Ausmisten: Wie du entscheidest, was du nicht mehr brauchst

Zum Beitrag

Hier kannst du dir den Beitrag anhören

Vor drei Jahren habe ich mal richtig ausgemistet, den Rest in Kisten verpackt und bin auf Reisen gegangen. Jetzt habe ich sie wieder ausgepackt. Überraschung: Ich muss schon wieder ausmisten. Erst durch den langen Abstand erkenne ich, was ich alles nicht brauche.

Dennoch fällt es mir schwer, mich von meinem Krempel zu trennen. Schließlich hatte ich darin mal einen Sinn gesehen und Geld dafür bezahlt. Es kann also gar nicht so schlecht sein, oder?!

Diesem Irrglauben unterliegen wir alle. Deshalb hängen wir so lange an Dingen fest, die wir schon längst nicht mehr brauchen oder nie gebraucht haben. Aufgrund unserer Entscheidungen in der Vergangenheit messen wir unseren Gegenständen einen hohen Wert bei – mehr, als jemand dafür bezahlen würde. Also lassen wir alles in den Schränken liegen und sammeln immer weiter. Bis unsere Wohnung aus allen Nähten platzt oder wir uns selbst schon von dem ganzen Krempel erdrückt fühlen.

Mit diesem Artikel möchte ich dir eine Hilfestellung bieten, dich von Dingen zu trennen, die du nicht brauchst.

Den Anfang finden

Der Anfang ist das Schwerste. Die Überwindung, jetzt einfach mal auszumisten. Je nachdem, wie groß dein Haushalt ist, weißt du vielleicht gar nicht, wo du anfangen sollst.

Ich schlage vor, in kleinen Projekten zu denken. Dein kurzfristiges Ziel muss ja nicht sein, die ganze Wohnung zu entrümpeln. Beginne stattdessen mit einem kleinen Teil: dem Kleiderschrank, Keller, Arbeitszimmer, Badezimmer, Bücherregal, der Küche, Abstellkammer oder DVD-Sammlung.

Die DVD-Sammlung: ein kleines Projekt

Blocke dir dafür etwas Zeit, z. B. eine Stunde am kommenden Samstag. Informiere dich vorab darüber, wo du deinen Krempel loswirst (unsere Tipps findest du hier). Es gibt für alles eine Abnahmestelle. Die Angst, auf dem Zeug sitzenzubleiben, ist kein Grund nicht auszumisten.

Wenn der Tag gekommen ist, beginne mit deinem kleinen Projekt, indem du alles ausräumst und auf den Boden legst. Nimm jeden Gegenstand in die Hand und entscheide, was damit passieren soll. Räume anschließend nur das wieder ein, was du behalten willst.

Diese Fragen helfen bei deiner Entscheidung

Das klingt ganz einfach, oder? Doch in der Realität ist es schwerer. Für jeden Gegenstand musst du eine Entscheidung treffen, das ist anstrengend. Die folgenden Fragen können dir dabei helfen:

1. Frage: Ist es kaputt?

Fangen wir mal mit einer leichten Frage an. Ist das Ding kaputt? In diesem Fall folgt unweigerlich die nächste Frage: Lohnt sich eine Reparatur? Wenn ja, dann lass es reparieren. Was sich jedoch nicht für einen angemessenen Preis reparieren lässt, kommt bei mir weg.

Je nachdem, was es ist, bekommst du vielleicht noch etwas dafür. Einige Produkte sind sehr wertbeständig. Für mein defektes Macbook Air habe ich letztes Jahr noch 250 Euro bekommen. Hätte ich es behalten, wäre der Wert nur weiter gesunken.

2. Frage: Funktioniert es gut?

Jeder Gegenstand muss unser Leben ein Stück besser machen, sonst brauchen wir ihn nicht. Manche Gegenstände schaffen das aber nur unzureichend. Mein iPhone 4 war so einer. Es hat mich mehr frustriert, als es mir half. Jeder Klick dauerte Sekunden, das war nervig. Irgendwann war es zu viel und ich kaufte mir ein neues Smartphone für 180 Euro. Dieses kann ich nun frustfrei verwenden. Das iPhone ist ein wertstabiles Produkt, sodass ich es noch für etwa 100 Euro verkaufen kann.

Produkte, die mich frustrieren, erfüllen nicht ihren Zweck. Das muss nicht sein. Was nicht funktioniert, kommt weg.

3. Frage: Klebt noch das Preisschild drauf?

Bei mir betrifft das vor allem DVDs. Ich habe heute noch DVDs, die ich vor fünf Jahren gekauft, aber noch nie angesehen habe. Sie sind noch eingeschweißt und das Preisschild klebt drauf. Das macht es noch schwerer, mich von ihnen zu trennen, weil ich sehe, was sie mal gekostet haben. Aber die meisten kommen jetzt weg. Ich behalte nur das, was ich mir kurzfristig anschauen möchte. Wird aus diesem kurzfristig wieder nichts, kommen sie beim nächsten Entrümpeln endgültig weg.

