Was wir 60 Tage im Jahr tun oder: Warum wir so viel fernsehen

Weißt du, womit du 2 Monate im Jahr verbringst? Nicht mit Schlafen. Mit Fernsehen!

Im Durchschnitt gucken wir rund 3,5 Stunden pro Tag in die Röhre. Wenn wir nur die über 14-Jährigen betrachten, sind es vier Stunden. Aufs Jahr gerechnet sind das 1.453 Stunden. Oder 60 Tage. 2 Monate. 

Seit 2010 nimmt die tägliche Dauer zwar leicht ab, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass wir auf Online-Serien, -Filme & Co. ausweichen oder unehrlichere Antworten geben.

Statistik: Durchschnittliche tägliche Fernsehdauer in Deutschland in den Jahren 1997 bis 2014 (in Minuten) | Statista
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In unserer Jugend trafen diese Zahlen auch auf uns zu. Patrick lag weit über dem genannten Durchschnitt. Heute sehen wir Fernsehen als Anti-Habit, eine Gewohnheit, die wir uns abtrainieren wollen. Du erfährst in diesem Beitrag, warum Fernsehen eine fest verankerte Gewohnheit ist und warum es uns sehr schwer fällt, den Anschluss abzumelden.

Was hält uns vor der Glotze?

Sind wir uns nicht schon lange einig, dass eigentlich „nichts kommt“? Ja, es gibt Lichtblicke, wenn ich an Joko und Klaas denke. Aber bei dem gewohnheitsmäßigen Fernsehen rede ich weniger von den aus meiner Sicht selten gewordenen, sehenswerten Shows. Ich denke vor allem an den täglichen automatisierten Fernsehkonsum. Wenn eigentlich nichts kommt, früh, nach der Arbeit und vorm Schlafengehen. Wieso schalten wir selbstverständlich den Fernseher ein? Lass uns dieses Hobby aus einer Gewohnheitsperspektive betrachten:

Fernsehen ist eine Gewohnheit

Gewohnheiten sind Abkürzungen unseres Gehirns, um uns das Leben zu erleichtern. Sie nehmen uns Entscheidungen ab. Unseren Vorfahren half das einst, denn erfolgreiche Techniken für die Jagd, das Sammeln und den Schutz der Höhle wurden zur Gewohnheit und sicherten das Überleben. Statt immer wieder überlegen und entscheiden zu müssen, gewöhnten sich die Menschen an, etwas zu tun oder zu lassen.

Heute brauchen wir kaum noch um unser Leben zu fürchten. Die Automatismen schleichen sich aber noch genau so ein – auch wenn sie uns nichts nützen.

Als Kinder waren wir fasziniert von den bunten, flimmernden Bildern. Seit der Schulzeit diente uns der Fernseher als Anlaufstelle, um zu entspannen (dazu gleich noch ein paar Worte). Wenn wir das oft genug so machen, bildet sich quasi ein Trampelpfad im Gehirn, dem wir immer wieder folgen. Wie auch immer wir zum Fernsehen kommen, wir gewöhnen uns dran. Wieso auch nicht? Irgendwann denken wir nicht mehr drüber nach, ob und was wir sehen wollen. Die Hand ist wie von selbst an der Fernbedienung und drückt aufs Knöpfchen.

„Entspannung“ oder: Wie wir körperliche und geistige Erschöpfung verwechseln

Die meisten Menschen denken, dass Fernsehen entspannt. Eine Studie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hat jedoch herausgefunden, dass die Flimmerkiste genau das Gegenteil bewirkt. Wir fühlen uns nicht entspannt, sondern schuldig.

Der Grund dafür ist unbequem, aber wahr: Wir wissen, dass wir unsere Zeit besser nutzen könnten, ob nun um Aufgaben zu erledigen oder mit der Familie aktiv Zeit zu verbringen etc. Uns ist folglich bewusst, dass Fernsehen ein Symptom von „Aufschieberitis“ oder Prokrastination ist. Das gleiche gilt übrigens für Computerspiele. Dazu kommt wahrscheinlich noch das schlechte Gewissen wegen der leeren Chipstüte oder Schokoladenverpackung, die wir nach dem Fernsehabend entsorgen…

Wir wollen dir nicht vorschreiben, was du für deine Entspannung zu tun oder zu lassen hast. Nur du allein kannst beurteilen, was dir guttut. Es könnte aber sein, dass du seit Langem einfach nur glaubst bzw. hoffst, dass du dich durchs Fernsehen entspannst. Beobachte dich doch mal selbst, ob du dich nach einigen Stunden vorm Fernseher wirklich besser fühlst und sei ehrlich zu dir selbst!

Ich habe dieses Jahr zu Beginn meiner Auszeit viel ferngesehen und Serien geguckt. Ich hatte für nichts anderes Lust oder Kraft. So vergingen einige Wochen, in denen ich teilweise sieben oder acht Stunden fernsah oder Serien guckte. Ich stellte allerdings irgendwann fest, dass es mich nicht entspannte. Dass ich mich kein bisschen besser fühlte, sondern eher schlechter, wenn ich den Tag auf der Couch vorm Fernseher verbracht hatte.

