6 Glaubenssätze, die dich in deiner Karriere einschränken

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Lass uns heute mal über „Karriere“ sprechen. Es brennt mir unter den Nägeln, weil ich nur schwer aushalten kann, wie selbstverständlich die meisten Menschen sich einem 45-jährigen Arbeitsleben ergeben. So, als wäre es der natürliche Lauf der Dinge. Doch es gibt kein Naturgesetz, das sagt: Du musst 45 Jahre lang jede Woche 40 Stunden arbeiten, und zwar von 9 bis 18 Uhr. Anschließend hast du noch ein paar Jahre Zeit, Kreuzworträtsel zu lösen und auf das Ende zu warten.

Für neue Leser möchte ich zunächst ganz kurz meinen Werdegang schildern, um dir zu zeigen, worauf meine Ansichten basieren:

Ich habe im Jahr 2001 mein Abitur gemacht. Es war völlig klar, dass ich anschließend studieren würde. Ich entschied mich für BWL an einer Berufsakademie. Den praktischen Teil dieser dualen Ausbildung absolvierte ich in einem halb-staatlichen Konzern. Anschließend ging ich für einen Norwegisch-Sprachkurs nach Oslo (dafür gab es keinen vernünftigen Grund) und blieb gleich dort für ein Praktikum bei der Außenhandelskammer. Um in Oslo leben zu können zahlte ich jeden Monat 800 Euro drauf.

Doch dann wollte ich dem Ernst des Lebens nicht weiter ausweichen und bewarb mich um einen richtigen Job bei neun Konzernen – und einem Startup. Das war neunmal vernünftig und einmal ein aufregendes Kribbeln im Bauch. Während die Konzerne noch schliefen, absolvierte ich in kürzester Zeit drei Telefoninterviews mit dem Startup und war plötzlich eingestellt. Ich wurde Trainee im Online Marketing. Kurz vor Jobantritt las ich bei Wikipedia nach, was es damit eigentlich auf sich hat. Mein Gehalt: 1.000 Euro brutto.

Nach zwei Wochen im neuen Job startete ich an einem Wochenende meinen ersten Blog (das war 2006). Es war der vielleicht nutzloseste Blog, den die Welt je gesehen hat, aber ich machte immerhin erste Erfahrungen. Noch mal zwei Wochen später startete ich meine erste Affiliate-Website. Ich investierte viel Zeit und hatte nach zwei Monaten plötzlich ein zweites Einkommen. Nebenher startete ich noch einen Blog (über Online Marketing) und dann noch einen (über Online Marketing auf Englisch). Beide waren schlecht. Ich hatte noch nicht verstanden, worum es geht, aber ich kam der Sache näher.

Das Business nebenher lief so gut, dass ich meinen Vertrag nach einem Jahr nicht verlängerte, aber noch als Freelancer im Unternehmen blieb. Nebenher startete ich meine eigene Agentur für Online Marketing (mit einer Geschäftspartnerin). Nach einem halben Jahr arbeitete ich nur noch an der Agentur. Das machte ich vier Jahre lang, dann hatten wir 20 Mitarbeiter und ich verließ wegen Streitigkeiten mein eigenes Unternehmen.

Anschließend ging ich auf Weltreise, weil ich gerade nichts anderes vorhatte. Dabei startete ich meinen Reiseblog, und da es mich langweilte nur für Friends & Family zu schreiben, gab ich mir mehr Mühe. Nach einem Jahr warf er ein ordentliches Einkommen ab, nach anderthalb Jahren konnte ich davon besser leben als die meisten Angestellten von ihrem Job. Seitdem startete ich zwei weitere Blogs, schrieb ein paar Bücher und verbrachte weiterhin etwa sechs Monate im Jahr im Ausland.

