Mein Weg zu bewusst(er)em Konsum

In den letzten drei Jahren war ich häufig im Ausland unterwegs. Erst für neun Monate am Stück, dann immer wieder mehrere Monate mit kurzen Unterbrechungen. Eine feste Wohnung hatte ich nicht mehr – nur einen Rucksack. Während dieser Zeit habe ich manche Denkweise geändert. Eine der deutlichsten Veränderungen ist meine Einstellung zum Konsum von Dingen. Ich habe eine regelrechte Abwehrhaltung gegen Dinge entwickelt, die nicht in meinen Rucksack passen.

Seit vier Wochen habe ich wieder eine feste Wohnung und muss mich mit Dingen auseinandersetzen, schließlich möchte ich mich wohnlich einrichten – aber nicht zumüllen.

Früher machte ich mir darum wenige Gedanken. Vor acht Jahren richtete ich meine erste Wohnung einfach mit den Möbeln ein, die schon in meinem WG-Zimmer standen. Für den Rest fuhr ich einmal zu IKEA – ohne mir vorab Gedanken zu machen oder in einen Katalog zu schauen. Das Ergebnis sah ziemlich bescheiden aus. Alles war ohne Sinn und Verstand zusammengewürfelt. Es fehlte an Gemütlichkeit, dafür gab es unnützen Krempel. Da ich mich selbst nur mäßig wohl fühlte, lud ich kaum mal jemanden zu mir nach Hause ein.

Nach fünf Jahren ging ich auf meine Weltreise und löste die Wohnung auf. Ich verkaufte mein Zeug für ein bisschen Taschengeld, denn es war alles wertlos. Andere Dinge verschenkte ich oder schmiss sie weg. Ich behielt nur, was ich wirklich brauchte (sprich: von dem ich glaubte, es zu brauchen). Was übrig blieb, landete auf dem Dachboden meiner Eltern. Dort sollte es sechs Monate bleiben. Daraus wurden drei Jahre.

Jedes Mal, wenn ich dort oben war, wollte ich mein Zeug sortieren, um zu schauen, was ich wirklich noch brauche. Aber ich habe die Kisten gleich wieder zugemacht, weil ich gar nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Da war immer noch so viel Krempel.

Also nahm ich erst mal alles mit nach Leipzig und sortierte es hier. In meine Schränke räumte ich nur das, was ich wirklich behalten will. Der Rest – zwei Drittel des Zeugs, das ich vor drei Jahren noch wichtig fand – blieb in den Kisten. Darunter sind Dinge, die ich schon lange vor meiner Reise nicht mehr benutzt hatte, aber nicht abgab, weil mir der Zweitmarktpreis zu gering war.

Nach zwei Wochen in der neuen Wohnung begann ich, mich mit dem Krempel auseinanderzusetzen. Einerseits bekam ich dabei ein beklemmendes Gefühl, weil ich diese Dinge heute als Last empfinde. Auf der anderen Seite empfand ich es als befreiend, all das heute nicht mehr zu brauchen.

Noch auf diesen Altlasten zu sitzen, hilft mir sogar in meinem Denken. Ich sehe, was ich über die Jahre alles angesammelt habe – und das, nachdem ich vor drei Jahren schon die Hälfte entsorgt hatte. Das meiste davon fand seinen Weg durch Gedankenlosigkeit zu mir: Das gibt’s gerade im Angebot, vielleicht brauche ich es mal. Diese Erkenntnis hilft mir, meine heutigen Käufe besser zu hinterfragen.

Wie mein bewusster Konsum aussieht

Heute konsumiere ich bewusster, weil ich viele Dinge als das erkenne, was sie sind: eine Last.

Bewussten Konsum verstehe ich auf einer persönlichen Ebene. Ich will damit nicht die Welt verbessern – vielleicht kommt das noch –, sondern mein Leben. Das heißt, es geht mir nicht um Sozialverträglichkeit, faire Bezahlung und Umweltschutz. Ich könnte so tun als ob, aber um ehrlich zu sein, denke ich über diese Dinge derzeit kaum nach.

Bewusster Konsum heißt für mich auch nicht, gar nicht mehr zu konsumieren oder alle Dinge zu behalten bis sie auseinander fallen. Er sieht eher so aus:

  • Ich kaufe nur Dinge, die meinem Nutzungsverhalten entsprechen. So habe ich z. B. keine teure (und klobige) Spiegelreflexkamera mehr. Wenn ich eine in der Hand halte, kann ich schon Gefallen daran finden und vor meinem inneren Auge schieße ich die weltbesten Fotos. Doch ich hatte ja beim Reisen genug Gelegenheiten, mein Verhalten zu beobachten. Ich nehme mir selten Zeit zum Fotografieren, sondern mache schnelle Schnappschüsse. Dann nutzt mir auch die beste Kamera nichts. Außerdem schaue ich mir nie wieder alte Fotos an und im Zweifel mache ich mir bei einer teuren Kamera noch Sorgen, dass sie auf der Reise beschädigt wird.
  • Ich trenne mich von Dingen, die ich zwar brauche, die mich aber nerven. Mein Smartphone war so ein Ding. Ich hatte seit dreieinhalb Jahren ein iPhone 4. Jeden Tag hat es mich genervt, da es mit jedem Software-Update immer langsamer wurde und die letzten Updates schon gar nicht mehr möglich waren. Ich wollte aber auch kein Neues, denn 800 Euro für ein Telefon – hallo?! Jetzt habe ich mich endlich zu einem Motorola G2 für 180 Euro durchgerungen und bin wieder zufrieden, weil nicht jeder Klick frustriert. Von dem ebenfalls nervigen Mobilfunkanbieter Congstar habe ich mich bei der Gelegenheit auch getrennt. Es kann einfach nicht sein, dass mich Dinge nerven.
  • Ich möchte nicht unnötig viele Elektrogeräte haben. Es gibt heute so viel Auswahl, dass ich sie allein in der Küche bis unter die Decke stapeln könnte. Aber anstatt eines Kaffeevollautomaten koche ich Kaffee gern mit einer Espressokanne. Anstelle eines Geschirrspülers wasche ich lieber ab (ich weiß, verrückt!). Ich brauche keine Mikrowelle, Mini-Ofen, Saftpresse, Universalzerkleinerer, Brotschneidemaschine, Eierkocher, Fritteuse, Sandwichmaker, Waffeleisen und was es noch alles gibt.

