Aufräumen und Wegwerfen beginnt im Kopf


Schon länger habe ich das Gefühl, Ballast abwerfen zu müssen. Zwar bin ich kein Shopping-Fan, habe aber auch noch nie bzw. selten etwas weggeworfen und daher inzwischen recht viel angesammelt: leere Verpackungen, alte Uni-Mitschriften, Visitenkarten, Hinstellerchen, kaputte Kameras, geschenkter Schnickschnack. „Das kann man doch nicht wegwerfen!“ So habe ich bisher gedacht und deshalb den Mammutanteil meiner Besitztümer bei jedem Umzug mitgenommen, platzsparend verstaut und gelegentlich abgestaubt – aber schon lange nicht mehr (oder noch nie) verwendet.  Demgegenüber kann ich die Dinge an zwei Händen abzählen, die ich täglich brauche und wirklich wertschätze.

Den Anstoß zum Ausmisten gibt mir das Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo, das mir Patrick zum Geburtstag geschenkt hat. Ihre Prinzipien kennst du bereits aus dem Artikel „Jedes Ding, das du besitzt, ist eine Beziehung, die du hast„, den ich vor einer Weile übersetzt habe. Das Ziel der KonMari-Philosophie ist, ein aufgeräumteres Leben zu führen. Und das geht nur mit mehr Ordnung – in der Wohnung und im Kopf.

Der Clue dabei ist nicht, alles immer cleverer und platzsparender zu ordnen, sondern zu reduzieren. Ich soll alles wegwerfen, was mich nicht glücklich macht. Das hört sich für mich erst einmal schwierig bis unmöglich an. Schon bei dem Gedanken an die bevorstehenden Entscheidungen regen sich in mir zahlreiche Widerstände: Du kannst es bestimmt irgendwann nochmal gebrauchen!, Geschenke kann man doch nicht wegwerfen! und Vielleicht passt es ja irgendwann wieder!

Level 1: Mein Bücherregal

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Bereits nach ca. 30 Seiten des Buches juckt es mir trotz aller Zweifel in den Fingern. Ich schiebe die moralischen Bedenken zur Seite und knöpfe mir mein Bücherregal vor. Schon länger platzt es aus allen Nähten. Das Aussortieren scheint mir hier am leichtesten zu sein. Ich gehe zunächst wie empfohlen vor und nehme jedes Buch einzeln in die Hand. Nur so könne ich die Antwort auf die einzig wahre Frage spüren: Macht es mich glücklich?

Die Entscheidung fällt mir relativ leicht, u. a. bei den ca. 25 Büchern, die ich Patrick vor ein paar Monaten in überoptimistischer Naivität abgenommen habe. Die meisten interessieren mich mittlerweile nicht mehr. Außerdem fühlt es sich blöd an, so eine lange Leseliste abarbeiten zu müssen.

Die Koch-, Jugend- und Lehrbücher in meinem Regal machen mich ebenfalls nicht glücklich. Das spüre ich schon von Weitem. Ein paar Mal muss ich lächeln, als ich mich an den Kauf einiger Bücher zurückerinnere. Dass ich ernsthaft geglaubt hatte, ich könnte mich autodidaktisch in die traditionelle chinesische Medizin einarbeiten oder mich mit Zitaten aus einem Gelassenheitsbüchlein beruhigen!

Ich werde sentimental bei dem Gedanken daran, wie mich manche Bücher vor vielen Jahren begleitet haben. Wie oft ich sie zur Hand nahm und von Wohnung zu Wohnung schleppte. Ich danke schließlich der Fatburner-Workout-DVD und dem Bauch-Beine-Po-Übungsbuch für ihre Dienste und lege sie zu den anderen in eine Kiste.

Ich lasse mich zunehmend von Marie Kondos Vorgehensweise abbringen und nehme nach einer Weile nicht mehr alle Bücher heraus, sondern beurteile sie aus einem Meter Entfernung. Insgesamt übergebe ich vier Kisten an einen armen DHL-Mann, der sie zu Momox befördern wird, und freue mich über die rund 80 Euro mehr auf meinem Konto. Nach KonMari hätte ich sie wegwerfen sollen, was mir aber doch irgendwie herzlos vorgekommen war.

Gleichzeitig erkenne ich das Problem in meiner Vorgehensweise: Immer noch stehen Bücher in meinem Regal, die mich nicht glücklich machen. Momox kauft sie aber leider nicht an, z. B. weil sie eine Widmung enthalten oder weil das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt die Nachfrage schon übersteigt. Eigentlich müsste ich sie bei Ebay verkaufen, aber aus Zeit- und Lustmangel vertage ich das auf später. Einige Bücher lege ich in eine Zu-verschenken-Kiste, die ich irgendwann auf die Straße stellen will.

Die vor Last durchgebogenen Regalbretter atmen auf. „Für den Anfang ganz gut“, denke ich und lese erst einmal weiter.

Level 2: Mein Kleiderschrank

Ein paar Tage später widme ich mich meinem Kleiderschrank. In diesem Bereich sei das Ausmisten am leichtesten, schreibt Marie Kondo. Man spüre meistens sehr schnell, was zu tun sei. Daher hätte ich eigentlich damit anfangen sollen, aber wenigstens habe ich nun schon etwas Übung.

Der Inhalt meines Kleiderschranks ist überschaubar, denn ich kaufe seit Jahren nur noch ungern Klamotten. Die jeweils aktuelle Mode scheint mir für alle anderen Frauen – nur nicht für mich – gemacht. Außerdem erschöpft mich schon der Gedanke daran, mich in Kaufhäusern durch das Überangebot wühlen zu müssen.

Kurz darauf liegt alles vor mir und lässt mich über die Menge staunen: ein paar Lieblingssachen, Klamotten, die ich tagtäglich trage, viele Teile, die ich aus verschiedenen Gründen kaum anhabe, ein paar Fehlkäufe, Klamotten, die nicht mehr passen, überlassene Strumpfhosen von meiner Oma (danke, aber Größe 46 trage ich nun wirklich nicht!), Trikots und Knieschoner aus längst vergangenen Volleyballzeiten, zweimal getragene Neoprenschuhe, acht Bikinis uvm.