Irgendwann bekam ich den Rat lieber zu lesen statt fernzusehen, denn ich sei ja vielleicht körperlich erschöpft, aber nicht geistig. Ein paar Buchempfehlungen von Patrick gaben mir noch den nötigen Anstoß, um mir einen eBook-Reader zu kaufen und loszulegen. Tatsächlich merkte ich dann, wie ich durch das Lesen innerlich ruhiger wurde. Außerdem inspirierten mich die Bücher und ich wurde das Gefühl los, nichts geschafft zu haben.

Entscheidungen abnehmen

Viele von uns haben den Wunsch: „Nimm mir die Entscheidung ab!“ Aus dem gleichen Grund kaufen wir das vorsortierte 3er-Set aus Tee, den fertigen Präsentkorb oder den Kaffee mit den meisten positiven Bewertungen. Wir wollen und können nicht jedes Mal alles filtern, sortieren, lesen, abwägen und entscheiden. Das Leben ist viel zu kompliziert mit all seinen kleinen (Was ziehe ich an?) und großen Entscheidungen (Ist es Zeit für ein Baby?).

Beim Zappen durch die Sender treffen wir zwar auch Entscheidungen, aber wenigstens erwartet uns schon ein limitiertes „Set von Entscheidungsalternativen“. Das ist leichter, als von 0 anzufangen und zu überlegen, was wir eigentlich gern sehen würden. Oder welche andere Beschäftigung uns interessieren würde. Wie wir sonst unsere Zeit verbringen könnten.

Fernsehen aus Gruppenzwang  Warum uns sozialer Druck beeinflusst

Wenn wir uns die eingangs genannten Zahlen ansehen, sehen wir, dass es die Abendunterhaltung Nummer 1 sein muss. Das haben wir schon in der Kindheit gelernt – durch Nachahmung oder „Lernen am Modell“. Sprich: Kinder beobachten z. B. ihre Eltern und lernen, dass Fernsehen offensichtlich ein fesselndes Hobby ist, das es jeden Tag auszuüben gilt.

Selbst, wenn wir später andere Vorlieben haben, hält uns der Gruppenzwang gefangen. Du hast vielleicht Lust etwas anderes zu machen, aber dein Partner, deine Familie oder deine Freunde überzeugen dich doch zu einem Fernsehabend? Wenn Serien & Co. ein Gesprächsthema sind, willst du natürlich auch mitreden können. Oder sie möchten auch etwas anderes machen, denken aber, dass du unbedingt fernsehen willst?

Häufig ist der Griff zur Fernbedienung keine bewusste Entscheidung, sondern wir folgen nur unserer Gewohnheit oder der unserer Mitmenschen. Doch Gewohnheiten können wir ändern.

Immerhin 16 Prozent aller Deutschen nahmen sich für 2014 vor weniger fernzusehen. Vielleicht bist du eine/r von ihnen. Hast du es durchgezogen? Aber was heißt überhaupt „weniger“?

Infografik: Gute Vorsätze für 2014 | Statista

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Ein leichtfertiger Rat wäre ja, den Fernsehanschluss abzumelden. Doch so ein großer Schritt schreckt dich und viele andere vielleicht ab. Ich kann dir auch sagen warum.

Warum du deinen Anschluss nicht abmeldest

  1. Optionen offen halten: Wir mögen es, uns so lange wie möglich alle Türen offen zu halten. Experimente haben bewiesen, dass wir es so lange wie möglich hinausschieben, eine Option endgültig abzuschreiben. Wir schieben es auf uns zu trennen oder das Auto zu verkaufen. Irgendwann könnten wir es sonst bereuen. Erstmal abwarten.
  2. „Du hast keinen Fernseher?!“: Wie bereits angesprochen, kann uns auch der soziale Druck davon abhalten, es durchzuziehen und den Fernseher loszuwerden.
  3. Es macht Mühe: Einen Anschluss abzumelden bedeutet Aufwand. Auch wenn es nur ein Telefonat, eine Email, ein Fax oder einen Brief erfordert. Es scheitert schon am Ordner, den wir rauskramen müssen.

Wie gesagt: Du kannst tun und lassen, was du willst. Wir können nur darüber schreiben, was für uns funktioniert und uns guttut. Wenig Fernsehen lässt dir Zeit für Hobbies, die dich wirklich entspannen, wie Lesen (auch wenn dir das im ersten Moment anstrengender erscheint).

Im zweiten Teil der Fernseh-Artikelreihe erfährst du, wie du die Gewohnheit Fernsehen einschränkst oder ganz loswirst – je nachdem, was du möchtest.

Warum siehst du fern? Und was zeigt dir deine Selbstbeobachtung? Wir sind gespannt auf deinen Kommentar!