  • Am meisten habe ich in meine Küche investiert. Früher hatte ich viel Schrott, den ich sowieso kaum nutzte. Heute sind mir Kochen und Gemütlichkeit wichtiger geworden, daher kaufe ich mir gezielt Dinge, die ich brauche, um gesund kochen und Freunde zum Essen einladen zu können.
  • Ich höre gern Musik und hatte früher zwei Mini-Stereoanlagen in meiner Wohnung stehen, dazu noch Computer-Boxen und mehrere Kopfhörer. Das war alles zu viel Zeug und zu viel Kabelsalat. Jetzt habe ich eine Bluetooth-Box von Bose, die winzig ist und trotzdem meine Wohnung beschallt.

  • Ich bemühe mich um Digitalisierung. Alle CDs habe ich bereits vor meiner Reise abgegeben, aber auch digitale Dateien möchte ich jetzt nicht mehr haben, sondern setze auf Musik-Flatrates (ich bin sehr happy mit Spotify). Von den letzten 10 Prozent meiner DVDs kann ich mich hoffentlich bald trennen und an Büchern behalte ich nur die Besten. Das meiste lese ich ohnehin auf dem Kindle.
  • Ich kaufe vergleichsweise wenig Kleidung, aber auch vergleichsweise wenig ist noch viel. Wenn ich sie dann einmal habe, trenne ich mich nur schwer davon. Daher war mein Kleiderschrank früher immer voll – mit Sachen, die ich so gut wie nie anzog. Heute habe ich einen um 25 Prozent kleineren Kleiderschrank, der nur zur Hälfte gefüllt ist. Mal schauen, wie lange das gutgeht. Zuletzt habe ich schon bewusst Kleidungsstücke entsorgt, nachdem ich mir neue gekauft hatte.

Insgesamt will ich mehr Einfachheit und Klarheit. Ich möchte nichts haben, das ich mal gebrauchen könnte. Ich möchte nichts kaufen, über das ich mich jahrelang ärgere. Ich will keine Dinge besitzen, die zwei Jahre später nur noch für den Sperrmüll taugen. Ich will mich von Dingen entlasten, die nur herumstehen, Platz wegnehmen, verstauben und dabei noch an Wert verlieren. Stattdessen möchte ich Dinge haben, die lange haltbar und zeitlos schön sind und die mich in dem unterstützen, was mir wichtig ist.

Da mich dieses Thema zurzeit beschäftigt, gibt es noch weitere Artikel von uns, die in eine ähnliche Richtung gehen:


37 Kommentare

  1. Moin Patrick,

    ein schöner Beitrag! Auf meiner ewigen ToDo-Liste steht auch: Entrümpeln! Sowohl analog als digital. Ich zelebriere dieses Ausmisten regelrecht! Es ist wirklich befreiend. Mein Mann und ich sind gemeinsam in mein altes Elternhaus gezogen. Kein Möbelstück passt zum anderen, uralter unnützer Krempel verstopft Keller, Dachboden und Abstellkammer.

    Natürlich können wir nicht auf einmal komplett neue Möbel kaufen, daher arbeiten wir uns von Raum zu Raum.

    Während meine Mutter alles aufhebt („man könnte es ja mal brauchen“) und hortet („das war im Angebot, da habe ich gleich 3 gekauft“), überlege ich wirklich 10mal ob ich mir jetzt diese eine Sache neu kaufe.

    Was mir dagegen schwer fällt ist das „wohnlich machen“. In anderen Wohnung steht oft Dekonippes herum und das sieht auch meist schön aus. Bei uns sind es lediglich ein paar Zimmerpflanzen und Kerzen. Aber ich arbeite daran 🙂

    Lieben Gruß und spaßiges Entrümpel!
    Steffi

    • Hallo Steffi,

      dir ein Zimmer nach dem anderen vorzunehmen ist eine gute Idee. Dazu komme ich in einem der nächsten Artikel auch noch. Anderenfalls fühlt es sich von Beginn an zu überfordernd an.

      Viele Grüße,
      Patrick

  2. Hallo Patrick,

    kein Geschirrspüler?! Das ist dann ja eine besondere Ehre bei dir zum Essen zu landen. Respekt. Spätestens ohne den würde mein Kochmotivation komplett auf den Nullpunkt sinken 🙂

    Ich bin in dem ganzen Punkt echt schlecht. Zum Wegschmeißen finde ich das Zeug oft zu schade, zum Verkaufen fehlt mir der Antrieb. Mittlerweile bringe ich meine gelesenen Bücher zumindest ins Büro und welche nicht wegkommen, werden in einen öffentlichen Bücherschrank gebracht. Wovon ich mich mal trennen müsste, sind meine Jugend CDs, aber als ich beim Umzug wieder die erste Bravo Hits in die Finger bekam, hab ichs einfach nicht übers Herz gebracht. 🙂

    Einzig gut bin ich im Punkt kaufen. Da überlege ich mittlerweile auch mehrfach, ob es das neueste Gadget, das nächste Kleid oder das nächste paar Schuhe wirklich sein muss. Gerade was Kleider, Taschen und Co angeht gilt die Regel „Kommt eins, muss eins gehen“. Wobei ich mein iPhone 6 liebe. Allein wegen der tollen Kamera, da ich auch keine Spiegelreflex habe und es sehr schätze, sofort teilbare Fotos zu machen 🙂

    Schöner Beitrag und ich freu mich schon auf die Folgebeiträge … !

