Jedes Ding, das du besitzt, ist eine Beziehung, die du hast

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Dies ist ein Text von David Cain, der kürzlich auf raptitude.com erschien – einem unserer Lieblingsblogs. Das englische Original findest du hier.

Der Artikel dreht sich um die Themen Ausmisten und Minimalismus. Wir sind gespannt auf dein Feedback!


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Ich verbrachte sechs Wochen damit, mehrere Autoladungen von Besitztümern loszuwerden, und drei Tage damit, das zu ordnen, was übrig war. Jetzt sind meine Socken nach Farbe sortiert, meine Wohnung ist größer und zu Hause zu sein fühlt sich an wie Urlaub.

Manche von euch haben mein Experiment mit Marie Kondos The Life-Changing Magic of Tidying Up (auf deutsch: Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert) verfolgt. Für alle anderen, es funktioniert so: du gehst all dein Hab und Gut durch, hältst es in deinen Händen und behältst es nur, wenn es in dir eine Art “Freude” erzeugt.

Das Kriterium klingt ein bisschen merkwürdig, aber es funktioniert überraschend gut. Wenn du ein Ding in deinen Händen hältst, zeigt sich in einer oder zwei Sekunden sein psychologischer Effekt auf dich. In der Theorie ist ein Besitztum, das in dir gemischte oder schlechte Gefühle erzeugt, zu kostspielig für dein Leben. Wenn möglich, werde es los.

Letztendlich wurde ich Hunderte Dinge los. Sauberzumachen dauert jetzt fünf Minuten und alles, was ich zu Hause mache – Kochen, Ausruhen, sogar Putzen – bereitet mir jetzt Vergnügen, statt Mühe. Es fühlt sich an, als gehöre alles, was ich besitze, zum selben Team.

Ich hatte vorher bereits einen „alles-an-Ort-und-Stelle“-Haushalt, daher kenne ich die Euphorie, mehr Platz und keine obdachlosen Besitztümer zu haben. Aufgeräumtheit fühlt sich einfach großartig an, zusätzlich zu dem praktischen Nutzen von mehr Platz und weniger Durcheinander. Doch dieses Mal ist es eine andere Euphorie, weil erstmals nichts mehr in meinem Haus gemischte Gefühle in mir weckt.

Jeder Besitz ist eine Beziehung

Die meisten von uns besitzen viele Dinge, die uns ein schlechtes Gefühl geben. Unbenutzte Geschenke. Klamotten, die nicht passen. Utensilien für Hobbys, die du nie wirklich betrieben hast. Bücher, die du nie lesen wirst. Plastikmüll aus dem Ein-Euro-Laden. Wenn du ein Ding in deinen Händen hältst, wird klar, dass es dich etwas fühlen lässt – Freude, Schuld, Lustlosigkeit, Angst, sehr oft gemischte Gefühle – manchmal sehr stark. Wenn es üblich ist, Hunderte oder Tausende von Dingen zu besitzen, dann tragen wir jedes Mal, immer, die Last von Hunderten oder Tausenden dieser Beziehungen. Es ist folglich sinnvoll, sehr vorsichtig zu betrachten, was wir in unserem Zuhause behalten.

Das Ergebnis der Kondo’schen Art des Ausmistens ist, dass nur noch das übrig bleibt, was in dir Freude oder andere positive Gefühle hervorruft. Wenn du den “KonMari”-Prozess nicht schon durchlaufen hast, ist es ein Gefühl, das du noch wahrscheinlich nie gehabt hast, da wir das “wie-fühlt-es-sich-an”-Kriterium für gewöhnlich nicht anwenden, wenn wir uns Kram überhaupt erst zulegen. Wir kaufen Dinge, weil sie etwas für uns tun, was wir erledigt haben müssen, wir nehmen Geschenke an, die wir nicht gekauft hätten, und wir werden Dinge nicht los, wenn sich unser Geschmack und unsere Werte ändern.

Jetzt, wo mir all mein Kram wichtig ist, behandle ich ihn anders. Es fühlt sich respektlos an etwas auszuschließen, besonders, wenn es ein perfektes Zuhause hat.+

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Ich habe Dinge nach Farben sortiert, einfach weil es sich gut anfühlte. Es macht einen sinnvollen Unterschied: ich habe mich bisher nie zu meinem Kleiderschrank hingezogen gefühlt. Der Kram, der darin hing, war wenigstens zu 50 Prozent abstoßend. Ich verstaue Dinge darüber hinaus in der Vertikale, wo immer es möglich ist. Es spart Platz und nun muss ich nichts mehr aus der Mitte eines Stapels herauskriegen. Ich kann nicht glauben, wie lange ich es mit gestapelten Dingen ausgehalten habe.

Unerwartete Nebenwirkungen

Diese Art des Ausmistens zwingt dich ernste Entscheidungen über deine Identität zu treffen. Du musst dich mit gewissen Wahrheiten auseinandersetzen, wofür du in deinem Leben Zeit und Raum schaffen wirst. Ich habe entschieden, dass ich wahrscheinlich nie A Course in Miracles (auf deutsch: Ein Kurs in Wundern) machen werde und wurde mein Exemplar los. Jetzt, wo ich einen Streaming-Dienst für Musik nutze, entledigte ich mich aller meiner CDs und setzte der Ära ein offizielles Ende. Ich spendete einen Plattenspieler, den ich seit Jahren hortete und gestand mir endlich ein, dass ich nie ein Platten-sammelnder Musik-Typ sein würde.