Foto: Frau mit Fernbedienung von Shutterstock

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31 Kommentare

  1. Hallo Jasmin,
    wie wahr, wie wahr! Als Kind durfte ich nur wenig fernsehen, nach meiner Abizeit und mit dem eigenen Fernseher habe ich viel nachgeholt. Eine Zeitlang war das tägliche Fernsehen ein Ritual. Vielleicht eine Sucht?
    Zum Glück sind wir davon abgekommen. Zum einen ist es der schlechte Empfang des DBV-T-Recievers, die mangelnde Zeit sowie das unansprechende Programm. Wir setzen uns zwar auch abends vor den Fernseher, dort streamen wir jedoch Serien und Filme. Quasi unser eigenes Programm.
    Ich bin schon auf Eure Entwöhnungs-Tipps gespannt. Vielleicht brauchen wir doch keine Sat-Schüssel? Diese möchte mein Mann nämlich seit ca. 3 Jahren kaufen und anschließen.
    Lieben Gruß
    Steffi

    • Hallo Steffi,
      danke für deinen Kommentar. Die Grenze zwischen Ritual und Sucht ist sicher fließend. Ich selber sehe mittlerweile auch überwiegend „eigenes Programm“. Ich finde, dass das ausreicht. Die Momente, in denen ich wirklich den Fernseher brauche, sind wirklich selten, wie z. B. wenn eine Fußball-WM stattfindet :-) Das kommt zwar auch irgendwo in einer Mediathek, aber wahrscheinlich ein bisschen instabil…
      Liebe Grüße
      Jasmin

  2. Ich glaube ja, dass viele Menschen (und da zähle ich mich auch zu) fernsehen, um Emotionen zu erleben in ihrem ansonsten eher langweiligen Leben (Spannung, Romantik etc.). Man kann halt (gerade mit einem Kleinkind im Haushalt) sich nicht jeden Abend mit Freunden in der Bar treffen oder so, um sich diese Erlebnisse/Emotionen selbst in dem Maße zu schaffen.
    Bücher lösen zwar auch Emotionen aus, aber meiner Meinung nach nicht so stark wie das TV (die Musik hat da sicherlich einen großen Anteil daran, die Emotionen zu steuern).

    Ich sehe Fernsehen eigentlich auf einer Stufe mit Lesen. Warum sich einige Menschen (da zähle ich mich in diesem Fall nicht zu) nach dem Fernsehen schlechter fühlen als nach dem Lesen, liegt wahrscheinlich daran, dass Lesen als etwas Hochwertiges angesehen wird, Fernsehen jedoch eher als „Unterschichtsunterhaltung“. Eigentlich bedienen sie aber die gleichen Motive (vor allem Eskapismus), und Lesen ist ja an sich keine sinnvollere Tätigkeit, sondern (falls es sich um Romane handelt) ebenso unterhaltender Medienkonsum wie Fernsehen oder Computerspiele.

    Ich persönlich schaue auch hauptsächlich mein eigenes Serien-Programm (via Streaming), und im TV hauptsächlich Filme oder Comedy a lá „heute-show“.

    • Es gibt einen Unterschied: Lesen regt die Fantasie an, man hat Kopfkino. Fernsehen liefert sämtliche Bilder auf dem Silbertablett.
      Ich persönlich lese lieber (und bin da auch emotional viel stärker drin) und ärgere mich über schlechte/ unpassende Romanverfilmungen :D

      Mein Problem ist eher der PC, früher hab ich da wenigstens noch was produktives gemacht, sprich, mich um meine eigenen Webseiten und Blogs gekümmert, momentan zocke und lese ich mehr. Produzieren ist meist aber noch befriedigender als konsumieren, auch wenn ich das Konsumieren am PC als interaktiver wahrnehme als Fernsehen (aber 1-2-Zeiler bei FB zu kommentieren ist NICHT produktiv und auch nur wenig interaktiv).
      Lieblingsausrede ist dann „ich produziere schon beruflich genug am PC“.

      LG
      Claudia

      • Hallo Christoph, hallo Claudia,

        vielen Dank für eure Kommentare! (Melde mich aus einer kleinen Weihnachts- und Silvesterpause zurück!)

        Ich sehe das auch so, dass Lesen die Fantasie anregt. Beim Fernsehen habe ich kaum das Gefühl. Aber sicher ist immer die Frage, was man liest. Doch selbst Comics oder „Groschenromane“ empfinde ich als aktivere Entspannung als die Berieslung durch den Fernseher.

        @Claudia: Das mit dem PC kennen wir – das Internet verleitet super zum Konsumieren… den ganzen Tag lang. Immerhin lernst du bestimmt auch etwas, wenn du (Artikel zu verschiedenen Themen bis zu Ende) liest… :-)

        Liebe Grüße
        Jasmin

  3. Ich wünschte, man könnte den Fernseher nach wie vor noch abmelden. Ist aber nicht mehr drin. Ich habe jahrelang ohne gelebt, weil das tatsächlich eine Angewohnt ist, die ich nicht habe. Ich sehe ja selbst online nicht fern. Aber seit Anfang des Jahres, meine ich, muss man doch pro Haushalt die leidigen Gebühren zahlen. (Und darüber kann ich mich immer noch aufregen. Dinge zahlen, die ich nicht nutze. Grrrrrrrr. Ich zahle ja auch kein monatliches Busticket, weil ich an der Haltestelle vorbeikomme und einsteigen könnte.)