Nicht meine einzige DVD mit Preisschild

4. Frage: Habe ich es doppelt?

Hast du noch drei alte Handys im Schrank liegen, 37 Kugelschreiber in der Wohnung verteilt und vier Dosenöffner in der Schublade? Das brauchst du alles nicht mehr.

Klar, du kannst schon mehr als einen Kugelschreiber behalten. Aber als ich meine Umzugskisten öffnete, fielen mir etwa 30 Stifte aller Art entgegen. Dabei schreibe ich mir höchstens mal einen Einkaufszettel. Und in der Küche hatte ich überflüssige Teller und Tassen stehen. Wie viele Tassen brauche ich wirklich?

Beim Geschirr habe ich mich nun auf ein Maß reduziert, das zur Größe meines Esstischs passt. Der Rest flog raus.

5. Frage: Wo liegt es?

Wo hast du das Ding zuletzt verstaut? Liegt es schon im Keller? Dann kann es höchstwahrscheinlich weg. Was einmal im Keller landet, schafft es nicht mehr nach oben und dort unten wird es nicht besser! Ähnliches gilt für die Rumpelkammer, in der du alles abstellst, was du außer Sicht haben willst.

Handelt es sich um Dinge, die du nach deinem letzten Umzug gar nicht erst ausgeräumt hast? Ich hatte in meiner letzten Wohnung zwei unausgepackte Kisten stehen. Sie standen fünf Jahre lang in meinem Wohnzimmer! Total verrückt, aber so geht’s wahrscheinlich vielen Menschen nach einem Umzug: Es bleiben Dinge übrig, die keinen neuen Platz finden. Das ist ein guter Indikator dafür, dass sie wegkönnen.

Das gleiche gilt für Dinge in Kramkisten oder Dinge, die ganz weit hinten im Schrank liegen, sodass du sie nur schlecht erreichst. Sie sind dort gelandet, weil du sie nicht brauchst.

6. Frage: Wann habe ich es zuletzt gebraucht?

Manche Dinge liegen schon so lange bei uns herum, dass wir uns gar nicht mehr daran erinnern können, wann wir es zuletzt gebraucht haben. Ihr einziger Zweck: Vielleicht brauchen wir sie irgendwann mal. Man kann ja nie wissen.

Das sind jedoch die schlimmsten Gegenstände. Sie belasten mich am meisten, weil sie nur für eine hypothetische Situation da sind, die vermutlich nie eintritt.

In diesem Fall könnte eine Regel helfen: Was ich in den letzten sechs Monaten nicht gebraucht habe, kommt weg. Oder in den letzten 12 Monaten? Jede Regel ist ein bisschen willkürlich. Du kannst dir deine eigene Regel machen. Erstelle diese Regel aber am besten, bevor du über einen konkreten Gegenstand nachdenkst.

Wenn du ihn nur für einen bestimmten Anlass brauchst, frage dich, ob dieser Anlass wirklich in absehbarer Zeit wieder eintreten wird. Wenn du unsicher bist, verweise ich dich auf die nächste Frage.

Schlafsack: 10 Jahre nicht verwendet (auch, weil doppelt)

7. Frage: Wie leicht kann ich es zurückbekommen?

Die meisten Dinge können wir heute innerhalb eines Tages zu einem geringen Preis erneut kaufen. Online-Shops liefern über Nacht und es gibt für fast alles einen Gebrauchtmarkt.

Wenn du dich heute von einer DVD schlecht trennen kannst, weil du dafür nur noch 1,50 Euro bekommst, heißt das auch, dass du sie für 1,50 Euro (+ ggf. Versandkosten) erneut kaufen kannst.

Eine andere Überlegung ist: Kann ich es von jemandem ausleihen? Vielleicht muss ich in meiner Küche nicht alles in zwölffacher Ausführung haben, sondern leihe mir etwas von Freunden für den einen Anlass alle fünf Jahre, in denen ich mal zwölf Leute einlade.

8. Frage: Werde ich es jemals anziehen? (Kleidung)

Bei einigen Kleidungsstücken müssen wir einfach ehrlich zu uns selbst sein: Wir werden sie nie anziehen. Wer weiß, was uns damals geritten hat, sie überhaupt zu kaufen? Vielleicht hatten wir zu der Zeit eine andere Konfektionsgröße oder bekamen das Kleidungsstück geschenkt? Tatsache ist, wir werden es nie tragen.

Ich hatte noch viele Kleidungsstücke in meinen Kisten, die mir zu groß waren. Ich hatte sie für den Fall aufgehoben, dass ich doch wieder an Gewicht zunehmen würde. Momentan denke ich, dass ich über dem Berg bin und das nicht passieren wird. Doch selbst wenn, werde ich keine Kleidung anziehen, die dann sieben Jahre alt ist! Ich würde auch meinen Anzug vom Abiball nie wieder anziehen, nur weil er heute wieder passt. Es ist einfach zu lange her.

