Warum du keinem Experten trauen solltest

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In einer Zeit, da jeder einen Blog schreiben, Bücher veröffentlichen und seinen eigenen Videokanal betreiben kann, sprießen Experten zu allen denkbaren Themen wie Pilze aus dem Boden. Das ist einerseits gut, weil man nicht mehr die Erlaubnis von Verlagen, Zeitungen und Fernsehsendern braucht, wenn man etwas zu sagen hat. Diese Gatekeeper verlieren ihre Relevanz. Für den Konsumenten hingegen ist es schwerer geworden, die Qualität einer Information zu bewerten. Er kann sich nicht darauf verlassen, dass jemand für ihn die Spreu vom Weizen trennt.

Aber um ehrlich zu sein, konnte man sich darauf noch nie verlassen, denn auch in den alten Medien ist die Expertensituation nicht spürbar besser. Im Radio und Fernsehen werden immer wieder Experten zu Rat gezogen, die bei drei nicht auf dem Baum waren. Doch selbst renommierte Autoren, Wissenschaftler und Ärzte haben nicht immer Recht. Sie liegen auch mal daneben oder widersprechen sich gegenseitig.

Je mehr Expertenwissen ich in Büchern, im Fernsehen und im Internet aufsauge, desto skeptischer werde ich. Ich hinterfrage sie zunehmend, denn es gibt einige Gründe, keinem Experten zu trauen:

1. Sie sprechen nicht aus Erfahrung

Manche Menschen werden zu Experten, weil sie selbst eine Herausforderung bewältigt haben. Sie sprechen aus Erfahrung. Andere hingegen lesen sich ihr Wissen an oder ziehen Rückschlüsse aus ihrem eigenen Leben, ohne jemals die gleichen Probleme gehabt zu haben wie ihre Zielgruppe. Mir fallen einige Beispiele ein:

  • Ernährungsexperten, die ihr Leben lang immer schlank waren und sich in die Herausforderungen dicker Menschen nicht hineinversetzen können.
  • Blog-Experten, die nie einen erfolgreichen Blog geschrieben haben, aber anderen Menschen erzählen, wie es geht.
  • Dating-Coaches, die jeden Abend eine andere Frau abschleppen, während ihre Zielgruppe eine Partnerin fürs Leben sucht.
  • Unternehmensberater, die nie ein eigenes Unternehmen geführt haben, aber in der Theorie alles besser wissen.
  • Extrovertierte, die über introvertierte Menschen schreiben und nicht den Hauch einer Ahnung haben (können). Ein solches Buch hat mich vor Jahren schwer geärgert.

Es ist leicht, theoretisch über ein Thema zu schreiben. Das kann jeder. Aber es bleibt oft realitätsfern. Am glaubwürdigsten sind jene Menschen, die selbst einen steinigen Weg gegangen sind. Traue deshalb keinem Experten, der nicht das gleiche Problem hat(te) wie du.

2. Sie überschätzen sich

Experten halten sich oft für schlauer, als sie sind. Nehmen wir den Finanzmarkt: Viele Anleger kaufen Aktienfonds, die von erfahrenen Experten gemanagt werden. Diese Leute kennen sich aus – dennoch performt die Mehrheit der gemanagten Fonds schlechter als der DAX. Als Anleger fährt man folglich besser, wenn man Aktien der 30 größten deutschen Unternehmen kauft, anstatt sich auf die Expertise gut bezahlter Finanzmanager zu verlassen.

Andere Experten verallgemeinern ihre speziellen Erfahrungen. So wird aus einem erfolgreichen Nischenblogger bald ein Experte für Online-Businesses. Wie soll das gehen? Die eine Erfahrung lässt sich nicht zwangsweise auf alles andere übertragen. Ich merke selbst, dass meine Blogs Healthy Habits und 101 Places zwei völlig verschiedene Herausforderungen sind.

Einigen Experten würde etwas mehr Demut gut tun. Traue deshalb niemandem, der seine Fähigkeiten überschätzt.