    • Hallo Sylvia,
      bitte entschuldige die späte Antwort – ich war eine Weile offline :-)
      Es stimmt, die GEZ-Zwangsgebühr ist nicht gerade fair, aber ich muss zugeben, dass ich immerhin auch im Auto öffentlich rechtliche Radiosender höre und auch zeitweise Nachrichten der Öffentlichen im Netz gelesen bzw. in Mediatheken gesehen habe. Wer das gar nicht nutzt, hat durchaus Grund sich aufzuregen.
      Liebe Grüße
      Jasmin

  4. Hallo Jasmin,
    toller Artikel, ich habe das bei mir selbst auch festgestellt, dass fernsehen zu einer Gewohnheit wurde und jeden Abend der Fernseher mit eigentlich sinnlosem Programm für mehrere Stunden lief. Im Sommer hatte ich dann die Nase voll. „Nein“ sagen konnte ich nicht dafür war ich zu schwach, also ging ich radikal vor und habe meinen Fernseher in die Abstellkammer verfrachtet. In meinem Wohnzimmer war nun mehr Platz und keine Ablenkung mehr. Ich habe in der Zeit so viel erlebt, ich war jeden Abend draussen an der frischen Luft ob zum Sport oder zum Freunde treffen, das war super. Vermisst habe ich ihn nicht, ich brauchte also die Serien und Comedysendungen gar nicht mehr, da mein Leben auf einmal interessanter, lustiger und aktiver war.
    Ich muss zugeben seit einigen Wochen habe ich ihn für einen DvD-Abend wieder aufgebaut und als Suchti eben auch stehen lassen, allerdings kommt er ab Januar wieder raus, denn die Erfahrung hat ja den positiven Effekt gezeigt. :-)

    • Liebe Katja,
      nach einer kleinen Weihnachts- und Silvesterpause möchte ich mich mit einem Danke für dein Lob zurückmelden. Ein sehr interessanter Erfahrungsbericht, ich drücke dir die Daumen, dass du es ab jetzt wieder durchziehst und echte Erlebnisse statt Fernsehen erlebst!
      LG Jasmin

  5. Wir hatten noch nie einen Fernseher. Wir haben ganz viele Computer, auf denen wir DVDs gucken können, außerdem gehen wir mit den Kindern ins Kino, so daß sie nichts „verpassen“. Wenn ich mich berieseln lassen will, hänge ich mich ins Internet, denn da kann ich das „Programm“ selbstbestimmen – also das lesen, was mich interessiert. Ich hasse Termine und würde mir von einem Fernseher nicht vorschreiben lassen, wohin ich zu gucken habe (Loriot), und auch nicht, wann. Gebühren müssen wir jetzt trotzdem zahlen, wir haben gerade für die letzten Jahre, seitdem das Gesetz gilt, eine Nachzahlungsaufforderung über 400,- bekommen. Schön blöd. Ich überlege, ob ich mir jetzt einen Fernseher kaufe, wo ich das Gucken eh bezahlt habe. Doch mich nervt der Umgangston zwischen den Leuten, alle öden sich mehr oder weniger an.
    Ich werde immer wieder gefragt, wie ich all das schaffe, was ich so treibe. Ein Großteil der Antwort liegt sicher an der fehlenden Glotze.
    Im Buch „Vorsicht Bildschirm“ werden hunderte wissenschaftliche Studien aus der ganzen Welt aufgezählt, die nachweisen, daß Fernsehen dick, dumm und gewalttätig macht.
    Also mein Rat: Einfach wegräumen. (Wenn’s gar nicht geht, kann man ihn ja wieder anschließen.) Und eine Liste mit Dingen, die man endlich mal erledigen wollte, auf die Fernbedienung kleben.

  6. Hallo,
    Ich habe im November 2013 mit dem Fernsehschauen aufgehört. Es war echt schwer, weil ich seit meinem ca 14-Lebensjahr täglich viel schaute. Ich wusste mit meiner Zeit nichts anzufangen und fühlte mich sehr unwohl.
    Den sozialen Druck kenne ich auch. An Reaktion anderer erkennt man aber einfach nur, dass sie es sich einfach nicht ohne tv vorstellen können. Und bei vielen meldet sich das schlechte Gewissen „Ja, ich sollte auch mal weniger schauen“.
    Ich bin jedenfalls froh kein tv mehr zu haben und auch online nichts zu gucken. Für mich begann ein neuer Lebensabschnitt, ich lebe viel bewusster. Ich bin sehr stolz auf mich!

    • Hallo Vera,
      wow – wenn auch mit etwas Verspätung danke ich dir für deinen Kommentar. Diese Reaktion kenne ich – es sind die gleichen Kommentare, die ich höre auf meine Aussage hin, dass ich kein Fleisch esse, dessen Herkunft ich nicht kenne :-)
      Liebe Grüße
      Jasmin

  7. Hallo Jasmin,

    dieser Artikel spricht mir aus der Seele. Ich habe eigentlich nie 3 Stunden am Tag fern gesehen, außer in einem kleinen Abschnitt meines Lebens, in dem ich in einem für mich unpassenden Studiengang feststeckte und gleichzeitig das erste Mal in meinem Leben alleine wohnte. In dieser Zeit habe ich Serien geschaut, teilweise 7-8 Stunden am Tag. Mit dem Wechsel meiner Ausbildungsstätte und dem nächsten Umzug war das dann aber auch wieder vorbei.