    Viele liebe Grüße
    Tanja

  3. Guter Artikel. Ich habe mittlerweile 3 Umzüge hinter mir und immer nutzte ich die Gelegenheit dazu, um mich von Sachen zu entledigen.

    Gerade bei der Sound-Frage war ich ähnlich gestrickt. Teure Multimedia-Heimkino-Anlage, Kopfhörer von Beats by Dre und unterwegs dann doch nur das Smartphone-Headset eingesteckt. Die Bose Soundbox habe ich seit nun mehr 2 Jahren. Neulich hat das Bluetooth gesponnen (ich warne dich also schon mal vor). Zum Glück bin ich noch ca. einen Monat im Garantiezeitraum 🙂

    Spotify ist eine tolle Sache und handhabe ich ähnlich. Die iTunes-Mediathek, die ich noch mit mir rumschleppe, nervt mich enorm. Doch leider gibt es einige meiner Lieblings-Lieder (noch) nicht bei Spotify.

    Die Spiegelreflexkamera… ja… schön zu haben, aber dumm sie nicht zu nutzen. Die meiste Zeit schleppt man eben doch nur das Smartphone mit sich herum.

    • Hi Thomy,

      die iTunes-Mediathek stört mich nun auch schon langsam. Auf mein neues Handy habe ich sie noch gar nicht überspielt!
      Ich hoffe, dass meine Bose Box lange durchhält. Aber ich beanspruche sie schon sehr 🙂

  4. Ich finde den Artikel auch gelungen. Besonders Musik-technisch hast Du mir weitergeholfen.
    Meine 120Watt-Boxen sind eher Relikt der Jugendzeit und Staubfänger, als dass ich sie regelmäßig verwende. Die Macbook-Lautsprecher genügen mir meistens und selten dann auch eine Bluetooth-Box.
    Apropos Relikte, ich sammle zu gerne Erinnerungsstücke (zB Zigarrenhülse, Miniatur-Whisky-Box, exotische Bierflaschen) von besonderen Momenten und gruppiere 3-4 Schrein-artig an freien Flächen wie Fensterbank oder in ein Regalfach. Man könnte es auch als personalisierten Deko-Nippes bezeichnen. Sind aber eher Staubfänger. Hab die Tage viel davon weggeräumt oder weggeschmissen. Vermissen tu ich sie nicht.

    Wie mein Vorredner Thomy, finde auch ich, das Umzüge am Besten dafür herhalten, sein Zimmer/Wohnung auf den aktuellen (Lebens-)Stand zu bringen.

    Viele Grüße und mach weiter so!

    • Hi Dario,

      Glückwunsch zum Entrümpeln des Deko-Nippes!
      Solange es gefällt, ist das ja alles in Ordnung. Wenn’s irgendwann belastet, dann ruhig weg damit 🙂

  5. Hallo Patrick

    Danke für diesen tollen Artikel.
    Aktuell beschäftigt mich das Gefühl, viel zu viel „Gerümpel“ um mich zu haben und dass ich dringend etwas dagegen unternehmen sollte. Das von Dir beschriebene Gefühl des „erdrückt werden“ kommt mir gerade bekannt vor.

    Freue mich darum auf die zwei weiteren Artikel zu dem Thema, vielleicht sehe ich dann klarer, wie ich das Ganze angehen soll.

    Liebe Grüsse
    Carmen

    • Hi Carmen,

      es werden nun sogar drei weitere Artikel. Die Gedanken rund um dieses Thema ließen mich nicht mehr los. Mindestens zwei davon dürften für dich relevant sein: Wie du dich entscheidest, dein Zeug abzugeben und wo du es loswirst.

      Viele Grüße,
      Patrick

  6. Hi Patrick,
    ja der Konsumverzicht kann einem das Leben wirklich erleichtern. Ich habe auch damit begonnen und mir selbst zwei Regeln zur Gewohnheit gemacht. Gekauft wird erstens nur wenn etwas kaputt gegangen ist uns ersetzt werden muss. Solange es funktioniert wird nichts ersetzt. Und selbst wenn etwas kaputt geht stelle ich mir die Grundsatzfrage – ob ich es wirklich brauche.. Deshalb bin ich seit 2 Wochen auch Fernsehfrei. Lg Karl

    • Er erleichtert nicht nur das Leben, man spart auch einen Haufen Kohle für die schönen Dinge des Lebens.
      So habe ich z. B. immer noch einen Röhrenfernseher, und solang es der noch tut, bleibt er auch.
      Möglicherweise verbraucht er etwas mehr Strom als ein moderner Flatscreen, allerdings schaue ich recht wenig Fernsehen, so dass sich das eher kaum auswirken dürfte. Dazu kommt, dass nicht der ständige Austausch gegen stromsparendere Modelle ökologisch ist, nein, es ist am ökologischsten, seine Geräte möglichst lang zu nutzen. Mein Handy wird dieses Jahr 8 Jahre alt, das nur mal so nebenbei…

  7. Hallo Patrick,

    dein Artikel triffts auf den Punkt- auch ich versuche schon seit gut 6 Monaten Altlasten los zu werden- mittlerweile fällt es mir immer leichter Sachen wegzuschmeißen- das gibt so ein gutes befreiendes Gefühl- das ist Wahnsinn!