3. Sie schauen nicht nach links und rechts

Die meisten Experten konzentrieren sich auf ein kleines Gebiet. Das ist gut, anderenfalls wären sie keine Experten, sondern hätten lediglich ein breites Allgemeinwissen. Deshalb verlieren sie jedoch häufig den Blick fürs große Ganze. Nirgendwo sonst empfinde ich das so deutlich wie bei den Themen rund ums Abnehmen und gesunde Ernährung. Ich habe viele Bücher gelesen, einige davon sind sehr gut und schlüssig. Nur miteinander kompatibel sind sie oft nicht. Jeder der Autoren sieht seine kleine Nische, schaut aber nicht nach links und rechts.

Für Brian Wansink sind die Menschen zu dick, weil sie zu viel essen. In seinem Buch „Essen ohne Sinn und Verstand“ beschreibt er, wie es uns gelingt, weniger Kalorien zu uns zu nehmen. Dabei lässt er außer Acht, was Gary Taubes in „Good Calories, Bad Calories“ und Jonathan Bailor in „The Calorie Myth“ schreiben: Dass es nicht auf die Menge der Kalorien ankommt, sondern auf ihre Qualität. Damit sind Wansinks Ratschläge hinfällig. Allerdings vernachlässigen Taubes und Bailor, dass die meisten Menschen wider besseren Wissens nicht nur die hochwertigsten Lebensmittel essen. Damit spielt es doch wieder eine Rolle, wie viel wir essen.

Noch deutlicher wird das Experten-Wirrwarr, wenn wir uns mit der Frage beschäftigen, welche Lebensmittel das größte Übel sind: Robert Lustig („Fat Chance“) ist überzeugt, es sei der Zucker. Für T. Colin Campbell („China Study“) sind tierische Proteine die Ursache aller Probleme. William Davis („Weizenwampe“) hingegen redet Getreide – vor allem Weizen – in Grund und Boden. Stattdessen empfiehlt er tierische Produkte, die Campbell wiederum für gefährlich hält.

Sie alle glauben, die wahre Ursache für unser Ernährungsproblem gefunden zu haben, vernachlässigen aber die Erkenntnisse des jeweils anderen. Traue deshalb keinem Experten, der sich auf seine These versteift.

4. Sie glauben nur, was ihre Meinung bestätigt

Experten tun sich schwer andere Meinungen zuzulassen. Alles, was ihren Glauben widerlegen könnte, spielen sie herunter. Neutrale Informationen legen sie zu ihren eigenen Gunsten aus. Wie alle Menschen, unterliegen Experten dem sogenannten Bestätigungsfehler. Dieser besagt, dass wir Informationen immer so interpretieren, dass sie unsere eigene Meinung bestätigen. Deshalb kann es passieren, dass zwei Experten zu ein- und demselben Thema völlig verschiedener Ansicht sind und diese trotz stichhaltiger Gegenargumente vehement verteidigen.

Viele Experten verkaufen ihre Meinung als die einzige Wahrheit und verschließen sich neuen Informationen. Dabei ist Wissen oft nicht so eindeutig, wie es scheint. Für jede gut belegbare Behauptung gibt es eine ebenso gut belegbare Gegenbehauptung. Oft zitieren Experten dieselben Studien, legen sie aber anders aus. T. Colin Campbell widmete sein Leben der China-Studie und schloss aus dieser: tierische Lebensmittel machen uns dick und krank. William Davis wischt die gleichen Daten in „Weizenwampe“ auf zwei Seiten vom Tisch.

Noch bedeutender ist das Beispiel Ancel Keys. Der renommierte US-Wissenschaftler formulierte in den 50er Jahren die These, dass die Anzahl von Herzerkrankungen mit dem Verzehr von fettigen Speisen steige. Daraufhin entwickelte er die berühmte Sieben-Länder-Studie und sah seine These in deren Ergebnissen bestätigt. Andere Wissenschaftler waren ob dieser Daten skeptisch. Der Brite John Yudkin sah keinen Zusammenhang zwischen Herzerkrankungen und Fett, aber zwischen Herzerkrankungen und Zucker. Beide analysierten die gleichen Daten, kamen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen. Am Ende setzte sich Keys in der öffentlichen Wahrnehmung durch und läutete den langen Kampf gegen fetthaltige Speisepläne ein. Bis heute hält sich der Glaube, dass Fett fett macht. Dabei ist längst bekannt, dass es hauptsächlich der Zucker und andere leicht verdauliche Kohlenhydrate sind, die uns dick machen.