Beim Aussortieren beeile ich mich, um nicht zu viel nachzudenken und Zweifel aufkommen zu lassen. Dann lege ich das Trikot mit meinem Namen aber doch zurück in den Schrank. Es zählt zur Kategorie Erinnerungsstücke, die Marie Kondo aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades stets ans Ende des Ausmistens stellt.

Da auch Taschen und Schuhe zur Kategorie Kleidung zählen, nehme ich sie mir ebenfalls vor. Ich finde Umhängetaschen aus Schulzeiten, Digicamhüllen für Digicams von vor 15 Jahren, kostenlose Kosmetiktäschchen, Schuhe, die reiben und deshalb schon länger arbeitslos im Schuhordnungssystem hängen.

Mit der Zeit gewinne ich an Mut und der Wegwerfhaufen an Höhe. Die meisten Dinge sind wirklich alt und untragbar bzw. unbrauchbar. Daher scheint mir die Mülltonne der einzige richtige Weg zu sein. Nach ein paar Stunden werfe ich mehrere Weihnachtsmann-würdige Säcke weg und fühle mich irgendwie leichter.

Level 3: Unterlagen und Schnickschnack

Als nächstes schaue ich mich mit meinen KonMari-Augen im Arbeitszimmer um. Ich nehme mir den Rollcontainer vor, in dem sich alles mögliche befindet: u. a. kaputte Kopfhörer, Geodreiecke, Tintenpatronen, ca. zweitausend Stifte, ein Tischrechner mit vier Papierrollen zum Einspannen, Spitzer, zwanzig USB-Sticks, Schmierpapier, Batterien ungewissen Ladezustands und gefühlt einhundert Notizblöcke und Klebezettel.

All diese Dinge haben mich von Umzug zu Umzug begleitet. Immer wieder haben sie einen Platz in meinen Schubladen gefunden, ohne dass ich es jemals in Frage gestellt hätte. Jetzt frage ich mich, was mich geritten hat. Wie konnte ich all den Schnickschnack so lange aufbewahren, ohne zu merken, dass er mich kein bisschen glücklicher macht?

Es muss wohl daran liegen, dass ich mich nie getraut habe etwas wegzuwerfen. Schließlich wurde mir beigebracht Dinge wertzuschätzen und sie gut zu behandeln. Das ist wahrscheinlich auch ein guter Zug, so grundsätzlich. Doch als ich mein rieselndes Herbarium und zerknittertes, aber unbeschriebenes Millimeterpapier in den Händen halte, erinnere ich mich an meine Mission und eröffne eine neue Müllkiste. In den nächsten Stunden wandern abgelaufene Gutscheinkarten, Ersatzknöpfe, Muscheln, Magneten, Bastelsachen von vor 15 Jahren, Ausmalhilfen von vor 20 Jahren uvm. dort hinein.

Oft denke ich an meine Zu-verschenken-Kiste, die schon sehr voll ist und darauf wartet, dass ich sie der Öffentlichkeit präsentiere. Doch ich erinnere mich auch an Marie Kondos Rat, niemanden mit seinem Müll zu belasten. Gerade Eltern hätten einen natürlichen das-heben-wir-noch-auf-Reflex, der jedoch nur dazu führe, dass sich der Kram in ihren vier Wänden sammele. Daher lege ich nur ein paar Gegenstände in die Kiste, die noch so gut wie neu und unbenutzt sind.

Level 4: Erinnerungsstücke

Marie Kondo hat Recht: Die meisten Utensilien, die mit mir unter einem Dach wohnen, haben wenig bis nichts mehr mit mir zu tun. Sie stammen aus einer anderen Zeit oder haben ausgedient. Einige bereiten mir sogar negative Gedanken, denn sie erinnern mich an aufgeschobene Projekte (z. B. ungelesene Bücher) oder sind das Produkt längst vergangener Ambitionen (englische Sprichwörter mit einem Übungsheft auffrischen bzw. einen Tanzkurs per DVD machen). Wiederum andere Gegenstände wecken aus anderen Gründen ein schlechtes Gewissen in mir: Es sind Geschenke und Erinnerungsstücke.

Dies ist ein besonders schwieriges Thema und stellt gleichzeitig einen überraschend großen Anteil an den Dingen, die ich ausmisten muss. Viele Geschenke oder Mitbringsel habe ich noch nie oder seit vielen Jahren nicht benutzt. Da wären z. B. diverse Lip-Gloss-Stifte, die nach all den Jahren in einem Kosmetiktäschchen wahrscheinlich ohnehin nicht mehr brauchbar sind, oder überlassene Oberteile, die mir weder passen noch stehen. Und was fange ich mit Espressotassen an, wenn ich keinen Espresso mag und auch keine Maschine dafür habe?

Ich erinnere mich an frühere Gedanken, sie weiterzugeben. Doch damals kam mir mein Kopf in die Quere, denn er ist kreativ darin, mich vom Ausmisten abzuhalten. Er klammert sich auch an Dinge, wenn ich zu ihnen längst keinen Bezug mehr habe, sie nie wieder brauchen werde und nicht einmal gern an sie zurückdenke. Er gibt mir zu bedenken, dass ich in zehn Jahren vielleicht doch nochmal eine Fisch-Vorlege-Gabel gebrauchen oder einen Garantieschein vor Gericht vorweisen können müsse.

Marie Kondo schreibt über Erinnerungsstücke und Geschenke, dass wir uns oft fälschlicherweise auf das vergangene, statt auf das heutige, Ich konzentrieren. Wichtiger sei, wer wir heute sind und wie wir leben wollen. Die Kiste mit Erinnerungsstücken an Verflossene, alte Tagebücher und Fotos haben mehr damit zu tun, wer wir einmal waren. Wenn wir sie schon ewig nicht mehr hervorgeholt und mit positiven Gefühlen betrachtet haben, werden wir es wahrscheinlich nie mehr tun.