    Ich habe mit Begeisterung deine Artikel über Südafrika gelesen- ich werde dort im Herbst hinfliegen – und bin so weiter auf deinen Artikel zu bewussterem Konsum gelangt!

    Liebe Grüße Martina aus Österreich

  8. Hi Patrick,

    was du so schreibst macht Sinn. Du hast dich in den letzten Jahren ja von der Konsumgesellschaft und der Massenmeinung gelöst. Und bist wieder mit dem absolut authentischen und unverfälschten „ich“ zurückgekommen. Ich hatte bisher nur kürzere Reisen aber ich stelle auch fest, dass wenn man sich mal z.B. den Medien entzieht, dann bekommt man schleichend andere Sicht auf viele Dinge und die Welt. Mein Fernseher flog schon vor 7 Jahren raus. Das hat schonmal viel gebracht. Wenn man denkt wieviele Stunden man TV schaut im Leben… In dieser Zeit kann man arbeiten, schlafen oder sich mit Freunden treffen. Was mich total stresst ist Whatsapp und die ständige Erreichbarkeit. Ich lasse mittlerweile mein Handy zuhause bzw. mache den Datennetzmodus aus. Mal ehrlich… 99% der Nachrichten sind unwichtig und ich finde es unhöflich wenn Leute in Gesellschaft sind und dann ständig tippen.

    Egal wie man die Stimme seines Herzens findet, die einem wirklich sagt was wichtig ist, glücklich macht und was man zum Leben braucht… es ist ein Weg der sich definitiv lohnt. Denn nur unser Herz macht uns glücklich… nicht der Konsum, nicht die Arbeit, nicht der Kopf und seine manchmal wirren Gedanken.

    Schöne Grüße aus Berlin
    DANY

  9. Patrick, mit dem Beitrag triffst Du einen absoluten Nerv! Ich musste jetzt zusätzlich auch hier noch einmal kommentieren, nachdem ich noch zweimal durchgelesen habe.

    Ich vereinfache mein Leben seit ein paar Jahren mit Hilfe verschiedenster Tipps und Inspirationsquellen.

    Vor etwa 1,5 Jahren sind über 500 Bücher ausgezogen und haben einiges an Geld gebracht. Ich habe alle zusätzlichen Regale verkauft, den Rest gespendet, verschenkt oder entsorgt (meine allerletzte Option, da ich auch versuche, nicht noch mehr Müll zu verursachen. Gar nicht so leicht…)
    Momentan gehen Klamotten, Schuhe, Dekoartikel und bald noch vieles mehr, da wir wohl in eine kleinere Wohnung umziehen müssen.
    Inzwischen verkaufe ich teilweise auch für Familie + Freunde unnütze Dinge und gebe das mit Freuden weiter.
    Entrümpeln ist einfach so unglaublich befreiend!

    Ich bin total gespannt, welche Tipps Du hast, die Dinge loszuwerden 🙂

    Liebe Grüße
    Andrea

    • Hi Andrea,

      schön, dass du den Artikel gleich mehrmals gelesen hast und ich freue mich, dass du weiter dabei bleibst 🙂

      Ich wünsche dir viel Erfolg beim weiteren Entrümpeln!

  10. Hallo Patrick,

    Super Artikel.
    Das erste Mal, daß ich wirklich entrümpeln mußte war als ich vor ca. 8 Jahren nach Spanien zog. Die meisten meiner Möbel und Sachen wollte jemand aus meiner Familie oder Freunde. Den Rest hab ich an Soziale Einrichtungen gespendet oder eben wirklich weggeschmissen. Ich habe noch ein paar Kartons mit Sachen aus meiner Kindheit und Fotoalben im Keller meiner Freundin stehen und jedes Mal wenn ich auf Heimat-Urlaub bin, versuche ich auch dort weiter zu reduzieren.

    Vor ein paar Monaten bin ich nach Mexico gezogen und da ging alles wieder von vorne los. Wenigstens hab ich immer mal wieder ausgemistet, aber trotzdem ist es unglaublich wieviel Schleiß man ansammelt. Die Möbel haben wir über Webseiten – für gebrauchte Möbel und Deko – verkauft. Elektrogeräte haben wir zu Läden in Madrid gebracht und verkauft die gebrauchte Elektrozeug verkaufen. Kleidung und alles andere was wir nicht verkaufen konnten haben wir an soziale Organisationen gespendet oder an Freunde verschenkt und so sind wir dann mit 4 Koffern nach Mexiko gezogen. Inzwischen haben wir natürlich wieder ein paar Möbel, aber man braucht wirklich nicht viel. So haben wir kein Bett, sondern nur eine Matratze. Fernsehen hab ich schon über 8 Jahre keinen mehr, wenn ich was anschauen will mach ich das über den PC. Auch Geschirrspüler hab ich seit 8 Jahren keinen mehr…ist zwar manchmal lästig, aber es gibt schlimmeres. Waschmaschine haben wir auch noch nicht, wir bringen unsere Kleidung einmal die Woche in die Wäscherei. Natürlich ist das hier in Mexiko viel günstiger und wir haben auch das Glück, daß wir eine in unserer Straße haben. Ach ja…und einen Kleiderschrank haben wir seit wir hier sind auch nicht mehr. Wir leben noch aus dem Koffer und da wir unsere Kleidung auf ein Minimum reduziert haben ist es nur halb so schlimm.

    Bin gespannt auf deine nächsten Artikel zu diesem Thema.

