existent.

Es scheint schwerer, sich in einer Beziehung auf sich selbst zu konzentrieren. Wer auf den „Gesundheitstrip“ kommt, muss IHN/SIE mit überzeugen. Es geht auch alleine, aber es ist viel schwieriger.

Hindernis 2: „Keine Zeit“

Pärchen haben weniger Freizeit, denn es fallen doppelt so viele Termine bei Familie, Freunden und Kollegen als bei Singles an. Wer die Healthy Habit „Sich bei Freunden melden bzw. sich treffen“ umsetzen will, muss auch diese Telefonate und Treffen noch unterkriegen.

Es bleibt auch weniger Raum für Spontanität. Zumal auf spontane Unternehmungen beide Lust haben müssen.

Hindernis 3: Weniger Zeit für sich

Natürlich genießt du eine Partnerschaft mit allem Drum und Dran (das hoffe ich zumindest). Aber du bist seltener für dich allein, falls du keine Wochenend- oder Fernbeziehung führst. Insofern ist es schwieriger, sich Momente mit sich selbst zu schaffen, um in Ruhe über etwas nachzudenken, zu meditieren usw.

Vor allem am Wochenende ist die Zeit zu zweit besonders kostbar. Es fällt mir dann besonders schwer meine fünf täglichen Habits unterzubringen.

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Hindernis 4: Laster²

Gewohnheit heißt Gemütlichkeit. Aus schlechten Gewohnheiten auszubrechen ist zu zweit noch schwerer. Die Macht der Gewohnheit verdoppelt sich. Oder quadriert sich. Rituale wie zusammen rauchen, naschen oder auf der Couch liegen sind etwas Schönes – auch wenn sie ungesund sind.

Hindernis 5: Angst vor Veränderung

Veränderung verunsichert oft. ER hat Angst, dass SIE mit der Beziehung unzufrieden ist, weil sie plötzlich zum Yoga geht, Körner isst und den Fernseher verkaufen will. SIE dagegen glaubt nicht mehr „gut (aussehend) genug“ zu sein, weil ER jetzt regelmäßig Sport macht.

Wir können aber auch andersherum denken. Lass uns überlegen, warum es leichter ist in einer Beziehung gesunde Gewohnheiten zu etablieren.

Antreiber 1: Es lohnt sich

Zu zweit „lohnt es sich mehr“, zu kochen, einen Heimtrainer zu kaufen, ins Fitnessstudio oder zum Klettern zu fahren. Es scheint sinnvoller, wenn beide etwas davon haben.

Antreiber 2: Eine Beziehung macht’s möglich

Ich kenne Pärchen, die sich zusammen motivieren, mehr Obst zu essen und seltener Alkohol zu trinken. Es ist möglich es zusammen zu schaffen.

Soziale Unterstützung ist einer der wichtigsten Hebel, um sich neue Gewohnheiten anzueignen. Wir halten eher durch, wenn uns jemand dabei hilft und wir uns vor IHM/IHR bekennen, uns etwas an- bzw. abzugewöhnen. Wir können uns gegenseitig motivieren weniger Süßigkeiten zu essen.

ABER:

Wir können unsere Gewohnheiten nur ändern, wenn wir unser Warum kennen. Sprich: wenn wir uns Süßigkeiten abgewöhnen wollen, sollten wir entscheiden, ob es uns ums Abnehmen, Prävention (Diabetes vermeiden) oder unsere Zähne geht. So wird es leichter, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, warum wir uns gegenseitig „triezen“.

Es wird nicht klappen, wenn uns die Unterstützung für Veränderung in der Beziehung fehlt. Wenn ER die Augen verdreht, weil SIE plötzlich jeden Tag Möhren isst und die langweiligen Vollkornnudeln kauft. Oder SIE sauer ist, weil ER nach der Arbeit noch laufen geht oder mit Freunden Fußball spielt.

Fazit

5 Hindernisse, 2 Antreiber.

Ich habe mich anfangs zwar dagegen gewehrt, muss aber zugeben, dass es in der Summe mehr Hindernisse als Erleichterungen gibt. Wir räumen unserer besseren Hälfte eine derart hohe Priorität ein, dass wir uns selbst (und unsere Gewohnheiten) oft vernachlässigen. Das heißt selbstverständlich nicht, dass wir uns trennen sollten, um wirklich gewissenhaft jeden Tag unsere Healthy Habits abzuhaken.

Wichtig ist, dass du dich selbst nicht aus dem Fokus verlierst und dir klar machst, warum du welche Gewohnheit etablieren willst.

Lass uns aber mal über die Gründe nachdenken, warum es gut wäre, ein paar gesunde Gewohnheiten auch in einer Beziehung durchzuhalten.

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Vorteil 1: Gesunde Gewohnheiten stärken die Beziehung

Gesunde Gewohnheiten fördern nicht nur deine Gesundheit, sondern auch die Beziehungsqualität. Viele Beziehungsprobleme entstehen durch mangelnde oder mangelhafte Kommunikation. Wenn ihr euch Zeit zum Spazieren, Essen und Entspannen nehmt, habt ihr auch Zeit für Gespräche.