Hier ist das eigentlich Interessante an der Geschichte: Ich halte mich für einen konservativen Menschen, der gern auf Nummer sicher geht und nicht aus der Reihe tanzt. Ich gehe keine unüberschaubaren Risiken ein und mache vor allem Dinge, von denen ich weiß, dass ich sie kann. Aber bei all diesen Entscheidungen zwischen 2001 und heute habe ich auch immer auf meinen Bauch gehört:

  • Ich studierte an einer Berufsakademie, weil das schneller ging, ich dafür Geld bekam und es abwechslungsreich war. Dabei wäre ein Uniabschluss auf dem Papier besser gewesen.
  • Anstatt mir einen richtigen Job zu suchen, ging ich für vier Monate nach Oslo, weil mir danach war. Dabei verlor ich jeden Monat viel Geld.
  • Anschließend arbeitete ich für ein cooles Startup, obwohl ich völlig uncool war und das Gehalt nur 1.000 Euro betrug.
  • Ich investierte nebenbei viel Zeit in andere Projekte, die mich interessierten. Das zusätzliche Einkommen machte mich unabhängiger von meinem Arbeitgeber und ich lernte viel dazu.
  • Ich wusste, dass ich gut im Online Marketing war, also versuchte ich es mit der Agentur. Das Risiko war gering, denn für eine Agentur braucht man nahezu kein Kapital.
  • Ich verließ mein eigenes Unternehmen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, mich noch länger jeden Tag zu ärgern.
  • Ich ging auf Weltreise, weil ich es sonst nie gemacht hätte. Diese Gelegenheit nutzte ich, um mir mit meinem Reiseblog gleich ein neues Business aufzubauen.

Das waren aus meiner Sicht alles ziemlich sichere Entscheidungen. Zwar habe ich manchmal gehört, dass dies oder jenes mutig gewesen sei, aber das glaube ich nicht. Ich habe einfach auf meine Fähigkeiten vertraut und immer meine Unabhängigkeit im Blick gehabt. Mit der Zeit wuchsen meine Rücklagen, was mich noch unabhängiger machte.

Heute bin ich bei einem Lifestyle angekommen, den ich sehr genieße. Ich habe viel Zeit für mich, meine Arbeit interessiert mich auch privat und ich verdiene genug Geld.

In diesen letzten Jahren hat sich meine Einstellung zum Thema „Karriere“ stark verändert. Was ich früher für selbstverständlich hielt, verstehe ich heute nicht mehr. Es gibt in unserer Gesellschaft unausgesprochene Vereinbarungen, nach denen wir (fast) alle leben. Sie werden mit einem „das ist nunmal so“ hingenommen. Aber von außen betrachtet wirken sie ganz merkwürdig. Es folgen nun sechs solcher Glaubenssätze, die ich nicht mehr teile. Wenn du glaubst, dass diese Dinge ihre Richtigkeit haben, solltest du den Vereinbarungen weiter folgen. Doch wenn du Zweifel hast, werden diese nun vermutlich weiter befeuert.

1. Glaubenssatz: Ich muss studieren

Wie du weißt, habe ich selbst studiert. Nur gelernt habe ich nichts. Ich kann mich nur an ganz wenige Details erinnern. Sie lassen sich auf einem kleinen Notizzettel zusammenfassen. Das gleiche Wissen hätte ich aus wenigen Büchern im Selbststudium erlangen können.

Für solche allgemeinen Studiengänge wie BWL oder Irgendwas-mit-Medien gibt es aus meiner Sicht nur einen Zweck: Du erlangst ein Zertifikat, das du deinem ersten Arbeitgeber vorlegen kannst. Für diesen ist es ein Kriterium, ob er dich einstellt oder nicht. Dein zweiter Arbeitgeber interessiert sich schon nicht mehr dafür. Für mich als Chef war wichtig, ob jemand die Anforderungen des Jobs erfüllen konnte. Das steht auf keinem Zeugnis.

Dafür sollst du drei bis sechs Jahre studieren? Um Dinge zu lernen, die du sofort wieder vergisst und die nichts mit dem Arbeitsalltag zu tun haben? Und da bist du auch nur hineingerutscht, weil du mit 18 Jahren nicht wusstest, was du vom Leben willst. Wer will dir das vorwerfen? Ich wusste es auch nicht, denn in der Schule wurde ich nur mit weltfremden Themen konfrontiert.