Bis heute verändert sich unser Wissen zu der Frage, was genau eine gesunde Ernährung ausmacht. Was gestern als gesichert galt, kann morgen schon falsch sein. Traue deshalb keinem Experten, der nicht offen für neue Informationen ist.

5. Sie verfolgen ihre eigene Agenda

Die Ziele eines Experten sind nicht immer deckungsgleich mit den Absichten seiner Zielgruppe. Diese will ein Problem lösen, während der Experte etwas verkaufen möchte. In der Regel möchte er die Problemlösung verkaufen, daher handelt es sich vordergründig um eine Win-Win-Situation. Dennoch kann der Experte in dieser Situation nie ganz unabhängig sein, denn er handelt in erster Linie in seinem eigenen Interesse.

Da fällt mir Dave Asprey ein, der Erfinder des Bullet Proof Coffee – ein Kaffee mit Butter, Kokosöl und Antioxidantien. Er soll wahre Wunder wirken! Asprey schrieb nicht nur ein Buch über diesen Kaffee, sondern verkauft unter seiner Marke BulletProof gleich alle Zutaten selbst. Ein gutes Geschäftsmodell, aber glaubwürdig?

Verwerflich finde ich das nicht. Es ist selbstverständlich, dass jeder für seine Arbeit vergütet werden will. Für den Konsumenten ist es allerdings wichtig zu wissen, dass es fast immer Zielkonflikte gibt. Noch deutlicher werden diese Konflikte, wenn der Experte für ein Unternehmen arbeitet. Diese geben immer wieder Studien in Auftrag, nur um ein Ergebnis „nachzuweisen“, das mit ihrem Markenversprechen vereinbar ist. Dazu brauchen sie nur noch den richtigen Experten, der mit seinem Namen dafür steht. Traue deshalb keinem Experten, der für seine Meinung bezahlt wird.

Kann man niemandem mehr trauen?

Doch doch, das kann man. Ich selbst belese mich gern zu verschiedenen Themen und nehme mir häufig Erkenntnisse aus Büchern an. Jede neue Information kann für mich ein Anstoß sein, etwas in meiner Arbeit oder in meiner Lebensweise zu verändern. Zudem positionieren auch wir uns als Experten, indem wir bei Healthy Habits unsere Erfahrungen weitergeben.

Aber nimm nicht jeden Rat für bare Münze. Aufgrund einer Expertenmeinung musst du nicht dein Leben umkrempeln. Sie ist auch keine Garantie dafür, dass du die gleichen Erfolgserlebnisse haben wirst wie der Experte. Sieh stattdessen jede neue Information als einen Schritt auf deinem eigenen Weg. Prüfe, ob ein Ratschlag für dich relevant ist, wie er sich in deinen Alltag integrieren lässt und wie er zum großen Ganzen passt. Je mehr Ratschläge du reflektiert aufnimmst, desto mehr kannst du für dich aus dem Expertenwissen anderer herausziehen. Irgendwann wirst du selbst zum Experten für dein Leben.


Foto: Geschäftsmann von Shutterstock

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20 Kommentare

  1. Zufällig bin ich genau DAFÜR Experte … :) sorry, konnte ich mir nicht verkneifen … bin ich natürlich nicht … nicht immer jedenfalls …

    Es gibt genau EINEN einzigen Experten dem wir immer trauen können, den wir aber viel zu selten zu Wort kommen lassen und das sind wir selbst! Wir selbst sind der Schöpfer unseres Universums, nur wir selbst wissen wie unsere Welt funktioniert und nur wir selbst können darin etwas ändern.

    Nicht „die Anderen“, nicht „die Politik“, nicht „der Staat“ oder „der Experte“ sondern nur wir allein!