    Viele liebe Grüße aus Guadalajara,
    Diana

    • Hallo nach Guadalajara,

      ein Umzug ins Ausland taugt bestimmt richtig gut zum Entrümpeln! Und wenn du dann noch den Kontinent verlässt, überlegst du dir sicher dreimal, was du wirklich brauchst. Finde ich gut! 🙂

  11. Das sind „First World“-Probleme. Kaufen bis der Arzt kommt, um dann zu entrümpeln und sich dann besser fühlen. Nach dem Motto „ich kann auf alles verzichten, nur meine Bose-Box muss bleiben.“.

    Was ist beispielsweise schlimm an Küchenhilfen? Gerade als Familie. Sie machen das leben leichter, man ist weniger genervt und hat mehr Zeit für andere (sinnvolle) Dinge.

    Meine Fresse, wenn Euch der ganze Kram stört, dann raus damit. Wo ist das Problem?

    • Hallo!

      Ich glaube, du hast ein paar grundsätzliche Dinge nicht verstanden.

      Die Dinge sind nicht „gut“ oder „schlecht“. Wenn jemand viele Küchengeräte als unnütze Belastung empfindet, heißt das noch lange nicht, dass man diese Dinge für schlecht hält. Es ist auch keine Beurteilung von Menschen, die Küchengeräte einsetzen und sie für sinnvoll halten. Also gaaaanz ruhig.

      Ich kenne kaum jemanden, der beim Thema „Besitz“ nicht über den ganzen Krempel stöhnt, den er hat. Spätestens beim Umzug. Ganz so einfach scheint das mit dem Loswerden des Krempels also doch nicht zu sein. Und das betrifft keinesfalls nur Konsumjunkies. Die Großteil unseres Wirtschaftssystems beruht darauf, Menschen zum konsumieren nicht notwendiger Dinge zu bringen. Insofern ist das tatsächlich ein First World Problem, denn es geht nicht mehr um das Decken von Bedürnissen. Es geht aber auch durchaus um Gesellschaftlichen „Druck“. Wie, du hast kein Smartphone? Kein Auto? Etwa auch keinen Fernseher?

      Es geht übrigens nicht um Verzicht. Ein weit verbreiteter Irrtum über Minimalisten. Die verzichten i.d.R. nämlich gar nicht. Sie gönnen es sich nur (im Gegensatz zu vielen anderen Menschen), sich von vielem für sie persönlich unnötigen Ballast zu befreien. Was der eine als Ballast empfindet, ist für den anderen wichtig und gibt dessen Leben einen großen Mehrwert. Als Familienvater mit zwei kleinen Kinden stehen Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner bei mir auf der sehr kurzen Liste von Dingen, die bei Defekt sofort repariert/ersetzt werden. Sollte es den Fernseher erwischen, bekommt der keinen Nachfolger mehr. Für einen minimalistischen Studenten sieht das wahrscheinlich völlig anders aus.

      Irgendwo hat ich mal einen schönen Satz gehört, sinngemäß etwa: „Wenn jemand daherkommt, der nicht mit dem Strom schwimmt und auch noch glücklich damit zu sein scheint, dann empfindet das die dumpfe Masse als Bedrohung. Erwarte also keinen Beifall von deinem Umfeld.“

      Grüße
      Jens

  12. hey! der Artikel ist super und ich freue mich riesig auf die weiteren.
    ich bin jetzt seit einem Jahr immer wieder am äußersten und habe schön 5 blaue MüllSäcke + Garderobe sortiert *stolz! Nichts neues zu kaufen fällt mir gar nicht schwer, nur die geliebten alten Sachen, die man doch nicht nützt abzugeben – oh man. Habe aber gerade für Dinge mit Erinnerungswert nun den Trick gefunden es abzufotografieren. Das hilft! 🙂

    Viele Grüße, Carla

    • Hallo Carla,

      Gegenstände mit ideellem Wert zu fotografieren, scheint mir eine beliebte Methode zu sein!
      Vielleicht mache ich das auch noch mit ein paar Dingen.

  13. Hallo,

    Ich liebe das Thema Minimalismus!!!
    Da ich alleine, mitten in der Stadt lebe, habe ich festgestellt, dass ich super wenig Gegenstände benötige.Wenn ich mal Besuch habe, und Geschirr oder Sitzgelegenheiten fehlen sollten, geht man einfach irgendwo zusammen in ein Café oder Bistro. Wenn mal jmd.bei mir übernachten möchte, (kommt eh nur für eine Nacht in Frage), darf der Besuch auf meinem Futon, der für mich Sofa, Sessel und Bett darstellt, schlafen und ich schlafe dann eben für diese eine Nacht auf einer Isomatte….wie gesagt, 90 Prozent bin ich alleine mit mir in meiner Bude, und dafür brauche ich nur die Dinge, die gerade in einen Rucksack und eine kleine Tasche passen. Zur Not habe ich die Freiheit alles hinter mir zu lassen, dann schnapp ich mir nur den Rucksack und mein Fahrrad und bin dann mal weg…..Ich weiss, dass das nicht jedermann Sache ist, aber ich kann es nur jeden ans Herz legen den unnötigen Balast abzuwerfen, es befreit ungemein und schafft evtl. sogar Platz für kreatives Wirken, oder eben für andere Dinge die einem im Leben wichtig sind. …. Auf diesem Wege liebe Grüße an alle die das lesen und damit etwas anfangen können, Robert aus Köln

    • Hallo Robert,

      das sehe ich auch als einen Vorteil von Single-Haushalten an: Wir haben am ehesten die Freiheit, auf unnötigen Ballast zu verzichten. Ich verstehe aber auch, dass das in einer Familie nur teilweise funktioniert.