Während ich eindeutige Stücke in die Zu-verschenken-Kiste bzw. in den Müll tue, werden meine Zweifel langsam immer stärker. Das Ausmisten der Erinnerungsstücke strengt mich mehr an, als es bei den anderen Kategorien der Fall war. Einige Dinge machen mich traurig, doch gerade deshalb beschließe ich sie loszulassen. Tagebücher, Fotos und andere neutrale Erinnerungen lasse ich vorerst dort, wo sie sind. Vielleicht brauche ich noch eine Weile, bis ich weiß, was zu tun ist.

Das Wagnis: Die Zu-verschenken-Kiste

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Ungefähr drei Wochen hat die Zu-verschenken-Bananenkiste in der Abstellkammer gewartet – u. a. darauf, dass das Wetter und ich gut drauf sind, denn immer wieder bin ich ins Zweifeln gekommen. Ich habe befürchtet, dass ein Tornado aufzieht und meine Sachen vernichtet. Dass ich zu voreilig handle und meine Aktion bereue. Dass ich doch eine Telefonliste hätte anlegen sollen, um alle Bekannten und Verwandten ersten und zweiten Grades zu fragen, ob sie etwas aus der Kiste brauchen. Und ich habe Angst, dass niemand meinen Kram mitnehmen wird.

Irgendwann ist die Entscheidung unausweichlich: Müll oder Straße. Schweren Herzens stelle ich die erste Zu-verschenken-Kiste in meinem Leben an einem heiteren Sonntag auf den Fußweg und vergewissere mich, dass die Dinge darin weder mir noch anderen Freunden oder Familienmitgliedern etwas nützen.

Irgendwie will ich es auch wissen, ob an einem ganz normalen Sonntag jemand vorbeikommen und meine Dinge adoptieren wird. Ein letzter Widerstand regt sich in mir, als ich Rezeptehefte, Stifte, Federmäppchen, Kettenanhänger und anderen Schnickschnack in der Kiste sehe. Ich erinnere mich nochmals daran, dass ich die Anhänger seit vielen Jahren nicht getragen habe, sie eigentlich schon vergessen hatte, und das 30-cm-Lineal sowie die NIVEA-Dose lange genug Platz im Schubfach blockiert haben.

„All diese Dinge machen mich nicht glücklich und es ist legitim sie zu verschenken„, spreche ich in meinem Inneren mantramäßig vor mich hin. Es wird keinen Unterschied machen, ob ich die Gegenstände weiterhin horte oder nicht. Mit einem „Zu verschenken. Schönen Sonntag!“-Zettel versuche ich love zu spreaden und hoffe das Beste.


Nach ein paar Stunden gehe ich zögerlich an meiner Kiste vorbei in der Erwartung, sie unberührt vorzufinden. Doch ich bin überrascht, als schon ein paar Rezeptebücher, die Klamotten und einige andere Dinge verschwunden sind.

Als ich abends wiederkomme, sehe ich gerade noch einen Mann mit einem Fahrrad von dannen ziehen. Er bugsiert vollgepackte Tüten am Lenker und auf dem Gepäckträger vorwärts und wirkt ein bisschen Messi-mäßig auf mich. Sofort regt sich mein Weltschmerz, schließlich wollte ich mit meiner Aktion nicht für (noch mehr) Chaos bei einem anderen Menschen sorgen. „Ob er es nicht trotzdem gebrauchen kann, wissen wir ja nicht :-)“, schreibt mir Patrick per Whatsapp zu meinen Befürchtungen.

Ein paar verbliebene Gegenstände schauen aus der Kiste zu meinen Füßen mit großen Augen zu mir auf. Ein Ingwertee aus Indonesien (sorry, Patrick!), ein Cocktail-Rezeptebüchlein und ein Anhänger haben es nicht geschafft. Ich schwanke zwischen einem mütterlichen Kommt-her-ich-nehm-euch-zu-mir-Reflex und dem Gang zur Mülltonne. Als ich den Deckel schon hochgeklappt habe und mir der übliche Geruch entgegenschlägt, komme ich mir grausam vor. Ich lasse von meinem Plan ab, den Deckel wieder fallen und stelle die Bananenkiste kurz darauf wieder in meiner Wohnung ab.

Ich gewähre den Dingen noch eine Weile Asyl. Zumindest bis zur nächsten Kiste.

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Jetzt bist du motiviert, auch bei dir auszumisten? Hier findest du mehr zum Thema Ausmisten und Minimalismus bei uns im Blog:


Artikelfoto: Kleiderschrank und Ausmisten von Shutterstock


37 Kommentare

  1. Liebe Jasmin,
    mal wieder ein sehr schöner Artikel und immer wieder aktuell.
    Ausmisten ist bei mir schon seit Jahren ein wichtiges Thema. Zuerst, weil man auf 30qm keinen Platz zum Horten hat und nun, weil sich auf der doppelten Größe vorzüglich Horten lässt. Ich hasse dieses Sammeln von Zeug, aber es passiert irgendwie automatisch, auch wenn man seinen Konsum einschränkt. In unserer Konsumgesellschaft scheint mir „Zeug“ eine regelrechte Plage zu sein. Mir gefällt der Minimalismus-Grundgedanke und dass man nur Dinge behält, die man braucht oder einem ein gutes Gefühl geben.
    Das Problem ist dabei für mich weniger, es umzusetzen, sondern es in meiner Umwelt zu etablieren. Z.B. dass ich Geschenke weggebe, wenn sie mir einfach nicht gefallen oder ich sie nicht (mehr) brauche. Manch einer fühlt sich selbst „weggegeben“, selbst wenn es sich um gekauftes handelt. Bei selbstgemachtem kann ich es ja noch ein stückweit verstehen.
    Die erste Geschenktkiste vors Haus stellen ist übrigens die „schlimmste“, danach wird es vom Gefühl her besser. Man hat ja gesehen, dass es angenommen wurde. Und du kannst die Kiste ruhig einen Tag länger stehen lassen. In meiner Gegend (Lindenau/Plagwitz) steht ständig irgendwas vor den Häusern, auch große Sachen wie Heimelektronik oder letztens eine Schlafcouch. Drei Tage später war sie weg ????
    Liebe Grüße und weiterhin gutes Ausrümpeln
    Yvonne

    • Hi Yvonne,

      ja stimmt. Ein Tag länger geht sicher, nur wegen Regen und Tau hatte ich Bedenken 🙂 Aber es sind wirklich nur noch so wenige Dinge, die können dann beim nächsten Mal mit rein. Ja, „Zeug“ ist eine Plage. Es gibt auch gefühlt nicht sooo viele Menschen, die sich mit diesem Thema befassen. Daher ist es manchmal doppelt schwer gegen den Strom zu schwimmen.