Studieren für den Job ist eine gute Idee, wenn man sich auf ein Leben in Abhängigkeit vorbereiten möchte. Wer das Spiel großer Unternehmen mitspielen möchte, der kommt nicht drum herum. Aber ist ein Leben ohne formelle Ausbildung überhaupt möglich? Für solche Fragen gibt es den Blog Anti Uni. Dort schlägt Ben Paul gleich 40 Alternativen zum Studium vor (die Ideen stammen von James Altucher, einem meiner Lieblingsblogger). Diese Ideen sind unkonventionell. Nichts davon ist vernünftig oder sicher. Doch ich mag den Gedanken, was wäre, wenn ein junger Mensch drei bis sechs Jahre in eine Leidenschaft, ein Handwerk oder ein Talent investieren würde. Vermutlich wäre er anschließend führend in seinem Gebiet und könnte davon problemlos seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Ich kann mir vorstellen, dass es in einer fernen Zukunft normal wird, nicht mehr zu studieren. Es wird weiterhin spezielle Berufe geben, die ein Studium erfordern (z. B. Medizin), es wird Studiengänge geben, die für ausgewählte Berufe tatsächlich nützlich sind und es wird die Menschen geben, die von vornherein einen individuellen Weg gehen und dafür nicht schief angeschaut werden.

2. Glaubenssatz: Ich muss einen festen Job haben

Der Glaube studieren zu müssen, ist eng mit dem Glauben verwoben, einen festen Job zu brauchen. Das war der Grund für mein Studium. Ich wollte einen guten, sicheren Job haben und mich dann langsam hocharbeiten.

Aber wer sagt eigentlich, dass man einen festen Job haben muss? Dass Menschen zu Tausenden in großen Unternehmen angestellt sind ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts und schon reden wir uns ein, dass es gar nicht anders geht. Heute sind nur noch 10 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland selbständig. Vor 50 Jahren waren es noch 30 Prozent und davor noch viel mehr. Wird Selbständigkeit auch deshalb unattraktiv, weil wir nichts anderes mehr können? In der Schule und im Studium lernen wir wenig Brauchbares für ein selbständiges Leben. Formelle Bildung scheint fast zwangsweise zum festen Job zu führen.

Ob selbständig oder im Job, an der grundsätzlichen Funktion des Marktes ändert sich nichts. Menschen sind bereit für Leistungen Geld zu bezahlen (Nachfrage). Jemand erbringt diese Leistung (Angebot) und wird dafür entlohnt. Für manche dieser Leistungen braucht es große Konzerne – ein verkehrstaugliches Auto baut sich schlecht selbst – andere kann man allein oder in einem kleinen Team erbringen. Das Internet macht das leichter als je zuvor, denn es bringt Angebot und Nachfrage unabhängig von Ort und Zeit zusammen. Wir können heute ein Produkt erstellen und es für viele Jahre in die gesamte Welt verkaufen.

Bei solchen Möglichkeiten ist ein Job kein Muss. Jobs sind nur eine Erfindung, auf die wir uns alle geeinigt haben. Wir sind jedoch nicht zum Mitmachen verpflichtet.

3. Glaubenssatz: Mein Job ist sicher

Selbständigkeit ist mit einem Risiko verbunden. Viele Gründungen scheitern schon in den ersten Jahren. Aber sind Jobs sicherer?

Die Zeiten, in denen ein Job eine Anstellung fürs Leben war, sind längst vorbei. Wer bleibt schon noch mehr als fünf Jahre in einem Unternehmen? Mal freiwillig, mal unfreiwillig. Jobs werden zunehmend in Zeitarbeit oder über Werkverträge ausgelagert. Nicht einmal Unternehmen wollen noch feste Jobs.

In schlechten Zeiten entlassen Konzerne gleich Tausende Mitarbeiter, weil sie sie eigentlich gar nicht brauchen. Auch kleine Unternehmen entlassen aus betriebsbedingten Gründen. Wenn das Geschäft nicht so läuft, fliegen die Mitarbeiter raus. Angestellte tragen folglich das Geschäftsrisiko mit, ohne an den Chancen beteiligt zu sein.

Jobs sind aus meiner Sicht keine sichere Bank. Ich finde sie nützlich, um kurzfristig auf die Beine zu kommen und irgendwo einen Fuß in die Tür zu bekommen, schließlich kommt das Geld schneller als bei der Selbständigkeit. Doch langfristig ist Selbständigkeit der einzige Weg, sich finanziell unabhängig zu machen. Nur so verdienst du so viel Geld wie deine Leistung wert ist. Als Angestellter erhältst du nie den vollen Gegenwert, da du den Wasserkopf des Unternehmens und den Gewinn des Inhabers mitfinanzierst.

