Ich gönn’ mir Freiheit – Wie ich dazu kam, ein weiteres Buch zu schreiben

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Anzeige: In diesem Beitrag erzähle ich, wie es dazu kam, dass ich ein neues Buch schrieb. Es heißt Ich gönn‘ mir Freiheit und ist ab sofort bei Amazon verfügbar.


Letztes Jahr im März war ich durch Zufall auf einen Begriff gestoßen, der mein Leben auf den Kopf stellte: finanzielle Freiheit. Ich las ihn zuerst auf der Website des Kanadiers Peter Adeney. Unter dem Pseudonym Mr. Money Mustache schreibt Peter, dass er im Alter von dreißig Jahren, noch bevor sein Sohn geboren war, seinen Job als Softwareingenieur gekündigt hatte und in den Ruhestand gegangen war. In den wenigen Berufsjahren, die hinter ihm lagen, habe er gut verdient, aber wenig konsumiert, erklärt der Blogger, deshalb könne er nun von seinen Ersparnissen leben, die er am Aktienmarkt investiert habe.

Ich saß mit weit aufgerissenen Augen vor meinem Laptop, als ich Peters Worte las und mich immer tiefer in sein Blog eingrub. An manchen Tagen las ich bis spät in die Nacht und fand anschließend vor Aufregung kaum in den Schlaf. Die Idee, in meinen besten Jahren nicht mehr arbeiten zu müssen und allein von Erspartem zu leben, schien unglaublich. Ich wusste sofort, dass sie das Potential hatte, mein Leben zu verändern.

Meine neue Leidenschaft nahm mich so sehr in Anspruch, dass ich nur noch Finanzliteratur las, über Geld nachdachte und darüber das Interesse an meiner Arbeit verlor. Ich war von meiner eigenen Lustlosigkeit überrascht, denn als Blogger hatte ich den lässigsten Job, den ich mir vorstellen konnte. Ich schrieb, was ich wollte, wann ich es wollte und wo ich es wollte. Es gab keine Tretmühle, aus der ich hätte entkommen müssen. Wenn mir meine Arbeit nicht mehr gefiel, konnte ich jederzeit etwas anderes tun.

Trotzdem löste die Erkenntnis, nicht mehr bis ins hohe Alter arbeiten zu müssen, etwas in mir aus. Ich verlor schlagartig die Freude an meinem Job. Für Healthy Habits schrieb ich nur noch einen guten Text – über finanzielle Freiheit. Darüber hinaus hatte ich nichts mehr zu erzählen. Vielleicht war ich doch kein Blogger aus Leidenschaft, sondern arbeitete, wie viele andere Menschen, nur, um zu leben.

Nichts konnte mich an den Schreibtisch bewegen, um auch nur einen weiteren Text zu schreiben. Finanziell war ich zwar noch nicht frei, aber ich fühlte mich so, als wäre ich es. Für den Rest des Weges würde ich vielleicht eine Aufgabe finden, die mir sinnvoller erscheint, als zu bloggen. Bis auf Weiteres, entschied ich, würde ich meine Arbeit einstellen. Immerhin, es war Sommer. Die beste Zeit des Jahres, um all jene Dinge zu tun, die ich mir schon oft vorgenommen hatte.

Ich stellte mir vor, eine ehrenamtliche Tätigkeit aufzunehmen, einen Schrebergarten zu pachten, endlich Gitarre spielen zu lernen, meine Spanischkenntnisse in einem Sprachkurs aufzufrischen, meine kaum vorhandenen handwerklichen Fähigkeiten zu verbessern und mehr Zeit in der Natur zu verbringen. Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, um einiges davon in die Tat umzusetzen.

Doch ich tat nichts davon. Ich hatte nach Ehrenämtern im Internet gesucht, aber keine gefunden, die mich ausreichend interessiert hätten, um dort für längere Zeit mitzuwirken. Die Gitarre verkaufte ich bei eBay, nachdem ich eingesehen hatte, dass ich zwar gern ein Instrument spielen würde, es aber nicht lernen wollte. Auch meine Motivation, Spanisch zu pauken, war bei genauer Betrachtung nicht allzu groß. Und wenn ich es mir recht überlegte, würde ein Schrebergarten viel Arbeit machen und Verpflichtungen nach sich ziehen, die ich nicht einzugehen bereit war.