    In meinem neuen Haus hatte ich dann zwar sogar eine Satellitenschüssel, aber außer WM, Tagesschau, Tatort und ab und zu einer Doku auf DMAX habe ich sie eigentlich nicht genutzt. Mein Ausstieg aus dem Fernsehen kam eher unfreiwillig, hat mich aber nicht weiter belastet. Irgendwann wuchs in meinem Garten ein Baum vor die Satellitenschüssel, sodass der Empfang anfangs schlechter wurde und schließlich komplett abriss. Ich startete zwar noch einen halbherzigen Versuch, die Schüssel zu versetzen, der Empfang kehrte jedoch nicht zurück. Ich habe mich mittlerweile an das nicht-fern-sehen gewöhnt und kann das Fernsehprogramm auch nicht mehr ertragen.

    Als ich mit meiner russischen Frau und ihrem Sohn in Russland zusammen zog, waren beide auch sehr stark ans Fernsehen gewöhnt. Da wir aber in eine neue Wohnung ohne DVB-T-Empfang und Kabelanschluss eingezogen waren, stellten wir einfach keine Sat-Schüssel auf und mittlerweile sind beide auch an das nicht-fern-sehen gewöhnt. 1-2-mal pro Woche sehen wir uns abends gezielt einen Film per Streaming an, einmal im Monat gehen wir ins Kino und Serien sehen wir gar nicht mehr. Und es geht uns besser. Es ärgert uns mittlerweile sogar, wenn bei Verwandten beim Essen Privatfernsehen läuft.

    Grüße aus (momentan) Berlin,
    Justin

    • Hallo Justin,

      vielen Dank für deinen Kommentar (ich war eine Weile offline und antworte daher jetzt erst!). Das ist ein interessanter Erfahrungsbericht, der mal wieder dafür spricht: Fernsehen ist eine Gewohnheit. Ich finde es toll, dass ihr es euch wieder abgewöhnt habt. Zum Glück bin ich ebenfalls OHNE Fernsehen beim Essen aufgewachsen. Mich stört das auch, wenn ich irgendwo zu Besuch bin.

      Grüße zurück aus Leipzig
      Jasmin

  8. Hallo,

    Ich weiß, dass ich auch viel zu viel Zeit vor dem TV, PC und anderen digitalen Medien verbringe. Teilweise konsumiere ich sogar mit mehreren Objekten gleichzeitig, um mir selbst sozusagen die volle „Elektro-Dröhnung“ zu verpassen. Ich glaube nicht, das ich dadurch wirklich gut abschalten und entspannen kann. Oft fühle ich mich danach eher ausgelaugt und müde vor. Trotzdem ist die Macht der Gewohnheit und der Langeweile meist einfach größer als mein Wille. Im Grund weiß ich, dass mich ein gemütlicher Abend bei Freunden glücklicher machen würde wie die Flimmerkiste. Nur leider ist der innere Schweinehund, der mich zum Sofa oder dem Schreibtischsessel zieht oft stärker. Deshalb ist auch mein großer Vorsatz für 2015: Weniger Elektrokonsum, mehr Zeit für Freunde und Familie!

    • Hallo Maximilian,
      danke für deinen sehr persönlichen Kommentar, den ich sehr gut nachvollziehen kann, denn es ging mir Anfang des Jahres ähnlich.
      Ich denke, in kleinen Schritten kannst du dich aus der Elektro-Dröhnung befreien. Ein Schritt wäre, das Handy/Tablet/etc. weit weg zu packen, wenn du fernsiehst. Dann ist der Griff dazu schonmal erschwert. Mir wurde dann auch dadurch bewusst, wie langweilig Fernsehen alleine ist (sonst würden wir ja keinen 2. Bildschirm brauchen). Wenn du versuchst, nur 1x die Woche oder in 14 Tagen etwas mit Freunden zu machen – ist das vielleicht ein realistisches Ziel oder?
      Liebe Grüße
      Jasmin (sorry für die späte Antwort, ich war eine Weile offline!)

  9. Hallo Jasmin,
    sehr interessanter Artikel. Ich kann mich wohl glücklich schätzen, das ich seit 2004 keinen Fernseher mehr besitze und diesen auch nicht vermisse. Zudem wohne ich zurzeit in einer fernsehfreien WG. Lieber lese ich ein Buch, höre ein Hörspiel oder Hörbuch. (Kino im Kopf!!!) Vielleicht liegt es an der Generation (bin in den 80ern geboren) aber meine Mitstudenten (hauptsächlich 90er Jahrgang) gucken alle Fernsehen. Und das täglich. Und laut den Gesprächen sind es keine Dokus, sondern Sendungen wie Shopping Queen oder oder Circus Halligalli. :(

    • Hallo Zoe,
      lieber spät als nie möchte ich dir für dein Lob danken! Ich war eine Weile offline und habe mich sehr über das Feedback zum Artikel gefreut. Mit 10-jähriger Fernseher-Abstinenz gehörst du wahrscheinlich zur absoluten Ausnahme. Respekt und weiter so :-)
      LG Jasmin

  10. Zu viel Fernsehen war für mich als Kind ein großes Problem. Aus heutiger Sicht war es voll die Zeitverschwendung, mit inhaltslosen Serien von Mittags bis Abends. Dabei hat man extrem viel Werbung konsumiert.
    Seit dem ich das Internet nutze, und das sind jetzt schon fast 15 Jahre her, habe ich mir das Fernsehen abgewöhnt. Jetzt hänge ich leider vor einem anderen Bildschirm. Mit dem Unterschied, daß ich mein eigenes Programm habe und wesentlich mehr lerne und selbst agiere, statt mich nur berieseln zu lassen.