      LG Jasmin

    • Hallo Jasmin,
      ich schließe mich Yvonne an. Die erste Kiste ist die schwerste, danach wirds leichter, auch ums Herz herum 🙂 Ich habe vor 2 Wochen auch radikal ausgemistet, da ich nun die kommenden 5 Monate in Litauen bin. Dabei wollte ich natürlich so wenig wie möglich wieder einpacken und daheim bei meinen Eltern verstauen. Insgesamt drei mal habe ich eine Bananenkiste vor die Tür gestellt (große Kreuzung Lindenau/Plagwitz 😉 und sie waren immer leer, bzw. beim dritten Mal war auch die Kiste dann weg.
      Wie lange hast du für deinen Entrümpelungsprozess gebraucht? Wie lange für die einzelnen Kategorien?

      Herzliche Grüße aus Vilnius
      Lydia

      • Hi Lydia,
        meistens habe ich ein paar Stunden am Stück für jede Kategorie gebraucht. Aber es zog sich insgesamt über ein paar Wochen hin. Irgendwie musste ich zwischendurch immer wieder Mut sammeln. Die Kiste stand dann nur einen Tag lang auf der Straße.
        LG nach Vilnius
        Jasmin

  2. Sehr cool!
    Ich interessiere mich sehr für Minimalismus oder zumindest diese Richtung, vielleicht hilft ja auch mir das Buch mal endgültig, bisher hab ichs immer nur so ansatzweise geschafft umzusetzen.. 😀

    Sehr gute Anregungen schon mal. Danke 🙂

    LG

  3. Ein sehr guter Artikel! Deine Gefühle zum Ausmisten kann ich gut nachvollziehen. Aber mit der Zeit wird man besser (auch wenn ich da noch einiges lernen kann…).

    Mich motiviert oft der Gedanke an das Wohnzimmer von Freunden. Sie haben es sehr minimalistisch, aber gemütlich eingerichtet. In der Klarheit dieses Raums fühle ich mich immer sehr wohl, ruhig und gelassen. Wenn ich also einen Anstoß brauche, denke ich an das Gefühl in diesem Wohnzimmer und schon möchte ich dieses Gefühl zu Hause auch haben.

    Ich finde es übrigens vollkommen in Ordnung (um nicht zu sagen richtig), Dinge, die noch gut sind, weiterzugeben. Unter dem Gesichtspunkt Nachhaltigkeit ist Wegwerfen oft Ressourcenverschwendung. Und ich finde es auch schön, wenn die ausufernde Wegwerfmentalität mal etwas eingedämmt wird. Gute Klamotten bringe ich zum sog. Familienmarkt. Dort können Menschen, die von der Stadt als bedürftig eingestuft werden, gegen Vorlage des entsprechenden Ausweises einkaufen. Bücher stelle ich in ein offenes Bücherregal. Diese werden von der Stadt „betrieben“ und jeder kann jederzeit Bücher hineinstellen und herausnehmen. Das funktioniert erstaunlich gut: Ein Bekannter, der ein kleines Geschäft betreibt, von dem aus er einen dieser Schränke im Blick hat, sagt, dass der Schrank wirklich gut genutzt wird (und er selbst holt sich auch immer Bücher heraus, damit er lesen kann, wenn keine Kunden da sind). Andere Sachen (zB Tassen, Vasen, Bürozeug) habe ich auch schon in Geschenkekisten auf die Straße gestellt. Mit einem leicht schlechten Gewissen, weil man das ja eigentlich nicht darf… aber ich habe mir jedes Mal gesagt, was am selben Tag abends noch da steht, entsorge ich selbst. Es war aber nie irgendetwas übrig. Natürlich kann man nicht ausschließen, dass es auch Menschen gibt, die solche Dinge mitnehmen und sie nur bei sich horten. Aber erstens glaube ich, dass der überwiegende Teil tatsächlich auch genutzt wird und zweitens handelt es sich bei einem solchen Angebot ja um freiwillige Handlungen der anderen, für die wir nicht verantwortlich sind. Für mich ist das ein großer Unterschied zum „Aufdrücken“ von Sachen, insbesondere in der Familie oder im Freundeskreis – dort fällt es wesentlich schwerer, Dinge abzulehnen. Wobei es auch immer auf den Tonfall ankommt. Eine gute Freundin legt die Dinge, die sich nicht mehr braucht, oft beiseite und fragt bei einem Besuch, ob man etwas davon haben möchte – aber in einer Weise, bei der ich mich noch nie gedrängt gefühlt habe. Man kann aus so etwas auch mit einer Tauschparty ein soziales Event machen – das macht viel Spaß. Allerdings hat man in der Regel hinterher genausoviel wie vorher. Wenn Platz nicht das Problem ist, kann das aber auch gut sein.

    Liebe Grüße
    Kirstin

    • Liebe Kirstin,
      danke für die ausführlichen Ergänzungen. Für alle Leser, die sich noch damit beschäftigen möchten, wie sie Kram loskriegen, sei dieser Artikel empfohlen.

      Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass ich immer unsicherer werde, je mehr ich mich mit der Art und Weise des Loswerdens befasse. Das bremst mich so (ich will alles richtig machen), dass ich dann letztendlich gar nichts oder deutlich weniger loswerde, z. B. bei den Büchern. Aber klar, kommt auch mir es sonst wie Verschwendung vor.