Außerdem verbinden gemeinsame Erlebnisse. Pärchen, die sich nach x Jahren Ehe/Partnerschaft nichts mehr zu sagen haben, sollen etwas gemeinsam unternehmen. Wir empfehlen sowohl Singles als auch Pärchen rauszugehen und etwas zu erleben. Denn etwas zu unternehmen heißt etwas für sich zu tun.

Vorteil 2: Anlass für Anerkennung

In unserem eBook „15 Healthy Habits“ schlagen wir „Anerkennung zollen“ als eine gesunde Gewohnheit vor. Nun rate mal, wie ER/SIE reagieren wird, wenn du ihm/ihr täglich ein Kompliment machst bzw. ein Lob aussprichst!

Wir fühlen uns häufig nicht genügend gewürdigt für unsere Arbeit im Haushalt, im Job, ggf. mit den Kindern. Wenn wir uns in der Partnerschaft mehr Anerkennung zollen, fördern wir unser Selbstwert- und Zusammengehörigkeitsgefühl.

Und sind wir ehrlich: Auch die Optik spielt eine Rolle. Sobald wir in einer Partnerschaft leben, nehmen wir laut Statistik zu – Verheiratete noch mehr. Klar sind innere Werte wichtiger. Aber was spricht dagegen, sich zusammen anzustrengen, um nicht unbeweglicher, dicker und träger zu werden? Schließlich gibt ein gutes Aussehen auch wieder Anlass für Lob und Anerkennung.

Vorteil 3: Zusammen genießen

Genussmomente sind ein Teil von gesunden Gewohnheiten. Genießen kannst du nicht nur beim Essen. Mancher genießt ein gutes Buch, ein Glas Wein, schöne Musik, die Natur.

Was auch immer es ist, Genussmomente tun deiner Beziehung gut. Wenn sich Genuss nicht nur auf’s Essen beschränkt, schaffen wir uns ein gemeinsames Erlebnis beim Konzert, Poetry Slam oder Flohmarkt. Auch körperliche Nähe schafft Genussmomente.

Hand hoch, wer KEINE Rückenmassage haben will!

Dacht‘ ich’s mir.

Wir stellen fest, dass es in einer Beziehung zwar schwieriger ist seine Healthy Habits zu schaffen. Es „lohnt sich“ aber. Hier sind ein paar Tipps, wie du es schaffen kannst gesunde Gewohnheiten auch in deiner Beziehung zu etablieren und beizubehalten:

  1. Reden!

Wenn du deine Wünsche umsetzen willst, kommst du nicht drum rum, über deine Bedürfnisse zu reden. Wenn ER/SIE deine Motivation kennt, ist seine/ihre Unterstützung wahrscheinlicher.

  1. Das Warum klären!

Mach dir bzw. euch klar, warum ihr gesunde Gewohnheiten etablieren wollt. So untergräbt niemand die Mühe des Anderen, wenn es ernst wird.

  1. Eigenständig bleiben!

Du musst nicht alles zusammen mit IHM/IHR machen. Ein Raum für individuelle Vorlieben und Unternehmungen sollte da sein.

  1. Seid mutig!

Probiert zusammen Neues aus! Das können neue Hobbies und Sportarten sein. Ihr könntet zusammen Entspannungsübungen machen.

Hast du Tipps, wie sich gesunde Gewohnheiten in der Beziehung leichter leben lassen? Dann würde ich mich über Kommentar freuen!


