Mein Ziel: E-Mail und Facebook in den Griff bekommen

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Vor ein paar Tagen habe ich mich entschlossen, meine digitalen Laster abzulegen. Sie beschäftigen mich schon eine Weile und ich habe in den letzten Monaten Fortschritte gemacht – doch noch nicht genug. Jetzt will ich es richtig wissen.

Dieser Artikel ist in erster Linie eigennützig: Ich möchte den sozialen Druck auf mich erhöhen, der nötig sein wird, um diese schlechten Gewohnheiten loszuwerden. Was ich hier ankündige, möchte ich ganz sicher durchhalten.

Es geht um die folgenden schlechten Gewohnheiten:

  1. Ich rufe meine E-Mails viel zu häufig ab
  2. Ich verbringe zu viel Zeit bei Facebook
  3. Ich scanne immer wieder Überschriften auf Spiegel Online

Alle drei Laster verbindet das Gefühl, stets wissen zu wollen, was es Neues gibt. Ich könnte etwas verpassen. Nur mal kurz checken! Ich mache es am frühen Morgen, am späten Abend und unzählige Male zwischendurch, auch wenn ich gerade anderweitig beschäftigt bin. Dabei weiß ich, dass ich diese Informationen nicht brauche.

Es erinnert mich ein bisschen an Schokolade: Wenn ich lange keine gegessen habe, fehlt mir nichts. Aber wenn ich ein Stück koste, kann ich nicht mehr aufhören. Dann klicke ich immer wieder auf diesen „E-Mails abrufen“-Button.

Der Schokolade kann ich abschwören, wenn ich sie mir nach einer Anti-Zucker-Challenge abgewöhnt habe. Mit E-Mail und Facebook ist das etwas anderes. Ich möchte nicht komplett auf diese Dinge verzichten. Aber ich möchte sie für mich nutzen, anstatt mich von ihnen nutzen zu lassen. Daher muss ich mir Strategien überlegen, wie ich die Barrieren erhöhe, die mich davon abhalten, „nur mal kurz zu checken“.

Das sollen meine neuen Gewohnheiten werden:

  1. E-Mails nur noch einmal am Tag abrufen. Davon 90 Prozent sofort bearbeiten.
  2. Facebook nur noch aufrufen, wenn ich ein konkretes Anliegen für Healthy Habits oder 101 Places verfolge.
  3. News-Seiten wie Spiegel Online komplett meiden.

Mein langfristiges Ziel ist, meinen Laptop bewusst zu nutzen. Wenn ich kein konkretes Anliegen habe, möchte ich ihn gar nicht erst aufklappen. Dafür werde ich noch ein paar andere Laster ablegen müssen, aber ich fange mit diesen dreien an.

Warum sind das überhaupt Laster?

Alle drei Laster sind große Zeitkiller. Gebündelt könnte ich diese Zeit für schönere Dinge nutzen oder ich könnte produktiver arbeiten. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ich sie loswerden möchte.

Sie stressen mich! Sie tun mir nicht gut. Deshalb möchte ich etwas ändern. Ganz deutlich habe ich es im Januar gemerkt. Da gab es eine Phase, in der mein Postfach explodiert ist. Das lag einerseits daran, dass es die Hauptsaison für meinen Reiseblog war. Dazu kamen ein paar Anfragen zusammen, die ich nicht in fünf Minuten beantworten konnte. Außerdem hatten sich über die Zeit viele regelmäßige E-Mails angesammelt, die ich jeden Tag ohne nachzudenken gelöscht habe. Am Ende konnte ich alle paar Minuten auf den Abrufen-Button klicken und hatte immer wieder neue E-Mails im Postfach.

Die schiere Masse war erschlagend. Aber nicht nur das. Die meisten (echten) E-Mails erfordern eine Reaktion von mir. Ich muss darüber nachdenken, eine Antwort formulieren, ggf. weitere Forderungen und Wünsche erfüllen: Das ist alles Arbeit. Manchmal ist es Kritik von Menschen, die mit irgendwas rund um meine Arbeit unzufrieden sind. Manchmal sind es Anfragen, zu denen ich Nein sagen muss.

Wenn ich über den Tag verteilt zwanzig Mal meine E-Mails abrufe und zwanzig Mal mit Arbeit, Kritik und Neinsagen konfrontiert werde, dann stresst mich das zwanzig Mal. Das kann ich nicht gebrauchen.

Facebook stresst mich auf eine andere Art. Es ist längst bekannt, dass es uns unglücklich macht, den ganzen Tag zu lesen, was unsere Freunde so Tolles treiben. Dennoch können wir die Augen nicht davon lassen. Es ist auch bekannt, dass die meisten Menschen nur die positiven Seiten ihres Lebens teilen und damit die Realität verzerren. Dennoch zieht es uns runter, das zu sehen. Und auch das Gefühl, etwas zu verpassen, stresst mich. Obwohl ich weiß, dass ich nichts verpasse.

Nachrichten stressen mich noch am wenigsten, aber da sie fast immer negativ sind, üben sie keinen positiven Einfluss auf mich aus. Manchmal ärgere ich mich sogar darüber, dass eine harmlose Meldung bewusst negativ geschrieben wurde, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn mich das Event selbst nicht stresst, dann also die Berichterstattung darüber. Dabei verpasse ich auch hier nichts. Es gibt so gut wie keine Nachrichten, die mein Leben tatsächlich beeinflussen. Wenn es doch einmal etwas geben sollte, bekomme ich das auf anderen Wegen mit.

Wie ich diese Laster ablege

Ein bisschen Vorarbeit habe ich schon in den letzten Monaten geleistet. Ein großer Schritt war die Entschlackung meines Smartphones. Seit acht Monaten habe ich keine einzige E-Mail mehr auf meinem Handy gelesen. Auch alle Social-Media-Apps sind verschwunden. Spiele habe ich auch nicht mehr, wobei die nie ein großes Problem für mich waren.

