Wie viel Selbstoptimierung ist gesund?

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Ich bin eine Top-Kandidatin für permanente Selbstoptimierung. In der Schule habe ich es gelernt und war als Wettbewerbstierchen ziemlich gut darin.

Die Fortsetzung folgte im Studium und bei der Lebenslaufpolitur: natürlich ein Auslandssemester, noch eine Fremdsprache mehr und möglichst renommierte Praktika standen auf dem Plan. Um alles zu schaffen, optimierte ich meine Lernstrategie und meinen Zeitplan.

Im Job schraubte ich später weiter an mir selbst, um noch effizienter zu sein. Ich legte mir ein gutes To-Do-Management nach David Allen zu. Dazu verwende ich bis heute ein browserbasiertes Tool und eine App (Nirvana), ordentliche Hardware, zwei Bildschirme, eine SSD-Festplatte, diverse Tools für Projektmanagement (Trello) & Co. – mehr Effizienz geht immer.

Zufriedenheit spüre ich daher selten. An Selbstlob kann ich mich kaum erinnern. Klopfst du dir etwa zwischendurch auf die Schulter und lobst dich?

Es liegt in der Natur des Menschen: Wenn die temporär maximale Erfolgsstufe erreicht ist, wird uns schnell langweilig. Wir suchen uns neue Herausforderungen, denn irgendwas müssen wir doch optimieren!

Das war im Laufe der Evolution auch sehr sinnvoll. Ohne Selbstoptimierung würden wir immer noch in Höhlen frieren und Wurzeln kauen.

Reichlich Ideen zur Selbstoptimierung

Heute haben wir nicht mehr um die Existenz zu fürchten, doch Ideen zur Optimierung gibt es genug:

Irgendwas ist immer!

Diät

Selbstoptimierung ist ein zweischneidiges Schwert

Wir würden nicht Healthy Habits betreiben, wenn wir nicht an uns arbeiten wollen würden. Veränderung ist oft positiv, gerade wenn wir ungesunde Gewohnheiten wie Rauchen, Fast Food, Faulheit und Fernsehen angehen.

Aber uns ist bewusst, dass übertriebene Selbstoptimierung auch kontraproduktiv sein kann. Ein paar Beispiele findest du hier:

Positiv

Negativ

  • Den Weg zum gesunden Gewohnheitstier einschlagen
  • Nie mit sich zufrieden sein
  • Irgendwas ist immer noch nicht „optimal“
  • Seine Gewohnheiten ändern
  • Alltag verändern
  • Aus Marotten ausbrechen
  • Checkliste führen
  • Sich permanent zu etwas zwingen
  • Sich unfrei fühlen
  • Risiko, erst recht zurückzufallen
  • Unvernünftig sein wollen
  • Etwas für den Körper tun
  • Übergewicht abbauen
  • Muskeln stärken, etc.
  • Permanente Unzufriedenheit
  • Sich nicht annehmen können
  • Essensgewohnheiten verbessern
  • Weniger Fertigessen essen
  • Essentagebuch führen
  • Ständiges Nachdenken über Essen
  • Verbote erzeugen erst recht Reiz
  • Essstörungen

 

  • Öfter selber kochen
  • Frisch und regional einkaufen
  • Zusätzlicher Stress zum Feierabend
  • Druck und schlechtes Gewissen, wenn es nicht klappt
  • Am Geist arbeiten
  • Denkgewohnheiten hinterfragen
  • Einstellung, Wahrnehmung und Erwartungen weiterentwickeln
  • Überforderung
  • Nicht gegen alte Denkmuster ankommen
  • ‚Warum optimiere ich, während alle anderen sich keinen Kopf machen?‘
  • Viele Quellen von Anleitungen:  Videos, Bücher, Kurse, Coaches, etc.
  • Sich informieren
  • Sich verrennen
  • Alles scheint zu viel und unerreichbar
  • Selbstüberforderung, weil schon eine neue Gewohnheit anstrengend ist
  • Im Job an der Effizienz schrauben
  • Immer mehr Leistung bringen
  • Weniger Zeit vertrödeln
  • Überforderung
  • Das Gefühl für alles verantwortlich zu sein
  • Nicht mehr Abschalten können

Internale Kontrollüberzeugung

All diese Punkte zeigen, dass wir glauben, alles unter Kontrolle zu haben, aber übersehen, dass wir nicht alles kontrollieren können und uns dadurch stressen. Das hat etwas mit unserer Kontrollüberzeugung a.k.a. locus of control zu tun.

Ein Beispiel für eine externale Kontrollüberzeugung ist die Aussage: „Ob ich befördert werde, entscheiden andere. Da kann ich tun und lassen, was ich will.“

Jemand mit einer internalen Kontrollüberzeugung sagt eher: „Wenn ich gut genug bin, werden meine Vorgesetzten merken, dass ich für die Stelle der beste Kandidat bin. So kriege ich den Job.“

Als Deutsche sind wir kulturell eher überzeugt, die Dinge in der Hand zu haben als ausgeliefert zu sein. In anderen Kulturen sehen die Menschen ihr Schicksal in der Hand Gottes oder der Machthaber, des Königs, etc.

Wie es bei uns aussieht? Alles unter Kontrolle!

Patrick und ich haben eine eher internale Kontrollüberzeugung, d.h. wir glauben, dass wir die Dinge verändern können, dass wir unser Schicksal, das Steuer in der Hand haben.

Wir haben es auch in den letzten Jahren bewiesen, denn wir haben uns zu Veränderungen in unserem Leben entschieden, statt abzuwarten und sich der Unzufriedenheit zu ergeben.

Doch das An-sich-Feilen belastet uns manchmal auch. Ich habe zwar das Gefühl mittlerweile mit mir zufriedener zu sein, doch wahrscheinlich konzentriere ich mich jetzt einfach auf andere Bereiche als früher.

Vor zehn Jahren drehten sich meine Gedanken um meine Figur, meine Noten und meinen Lebenslauf. Heute habe ich hohe Ansprüche an meine Ernährung, an mein Training und mein persönliches Wachstum. Ich verlange von mir mindestens ein Buch im Monat zu lesen, andere Blogs zu verfolgen, tiefgründige Artikel zu verfassen und und und.

Bin ich hier eigentlich die Einzige?

Manchmal strengt mich das selber an, denn während ich mich fortbilde und beispielsweise Bücher über den Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten lese, bleiben andere stehen. Die Personen, die mich anstrengen, machen sich nicht die Mühe an sich zu arbeiten. Warum auch?

Daher beschleicht mich manchmal das Gefühl: „Warum bin ich gefühlt die Einzige, die permanent an sich zu arbeiten versucht?!“

Werde ich je zufrieden sein?

Wie in der Tabelle angedeutet, sehe ich die Gefahr nie zufrieden mit mir zu sein. Mein Wettbewerbsdenken wird immer den Vergleich mit anderen suchen und Schwächen finden.

Chefs mögen behaupten: „Man darf nie zufrieden sein, denn Zufriedenheit verhindert Wachstum.“ Trotzdem finde ich Zufriedenheit höchst erstrebenswert, denn wenn wir es selbst nicht mit uns aushalten, wer dann?


Optimierst du viel an dir herum? Wie viel Selbstoptimierung findest du gesund? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

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