    Muss man aber erst mal kapieren …

  2. Total schwieriges Thema. Ich komme aus dem Pferdebereich, und in den letzten Jahren ist Wissen dank Internet frei zugänglich geworden. Gutes wie blödsinniges. Egal, ob es um Pferdeerziehung, Training, Ernährung, Haltung, um Hufe oder um Ausrüstung geht: Die Informationen sind häufig widersprüchlich und je mehr ich lese und lerne, desto verwirrter werde ich. Aber sich nur auf seinen Instinkt zu verlassen, hilft mir ebenso wenig. Die Konsequenz ist wohl, dass man uns das Denken und Vergleichen nicht abnehmen kann. Also bilde ich mir eine Meinung und handele basierend auf ihr – auch wenn andere Experten zu anderen Schlüssen kommen. VG! Nadja

  3. Mein Kommentar bezog sich natürlich nur auf Fragen die uns selbst betreffen. Wenn es um Pferde geht, wirds schon schwieriger, zumindest dann wenn man nicht einfach das Pferd entscheiden lassen kann, was gut ist, denn in dem Fall ist das Pferd selbst der Experte – dummerweise einer den nicht jeder vollumfänglich verstehen kann.

    Man kann sich natürlich auf der geistigen Ebene mit dem Pferd verbinden und direkt fragen … aber das kann (noch) nicht jeder. Unsere Welt würde dann etwas anders aussehen …

    Gerhard

  4. Hey Patrick, schön differenzierter Artikel! Dein Absatz über die unterschiedlichen Auswertungen von Daten motivieren mich, jetzt doch endlich mal selbst in die China Study zu gucken, die ich – nur zitiert – mit zum Anlass genommen hab mehr und mehr vegan zu essen. VG Paul

  5. Hallo Patrick,

    interessanter Artikel. Eine gewisse Grundskepsis halte ich ja für erforderlich, damit man Dinge hinterfragt.

    Deine sogenannten „Gatekeeper“ sind meiner Meinung nach per se fragwürdig. Für Konsumenten war das doch noch nie wirklich ein Qualitätsmerkmal. Eine Verlag der sowohl Klatschpresse als auch „seriöse“ Zeitungen verlegt, hat seine Glaubwürdigkeit als Qualitätskontrolleur in meinen Augen schon verwirkt.

    Was Studien anbelangt gibt es immer einen Interessenkonflikt, schließlich steckt dort jemand Geld hinein, weil man etwas Bestimmtes herausfinden möchte. Investoren beeinflussen damit also das Ergebnis, ob sie wollen oder nicht. Selbst bei staatlichen finanzierten Instituten haben ebendiese ja ein Interesse daran, weiterzubestehen, und werden deshalb, sogar wenn sie weder etwas be-, noch widerlegen konnten, die Darstellung ihrer Daten so wählen, dass jeder, der sie liest, denkt: Ja, das müssen wir weiterverfolgen!

    So viel zu meiner Meinung. Aber ich bin ja auch kein Experte. Zumindest nicht auf diesem Gebiet. ;)

    Alles Liebe,
    Philipp

  6. Hallo!

    Bei den etablierten Medien war ich schon lange skeptisch. Wenn man mal selbst wirklich Einblick in eine Sache hat (also selbst ein „Experte“ ist) und dann die Berichterstattung dazu verfolgt, war zumindest meiner Erfahrung nach die Qualität der Berichterstattung eher schlecht bis mäßig.

    Besonders skeptisch würde ich, wenn plötzlich ein Experte aus heiterem Himmel die eine und einzige Lösung für ein Problem gefunden hat. Es gibt viele kluge Köpfe auf der Welt, und viele Probleme sind nicht neu. Erstaunlich, wenn noch nie vorher jemand darauf gekommen ist.

    Aber grundsätzlich sprichst du ein sehr wichtiges Problem an: Es wird immer einfacher, an Informationen und auch Wissen zu kommen. Aber immer schwieriger, die Qualität zu beurteilen.