      • Hallo nochmal,
        Da hast Du natürlich unbedingt recht mit dem Thema Familie.
        Wobei ich da sogar auch schon Erfahrungsberichte gelesen habe, wo das zum Teil auch mit Familie möglich sein solle.
        Schönen Abend!

        • Hallo!

          Die Herausforderung beim Minimalismus mit Familie liegt nach meiner Erfahrung vor allem darin, Partner/in und Kinder von dem grundsätzlichen Weg zu überzeugen. „Helfer“ waren bei uns zusätzlich auch noch eine kleine Wohnung und ein knappes Budget. Wir hatten uns entschieden, dass meine Frau für die Kinderbetreeung Elternzeit nimmt, bis die mit 3 Jahren in den Kindergarten gehen. Für uns ein Luxus, den sich aber nicht jeder leisten kann. Die finanziellen Unterschiede von DINKs auf Alleinverdiener mit 2 kleinen Kindern sind schon heftig.
          Minimalismus funktioniert bei uns vor allem aus zwei Richtungen: Mit der kleinen Wohnung und dem knappen Budget werden viele Dinge schnell zur Belastung. Allein schon aus diesem Grund versuchen wir, uns auf notwendige Dinge zu beschränken. Für die anderen in der Familie eher Notwendigkeit als Überzeugung, das muss ich schon zugeben. Trotzdem versuchen wir, bei den Dingen die wir kaufen auf Qualität und Nutzwert zu achten. Unterm Strich haben wir nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen.
          Der zweite Punkt: Unsere beiden Kleinen sind ziemliche Wirbelwinde, die beschäftigt und gefördert werden wollen. Wir geben unser Geld daher eher für Erfahrungen als für Dinge aus. Viele Erfahrungen gibt es dazu noch fast kostenlos. Eine Wanderung mit (selbstgemachtem) Picknick, natürlich mit Taschenmesser zum Schnitzen von Wanderstöcken und der Lupe zum Insekten beobachten – abends sind die Kinder für kleines Budget zufrieden und müde. Ansonsten lieber das Geld für einen Schwimmbadbesuch als das 25. Spielzeugauto.
          Größtes Hinderniss sind aber ganz klar die Dinge der Kinder. Der Verbrauch an Klamotten ist unglaublich. Selbst wenn man viel gebrauchte und veerbte Klamotten nutzt, ständig müssen neue her und die alten wieder weg. Hinzu kommt das Schenkbedürfnis der lieben Verwandtschaft, besonders der Großeltern. Ich bin nicht undankbar, es ist schön wenn sie den Kindern etwas schenken möchten. Aber das 5. Weihnachtspaket können die gar nicht mehr verarbeiten, sie sind von der Masse schlicht überfordert. Damit sinkt leider auch die Wertschätzung. An dem Punkt arbeiten wir noch. Devise für nächstes Weihnachten ist: 1 Geschenk je Oma/Opa & Co. Bin mal gespannt.
          Von außen betrachtet sieht ein minimalistischer Familienhaushalt natürlich anders aus als der eines Studenten. Ohne Geschirrspüler, Waschmaschine und Auto wären wir hoffnungslos verloren.
          Aber es geht ja darum, Unnötiges und Ballast loszuwerden. Ballast ist halt nicht für jeden gleich.

          Grüße
          Jens

          • Das trifft genau den Kern lieber Jens “ Balast ist nicht für jeden gleich“
            Toll wie Du das mit Familie machst…..

  14. Da hast du wieder einen guten Artikel geschrieben Patrick! Nach mehreren Umzügen habe ich immer noch zuviel Krempel, der in diesen Kisten auf dem Speicher steht. Seit Jahren. Aber was mache ich mit den edlen Leinenlaken, die meine Urgroßmutter für meine Aussteuer gekauft hat? Tatsächlich! Die Dinger sind super, aber da ich alleine bin, brauche ich keine 20 Stück davon.
    Spätestens als ich Bücherregale im Flur aufgestellt habe, weil im Wohnzimmer kein Platz mehr war, habe ich eingesehen, dass das so nicht weitergeht. Da kam dann der e-book reader, aber was mache ich jetzt mit 600 oder so Büchern? Ich habe schon hunderte ins Altpapier geworfen, weil lesesüchtig und kein Platz mehr. Ich bin gespannt auf deine Hinweise, wie ich den Kram loswerde ohne jedes Buch einzeln zu erfassen. Auch dir örtlichen Bibliotheken sind sehr wählerisch und ich sollte eine Liste erstellen. Weil ich ja sonst nix zu tun habe.

    Mir geht es wie dir, ich fühle mich von all dem Krempel eingeschränkt und belastet. Statt 3m Kleiderschrank habe ich jetzt nur noch 1m, das reicht tatsächlich, weil ich als Selbständige nicht mehr gezwungen bin, einem Dresscode zu folgen. Dafür leiste ich mir als Single Haushalt eine Spülmaschine, weil ich meine Zeit lieber mit kreativen Dingen verbringe und weiß, dass sich mein Waschbecken nach und nach zumüllt, wenn ich das schmutzige Geschirr nicht sofort wegschaffe.
    Ich denke, man sollte sich einfach klarwerden, wo die eigenen Prioritäten sind. Was erwarte ich mir von dem, was ich mir kaufe? Soll es nützlich sein, unterhaltsam, die Arbeit erleichtern usw.

    Was mache ich aber mit geschenktem Kram? Ich bekomme oft furchtbaren Krempel geschenkt, irgendwann habe ich z.B. 15 Weihnachtstasse aus zentnerschwerer Keramik entsorgt. Die Windlichter, die mir nette Leute für meine Terrasse mitgebracht haben füllen einen Umzugskarton und es ist kein Ende der Windlicht-Mania abzusehen. Ist vielleicht ein Nebenthema: wie wehre ich mich gegen liebevolle, aber völlig überflüssige Geschenke?