Außerdem hatte ich noch andere Kleidung, die ich ehrlicherweise nicht mehr tragen würde. Ein altes Hertha-BSC-Trikot. Ein Abschieds-T-Shirt von einem früheren Job. Zwei Poloshirts mit dem Logo meiner früheren Agentur. Nichts davon würde ich jemals tragen. Vor ein paar Jahren hatten diese Sachen noch einen ideellen Wert für mich, aber jetzt hänge ich nicht mehr dran.

9. Frage: Hat es einen ideellen Wert?

Apropos: Manche Dinge mögen wirklich einen ideellen Wert haben. Für mich sind es ein paar Andenken an meine Agentur (nicht die Poloshirts) und vor allem ist es meine Michael-Jackson-Fansammlung. In meiner Jugend war ich ein großer Fan. Damals war es gar nicht so leicht, all das Zeug zu sammeln. Ebay & Co. gab es noch nicht. Umso schwerer kann ich mich heute davon trennen, obwohl ich keine Verwendung mehr dafür habe.

Ein gängiger Ratschlag ist, ein Foto von den persönlich wichtigen Dingen zu machen und sie dann abzugeben. Dazu kann ich mich noch nicht durchringen. Wahrscheinlich werde ich 90 Prozent abgeben und einen kleinen Teil behalten.

Hoher ideeller Wert: Michael Jackson Schallplatten

10. Frage: Wirst du es (noch einmal) lesen? (Bücher)

Bücher sind ein klassisches Beispiel für Dinge, von denen sich Menschen nur schwer trennen können. Sie machen sich so gut im Bücherregal. Aber es werden immer mehr!

Als ich vor drei Jahren auszog, gab ich viele gelesene Bücher ab. Aber ich behielt alles, was ich noch nicht gelesen hatte. Jetzt – drei Jahre später – habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich sie noch lesen werde. Für fast alle galt: Nein. Damals waren es Impulskäufe, aber heute interessieren mich diese Themen nicht mehr. Mir fehlt es nicht an neuen Büchern. Es gibt genug, die ich noch lesen möchte.

Das gleiche habe ich mich bei gelesenen Büchern gefragt: Würde ich sie noch einmal lesen? Selbst wenn ich mich kaum noch an den Inhalt der meisten Bücher erinnern kann, würde ich fast keines ein zweites Mal lesen. Es gibt nur ganz wenige Bücher, die ich schon zweimal gelesen habe.

In meiner neuen Wohnung habe ich nun sogar auf ein Bücherregal verzichtet. So gibt es einen Grund mehr, gelesene Bücher schnell wieder abzugeben.

11. Frage: Würdest du es noch einmal kaufen?

Wenn die ersten zehn Fragen noch nicht für Klarheit gesorgt haben, versuche es mit dieser Bonusfrage: Wenn du den Gegenstand noch nicht hättest, würdest du ihn noch einmal kaufen?

Lautet die Antwort Ja, solltest du ihn behalten. Würdest du ihn nicht noch einmal kaufen, magst du den Gegenstand nicht wirklich oder brauchst ihn nicht unbedingt. Ein Argument mehr dafür, ihn abzugeben.

Die letzte Überwindung

Die Sache ist eigentlich klar, aber du kannst dich nicht zur Trennung durchringen? Vielleicht geben dir die folgenden Tipps den entscheidenden Ruck:

  • Nimm mehrere Anläufe. Es hilft mir, mich nicht von allem auf einmal zu trennen, sondern eine Woche später noch einmal neu zu überlegen. Im ersten Durchgang fliegt schon viel raus. Wenn der erste Krempel weg ist, fällt es mir im zweiten Anlauf leichter, noch ein paar mehr Dinge zu entsorgen.
  • Kennst du jemanden, der dein Zeug gebrauchen kann? Was für dich überflüssig ist, mag für jemand anderen nützlich sein. Der Trennungsschmerz ist nicht so stark, wenn der Gegenstand in der Familie oder im Freundeskreis bleibt.
  • Lass dir beim Ausmisten helfen. Jemand anderes kann objektiver beurteilen, ob dir ein Gegenstand noch nützt oder überflüssig ist. Die dritte Person spürt den Trennungsschmerz nicht.

Ich hoffe, diese Tipps helfen dir beim Ausmisten. Ist es nicht mal wieder an der Zeit? Wo du dein überflüssiges Zeug loswirst, zeige ich dir hier.

Möchtest du gern radikaler ausmisten? In diesem Artikel zeigen wir dir, dass jedes Dinge, das du besitzt, eine Beziehung ist, die du hast. Dass du unmöglich so viele (gute) Beziehungen haben kannst, wird dir beim Lesen schnell einleuchten.

Teile diesen Artikel

Ähnliche Artikel


23 Kommentare

Kommentare sind geschlossen.