So vergingen die Tage und Wochen, ohne dass ich einen meiner Pläne umsetzte oder einen weiteren Text für meine Blogs schrieb. Die meisten Tage verliefen gleich: Ich las Bücher, dachte über Geld nach, machte den Haushalt, schaute Serien, trieb Sport und kochte das Abendessen. Am Anfang gefielen mir diese Routinen, doch nach zwei Monaten fühlte ich mich unproduktiv. An den Abenden fand ich es nicht mehr schön zu erzählen, wie ich den Tag verbracht hatte. Ich war nicht mehr stolz auf meine Freiheit, sondern peinlich berührt von meiner Faulheit, zumal ich mich nicht einmal wohl fühlte, sondern ausgelaugt und gelangweilt vom Nichtstun war. Ich musste mir eingestehen, dass ich zufriedener war, als ich noch jeden Tag arbeitete und nichts von finanzieller Freiheit wusste. War es das also, was die Anhänger des Mr. Money Mustache wollten, oder lag es an mir? War ich zu blöd, mit meiner Freiheit umzugehen?

Ich entschied, dass mir etwas weniger Freizeit guttun würde und ich eine neue Aufgabe brauchte. Ein Projekt, in das ich meine Fähigkeiten einbringen konnte und das mich ausreichend interessierte, um es bis zum Ende durchzuziehen. Ein Buch über finanzielle Freiheit zu schreiben, lag nahe. Eine Botschaft zu finden, die ich mit einem Buch transportieren wollte, fiel mir schon schwerer. Ich wollte keinen Ratgeber schreiben und auch kein Motivationsbuch, das behauptet, jeder könne finanziell frei werden, wenn er es nur wolle. Ich war mir nicht einmal mehr sicher, ob Menschen mit so viel Freiheit überhaupt umgehen könnten. Schließlich war mir schon nach wenigen Monaten langweilig geworden und ich hatte von anderen gelesen, denen eine neue Aufgabe auch gut zu Gesicht stehen würde.

Nachdem ich einige Wochen Ideen gewälzt hatte und Gedanken reifen ließ, aber immer noch nicht wusste, wohin ich mit diesem Buch wollte, entschloss ich mich dazu, einfach anzufangen. Ich schrieb eine Nachricht an Nico, einen zweifachen Familienvater, der sich vorgenommen hatte, mit Mitte vierzig in Frührente zu gehen. Über sein Blog finanzglueck.de war ich auf ihn aufmerksam geworden, und er war mir sympathisch. Nun bat ich ihn um ein Interview. Zu meiner Überraschung antwortete Nico innerhalb weniger Stunden und lud mich zum Abendessen mit seiner Familie ein. Ich freute mich über seine Zusage und fuhr mit dem Zug nach Frankfurt am Main. Nicos Einladung war der Startschuss für dieses Buch, das aus Langeweile heraus entstand, sich aber mit jedem Gespräch mehr und mehr zu einer neuen Leidenschaft entwickelte.

In den folgenden Monaten traf ich weitere Menschen, die finanziell frei werden wollen, zum Beispiel Oliver, der von 800 Euro im Monat lebt, aber auch Marcello, der zurzeit für drei Leben arbeitet, um es später einmal besser zu haben. Außerdem lernte ich Menschen kennen, die schon seit Jahren nicht mehr arbeiten müssen, obwohl sie alle noch keine 50 Jahre alt sind. Von ihnen wollte ich wissen, wie ihnen dieses Kunststück gelungen ist und was sie nun mit ihrer freien Zeit anfangen.

Später kamen erste Zweifel an dem Konzept „finanzielle Freiheit“ in mir auf. Ich fragte mich, ob es nicht auch möglich ist, sich frei zu fühlen, obwohl man noch arbeiten muss. Ich traf Menschen, die das von sich behaupten. Darunter Thomas, der einen gut bezahlten Job hatte, sich aber nicht vorstellen konnte, den noch 20 Jahre auszuüben. Deshalb entschied er in der statistischen Lebensmitte, noch einmal von vorn anzufangen und einen neuen Beruf zu lernen. Ich sprach auch mit Sandra, die ihre Arbeitsstelle in einer Agentur aufgab, sich eine Auszeit gönnte und nun bewusst einen Teilzeitjob mit wenig Verantwortung angenommen hat, um nicht mehr heimlich an die Arbeit denken zu müssen, wenn sie am Abend mit ihren Kindern spielt.

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Alle zwölf Personen, die ich in diesem Buch vorstelle, konsumieren genügsam und können es sich deshalb leisten, so zu leben, wie es sie glücklich macht. Das Buch dokumentiert meine Faszination mit der finanziellen Freiheit und wie sich meine Einstellung zu ihr veränderte. Aber vor allem erzählt es die Geschichten dieser Menschen, die ich immer wieder mit Freude lese, obwohl ich sie schon zehnmal gehört, aufgeschrieben und überarbeitet habe.

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