10 positive Emotionen, die dein Leben verbessern

Vor Kurzem schrieben wir über Negativität und wie wir sie im Alltag reduzieren können. Schließlich sind wir jeden Tag von negativen Einflüssen umgeben und nehmen diese auch noch viel stärker wahr als positive Ereignisse. Wir können aber noch einen drauf setzen und uns nicht nur gegen negative Erlebnisse sondern bewusst für positive Erlebnisse entscheiden.

Positive Emotionen reduzieren Stress und Anspannung. Sie machen uns kreativer und erhöhen unsere Kapazität fürs Lernen. Daher versuchen moderne Unternehmen ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz zu bespaßen. Sie sind dann einfach leistungsfähiger. Es genügt schon, vor einer schwierigen Aufgabe an etwas Schönes zu denken oder ein Stück Schokolade zu essen, um bessere Lösungen zu erzielen.

In erfolgreichen Teams gibt es mehr positive als negative Emotionen. Die Wissenschaftler Marcial Losada und Barbara Fredrickson errechneten sogar ein angeblich ideales Verhältnis aus Positivität und Negativität. Demnach brauchen Mitarbeiter für jede negative Erfahrung (z.B. Kritik, Misserfolge, nervige Kunden) drei positive Erfahrungen (z.B. Lob, Spaß, Stolz) um gute Leistungen bringen zu können. Zwar ist diese sogenannte „Losada Ratio“ von 3:1 bereits widerlegt worden. Dennoch sensibilisiert sie dafür, dass wir ganz bewusst darauf achten sollten, mehr positive Emotionen zu erleben. Die negativen Erlebnisse kommen meist von allein. Für die positiven muss man etwas mehr tun.

Positive Erlebnisse durch positive Erwartungen

In einem der letzten Artikel erwähnten wir bereits den Tetris-Effekt. Den können wir uns zunutze machen, um unsere positiven Erlebnisse im Alltag zu erhöhen.

Der Tetris-Effekt beruht auf einer Studie, deren Teilnehmer über mehrere Tage exzessiv Tetris spielten. Nach einer Weile waren die Probanden so sehr in ihr Spiel vertieft, dass sie anschließend auch in der realen Welt überall Tetris-Formen erkannten, die sie im Kopf versuchten anzuordnen.

Dieser Effekt verdeutlicht, wie sich unser Gehirn Schemen antrainiert, in denen wir gefangen bleiben. Unser Gehirn diktiert uns dann, wie wir die Welt sehen. Deshalb finden einige Menschen überall Fehler oder kritisieren alles und jeden, deshalb wollen Manager auch im Privatleben effizient sein und deshalb sehen sich ambitionierte Athleten im Wettbewerb mit jedermann. Das ist auch der Grund dafür, wenn auf der Straße plötzlich jeder „dein“ Auto fährt, nachdem du es gekauft hast oder wenn ein älterer Song, den du erst seit letzter Woche kennst, nun gefühlt im Radio rauf und runter läuft. Vieles von dem, was wir wahrnehmen, ist lediglich eine Frage des Fokus!

Der Tetris-Effekt funktioniert für positive wie auch für negative Schemen. Da wir uns auf natürliche Weise zu negativen Dingen hingezogen fühlen und diese zuerst sehen, übernehmen wir häufig diese negativen Schemen. Immer nur Schlechtes zu sehen, kostet uns jedoch Kreativität, Motivation und letztendlich den Erfolg. Für mich als Introvertierten ist das vielleicht sogar ein besonderes Problem. Wir sind dafür bekannt, an jeder noch so guten Idee den Haken zu finden. Das ist oft nützlich, schränkt uns aber auch ein.

Wir können den Tetris-Effekt aber auch für unsere Zwecke nutzen, wenn wir uns bewusst auf positive Emotionen konzentrieren. Etwas Positives zu erwarten, macht dessen Eintritt wahrscheinlicher. Unser Gehirn lässt schließlich nur das durch, was zu unserer Erwartungshaltung passt. Alles andere nehmen wir kaum wahr.

Die zehn positivsten Emotionen

In ihrem Buch Die Macht der positiven Gefühle stellt Barbara Fredrickson die aus ihrer Sicht zehn positivsten Emotionen dar. Darunter sind einige, die wahrscheinlich nicht jeder auf dem Radar hat – die uns aber glücklicher machen. Wenn wir sie kennen, können wir gezielt Situationen kreieren, in denen wir diese zehn Emotionen spüren.

1. Freude

Freude ist eine emotionale Reaktion auf eine schöne Situation, eine liebenswerte Person oder auf Erinnerungen. Sie beruht auf den Erlebnissen, an die wir noch lange gern zurückdenken. Du sorgst für mehr Freude in deinem Leben, wenn du hin und wieder besondere Situationen mit besonderen Menschen erlebst (z.B. eine Reise, ein Konzert, ein Sonnenuntergang). Solche Erlebnisse sind für unser Glücksempfinden viel wichtiger als materielle Dinge.

2. Dankbarkeit

Dankbar zu sein für all die guten Dinge im Leben, ist eine positive Emotion. Im hektischen Alltag kommt Dankbarkeit häufig zu kurz. Du kannst dir aber gezielt Zeit dafür nehmen. Wir schreiben z.B. jeden Tag jeweils drei gute Dinge auf, die uns passiert sind. Du könntest auch einem lieben Menschen Anerkennung zeigen oder eine dankende E-Mail schreiben.