    Grüße
    Jens

  7. Hallo Patrick,

    der Artikel bringt das Problem sehr gut auf den Punkt!
    Da ich es selbst erlebt habe, finde ich das Dilemma besonders problematisch, wenn man auf Experten angewiesen ist – insbesondere im Bereich Gesundheit. Wenn ein Arzt sagt, es sei alles in Ordnung, vertrauen viele diesem Votum. Dabei muss man hier besonders auf sich selbst hören und ggf. noch eine andere Meinung einholen. Gerade in diesem Bereich tummeln sich auch viele „Experten“ im Internet. Und Familie und Bekannte haben auch oft eine Meinung dazu, was einem so fehlen könnte… Da fällt es manchmal nicht leicht, den richtigen Weg zu finden. Schließlich kann man sich das Wissen aus einem Medizinstudium nicht einfach so selbst aneignen…

    Viele Grüße
    Kirstin

  8. Hi Patrick,

    Wie immer Hut ab für den Artikel.

    Beim Blog-Experten der noch nie gebloggt hat musste ich glatt an einen Landsmann von mir denken ;)

    Als jemand der ursprünglich in der Paleo-Nische all sein Gewicht verloren hat, sehe ich das ganze genauso wie Du. Man muss unbedingt sein eigener Experte sein, und sich die Meinung aus verschiedenen Quellen bilden.

    Wenn sich etwas widerspricht, stört mich das mittlerweile nicht mehr, mit der Zeit habe ich gelernt zu akzeptieren, dass die Wahrheit für mich in der Mitte liegt.

    Nachdem die Gatekeeper der Mainstream Presse bei weitem nicht mehr so mächtig sind wie früher, wie würdest Du jetzt die Qualität der Online-Experten erhöhen?

    Liebe Grüße,
    Daniel

      • Hallo!

        Ich denke, die Qualität der Online-Experten kann man nicht so ohne Weiteres erhöhen.

        Wichtiger ist es, den Input den man bekommt genauer zu hinterfragen. Beliebtes Spiel ist doch die Selbstdiagnose mit Hilfe von Dr. Google. Bei üblichen und kleineren Zipperlein wird man mit recht hoher Wahrscheinlichkeit im Internet und in Foren die richtige Diagnose finden. Was man im Internet findet, ist aber keine durch einen Experten erstellte Diagnose für das eigene Krankheitsbild. Es ist eine Vermutung von uns selbst anhand von allgemeinen Beschreibungen und Erfahrungsberichten anderer. Das muss man einfach im Hinterkopf haben und selbst entscheiden, ob man sich damit sicher genug fühlt oder lieber doch einen Arzt konsultiert (der mit hoher Wahrscheinlichkeit nach einer kurzen Anamese und Untersuchung auf genau die gleiche oDiagnose kommt).

        Macht ein Shitstorm aus einer Mücke einen Elefanten und alle hauen mit drauf, weil man sich im Internet so schön leicht und anonym abreagieren kann, oder wird dort ein echtes Problem thematisiert?
        Ist die Herleitung für irgendeine These tatsächlich plausibel, oder verbiegt jemand nur geschickt die Fakten in seinem Sinne?
        Werden vielleicht kackdreist simple Lügen mit dem Brustton der Überzeugung als Wahrheit verkauft?
        Selbst wenn der Experte nach bestem Wissen und Gewissen handelt, kann er trotzdem daneben liegen.

        Eine einfache Lösung dafür gibt es nicht. Je breiter und interessierter man aufgestellt ist, je mehr man selbst lernt und weiß, je offener und gleichzeitig kritischer und hinterfragend man ist und sich selbst, dem Bauchgefühl und dem gesunden Menschenverstand vertraut, desto weniger läuft man Gefahr, auf einen „falschen“ Experten hereinzufallen.

        Grüße
        Jens

      • Jens hat es wirklich gut ausgedrückt.

        Mit Qualität verbessern meinte ich, was im Internet eine gute Alternative zu den klassischen Gatekeepern wäre. Aber viele Experten stehen wirklich mit Herz hinter dem was sie sagen, und selbst dann kann man ja mal falsch liegen, was eine Qualitätskontrolle ähnlich Gatekeepern nur erschweren würde.

