Warum es sich nicht lohnt der Masse zu folgen

Wir alle neigen dazu, uns bei wichtigen Entscheidungen an unseren Mitmenschen zu orientieren. Wir beobachten sie und wenn sich ihr Verhalten bewährt hat, ahmen wir es nach. Damit – so unsere Rechtfertigung – können wir zumindest nicht falsch liegen. Allerdings ist dabei auch nicht mit besonderen Erfolgen zu rechnen. Wir bekommen bestenfalls das, was die anderen auch haben, aber oft nicht einmal das. Wenn wir der Masse folgen, ist ein unterdurchschnittliches Ergebnis wahrscheinlicher.

Wer in den Urlaub fährt, wenn alle fahren und an einen Ort, den alle besuchen, wird vermutlich nicht die bestmögliche Reise erleben, sondern allenfalls eine durchschnittliche. Wer in einen Stadtbezirk zieht, in dem alle leben wollen, zahlt die höchsten Mieten und bekommt insgesamt wenig für sein Geld. Wer jetzt Bitcoins kauft, weil der Kurs in den letzten 12 Monaten um 900 Prozent zugelegt hat und alle Kollegen, Nachbarn und Verwandten ebenfalls „investiert“ sind, muss mit schlechten Renditen rechnen – vermutlich sogar negativen. Der Horde zu folgen, lohnt sich einfach nicht. Die besten Ergebnisse erzielen jene, die zuerst einen anderen Pfad wählen, (dem dann die anderen folgen).

Aus beruflichen Gründen und persönlichem Interesse spreche ich zurzeit mit Menschen, die sich in ihrem Verhalten von der Masse abheben und die damit außergewöhnliche Ergebnisse erzielen. Sie suchen ihr Glück nicht im neuesten iPhone, im sportlichen Auto oder im Restaurant, sondern in der Freiheit und erreichen diese durch eine genügsame Lebensweise. Das Geld, das sie nicht verkonsumieren, investieren sie in ihre Bildung sowie in Immobilien und in Unternehmensbeteiligungen. Dadurch ermöglichen sie sich einen sehr zeitigen Abschied aus dem Arbeitsleben oder Teilzeitmodelle, Sabbaticals und radikale Karrierewechsel.

Ganz im Gegensatz zum Durchschnittsbürger, der von der Hand in den Mund lebt. Mit Interesse verfolge ich die Serie „Kontoauszug“ bei ZEIT Online, in der jede Woche Menschen ihre Einnahmen und Ausgaben vorstellen. Bis auf wenige Ausnahmen gilt für alle das gleiche: Egal, wie viel Geld sie verdienen, am Ende des Monats bleibt nichts übrig. Ans Alter denken sie bestenfalls im Konjunktiv: „Man müsste mal…“. Diese Menschen tun, was alle tun. Sie konsumieren so viel, wie sie sich erarbeitet haben. Es geht ihnen nicht schlecht, aber sie werden für immer abhängig von ihren Arbeitgebern und der allgemeinen Wirtschaftslage sein.

Die Menschen, mit denen ich spreche, ziehen auch nicht auf Teufel komm raus ins Eigenheim, nur weil man das als junge Familie so macht. Sie wohnen lieber zur Miete, weil das oft die bessere Rendite verspricht und wenn sie doch eine Immobilie kaufen, dann mit Bedacht. Sie übernehmen sich nicht. Genau das tut die Masse. Sie kauft Wohnungen und Häuser, weil die Zinsen historisch niedrig sind. Da muss man zuschlagen! Blöd nur, dass genau deswegen die Preise historisch hoch sind. Weil alle kaufen wollen, erhält jeder Einzelne wenig fürs Geld. Was jedoch alle gemeinsam haben, sind 30 Jahre Verschuldung und Abhängigkeit.

Es zeigt sich immer wieder im Leben: Der Masse zu folgen, zahlt sich nicht aus. Deshalb gilt, was Mark Twain bereits im 19. Jahrhundert gesagt haben soll: „Wann immer du dich auf der Seite der Mehrheit befindest, ist es Zeit, innezuhalten und zu reflektieren.“1 Es ist natürlich schwer, sich von der Meinung der Masse zu distanzieren und einen anderen Pfad zu beschreiten. Doch wenn es leicht wäre, würden es ja alle machen.

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Quellen

  1. Frei von mir übersetzt. Im Original lautet das Zitat: „Whenever you find yourself on the side of the majority, it is time to pause and reflect.“

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