      LG Jasmin

  4. An mein Bücherregal gehe ich nicht ran. Hier finde ich es wirklich schön zu sehen, wie viele hundert Bücher ich schon gelesen habe, wenngleich ich wahrscheinlich der Einzige bin, der dies schön findet. 😉 Ansonsten habe ich schon sehr, sehr viel aussortiert und es ist wirklich ein befreiendes Gefühl dabei. Niemals habe ich den Gedanken, vielleicht könnte ich dies oder jenes doch noch einmal gebrauchen. Nachteilig ist, dass die ganzen Dinge jetzt in Kisten in der Garage gestapelt sind, weil ich ja schon das ganze Jahr über die Dingen auf dem Flohmarkt verkaufen wollte… 🙂 Daher denke ich, ich werde es auch mal mit so „Zu verschenken“-Kisten probieren. Hauptsache weg…

    • Hi Sascha,
      ja Garagen, Keller und Abstellräume sind tückisch. Auch Marie Kondo spricht diese Dinge an. Sie sagt: alles, was dort sein Dasein fristet, ist sowieso traurig, weil im Dunkeln und Vergessen…
      LG Jasmin

  5. Hallo Jasmin,

    danke für den Artikel! Wenn ich so etwas lese, bekomme ich immer gleich Lust aufs Ausmisten und ein bisschen Vorfreude, weil wir im Herbst umziehen und das der perfekte Anlass ist.

    Wollte noch einen Link da lassen: http://www.wohindamit.org. Die Plattform hab ich kürzlich entdeckt und kann dem ein oder anderen beim Weggeben sicher helfen.

    Liebe Grüße
    Friederike

  6. Ein wirklich schöner Artikel zu einem Thema, was mich aktuell auch sehr beschäftigt. Deine Gedanken, die dich davon bisher abgehalten haben, kenne ich nur zu gut. Noch eine Anregung: Zwischen behalten und wegschmeißen gibt es ja noch die Option des Verschenkens (wie du es mit der Kiste für Bücher & Kleinzeug gemacht hast) und des Spendens. Als ich las, dass du Kleidungsstücke tatsächlich weggeschmissen hast, obwohl es so viele Kleiderkammern in Leipzig gibt, habe ich aus Nachhaltigkeitssicht einen starken Stich verspürt. 😉

    • Hallo Peggy,
      danke für dein Lob. Mein Herz bekam auch einen Stich, ein paar habe ich ja aber auch verschenkt. Ich habe mich in den letzten Jahren immer wieder schlau gemacht, was Klamotten angeht und wie man sie loswerden kann. Dabei habe ich immer wieder gelesen bzw. in Dokus gesehen: bloß keine Container nutzen, denn damit macht man die Textilwirtschaft in Afrika kaputt. Okay. Dann wohnte ich länger in einer Kleinstadt, wo es nichts gab. Hier in Leipzig habe ich im Frühjahr bei einer Sammlung für Flüchtlinge schon einen Müllsack voll gespendet. Das waren die Sachen, die noch tragbar waren. Bei der Ladung, von der ich hier erzähle, waren wirklich alte und z. T. kaputte Sachen dabei. Aber wie gesagt: je mehr Gedanken man sich macht – auch über den Weg des Loswerdens – desto komplizierter wird alles und desto mehr kommt man insgesamt ins Schwanken. Da ich nicht viel kaufe, sondern Bestände von vor 10 Jahren abgebaut habe, denke ich, bin ich im Vergleich zu manch anderem Fashion Victim schon gut dabei.
      LG Jasmin

  7. Liebe Jasmin,

    vielen Dank für den Artikel, vor allem die Beschreibung des sich leichter fühlens. Ich bin auch fleißig am Entrümpeln und fühle mich tatsächlich leichter. Ich hatte es bisher immer nur als befreit darstellen können, aber es ist eigentlich eine Mischung aus leichter und befreit, und je mehr ich weggebe oder entsorge, desto besser fühle ich mich. Ich versuche auch, mein Umfeld davon zu überzeugen, mir keine Dinge mehr zu schenken. Wenn es Geschenke geben muss, lieber gemeinsam etwas Essen gehen oder unternehmen, oder z.B. Gutscheine für eBooks schenken, dann bricht auch das Bücherregal nicht zusammen und ich kann trotzdem lesen… 🙂

    Viele Grüße
    Chrissie

    • Hi Chrissie,
      danke! Ein guter Ansatz 😉 Ja, es ist nicht so ganz einfach, dem Umfeld das schonend beizubringen. Zumindest teilweise haben sich aber auch bei uns mittlerweile Erlebnisgeschenke eingebürgert. Am besten die, die man selbst einfach zusammen macht, weniger fertige Gutscheine, die dann ewig an der Pinnwand hängen und irgendwann verfallen…
      LG Jasmin

  8. Das Problem beim Ausmisten ist für mich dass ich ein Zyklus Mensch bin ich interessiere mich wahnsinnig für eine Sache und schaffe mir die dem entsprechenden Interesse zugehörigen Dinge an (Kochbücher…Sportequipment…etc)ich verliere nur vorübergehend das Interesse und es kann Jahre dauern bis es erneut aufflammt so dass ich viele Dinge schon drei und sogar vierfach wieder gekauft habe. Auf meine Zyklen ist Verlass so daß das gängige Vorgehen (habe ich seit einem Jahr nicht in der Hand gehabt)nicht greift.

  9. toller Artikel. Und Vorsicht beim nächsten Umzug, wenn Schwiegermutter den willigen Umzugshelfern auch noch alles in die Hand drückt, was sie selbst loswerden will – wenn Du ihre Sachen in der neuen Bleibe findest: Sofort wegschmeißen, Du kannst nix davon brauchen (-: So ist es uns damals gegangen.
    Wir nehmen übrigens alles geschenkt an, was Schwiegermutter loswerden will. 95% davon ist Müll, den wir wegschmeißen. Das ist für uns leichter als für sie, da wir keine emotionale Bindung haben.
    Im Buch „Kriegsenkel“ und auch „Kriegskinder“ wird eindrucksvoll beschrieben, daß Horten auch eine Spätfolge des Krieges sein kann, die unbewußt auch an unsere Generation weitergegeben wird, wenn man sich nicht bewußt macht, daß sich die Zeiten geändert haben. Das betrifft die Generation, deren Eltern den Krieg als Kinder erlebt haben. Wer Nachkriegseltern hatte, oder wessen Eltern auf dem Land nicht so schlimm wie in den Städten gehungert haben, kennt diese Problematik wahrscheinlich weniger.
    Die beständigen Sonderangebote in den Supermärkten sind erst in den 90ern entstanden, vorher gab es nur den Sommerschlußverkauf/WSV. Wie mit allen neuen Konsum-Neuerungen (Fernsehen, Mobiltelefone, Smartphones) müssen wir den Umgang damit lernen und trotz der beständigen Gelegenheiten nur langlebige und wirklich „gute“ Dinge zu kaufen. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt, auch wenn man dann wirklich mal was braucht (-:
    Ausmisten fängt beim Einkauf an. Habt Ihr die Tütenregel irgendwo (1 Tüte neu eingekauft heißt, 1 Tüte aussortieren)?