        • Hi Daniel,

          auch im Internet orientieren wir uns zur Bewertung ja an anderen: Was sagen die Rezensionen, andere Experten (Testimonials) und wer hat ggf. schon eine große Gefolgschaft? Nicht, dass diese Merkmale immer bedeuten müssen, dass jemand „Recht“ hätte, aber es sind Indikatoren. Nur andere, als bei den Gate-Keepern.

  9. Ein super und sehr ehrlicher Artikel, danke schön! Ich glaube, das Internet hat eine gravierenden Nachteil: Wir achten nur noch auf Input von Außen – auf Meinungen und Ratschläge anderer. Daher finde ich auch Tipps wie „So wirst du erfolgreich, ich habe es ja auch geschafft“ extrem kritisch. Jeder Mensch hat einen eigenen Lebensweg, andere Bedürfnisse und Erfahrungen und für jeden ist etwas anderes wichtig.

    Daher hole ich mir zwar Infos aus verschiedenen Ecken, aber die Verantwortung trage letztendlich immer ich. Und ich bin der einzige Mensch, der beurteilen kann, was für mich richtig und gut ist und was eben nicht. Danke für eure immer ehrlichen, bodenständigen Artikel!

    Annika

  10. toller Artikel, danke!

    Zum Thema Ärzte fällt mir ein, daß Arzt und Hebamme sagten, die Minipille wirke sich nicht auf die Milchbildung beim Stillen aus. Naja, weil Nummer 5 das letzte Kind sein sollte, hab ich die Pille also ausprobiert und zum ersten Mal Milchpulver kaufen müssen, weil das Kind nicht mehr satt wurde. Also die Pille wieder abgesetzt, und als das Kind danach noch 5 Monate (bis zum 1. Geburtstag) ohne Zufüttern gestillt. Es gibt übrigens auch Expertenmeinungen, daß man ab dem 4. Monat zufüttern muß, weil die Kinder sonst verhungern. Steht meistens auf Babygläschen. Und überhaupt bei der Kindererziehung sehe ich Parallelen zu den Pferden, die Nadja angesprochen hat: Beide können sicht nicht klar äußern, Kinder muß man manchmal zu ihrem Glück zwingen (meine bedanken sich wenigstens hinterher, aber ich überlege mir auch genau, was ich durchsetze und was nicht), und gerade in der Schulpolitik gibt es ständig Freilandversuche irgendwelcher Experten, und danach die Reform für die nächste Generation.
    Der Spruch Sapere aude ist aber schon älter, das Problem auch. Es braucht Mut, die eigenen Gedanken für durchsetzungsfähig zu halten und sich gegen rhetorische Wahrheiten zu verwahren.

  11. Wichtig zu verstehen ist, dass „Expertenstatus“ nichts anderes als eine Form von Status ist. Der Affe, der am am meisten andere Affen um sich herum sammeln kann gewinnt. Ob das so toll ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Nichtsdestotrotz beweist der Artikel erneut: Patrick Hundt und Tim Chimoy sind die einzigen deutschen Blogger die man lesen sollte, denn Rest kann man gepflegt in die Tonne treten.

  12. Hallo Patrick,

    Klasse Artikel, du sprichst mir aus der Seele
    Ich lese auch viele Bücher, informiere mich auch über das Internet , aber je mehr Experten Meinungen ich einhole, um so undurchsichtiger wird es, weil der andere Experte alles wieder widerlegt.

    Deinen Ansatz finde deshalb sehr gut.

