Schaffen nur Übermenschen den Weg zum besten Ich?

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Seit Monaten steht meine Gitarre unbespielt da. Mein Yoga-Online-Kurs wartet darauf, dass ich die Matte ausrolle und das erste Video (von 18) anklicke. Die ungelesenen Bücher stapeln sich. Ganz zu schweigen von den mehrmaligen Entspannungs- und Atemübungen am Tag. Die habe ich nicht einmal geschafft, als ich noch nicht selbständig, sondern mehr oder weniger arbeitslos zu Hause war.

Ohne Zweifel täten mir all diese Dinge gut. Im Alltag setze ich die Prioritäten dann aber doch anders. Ich verwechsle Wichtiges mit Dringendem. So wird es wohl vorerst nichts mit der Erleuchtung und der Allzeit-Ausgeglichenheit, von der ich immer träume.

Hindernisse auf dem Weg zum besten Ich

Ich wäre gern ein tiefenentspannter, geduldiger, ausgeglichener und zufriedener Mensch. Nichts leichter als das, schließlich gibt es ein reichhaltiges Angebot an Büchern, Blogs und Anleitungen über Gesundheit, Selbstmanagement, Persönlichkeitsentwicklung und Glück. Als wissensdurstiger Staubsauger lese ich die Ressourcen u. a. von afschinbewusst glücklich, Leben ohne Limit, mymonk, raptitude und vielen weiteren Autoren. Schließlich will ich – wie die vielen anderen Leser auch – mein Leben verbessern oder besser gesagt: mein bestes Ich leben.

Wie das geht, steht überall. Na dann los!

Aber wenn das so leicht wäre.

Auf dem Weg zum besten Ich werde ich immer wieder zurückgeworfen. Von negativen Gedanken, mangelnder Motivation, Ablenkungen, Krankheit und Wehwehchen oder schlechtem Wetter – irgendwas ist immer.

Vielleicht kommen dir die folgenden Herausforderungen bekannt vor:

  • Reizüberflutung: Oft erschlägt mich die Flut an Artikeln, die ich eigentlich alle lesen müsste. Mit dem Überfliegen kommt das schlechte Gewissen, dass ich nicht nur die (Zwischen-) Überschriften scannen, sondern die Texte komplett lesen sollte (Punkt 7 wird mir schließlich den Atem rauben!).
  • Umsetzung: Vom Lesen allein ist noch niemand ein besserer Mensch geworden. Erst wenn ich mich hinlege und mich bewusst entspanne, werde ich ruhiger – nicht vom theoretischen Wissen über Progressive Muskelrelaxation.
  • Der Tag und seine 24 Stunden: „Alles schön und gut, aber wenn man 40 Stunden arbeitet, …“, höre ich immer wieder meine Freunde sagen. Ihre (und meine) Woche vergeht auch so, ohne die gut gemeinte Beschäftigungstherapie. Im Gegensatz dazu stehen manche Menschen um 5 Uhr oder früher auf, um zu meditieren oder Yoga zu üben. Respekt! Wer gern viel schläft wie ich, hat da schlechte Karten. Für mich ist es schon eine Herausforderung mehrmals die Woche zu kochen.
  • Das Wissen um die Banalität: “Leipziger Bloggerin, 27, findet nicht die Zeit für regelmäßige Atemübungen” – tragisch! Ich weiß, dass es größere Probleme gibt. Doch wenn ich den Gewohnheiten nicht die nötige Priorität einräume, kann es auch nichts werden. Außerdem demotiviert mich die Aussichtslosigkeit mal wirklich alles erledigt zu haben. Ich hake nun mal gern Dinge ab.
  • Selbstzweifel: Kann ich ernsthaft Ratschläge erteilen, wenn ich selbst nicht alles in meinem Alltag unterkriege? Oder macht mich genau das als Bloggerin aus, dass ich meine Unzulänglichkeiten zugebe und nicht vorgaukele, die eierlegende Yoga-Zen-Henne zu sein?

To Do: Übermensch werden

Nur ein Übermensch kann all die Hindernisse überwinden. Jemand mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit. Jemand, der sich im Alltag nicht von Facebook & Co. ablenken lässt. Jemand, der früh aufsteht. Jemand, der trotz des Familienbesuchs vorher seine Routine durchzieht. Jemand, der den Fernseher früher ausschaltet. Jemand, der aus intrinsischer Motivation die gesunden Gewohnheiten an höchste Stelle setzt.

Aber versuche ich nicht mit Hilfe meiner Gewohnheiten genau dieser Mensch zu werden?!

überfrau

Es kommt mir wie ein Henne-Ei-Problem vor, für das ich keine Lösung habe. Aber was ist die Alternative? Alles zu verwerfen? Bestimmt nicht!

Ich weiß schon, dass ich mindestens eine gute Schippe Disziplin, eine gesunde Portion Egoismus, eine solide Prise an Selbstwertgefühl und einiges mehr brauche. Bis dahin wird es wohl dauern (Kaffeepause!).

Die Moral von der Geschicht’?

“Der Weg ist das Ziel”, lautet meine Devise. Ich werde mich weiter um meine Gewohnheiten bemühen – nur nicht um alle (gleichzeitig). Vor einigen Monaten nahm ich mir einfach zu viele Dinge auf einmal vor. Doch der Sinn war mir nicht klar genug, um sie langfristig durchzuhalten.

Trotzdem habe ich mich in den letzten Jahren weiterentwickelt und stehe jetzt an einem Punkt, an dem es mir ziemlich gut geht. Ohne Selbstoptimierung, inspirierende Bücher & Co. wäre ich jetzt nicht hier, sondern woanders.

Was die Selbstzweifel angeht: Sie sind mal stärker, mal schwächer. Doch es lohnt sich für mich, dich, unseren Leser, immer wieder neu zu inspirieren. Auch wenn nur wenige Menschen wenige Dinge umsetzen, melden sich doch immer wieder Leser, denen wir helfen ihr Leben zu verbessern. Selbst auf die Menschen, die sich nur inspirieren lassen, haben unsere Texte hoffentlich einen positiven Einfluss.


Fotos: Super im Geschäft und Yoga im Park von Shutterstock

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