    • Danke für die Tipps und das Lob, Viola. Ich habe keine Tüten-Regel, aber da ich Tüten auch für den Müll verwende, nimmt die Population zumindest nicht stetig zu. Allerdings ist bei meiner letzten Ausmisten-Aktion dann doch mal einiges vom Tütenvorrat in den Müll gewandert. Die waren aber auch wieder teilweise einige Jahre alt…

  10. Liebe Jasmin,
    das ist wirklich ein toller, persönlicher, motivierender Artikel. Danke!
    Ausmisten, Entrümpeln und Ordnung schaffen (in der Wohnung, im Kopf, im Leben) sind Dauerbrennerthemen bei mir. Alles in mir sehnt sich danach, endlich Überblick und Ordnung in meinem Leben zu haben und doch ist es so schwierig für mich.
    Ich habe das Buch von Marie Kondo auch gelesen (und natürlich 100 andere auch noch), auch den zweiten Band (wo man lernt, Dinge japanisch-richtig zu falten…), der hat mich aber nicht so begeistert wie der erste. Egal…
    Trotzdem bin ich immer wieder an übelste Blockaden gestossen und habe mich gewundert, warum es sooo schwer ist und ich bei Entrümpelaktionen richtig körperliche Beschwerden bekommen habe. Manchmal gab es lichte Momente (entweder weil ich wütend war und die entsprechende Energie hatte oder mich im Gegenteil sehr glücklich und sicher gefühlt habe), in denen ich etwas loslassen und weggeben konnte, aber nur wenn ich ganz, ganz sicher war, dass es „ausgedient“ hatte und es mir insgesamt gut ging. Das hat mich echt verzweifeln lassen. Also habe ich weiter gesucht und konnte nicht anders, als irgendwann über entsprechende Literatur und Internetseiten zu stolpern, die sich mit Messies, Angst und Zwang befassen. Da machte es innerlich ‚klick‘ und ich fand mich in den Beschreibungen wieder. Es gibt einen Haufen gute Bücher dazu und natürlich auch viel Schrott. Aber… Was ich verstanden habe ist:
    Messies sind nicht unbedingt die, die in ihren Wohnungen unter schimmeligen Müllhaufen ersticken, auf denen die Ratten tanzen. Das sind die Extremfälle. Es gibt viele Abstufungen und mildere Erscheinungsformen, die trotzdem genauso quälend und lähmend sind und viel Leiden machen. Entscheidend sind die innerpsychischen Prozesse, die Ängste, die Zwänge, die Unfähigkeit, die allgemeine Desorganisation, die alle Messies gemeinsam haben. Dafür gibt es Ursachen (frühe desolate, unsichere „Bindungen“ oder eher eben Nicht-Bindungen, überstrenge Erziehung, Mangel, Misshandlung und Vernachlässigung, Alkoholismus in der Familie… die ganze Batterie) und bei einigen kann eine erzwungene Hauruck-Ausmistaktion sogar dazu führen, dass sie Suizid begehen, weil sie das Gefühl haben, jemand hat ihr Leben weggeworfen. Solange keine gesunde Alternative für all diese „Ersatzobjekte“ gefunden und aufgebaut wird (z.B. gute zwischenmenschliche Kontakte und Beziehungen) und das Gefühl von Sicherheit auf anderer Ebene noch nicht da ist, kann das alte Pseudoleben und die Scheinsicherheit, die aus Ersatzbeziehungen zu Dingen bestehen (weil sie sicherer sind als Menschen) nicht losgelassen werden.
    Ich gehe nun viel sanfter und liebevoller mit mir um, weil ich verstehe warum ich so bin und warum es mir so schwer fällt und so lange dauert. Ich beneide alle, die eine Hauruck-Aktion hinkriegen und denen es danach gut geht. Ich weiß nun, dass mein Weg ein anderer ist und ich erst noch viel für mich tun muss. Es dauert einfach länger, aber es wird, Schritt für Schritt.
    Will sagen es gibt nicht DIE eine, ultimative Entrümpelungstechnik. Wenn Unordnung und Sammeln ein „Symptom“ sind, dann muss man erstmal hinter die Chaos-Kulisse schauen und eventuell etwas anders vorgehen. Ich bleib dran und bin nun viel hoffnungsvoller, dass auch ich das schaffen kann, wenn ich eine Methode und ein Tempo wähle, das zu mir passt. Wenn ich dabei liebevoll vorgehe und mich nicht zwinge, nur weil Minimalismus grad so in Mode ist.
    Die Ängste und Symptome verschieben sich sonst und kommen zur Hintertür wieder rein.
    Man ist nicht zu blöd, wenn man es nicht so radikal schafft, sondern vielleicht noch nicht sicher genug im Leben, um sich auf die „Essenz“ zu beschränken. Man muss innerlich reich sein, um äußerlich minimalistisch zu leben. Solange „da drinnen“ nur Leere ist, braucht es den „Halt“ im Aussen, bis man innerlich aufgefüllt ist. Hat das einer verstanden??? Na ja.
    Das dazu. Ich bleib jedenfalls dran.