Diese Veränderungen wirkten befreiend. Ich habe schnell gemerkt, dass ich nichts verpasse. Heute nutze ich mein Smartphone fast ausschließlich für vier Dinge:

  • Kommunikation: Ich kommuniziere via Whatsapp, Facebook Messenger und SMS mit meinen Freunden.
  • Navigation: Ich finde mich via Google Maps, Offline-Karten oder Navigations-Apps in unbekanntem Terrain zurecht.
  • Notizen: Ich halte meine Gedanken in einer Notizen-App fest.
  • Lesen: Ich lese Blogartikel. Zwar lese ich nicht so gern auf dem Smartphone, aber ich habe es aufgegeben, Blogs am Laptop zu lesen. Interessante Artikel schicke ich via Pocket-App auf mein Smartphone und lese sie später in einem ungestörten Moment.

Da ich mein Handy schon im Griff habe, liegt mein Hauptaugenmerk nun auf der Nutzung meines Laptops.

1. E-Mails nur einmal am Tag abrufen

Nach dem Stress im Januar habe ich zunächst das E-Mail-Aufkommen deutlich reduziert. Alles, was ich nicht unbedingt lesen muss, habe ich abbestellt. Das betrifft Newsletter jeder Art, Social-Media-Benachrichtigungen, Pressemitteilungen und Benachrichtigungen aus meinem Forum für Introvertierte. Bestimmte E-Mails lasse ich ungelesen (aber als gelesen markiert) in dafür vorgesehene Ordner laufen. Über meine 101-Places-Fanseite kann ich nun keine Nachrichten mehr empfangen. Außerdem habe ich für meine 101-Places-Adresse einen Autoresponder eingerichtet, der den Absender einer E-Mail darüber informiert, dass eine Antwort dauern kann oder ich auf bestimmte Anfragen nicht antworten werde.

Um nicht so stark in Versuchung zu geraten, meine E-Mails abzurufen, halte ich das Programm die meiste Zeit des Tages geschlossen. Wenn ich eine Information suche, muss ich es zwar öffnen, allerdings habe ich den automatischen Abruf deaktiviert.

Ich nehme mir für jeden Tag eine feste Zeit vor, an der ich meine E-Mails abrufe und dann auch mindestens 30 Minuten Zeit habe, um sie sofort zu bearbeiten. Das mache ich für gewöhnlich am Nachmittag, um vormittags produktiv arbeiten zu können.

2. Facebook nur mit konkretem Anliegen aufrufen

Facebook rufe ich nur auf, wenn ich ein konkretes Anliegen habe, also z. B. einen Beitrag für Healthy Habits oder 101 Places veröffentlichen oder eine längere Nachricht beantworten möchte. Das kommt kaum öfter als ein- oder zweimal am Tag vor. An manchen Tagen gar nicht. Kurze Nachrichten wickle ich über mein Smartphone ab. Sie sind kein Grund, die Facebook-Website aufzurufen.

Um der Facebook-Verlockung zu widerstehen, habe ich das Browser-Plugin Mindful Browsing installiert. Mit diesem kann ich jede beliebige Website sperren. Wann immer ich nun Facebook aufrufe, erhalte ich den Hinweis, dass die Seite gesperrt ist. Nach Ablauf von zehn Sekunden kann ich mich entscheiden, ob ich sie trotzdem besuchen möchte oder nicht. Das reicht für gewöhnlich schon aus, um die unbewusste Gewohnheit zu durchbrechen und mich an mein Vorhaben zu erinnern.

Besuche ich Facebook trotzdem, so ist die Seite beim nächsten Besuch wieder geblockt.

Vor einigen Monaten habe ich noch ein anderes Plugin genutzt. Es nennt sich Waste No Time und blockiert die Websites komplett bzw. kann ich dort ein Zeitlimit festlegen, das ich mir täglich erlaube (z. B. fünf Minuten für Facebook, zehn Minuten für Youtube etc.). Allerdings war dieses Vorgehen für mich unpraktisch, da ich immer noch häufig bei Facebook war, mich allerdings mehr beeilte. Wenn ich jedoch wirklich mal ein konkretes Anliegen hatte, reichte die Zeit nicht aus und ich musste das Plugin deaktivieren.

3. News-Seiten meiden

Mein größtes Laster unter den News-Seiten ist Spiegel Online. Diese Website habe ich nun ebenfalls mit dem Mindful-Browsing-Plugin gesperrt. Seitdem habe ich sie nicht einmal mehr aufgerufen.

Als ich das im letzten Jahr mit Waste No Time versuchte, wich ich auf andere News-Seiten aus. Falls das wieder passieren sollte, werde ich auch diese sperren.

Wenn ich mich jedoch bewusst über das Tagesgeschehen informieren oder ein aktuelles Thema recherchieren möchte, kann ich das immer noch jederzeit tun. Es kommt jedoch selten vor.

Das sind meine Strategien, um diese drei Laster loszuwerden. Ich praktiziere sie seit einigen Tagen und bisher läuft es sehr gut. Kurz nach jedem E-Mail-Abruf spüre ich das Verlangen, noch ein paar Mal auf den Button zu klicken. Doch eine Stunde später ist es mir völlig egal. Dabei kommt mir zugute, dass ich mich gerade in einem sehr ländlichen Umfeld befinde, in dem ich ohnehin mehr abschalten wollte. Ich hoffe jedoch, diese Veränderungen auch im Alltag beibehalten zu können. Bis zum 20. März ziehe ich das jetzt durch (30 Tage). Mal sehen, ob es danach zur Gewohnheit geworden ist.

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