    • Hallo Dagmar,

      es gibt ein paar Möglichkeiten, eine große Menge an Büchern auf einmal loszuwerden. Ganz unaufwendig ist auch das nicht, aber von allein verschwinden sie eben nicht 😉 Ich habe z.B. letzte Woche eine Kiste voll an momox.de geschickt (dazu kommt demnächst mehr in einem Artikel). Das ist meiner Erfahrung nach die Variante mit dem geringsten Aufwand.

      Das Geschenkeproblem habe ich zum Glück nicht. Es kommt vor, ja, aber ist kein echtes Problem von mir. Ich denke, es hilft, gegenüber Freunden häufiger mal von Minimalismus zu reden bzw. davon, dass du zu viele Dinge hast. Wenn man mal darüber nachdenkt, können das viele Menschen wahrscheinlich nachvollziehen und ziehen ihre Schlüsse draus. Oder zu feierlichen Anlässen darauf hinweisen, nur Erlebnisse geschenkt zu bekommen oder Dinge, die sich aufbrauchen lassen.

  15. …muß mich als Mutter einer Großfamilie auch mal dazu äußern. Wir bekommen sehr viel geschenkt/vererbt. Das liegt daran, daß viele Eltern keine gebrauchten Sachen nehmen, weil sie in der Erziehung alles richtig machen wollen, und wenn man neugekaufte Sachen hat, dann kann ja nix schiefgehen. Also frehen sich die Geber, wenn sie ihren Müll bei uns abladen können. Wir schmeißen dann die Dinge weg, die wir auch nicht brauchen, und tun den Leuten damit einen Gefallen, die das selbst nicht übers Herz bringen. Diese Trennungsangst kommt zT aus den Kriegserlebnissen, und man muß verstehen, daß sich die Zeiten gewandelt haben: Es gibt viel zu viel Kram, und der meiste taugt nichts. Damit hat sich auch die Wertschätzung der Dinge gewandelt. Es ist nicht schlimm, wertloses und krankmachendes Essen oder wertlosen Plunder wegzuschmeißen – jedenfalls im Prozeß des Loslassens und der Wertschätzung.
    Ich versuche mich immer mehr mit Gegenständen zu umgeben, die nicht nur funktional sind, sondern auch schön. Eine selbstgetöpferte Salatschüssel statt einer Plastikschale, schweres Besteck statt Blech… . Dafür muß dann auch mal ein geerbter Gegenstand weichen, der es noch tun würde. Der Grund ist die Haptik, wenn ich die Gegenstände täglich in der Hand habe – meine Seele atmet auf, wenn sie sich mit Schönem umgibt. Dagegen ist mir völlig egal, was für ein Auto vor der Tür steht, denn das betrachte ich als unvermeidlichen Zweckträger.
    Als Großfamilie decken wir 14 Jahre Kinderkleidung ab, dh. meine Reservekleidung nimmt genausoviel Platz ein, wie die aktuelle. Ich freue mich über alles, was ich nach meinem Jüngsten loswerde! – Ein Freiwurf!
    Bei Spielzeug sieht es verheerend aus, denn wir sammeln seit 18 Jahren qualitatives Spielzeug. Was tut man mit 1 m3 Playmobil? Zum Wegwerfen zu teuer, zum Spenden auch, zum Verschenken oder Verkaufen müßte man ein ganzes Jahr zum Sortieren/Beschriften reinstecken. Und wir haben dann auch noch Duplo, Lego, Holzspielzeug, Waldorfpuppen, Murmelbahn … und da rede ich immerhin von „gutem“ Spielzeug, nicht von Billigplastik ohne Spielwert.
    Bei uns sind funktionierende Haushaltsgeräte lebenswichtig, damit der normale Betrieb im Fluß bleibt. Als wir 10 Tage ohne Waschmaschine waren, war der „Auspuff“ des Hauses verstopft, alles staute sich nach innen – hätte ich vorher selbst nicht so gedacht.
    Da in einer Großfamilie der Stauraum erst recht begrenzt ist, ist meine Küche natürlich erst recht durchdacht und verzichtet auf die zig Elektrokleingeräte, die man konsumieren kann. Schlimm sind auch die ganzen Kinder-Kataloge, wo einem suggeriert wird, daß an Fläschchenwärmer, Feuchttücher-Aufheizgerät und Schnullerthermometer kein Weg vorbeiführt.
    Diesen Kaufrausch erlebe ich aber nicht nur bei Eltern, sondern auch bei Bücherwürmern. Sammlernaturen hilft es, im Katalog alles anzukreuzen oder sogar auf’s Bestellformular einzutragen, was sie alles haben wollen – und dann aber doch nicht kaufen. Oder sie dürfen was schönes kaufen, und dann einer guten Freundin verschenken.
    Fotos sind auf jeden Fall eine sehr gute Trennungshilfe von geliebten Gegenständen. Viel zu selten fotographiere ich meine technischen Geräte, und schon ein paar Jahre später ärgere ich mich, daß ich nicht zeigen kann, wie altmodisch früher alles funktioniert hat. Meine Spiegelreflex dagegen hat ein kurzes Objektiv, und meine Handtasche ist so geschnitten, daß ich sie immer dabei haben kann – wem die große Kamera zu unhandlich ist, kann statt über Auszusortieren auch über eine passende Unterbringung nachdenken. – Das ist keine Kritik, daß man seine SLR nicht weggeben sollte, sondern eine Anregung, daß man statt über Ausmisten manchmal auch darüber nachdenken kann, warum sie unpraktisch sind oder einem nicht gefallen, und wie man das beheben kann. Müllvermeidung ist ja auch Umweltschutz.
    Ein echter Einschnitt beim Kinderkram ist der 3. Geburtstag, der Wandel vom Kleinkind zum Kind. Auf einmal fallen Kinderwagen, Babybett, Hochstuhl, Babyschaukel, Babyspielzeug, Tragehilfen und und und weg – das meiste sind Dinge, die viel Stauraum brauchen.
    Zum Ausmisten gehören für mich also viele verschiedene Aspekte. Warum hat man überhaupt die Dinge, was hat man für eine Grundeinstellung zum Besitz, wo beginnt Prestige, wo habe ich selbst etwas davon, was habe ich von meinem Eltern gelernt, wie will ich es heute machen, welchen Wert haben die Dinge für mich… Auch die Bewertung eines vollen Hauses: Ist es für mich schlimm, viele Sachen zu haben? Feng Shui? Was brauche ich, damit ich mich sicher fühle und weiß, daß ich alles habe, um mich versorgen zu können? Bevor man diese Fragen nicht mit sich abgemacht hat, braucht man nicht auszusortieren, sonst kommt in den entstandenen Leerraum gleich wieder der nächste Krempel. Und wenn man Kinder hat, kommt noch eine große Portion Fremdsteuerung dazu. Die Geschenke, die neuen Bedürfnisse, die einzelnen Entwicklungsschritte. Doch wie „Familie Nichts“ möchte ich auch nicht leben, für uns soll es gemütlich sein. Dazu gehören nicht Nippes, sondern Farben und Texturen – Vorhänge, Materialien. Vielleicht nimmt man auch lieber einen klapperigen alten Stuhl, weil er „was hat“, als einen soliden geerbten, den man nicht leiden kann. Dieser Bereich des Lebensgefühls ist für mich am schwierigsten: Ich will schöne Dinge, sie sollen nützlich sein, funktional, bezahlbar, und dann soll alles noch gut zusammenpassen – alles im Sinne eines bewußten Kosums. Um diese Dinge zu finden, muß man wiederum lange suchen, und schwupps, beschäftigt man sich wieder viel zu viel mit Konsum, bzw. dann eben „sinnvollem Konsum“, und es zieht Zeit ab, die man lieber in anderen Lebenswert stecken wollte… . Insofern lebe ich mit einigen Problemen bzw. zwinge mich nicht dazu, ein perfektes Haus anzustreben, in dem alles immer ganz richtig gelöst ist, denn daran würde ich auch kaputtgehen.
    Vielen Dank für Deinen Artikel, das Thema ist für mich ein Dauerbrenner, weil sich über die Kinder so viel angehäuft hat.