    • Ich hab’s verstanden! Danke, Martina, für deine ausführlichen Gedanken und die absolut wichtigen Ergänzungen. Ich merke deinen Worten an, dass du schon sehr tief im Thema drinsteckst – viel tiefer als ich! Es klingt plausibel, dass „Messis“ nicht einfach nur zu wenig aussortieren, sondern tiefergehende Probleme haben. Und die Übergänge zum gesunden, aber trotzdem sehr ängstlichen, Sammler sind wahrscheinlich fließend. Jeder von uns hebt Dinge auf, weil er dafür irgendwelche Beweggründe hat, an etwas festhält, etwas kompensieren möchte – oder einfach noch nie daran gedacht hat es wegzuwerfen. Für viele ist es sicher auch kein Problem. Wie immer bestimmt der Leidensdruck, ob es sich um ein Problem handelt oder nicht…
      Kurzum: ich stimme dir zu, dass eine radikale Hau-ruck-Aktion nicht hilft, wenn die tiefliegenden Probleme nicht geklärt sind. Trotzdem hoffe ich, dass der Artikel auch die weniger schwierigen Fälle anspricht.

  11. Liebe Jasmin,

    mit deinem Artikel beschreibst du mein Verhalten, an alten Erinnerungsstücken festzuhalten. „Vielleicht kann ich das nochmal brauchen.“
    Danke, dass du deine Erfahrung mit uns teilst, das motiviert direkt zum Mitmachen!

    Viele Grüße
    Heike

  12. Super Artikel und wunderbare Kommentare (Danke auch an die andere Martina! 🙂 )

    Ich wollte nur einen Tipp für alle geben, denen das „ab in den Müll“ zu grausam erscheint (könnte ich niemals mit Büchern tun) und bei denen das mit der Kiste wegen des Wetters nicht klappt – es gibt zB auf facebook Gruppen wie: „Free your stuff“ – in Nullkommanix ist man seine Dinge dort zB an Studis los, die vielleicht genau nach diesen Dingen suchen.
    Auch Oxfam-Läden nehmen nicht nur noch tragfähige Kleidung, sondern auch Krimskrams /Geschenke der Schwiegermutter oder Souvenirs aus einem längst vergangenen Urlaub. 🙂
    Ansonsten werde ich mich nach langjährigem Besitz des Buches „simplify your life“ auch mal wieder auf die Entrümpelsocken machen. Tut selbst in kleinem Maßstab schon gut, auch wenn man den großen Wurf noch nicht hinbekommen sollte. Dann ist man wohl einfach noch nicht so weit. 🙂

    • Danke, Martina. Das sind gute Tipps. Mit den Gruppen hat Patrick auch schon einige Erfahrungen gemacht. Das klang mir meistens zu anstrengend (mit Leuten schreiben, auf Fragen antworten, Termine ausmachen, warten, neue Termine ausmachen usw.), aber es ist definitiv auch eine Möglichkeit.

  13. Danke! 🙂 (Martina an Martina G.)

    Ich nutze – da ich nicht auf facebook bin – auch hin und wieder ebay-kleinanzeigen. Ist manchmal tatsächlich ein wenig aufwändig und ich bin da auch viel wählerischer geworden in der Entscheidung, ob sich der Aufwand tatsächlich lohnt. Oft klappt es auch super, wenn man etwas verschenken möchte, was noch tadellos ist, was man aber schlecht verkauft kriegt. Dann geht das Loslassen gleich viel leichter. 😀 Gerade bei Büchern, die Momox o.a. nicht mehr nehmen. Da habe ich für alles Mögliche schon ein neues Zuhause gefunden. Spenden an Umsonstläden oder Brockensammlungen ist die letzte „Waffe“. Wenn die es dann wegwerfen, weiß ich nichts davon und es tut mir nicht so weh, als wenn ich es selbst mache. Aus den Augen aus dem Sinn… Manchmal schaffe ich es aber auch ganz verwegen etwas (Gedrucktes!) ohne Reue selbst in den Müll zu werfen. 🙂

  14. Hallo Jasmin

    Als regelmässiger Leser eures Internetauftritts drängt es mich nun, in die Tasten zu hauen und erstmals einen Artikel zu kommentieren. Danke für die interessanten und inspirierenden Gedanken.

    Das Thema „Aufräumen“ beschäftigt mich seit 12 bis 14 Monaten. Seit Sommer 2015 arbeite ich 80 statt 100 Prozent und fand so Zeit, um einige Dinge zu bereinigen. Dabei geht es mir indes nicht nur um die materiellen Aspekte: Mir tut und tat es auch gut, Strukturen aufzubrechen – auch, wenn das etwas hochgestochen tönt.

    Damit meine ich beispielsweise Mitgliedschaften oder Abonnemente. Fühle ich mich einer Organisation oder Institution nach vielen Jahren überhaupt noch verbunden? Lese ich diese Zeitschrift oder landet sie meist unberührt im Altpapier? Das sind Fragen, die mich beschäftigen.

    Das kulminierte sich in der Tatsache, dass ich vor kurzer Zeit gar meinen Festnetzanschluss kündigte, weil alles über das Handy läuft und ich kaum mehr damit telefonierte. Und irgendwie fühlt es sich äusserst befreiend an, „Ballast“ abzuwerfen. Ich hoffe, diesen Prozess in vielerlei Hinsicht weiterverfolgen zu können.

    Denn ich möchte mich beruflich verändern, den nächsten Schritt machen und mein Glück finden. Ich glaube, dass dieser Weg über das „Aufräumen und Wegwerfen“ im privaten Bereich führt. Und damit schliesst sich der Kreis – und wir sind wieder beim Titel.

    Beste Grüsse, Pascal

    • Hi Pascal,
      danke fürs In-die-Tasten-hauen! Ich freu mich über das Feedback. Zwar wissen wir ja von unseren ersten Artikeln, dass Ausmisten viele beschäftigt, aber dieser Anklang hat mich dann doch überrascht.
      Das Ausmisten bei Abos & Co. kenne ich auch. Auch da geht es im Kopf los, das kann ich voll und ganz unterschreiben.
      Ich wünsch dir alles Gute bei der beruflichen Veränderung!
      LG Jasmin