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5 Kommentare

  1. mein GöGa bestand darauf, daß ich mich nicht abends (endlich, die Kinder im Bett – Zeit zum Arbeiten) an den Rechner zurückziehe, sondern daß wir täglich zusammensitzen und reden. Er hatte Recht. Sonst lebt man sich auseinander, ich sehe es bei Paaren, die jenseits der 50 sind. Man sollte wissen, was den anderen beschäftigt, worüber er sich geärgert hat, was er gesehen hat, oder auch nur, was er den Tag über getrieben hat. Unsere Gespräche sind nicht immer tiefschürfend, doch man ist eben auf dem Laufenden – gerade, wenn man einen straffen Alltag hat, wo man sich die Klinke in die Hand gibt, bzw. den anderen auch mal ziehen läßt, damit er etwas alleine tun kann. Denn auch dafür muß man sich Freiräume geben und organisieren. Wie überall in einer Partnerschaft muß man sich halt absprechen und einen Kompromiß suchen, doch das sind nur auf den ersten Blick Hürden. Auf den zweiten Blick merkt man, daß auch Alleinstehende sich organisieren müssen, den Blick auf das Wesentliche lenken müssen, Zeit freischaufeln müssen, um Wichtiges zu tun. Und in einer Partnerschaft ist das nicht anders. Feste Zeiten erleichtern diese Planungen – hätte ich nicht gedacht, weil ich im Studium oft abends um 23h noch mal in die Küche gegangen bin, bevor ich bis 4h weitergelernt habe. Doch wenn man weiß, wann es Essen gibt, kann man sich darauf einstellen und muß nicht jedesmal darüber verhandeln. Das spart Nerven und Zeit.
    Wir gehen Sonntags den Kalender der nächsten Woche durch. Dabei kontrollieren wir auch, inwieweit jeder von uns auf seine Kosten kommt, um seine Bedürfnisse zu erfüllen. Unsere Bedürfnisse sind recht verschieden, was den Nachteil hat, daß wir vieles getrennt machen, aber den Vorteil, daß man wenigstens immer einen Babysitter hat.
    Über gesunde Ernährung muß man sich grundsätzlich verständigen, es klappt sonst nicht. Sonst schimpft der „Ungesunde“ über fehlenden Zucker, Geschmack (Fett ist Geschmacksträger) oder über unnötige Ausgaben für teures Bio-Gemüse. Da Geschmack Gewohnheitssache ist, muß man bereit sein, ungesunde Gewohnheiten wegzulassen und dafür auch den Gaumen umzustellen. Hier hilft evtl. eine schleichende Umstellung, dh. nicht radikal allen Zucker/Fett weglassen, sondern die Mengen allmählich zu reduzieren. Und immer wieder muß man sich gemeinsam über Ernährung und Nahrungsmittelindustrie unterhalten.
    In Bezug auf die eigenen Bedürfnisse empfehle ich Ehrlichkeit. Der Partner ist im Idealfall Helfer, zu erkennen, was man braucht. Coach oder Mentor, Berater und Spiegel.
    Ich freue mich immer wieder über Eure 4 Säulen der Gesundheit, denn Ihr seid tatsächlich die ersten, die mir das so schön klar formuliert haben.

    • Hallo Viola,

      finde ich gut, dass ihr so viel redet!
      Und schön, dass dir der Ansatz der vier Säulen gefällt :-)

      Viele Grüße,
      Patrick

  2. Hallo!

    Ich finde, dass man innerhalb einer Beziehung oftmals sogar gesünder lebt als als Single. Gerade ich als Mann ernähre mich seit ich in einer Partnerschaft lebe viel bewusster und „grüner“ als früher. Pizza, Burger und Co. stehen nur mehr selten am Speiseplan, dafür wird meistens frisch gekocht. Außerdem verbringe ich weniger durchzechte Nächte mit Freunden achte mehr auf Sauberkeit bei mir zuhause. Ich glaube, es hängt viel vom Gesundheitsbewusstsein des Partners ab, ob sich innerhalb einer Partnerschaft mehr gesunde Gewohnheiten entwickeln.

  3. Hallo,

    danke für diesen Post, der mir noch mal einiges an Input gegeben hat.
    Ich lebe seit etwas mehr als einem Jahr vegan, war vorher Allesesser und mein Partner ist es noch. Ja, es ist schwierig, diese Gewohnheit zu etablieren und durchzuhalten, aber meiner Meinung nach gehört Respekt dazu, den es in einer Beziehung sowieso geben muss. Mein Partner akzeptiert meine Entscheidung, ich akzeptiere umgekehrt auch, dass er nicht auf tierische Produkte verzichten möchte. Wir probieren viele Rezepte aus, einiges schmeckt ihm und er isst mit Freude. Anderes geht für ihn gar nicht. Aber auch das ist ok. Es ist zwar Aufwand, aber manchmal kochen wir dann eben zwei Gerichte bzw. Versionen des Gerichts. Aber ich mache das gern.
    Wie Viola auch schon gesagt hat: Kommunikation ist wichtig. Auch wir tauschen uns täglich über unseren Alltag aus, einfach um auf dem Laufenden zu sein und am Leben des anderen Teil zu haben.
    Wir versuchen auch, Sport als gemeinsame Aktivität zu etablieren. Das passt nicht immer jede Woche, aber wir probieren, einmal pro Woche zusammen klettern zu gehen, zu laufen, am Wochenende machen wir mal eine Wanderung. Die Motivation ist stärker zu zweit, ich habe jemanden, der mich antreibt, meine Gewohnheit einzuhalten und umgekehrt.
    Im Moment versuche ich, jeden Tag Yoga zu machen. Das mache ich nicht gerne, wenn er dabei ist, deshalb muss ich mir das so legen, dass ich Zeit für mich habe jeden Tag. Klappt aber auch.
    Von daher: nur Mut! Für mich ist es schöner zu zweit, alleine würde ich wohl weniger Sport machen und nicht so oft kochen. :-)
    Viele Grüße

    • Hallo Cora,

      danke für deinen Kommentar. Schön wenn ihr so eine gute Balance gefunden habt. Vieles davon kommt mir bekannt vor :-)

      Viele Grüße

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