    Viele Grüße und Danke

  13. Hallo Patrick,

    ob es schon irgendwo in den Kommentaren steht, weiß ich nicht, denn ich habe „nur“ Deinen Artikel gelesen.
    In sehr großen Anteilen stimme ich Dir zu. Doch schade finde ich es – insbesondere nach Deinen ausführlichen Aussagen – wie Du Colin Campbell darstellst. Evt. wußtest du es ja nicht, doch er – ebenso wie Caldwell Esselstyn (Autor von „Prevent and Reverse of Heart Disease“) – kommt aus der Milchwirtschaft und beide waren absolut davon überzeugt, dass Milch und Milchprodukte gesund sind. So auch zu Beginn ihrer beider Studien. Beide waren erstaunt, wie schädlich alles tierliche ist, insbesondere Milch, Eier und Milchprodukte, Fleisch und Fisch auch, doch eigentlich geht es dann mehr um die Frage: Besser Pest oder Cholera. Somit wurden sie absolut nicht bestätigt in dem, womit sie angetreten sind und waren mehr als erstaunt.
    Auch der finanzielle Aspekt ist bei den beiden nicht wahr, denn sie werden nicht von den Lobbyisten bezahlt, im Gegenteil, sie wurden bedroht wegen ihrer Erkenntnisse. Was ich besonders markant fand in dem Buch von Essylstyn war die Stelle, wo ein junger Kollege ihn fragt, wieso er seine Patienten nur noch mit rein pflanzlicher Ernährung behandelt (er hat mit bildgebenden Verfahren gezeigt, wie eine Arterienverkalkung am Herzen zurück geht, nur nach rein pflanzlicher Ernährung) und nicht Stents und Bypässe macht. Essylstyn lehnt diese hochaggressiven Eingriffe ab und zwar unabhängig davon, dass er damit irre viel Geld verdienen könnte. Der junge Arzt versteht es nicht, da er gerne die viele Kohle mit dem Leid der Herzpatienten verdient, die meistens nach einem Bypass weiterhin so leben wie vorher, was die Ernährung insbesondere angeht und sich dann über weitere Infarkte wundern.
    Beide Autoren leben selbst rein pflanzlich, das nenne ich authentisch
    In den Dokumentationen „Forks over Knives/Gabel statt Skalpell“ sowie „Cowspiracy“ und dem neuesten „What the Health“ werden genau diese Lobbygeschichten SEHR deutlich gemacht. Es ist jedenfalls sehenswert, um dann nochmal zu schauen, um deine Worte zu wählen: Eine (oder mehrere) weitere Informationen anzusehen ;-)
    Am allerliebsten habe ich sowieso Dr. Michael Greger, der mit https://nutritionfacts.org/ eine völlig unkommerzielle Seite betreibt und mit seinem Buch „How not to die“ äußerst humorvoll beschreibt, was er erlebt hat und was es dazu an seriöser Wissenschaft gibt.
    Wahrscheinlich berührt es mich auch so, da mit diesem Thema eben auch der Fortbestand der Menschheit bedroht ist. Denn in 10 Jahren werden wir kein sauberes Trinkwasser mehr haben. Schon jetzt hat die EU Deutschland abgemahnt und weswegen? Wegen der Gülle! Die Böden sind ebenfalls ausgelaugt und der Regenwald in Brasilien schon fast weg. Somit schadet mir jeder der tierliche Produkte isst. Kann ich es ändern? Nein. Doch ich möchte gerne noch leben, mit frischem sauberem Wasser, Luft und gesünden Böden, aus denen gesundes Gemüse wächst. Das Bienensterben und die Folgen dazu mal gar nicht aufgezählt.

    Bei den anderen Aspekten, die Du aufgezählt hast, insbesondere das Geldverdienen mit Blogs und Co. bin ich Dir sehr dankbar, dass du es so deutlich ausgesprochen hast. Diese ganzen Persönlichkeitstrainer kommen mir wirklich hoch, sie alle arbeiten mit dem Trichtersystem und es fallen enorm viele drauf rein. Es ist schade, wie Kommunikation mißbraucht wird, denn genau diese funktioniert so gar nicht mehr.
    Danke fürs Lesen.

    Beste Grüße
    Frederic

    • Hi Frederic,

      besten Dank für deinen Kommentar. Ich bin ja nicht gegen Campbell & Co. Ich habe China Study gelesen, mochte das Buch und fand es überzeugend. Aber ich als Laie kann nicht wissen, ob ausgerechnet er nun recht hat oder einer von all den anderen, die auch sehr überzeugende Studien durchführen oder zitieren. Das wollte ich mit diesem Beispiel und diesem Artikel herausstellen.

      Viele Grüße
      Patrick

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