  15. Hallo Jasmin!
    Es tut so gut, Dinge loszulassen. Durch den Artikel, der iben verlinkt ist, bin ich auch vor einer Weile zu KonMari gekommen und miste seitdem die Wohnung aus. Ich habe mich vorher richtig beengt und erdrückt gefühlt und merke, wie jedes Ding, das weniger in der kleinen Wohnung umist, mir guttut. Von daher muss ich etwas aufpassen, was ich aussortiere. Ich habe, ihne es überhaupt zu vemerken, sämtliche warmen Pullover und fast alle langärmligen Oberteile weggegeben. Bisher war das kein Problem, ich bin gespannt auf den Winter (oder ziehe dann spontan ins Warme 😉 ). Mein Freund ist außerdem sauer, dass wir keine kleinen Teller mehr haben.
    Das Ausmisten mit zwei Kleinkindern ist allerdings sehr langwierig. Ständig schenken die Großeltern neues Spielzeug, die Kinder brauchen laufend neue Klamotten, … Und: Ständig werden die Stapel, die ich sortiere, wieder durcheinander gewühlt, wenn ich nicht sofort alles wegbringe. Deswegen habe ich nun auch mit Verschrnkkisten angefangen. Vorher hatte ich alles bei Facebook in Verschenkgruppen gestellt, aber das war mir auf Dauer zu stressig. Fotos machen von allen Sachen und hochladen, organisieren wann wer zum Abholen kommt. Die Kiste ist wesentlich entspannter und es geht fast alles weg!

    Ich hoffe, du kannst deinen neugewonnenen Freiraum genießen! Der Tee klingt übrigens lecker, den würde ich glatt nehmen 😉

    Viele Grüße
    Christin

    • Hi Christin,
      ja, in Gemeinschaft ist es nicht so leicht, als wenn man nur bei sich allein ausmistet. Das kann ich gut nachvollziehen! Und dass sich bei Eltern noch viel mehr unfreiwillig ansammelt, habe ich schon oft beobachtet. Dafür fehlt mir – auch mangels eigener Erfahrung – das Patentrezept. Es geht wahrscheinlich auch nicht ohne eindeutige Ansagen an Schenkende, aber die landen bestimmt auch oft im falschen Hals. Schade, dass dieses Thema immer noch irgendwie exotisch für viele ist…
      Viele Grüße
      Jasmin

  16. Das Buch hab ich vor einiger Zeit auch gelesen und mittendrin schon angefangen, es umzusetzen.
    Sie schreibt im Buch immer von Wegwerfen, weil es wohl in Japan nicht üblich ist, Sachen zu verkaufen, weil noch die Energie des Vorbesitzern dran haftet. Insofern, wenn man „wegwerfen“ im Kopf durch „weggeben/verkaufen“ ersetzt, ist das System super.
    Hab trotzdem nicht ganz durchgehalten und muss mal wieder ran. 😀
    Das Schlimmste ist, anzufangen und das Zeug wirklich auch rauszuschaffen.

    • Hi Claudia,
      stimmt, so habe ich das noch nicht gesehen, aber richtig, sie erwähnt oft die Energie. Dabei dachte ich, dass es nur ihre eigene Interpretation ist, aber klar – scheint eine kulturelle Sache zu sein.
      Klar, fühlt sich Weggeben oder Verkaufen besser an, aber wie gesagt: es bremst mich auch, wenn ich mir darüber zu viele Gedanken mache.
      Viele Grüße
      Jasmin

  17. Hi Jasmin,

    Ein schöner Artikel! Willkommen im leichteren Leben! Ich sehe in Berlin oft solche „zu-verschenken-Kisten“, vielleicht steck dahinter ja auch eine ähnliche Geschichte. Ich kann mir vorstellen, dass es einiges an Überwindung gekostet hat, die Sachen vor die Tür zu stellen. Ich hab glücklicherweise vor diversen Umzügen schon sehr gut ausgemistet und nun kaum das Gefühl, viel unnötiges Zeug zu haben. Für Papierkram & co vertraue ich mittlerweile auf die magische Formel „erledige es sofort“ und fühle mich damit auch direkt unbeschwerter…

    viele Grüße,
    Nina

  18. Hi Jasmin,
    ich finde diesen Artikel ganz toll. Ich bin ja eher der unordentliche Typ und habe Gott sei Dank einen Partner, der mich immer wieder dazu ermutigt oder zwingt mit ihm zusammen die Bude auszumisten. So haben wir unseren vollgestopften Keller erst letztens halbiert und dabei viele Sachen auch verschenkt. Ein tolles und befreiendes Gefühl.
    Was den Kleiderschrank angeht, da habe ich die Capsule Wardrobe Methode für mich entdeckt. Über die schreibe ich auch auf meinem Blog. Es geht dabei darum aus so wenigen Kleidungsstücken so viel Mode wie nur möglich zu machen. Mir hat das ganze sehr geholfen, da ich eine ganze Weile so wie du gedacht habe: Mode das ist etwas für die anderen. Dank dieses Konzepts habe ich aber wieder richtig Spaß an der Mode. Bin aber immer noch eher eine Online-Shopperin 😉

    LG Anne

  19. Vielen Dank für diesen Bericht. Eine Freundin von mir hat vor kurzem Ihren Speicher ausgeräumt und so viel weggeworfen und entrümpelt, dass Sie einen Containerdienst beauftragt hat. In jedem Fall fühlt man sich danach leichter und besser.

  20. Hi, hatte gerade den mdr-Artikel gelesen, in dem du erwähnt wirst. Ich hatte vor kurzem versucht meinen ganzen Ramsch per An- und Verkauf loszuwerden, aber alles wollten die nicht. Tja und jetzt lese ich, dass es da sowas wie ne Bewegung gibt xD

    Bücher bekommt man auch ganz gut über öffentliche Bücherregale los, in Chemnitz gibt’s da z.B. eins. Manche Bücherläden nehmen auch gebrauchte. (Momox soll ja manchmal auch besch…)
    Kleidung ist was fürn Second-Hand oder ne Spende.
    (Wegschmeißen find ich im Zeitalter der begrenzten Ressourcen unangebracht.)
    Abr die Idee mit dem auf den Fußweg stellen hat auch was.

    Schönen Blog haste 🙂

    • Hallo Nico,

      danke für das Lob! 🙂 Wie man Dinge loswerden kann, hat Patrick übrigens in diesem Artikel beschrieben. Auch in den Kommentaren haben Leser viele Tipps beigesteuert.

      Viele Grüße
      Jasmin

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