    Einmal in der Woche geht der Fernseher dann doch an. Das ist Sonntags um 20:15. Seit ich aber auf Weltreise bin, gibts nur noch hin und wieder einen Download aus der Mediathek.

    • Hallo Stefan,
      danke für deinen Kommentar, den ich nach meiner Feiertagspause nun endlich beantworten möchte. Mir geht es ähnlich. Mediatheken geben uns wenigstens die Chance gezielt Inhalte zu sehen, aber trotzdem ist es verlockend Stunden um Stunden online zu verbringen. Was mich am besten abhält, sind andere Aktivitäten, die Verpflichtungen gleich kommen: Verabredungen mit Freunden, gebuchte Sportkurse – das würde ich nie sausen lassen.
      Liebe Grüße
      Jasmin

  11. Hallo Jasmin,

    bei mir war das ganz komisch. Als ich in meine erste eigene Wohnung eingezogen bin, wusste ich nicht, dass ich einen Vertrag mit unitymedia brauchte um fernsehen zu können. Die Vormieterin hatte den Anschluss nicht gesperrt und meine Eltern hatte einen Satellitenschüssel.

    Irgendwann stand dann ein Außendienstler vor mir und meinte, ich solle entweder zahlen oder er würde den Anschluss abschalten.
    Von da an habe ich den Fernseher nur noch für die Konsole und DVD genutzt. Und heute ist beides verkauft.
    Kein Fernseher macht das Leben wesentlich entspannter.

    Viele Grüße

  12. Danke für diesen Beitrag! Ich habe mich die ganze Zeit schon gefragt, warum ich es nicht sein lassen kann, TV zu schauen. Immer wieder wurde er eingeschaltet. Bei dem Gedanke daran, ihn auszumachen und zum Buch zu grefien, ergriff mich eine Angst des Alleinseins (ich lebe allein). Ich glaube, dass ich tatsächlich Respekt vor der Stille habe, wenn der TV aus ist. Radio besitze ich keines und Musik ist für mich ein zweiseitiges Schwert: Manchmal mag ich bestimmte Musik, manchmal deprimiert mich bestimmte Musik und ich halte sie kaum aus.
    Immer wieder möchte ich mehr lesen. Ich liebe Buchläden und auch Buchtitel und -empfehlungen finde ich sehr interessant. Es gibt nur einen Weg zu mehr Lesen: Lesen. :-) Das ist mir gerade bewusst geworden. Wie komme ich dazu, mehr zu lesen? Einfach lesen! Klingt einfach, aber der TV ist doch recht stark, was „in den Bann ziehen“ betrifft. :-) Also: vielen Dank für die Infos! Liebe Grüße, Christina.

    • Hallo Christina,
      ja, ich kann das nur unterstützen. Lesen entspannt einfach mehr als Fernsehen. Wenn du darauf Lust hast, umso besser. Viel Spaß dabei!
      LG Jasmin

  13. Hallo Jasmin.

    Erstmal danke für deinen guten und ausführlichen Artikel. Auch wenn ich mich schon seit geraumer Zeit mit den Hintergründen der größten Unterhaltungsindustrie beschäftigt habe (es hilft definitiv sich mit den moralischen Werten und Inhalten des Mainstream-Fersehens auseinander zu setzen, um zu sehen, womit man seine Zeit verschwendet), und auch eigentlich schon wusste, dass Fernsehen meist nicht gut tut/Zeit frisst usw., kam ich erst jetzt wieder drauf. Als Kind durfte ich nicht fernsehen, was schmerzhaft war (allerdings viel mehr, weil man mir auch keine wirklichen Alternativen bot). Erst so mit 15 oder so hatten wir Fernsehen, allerdings nur 3 Sender (zumindest aber die ganzen deutschen Schrottsender nicht). Mit den Jahren stieg ich dann auf DVDs, Filme und vor allem Serien um und schaute diese massenweise. Fernsehen eigentlich gar nicht, nur mal Fußball oder von Zeit zu Zeit. Doch seit einiger Zeit schaue ich praktisch gar kein klassisches Fernsehen mehr. Viel mehr nur noch DVD Filme und Streaming, und einiges an Youtube Programm. Allerdings habe ich es mittlerweile geschafft meine Abendgestaltung so zu legen, dass für Filme eigentlich nur noch das Wochenende übrig bleibt.