3. Gelassenheit

Gelassenheit spüren wir, wenn alles in unserem Sinne verläuft. Es gibt keine Schuldgefühle und keine Sorgen – nur Ruhe und Zufriedenheit.
Ich wette, dass viele diese Emotion kaum noch kennen. In unserem Leben passieren so viele Dinge, die uns stressen. Für mehr Gelassenheit empfehle ich, dir bewusst Zeit mit dir allein zu gönnen. Diese kannst du z.B. mit Entspannungsübungen oder Meditation verbringen. So arbeitest du daran, dich nur auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Nicht auf die Schuldgefühle der Vergangenheit oder die Sorgen der Zukunft. Gelassenheit gibt es nur im Jetzt. Hier findest du unsere Anleitung für mehr Gelassenheit sowie Tipps zum gelasseneren Umgang mit deinen Mitmenschen.

4. Interesse

Unseren Leidenschaften nachzugehen, ist ebenfalls ein sehr angenehmes Gefühl. Neugierig sein, sich für etwas engagieren, dazulernen wollen: Das ist Interesse. Nimm dir Zeit dafür, an deinen Leidenschaften zu arbeiten und darin besser zu werden. Du wirst dich gut damit fühlen.

5. Hoffnung

Hoffnung ist das optimistische Gefühl, dass alles gut wird. Dass unsere Probleme zu lösen sind und bald alles besser ist. Ein solch hoffnungsvoller Ausblick erhöht in jedem Fall die Wahrscheinlichkeit, dass es so eintritt (Tetris-Effekt). Aber nur, wenn du auch etwas dafür tust. Wenn du deine Situation aktiv beeinflussen kannst, dann mach das auch, um diese positive Emotion zu verstärken. Je mehr du tust, desto berechtigter ist deine Hoffnung.

6. Stolz

Stolz bin ich auf die Dinge, die ich leiste. Sie geben mir ein Gefühl von Bedeutung in der Welt. Meine Leistungen ergeben einen Sinn, wenn sie für meine Mitmenschen einen Wert bieten. Dann kann ich stolz sein, und das fühlt sich gut an.
Du musst nicht gleich die Welt verändern. Schon selbstlose Kleinigkeiten lassen dich diese positive Emotion spüren.

7. Heiterkeit

Vergnügt zu sein und zu lachen ist eine der auffälligsten positiven Emotionen. Heiter sind wir manchmal unter Menschen oder wenn wir ein lustiges Buch lesen, einen humorvollen Film gucken. Ich schaue mir besonders gern Stand-Up-Comedy an.

8. Inspiration

Inspiriert werden wir durch Menschen, die Gutes oder Außergewöhnliches leisten, das vorher unmöglich schien. Dieses Gefühl motiviert uns dazu, unseren Hintern hochzubekommen und selbst aktiv zu werden. Wenn du in einem Bereich deines Lebens voran kommen willst, dann suche dir Gleichgesinnte oder Vorreiter, die dich inspirieren. Möchtest du z.B. gesündere Gewohnheiten etablieren, dann bist du hier genau richtig.

9. Erstaunen

Wir geraten in Erstaunen, wenn wir ein Naturspektakel beobachten oder manchmal auch bei hoher Kunst. Diese Dinge lassen uns erkennen, dass wir im Gesamtkontext sehr klein sind und dass auch unsere Probleme nicht so groß sind wie sie auf uns wirken.
Wenn du das nächste Mal in der Natur bist, lass sie mal wieder ganz bewusst auf dich wirken. Den Sonnenuntergang, das Meeresrauschen, den Wind, die Bäume oder das Vogelzwitschern.

10. Liebe

In einer Top 10 der Emotionen darf Liebe nicht fehlen – das Gefühl, sich zu anderen Menschen hingezogen zu fühlen. Es tritt verstärkt auf, wenn wir mit diesen Menschen die anderen positiven Emotionen gemeinsam erleben. Gemeinsame Leidenschaften, gemeinsame Heiterkeit oder gemeinsames Staunen über die Wunder der Natur.

Diese zehn positiven Emotionen sollen den größten Einfluss auf unser Leben haben. Wenn du diese positiven Emotionen zu deiner Gewohnheit machst und gleichzeitig die Negativität in deinem Umfeld reduzierst, wirst du ein gutes Verhältnis von positiven zu negativen Emotionen hinbekommen. Dazu braucht es nicht viel mehr als die bewusste Konzentration auf die schönen Dinge. Aber vor allem braucht es dafür nichts, das du nicht schon in dir hast. All diese Emotionen kannst du ohne Geld oder andere Privilegien verspüren.

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Patrick,

    Vielen Dank für diesen inspirierenden Artikel!
    Der Tetris-Effekt kommt mir sehr bekannt vor. :-) Umso interessanter finde ich es aber, diesen in Zusammenhang mit den positiven Emotionen zu betrachten.
    Leider fällt heutzutage viel zu oft der Fokus auf das Negative. Sich auf das Positive zu konzentrieren hilft dabei ungemein.
    Vor allem Punkt 3 – Gelassenheit ist in meinen Augen enorm wertvoll. Sich nicht über Dinge zu ärgern, die man nicht beeinflussen kann, kann das Leben viel entspannter machen.

    Viele Grüße,
    Jannes

    • Hi Jannes,

      danke für deinen Kommentar!
      Mal gut, dass der Tetris-Effekt in beide Richtungen funktioniert. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit nutzen wir ihn einfach für uns anstatt gegen uns :-)

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