Alle diese “Abschieds”-Moment sind befreiend. Ein Großteil dieses Prozesses ist sich zu entscheiden, wer du bist und wer du nicht sein wirst. Du kannst nicht vorankommen, wenn du versuchst einen Fuß in jeder Tür zu lassen.

Freudlosen Kram loszuwerden offenbart, dass du nie wirklich hattest, was du glaubtest zu haben. Ich hatte immer viele Klamotten, aber als ich sie auf das reduzierte, was ich tatsächlich anzog und gern anzog, hatte ich kaum noch genug, um einen großen Koffer zu füllen.

Auf einmal ist klar, dass ich nur ein Paar Nicht-Anzug-Hosen habe, das ich tatsächlich anziehe, aber wegen der fünf Paar, die ich nie anzog, schien es, als hätte ich mehr. Das ist, wie ein Paar Hosen zu besitzen und fünf Paar Anti-Hosen. Diese Entdeckung ist entscheidend – jetzt gibt es ein klar umrissenes Problem, während es sich vorher nur so anfühlte, als stünde mir nichts.

Als letztes solltest du Erinnerungsstücke aussortieren. Dabei wurde der psychologische Effekt von Besitztümern am offensichtlichsten. Die meisten Karten, Briefe und selbstgemachten Geschenke in meiner Erinnerungskiste erzeugten in mir bestenfalls gemischte Gefühle. Es schien, als würde ich wichtige Lebensereignisse zelebrieren, indem ich Fotos von ehemaligen Freunden und Briefe von ehemaligen Freundinnen aufhob, aber es fühlte sich gewiss nicht gut an, die Dinge anzusehen. Sie loszuwerden fühlte sich klasse an. Nun habe ich nur noch ein paar auserlesene Geschenke von Menschen, die ich liebe, und jedes davon lässt mich lächeln.

Das war ein Hauptthema in diesem Prozess: Dinge, von denen du denkst, dass sie sich gut anfühlen müssten, fühlen sich tatsächlich schlecht an. Nicht alles, was mein Vater gebaut hat, fühlt sich in meinem Besitz gut an. Wenn ich es nicht benutze, oder es aus einem anderen Grund nicht in mein Leben passt, ist das vorherrschende Gefühl in Verbindung damit Schuld. Ich beschloss diese Dinge loszulassen und nur die zu behalten, die in mir ein wohliges Gefühl erzeugen.

Für die, die darüber nachdenken, es zu tun:

Der Prozess ist nicht perfekt. Du findest viele Dinge, die du behalten musst, die trotzdem keine Freude spenden. Um damit besser umzugehen, liste ich die Dinge auf, die ich irgendwann mit einer angenehmeren Version ersetzen möchte.

Es hört auch nie wirklich auf. Marie Kondo empfiehlt alles mit einem Schwung auszumisten, und du solltest das tun, aber wir legen uns neuen Besitz zu, selbst wenn wir es nicht wollen, und deshalb solltest du auf der Hut bleiben. Behalte das Freude-Kriterium im Kopf, wenn du einkaufst, selbst bei Lebensmitteln.

Viele von euch schrieben, sie könnten das nicht wirklich tun, weil sie mit jemandem zusammenleben, der nicht mit an Bord sei. In diesem Fall, tu es einfach nur mit deinem Hab und Gut.

Noch eine Warnung. Wenn du erst einmal mittendrin bist, ist es leicht, das Freude-Kriterium zu vergessen und zu der Frage „Sollte ich das behalten oder nicht?“ abzuschweifen, was nicht die gleiche Frage ist wie „Macht es mir Freude?“. Wenn du vergisst, was du gerade tust, wirst du am Ende Dinge behalten, von denen du denkst, dass du sie behalten solltest, oder weil du denkst, sie seien „etwas wert“, oder weil du „sie gebrauchen könntest“, und plötzlich erreichst du nichts ohne es zu merken. Vertraue dem Prozess und vergiss den Zweck nicht. Die wahren Vorteile sind emotionaler Natur, und der Prozess dreht sich darum deine emotionale Beziehung zu jedem Ding einzuschätzen.

Unser Besitz ist mehr psychologisch als physisch. Was ein Ding ist, ist weniger wichtig, als was es mit deinem Kopf macht, wenn du es besitzt. Aber es ist schwierig zu sehen, was jedes Ding tut, wenn du den Effekt Tausender solcher Beziehungen gleichzeitig spürst. Deshalb musst du jedes Objekt einzeln betrachten, und daher ist es insgesamt besser, weniger Dinge zu besitzen.

Der wahrscheinlich gängigste Grund, warum Leute ungenutzte Dinge behalten, ist, dass sie „etwas wert“ sind – was bedeutet, dass sie Geld kosten. Aber der echte Wert von Dingen ist das Erlebnis, das sie für uns schaffen. Selbst Dinge mit einem monetären Wert können unsere Erlebnisqualität senken, wenn sie uns schuldig fühlen lassen, Platz rauben, oder uns um Ziele sorgen lassen, zu denen wir uns nicht wirklich verpflichtet haben. Und das Geld ist sowieso schon weg. Die wichtige Frage ist immer: „Wir fühlt es sich an, es zu besitzen?“ und du kannst die Frage in Sekunden beantworten, wenn du es in deinen Händen hältst und fragst.

Fotos: David Cain

 

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