    Und selbst dann versuche ich immer bewusster auszuwählen, was ich schaue. Denn selbst Stars können nicht über die belanglose Unterhaltung, Gewalt, Niveaulosigkeit, Oberflächlichkeit, Klischeehaftigkeit von vielen Filmen hinwegtäuschen. Ich vermisse es nicht. Klar geht so eine Umstellung nicht von heute auf morgen, und doch ist es möglich. Schritt für Schritt. Es hilft absolut, sich Alternativen zu suchen. Wer hört denn gerne mit etwas auf was „okay“ ist, wenn er dann mit leeren Händen dasteht? Ich glaube an die Macht der Gewohnheit. Wenn man etwas regelmäßig und über längeren Zeitraum tut, gewöhnt man sich dran und es wird einfacher. Ich denke gar nicht mehr dran, den Fernseher einzuschalten, mein PC ist mein selbstgestaltetes Entertainmentzentrum. Einfach weil so viel Unsinn läuft, so bestimme ich selber und siebe aus. Youtube ist eine Goldmine. Vor allem habe ich schon so viel gesehen, alles wiederholt sich, es werden nur selten gute Botschaften vermittelt, meistens geht es um Gewalt, Streit, sich lustig machen, Geheimnisse usw. Drogendealer und Mörder werden zu Serienhauptdarstellern gemacht. Das weitgehend einzige was ich mir noch anschauen mag (und mir einigermaßen gefällt) sind „wahre Geschichten“, Biopics und dramatische Werke. Also bin ich bei möglicherweise 10-20% der Filme angekommen, wo ich sage: Ja, das lohnt noch (und auch dann ist die Enttäuschungsrate spürbar hoch). Lieber belese ich mich im Internet über alles was mir in den Sinn kommt (was sehr viel ist) und kann durch das finden von guten Argumenten und meinem bisherigen Wissen Verknüpfungen erstellen, die Gründe geben, warum zB Fernsehen schauen passiv, Zeitverschwendung, auch Geldverschwendung, Einprogrammierung von Meinungen, Werbung (durch Wiederholungen), Bedürfnissen, Moral, Trends, Eifersucht ist.

    Dagegen ist mit echten Menschen kommunizieren, Kontakt haben, etwas aktiv tun, sich bemühen, lernen, rausgehen, sich bewegen, lachen, sich mit sich selbst und anderen Menschen auseinandersetzen hilfreich dafür, mehr zu dem Mensch zu werden, der man sein möchte und nicht seine Zeit vor der Glotze zu verbrennen. Auch wenn es mehr Zeit, Kraft und Mut kostet als einen Knopf drücken. Wenn ich dran denke, was ich in der Zeit in der ich Serienfolgen verschlungen habe hätte lernen können. Aber gut, ich habe angefangen und das zählt. Ich kann nur wärmstens empfehlen, sucht euch Vereine, macht etwas Sport, lest, belest euch im Internet, hinterfragt die heile Medienwelt und ihre Stars auf allen Ebenen. Und vor allem: Macht euch Gedanken, warum ihr überhaupt auf der Welt seid. Eines weiß ich definitiv: Sicher nicht, nur um für euch selbst zu leben, oder wie es Aleister Crowley ausdrückte „do as thou wilt“ YOLO zu machen, wonach gerade der Sinn steht.

  14. Einen wunderschönen Guten Abend,

    ich habe eine Angewohnheit, in der ich eine Mischung aus beidem mache: Fernsehen UND eine geistige Aktivität. Genauer gesagt läuft bei mir ein kleiner portabler DVD-Player, mit dem ich gerade einen Film abspiele – und zwar als Geräuschkulisse. Während der Film läuft, schreibe ich zum Beispiel, seien es Briefe oder Geschichten oder Fragen für meine Lernkartei Allgemeinwissen. Ich schaffe es zumeist sogar, mit meiner Lernkartei zu büffeln, obwohl ein Film läuft. Geschickterweise bekomme ich sowohl den Film mit, als dass ich es auch schaffe, mich auf meine Hauptaktivität zu konzentrieren.
    Zwar will ich einräumen, dass es hin und wieder dann doch mal ein Filmchen schafft, dass ich sage, den will ich jetzt bewusst sehen, der größte Teil ist aber tatsächlich ein „kurz mal schauen, größtenteils hören, mich auf meine Hauptaktivität konzentrieren“.
    Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund klappt das jedoch nicht, wenn Radio läuft. Wenn es Mainstream ist, nervt es mich, ist es kein Mainstream, will ich bewusst zuhören. Beim Fernsehen ist das eher selten der Fall.

    Und in meinen Augen gibt es noch einen weiteren Grund, nicht vollkommen auf Fernsehen/Filme etc. zu verzichten: Der soziale Kontakt ist aufgrund ungünstiger Arbeitszeiten mittlerweile sehr schwierig geworden. Bestes Beispiel: Ich arbeite im Einzelhandel. An 3 – 5 Tagen bis 20.00 Uhr (manchmal komme ich sogar erst kurz vor halbneun aus dem Laden). Da ich auf Öffis angewiesen bin, bin ich meistens erst um 21.00 Uhr zu Hause. Auch Samstags. Nun weiß ich aus Erfahrung: wenn ich Feierabend habe, sind meine Leutchen schon mittemang bei ihren Sachen, so dass ein Dazustoßen, dass vielleicht dann auch nur für 1 Stunde möglich wäre (weil man ja tagsdrauf wieder zur Arbeit „darf“), nicht wirklich viel bringt.
    Und das man dann irgendwo auch ein bisschen entspannen möchte, runterfahren, einfach nicht mehr großartig nachdenken möchte, ist – zumindest in meinen Augen – ein Punkt, der ein Berieseln auf die Profernsehenseite gehört.
    VG
    Michael Vogl