  16. dieser Artikel spiegelt übrigens das wieder, was ich aus dem Buch „simplfy your life“ gelernt habe

  17. Ein sehr schöner Blog! 🙂
    Tja, ich bin auch am Ausmisten … da wartet noch viel Arbeit auf mich.
    Ein paar Krempelquellen habe ich bereits trockenlegen können (Geschenke und Co von lieben Freunden / Kollegen / Familie) indem ich ganz konsequent alle nicht aufbrauchbaren Geschenke „verboten“ habe. Angenommen werden nur noch: gemeinsam verbrachte Zeit (bei einem Eis oder Tee o.ä), Kuchen oder andere gute Dinge zum Essen oder Trinken, Spenden für gute Zwecke. Ich gebe vorher einen dezenten „Tipp“, was grad gut passt. und die meisten Leute sind sogar dankbar, weil sie eh nicht wissen, was sie schenken sollen. Wir haben ja wirklich alles und davon noch zu viel…

    • Hi Susanne,

      gute Idee, Freunde und Familie in die richtige Richtung zu lenken. Ich habe bisher nur zuckrige Geschenke „verboten“. Alles andere Verzehrbare finde ich gut 🙂

  18. Super Artikel!

    Ich lebe auch nach vielen deiner Punkte und bin froh, dass meine Wohnung ordentlich ist und
    ich nur wenig besitze, was nicht regelmäßig im Einsatz ist. Aber dennoch ist es noch zu viel Krempel. Es sammelt sich halt immer wieder was an. Ganz heimlich, still und leise schleichen sie sich ein, die kleinen Sünden des Konsums ; )

    Gut, wenn man immer mal wieder an die eigenen Regeln erinnert wird : )

    Danke für diesen Beitrag und weiterhin viel Erfolg mit eurem Blog. Ich lese ihn oft und bin von den Inhalten begeistert.

    Alles Gute für euch : )

  19. Ein sehr gelungener Beitrag. Viele Dinge benötige ich wirklich nicht oder so selten (Mixer, Bohrmaschine…) das ich sie mir mittlerweile eher Ausleihe oder an andere verleihe, bevor ich mir so etwas kaufe. Bei Kleidung überlege ich auch zwei Mal. Kommt was neues, geht was altes. Klappt meistens auch ganz gut, manchmal kommt die Schwäche noch durch. Die Augen geöffnet hat mir der bewusste Umzug in eine nicht mal halb so große Wohnung u der Riesenstapel an Sachen die sich getürmt haben. Mit jedem Möbelstück weniger eine Erleichterung. Und das Reisen mit der Erkenntnis, wie wenig wir eigentlich brauchen. Klar denk man manchmal an Dinge die man gerade brauchen könnte und die man gerade nicht dabei hat, aber irgendwie geht es dann doch. Was mir noch mehr geholfen u die Augen geöffnet hat: Das Hörbuch „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston kann ich jedem ans Herz legen! Einige Dinge sind zwar sehr radikal u nicht für jeden Geschmack etwas, jedoch insgesamt sehr gute, umsetzbare Anregungen.

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