    • Hallo Michael,
      danke für deinen Kommentar. Fernsehen oder DVDs als Hintergrunduntermalung ist sicher vielen bekannt. Solange du damit gut zurechtkommst – warum nicht? Ich habe allerdings nicht ganz verstanden, warum der (mangelnde) soziale Kontakt ein Argument für Fernsehen/Filme sein soll. Ist es nicht eher so, dass Fernsehen viel bequemer ist, als sich für diese eine Stunde aufzuraffen, auch wenn sie manchen Beziehungen guttun würde? Du weißt natürlich selbst, was für dich am besten ist. Dein Pensum klingt hart, insofern machst du das schon richtig! Alles Gute!
      Viele Grüße
      Jasmin

      • Hallo Jasmin,
        danke für Ihre Antwort. Warum der mangelnde soziale Kontakt ein Argument fürs Fernsehen ist, lässt sich leicht erklären: Man bekommt eine gewisse Art der Unterhaltung, die ähnlich ist wie bei einem sozialen Kontakt. Sprich: Man hört Gespräche, sieht dabei den Menschen, sieht die Umgebung – das alles kann der Fernseher am besten rüberbringen, weder Buch noch Hörspiel (und Sie können mir glauben: Ich lese sehr viel und ich liebe Hörspiele) schaffen es, diesen „falschen sozialen Kontakt“ zu erreichen.
        Allerdings glaube ich nicht, dass es schwieriger ist, sich aufzuraffen, um eher soziale Kontakte zu pflegen als Fernsehen zu schauen. Es ist der Faktor Zeit, der eben das Pflegen der sozialen Kontakte erschwert. Ich werde zum Beispiel von meinen Leuten gefragt, ob ich Lust hätte, zum Beispiel ins Planetarium zu gehen, um dort eine spezielle Veranstaltung mit anzuschauen. Oder ob ich zum Brettspieltag komme. Ich muss in gut 98% aller Fälle „Nein“ sagen, weil ich ja arbeite. Aufgrund dessen werde ich kaum noch gefragt. Umgekehrt ist es genauso. Ich kann sagen: Ich muss zwar an dem Tag bis 20.00 Uhr arbeiten, habe dann aber Zeit, dass man so bis 3.00/4.00 Uhr morgens Brettspiele spielen kann. Wird natürlich abgelehnt – schließlich müssen andere um 7.00 Uhr aus dem Haus.
        Um eben nun doch indirekt das Gefühl zu haben, dass Menschen mit mir sprechen, hilft der Fernseher, diesen Mangel an sozialen Kontakten auszugleichen (ich weiß, es ist ziemlich abstrakt).

        Im Grunde genommen will ich mit meiner Argumentation nur darlegen, dass Fernsehschauen nicht unbedingt eine Folge von Bequemlichkeit ist. Christina hat es sehr gut auf den Punkt gebracht: Filme zu schauen (oder Fernsehsendungen) nehmen einen das Gefühl des Alleinseins.
        VG
        Michael Vogl

        • Hallo Michael,
          danke für die Antwort. Ja, die Erläuterungen machen es jetzt verständlicher für mich. Dieser Arbeitsrhythmus macht es wirklich schwer, überhaupt freie Zeit parallel mit anderen zu haben. Wahrscheinlich wird sich am Sozialleben nichts ändern, solange diese Arbeitszeit so bleibt. Ist denn ein Wechsel eine Möglichkeit?
          Viele Grüße
          Jasmin

          • Hallo noch einmal,

            leider lässt sich die Frage nicht pauschal beantworten. Prinzipiell versuche ich Fuss zu fassen in einer Branche, die mir wesentlich mehr liegt, in der ich auch mein berufliches Zuhause sehe (ich suche eine Volontärstelle als Journalist/Moderator/Redakteur bei einem Radiosender und bewerbe mich auch deutschlandweit), jedoch sammele ich nur Absagen. Jüngere Bewerber werden bevorzugt. Wenn man zum „Alten Eisen“ gehört, bilden sich Mauern aus Vorurteilen, die schier undurchdringbar gebaut wurden.
            Meine derzeitige Alternative besteht darin, auf eine Selbständigkeit in der Unterhaltungsbranche hinzuarbeiten, was jedoch ein harter, steiniger Weg ist, den man beschreiten muss, mit vielen Abzweigungen, aber keinerlei Abkürzungen.
            Unabhängig davon bewerbe ich mich weiter bei Sendern, die Volontärstellen ausschreiben und arbeitete parallel an meinem Traum, die Menschen zu unterhalten, Geschichten zu schreiben, auf der Bühne zu stehen und Comedy zu spielen, später eventuell auch zu Podcasten oder Hörspiele zu produzieren.
            Ich weiß, ich bin ein Träumer, aber besser zu träumen und es zu versuchen, als vor Angst, man könne mich auslachen, die Hände in den Schoß legen und bloß still sein.
            Lieben Gruß
            Michael Vogl
            (der gleich wieder zur Arbeit „darf“)

          • Hallo Michael,
            das sind Probleme, die ich aus dieser Branche schon öfter gehört habe. Ich wünsche dir trotzdem, dass dein Traum in Erfüllung geht – trotz aller Vorurteile, Widrigkeiten und Widerstände.
            Viele Grüße
            Jasmin

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