4. Glaubenssatz: Wenn ich erst in Rente bin, dann …

Jede Woche 40 Stunden zu arbeiten und uns ins Wochenende zu retten ist eine willkürliche Erfindung unsererseits. Der Montag ist gemeinhin ein schlechter Tag, am Mittwoch haben wir immerhin die Hälfte rum, auf den Freitag freuen wir uns und am Sonntag fürchten wir uns vor dem Montag. Wie trostlos! Ich finde es traurig, dass viele Menschen fünf Tage in der Woche nur auf die anderen zwei Tage hinarbeiten. Und das etwa 45 Jahre lang. Es ist eine bemerkenswerte Leistung, dass wir es schaffen, unsere Belohnung so lange aufzuschieben. Mit 66 Jahren fängt das Leben dann richtig an! Sie schieben ihr Glück immer weiter vor sich her.

Die Realität sieht anders aus. Die meisten Menschen behalten ihre Gewohnheiten nach dem Eintritt ins Rentenalter und stoßen keine großen Veränderungen mehr an. Im Alter wird alles schwerer. Wir sind eingefahrener in unserem Trott, weniger änderungswillig, der Körper macht nicht mehr so mit und vielleicht ist doch nicht so viel Geld da wie gedacht. Andere fallen in der ersten Woche als Rentner tot um.

Doch schon lange vor der Rente wird ein Ausbruch mit zunehmender Zeit nur schwerer. Eine Weltreise? Der Sprung in die Selbständigkeit? Von deiner künstlerischen Ader leben? Das alles wird mit jedem Jahr unwahrscheinlicher. Mit der Zeit baust du immer mehr Abhängigkeiten (Besitz, Kredite, Jobtitel, Familie, Lebensstandard) auf, von denen du dich immer schwerer lösen kannst.

Deine besten Jahre liegen nicht mehr vor dir, sondern sie sind jetzt. Alles andere ist Augenwischerei. Was du jetzt nicht auf die Reihe bekommst und auf irgendwann oder auf die Rente verschiebst, das wird nichts mehr.

Anstatt auf eine gebrechliche Rente mit 70 Jahren zu vertrauen, wie wäre es mit vielen Mini-Renten, wie Tim Ferris es in der 4-Stunden-Woche vorschlägt? Die Idee wird hier von Sebastian Kühn aufgegriffen. Dabei handelt es sich um regelmäßige Auszeiten und Erlebnisse. Das Sabbatical ist die gängigste Form davon, aber nur ein Anfang. Mini-Renten sind in unserer Gesellschaft derzeit nicht vorgesehen. Vorgesehen ist stattdessen, dich als Angestellten 25 Jahre zu schröpfen und dann noch 20 Jahre auf dem Abstellgleis austrudeln zu lassen. Anschließend kannst du erschöpft zu Hause noch ein bisschen Traumschiff gucken.

Aber was bedeuten Mini-Renten für unseren Lifestyle? Wahrscheinlich, dass du bis in ein höheres Alter arbeiten musst. Und auch, dass du vorher schon unabhängiger werden musst, denn wenn du mit 70 Jahren einen guten Job haben willst, musst du ihn dir selbst schaffen. Aber wenn du deine Arbeit nicht verabscheust, sondern ihr einen Sinn beimessen kannst, ist das vielleicht kein Problem? Es bedeutet auch, dein Geld nicht in Konsum zu investieren, sondern in Anlagen, die wertbeständig sind und Zinsen abwerfen (z. B. Immobilien). Kreativ werden musst du so oder so. Wenn du 45 Jahre buckelst und nicht mehr machst als deine Rentenbeiträge zu zahlen, bleibt sowieso nur das Notwendigste zum Leben übrig.

5. Glaubenssatz: Ich bin mittelmäßig

Ganz schlimme Dinge passieren nur den Anderen. Aber es sind auch nur die Anderen, die ganz groß raus kommen. Einen Bestseller schreiben? Eine große Konzerthalle füllen? Eine eigene Fernsehsendung? Ein Millionenunternehmen aufbauen? Das können nur Andere.

Unser Gehirn scheint auf Mittelmäßigkeit gepolt. Damit es diese Mittelmäßigkeit erreicht, bevorzugt es sichere Glaubenssätze wie diese hier, die du gerade liest. Es redet dir ein, was dir alles fehlt, um mehr zu erreichen: Talent, reiche Eltern, bessere Noten, harte Ellenbogen, Glück. Es befeuert unsere Opfermentalität.

Menschen lieben Geschichten wie die von Paul Potts, dem Außenseiter, der bei einer Casting-Show plötzlich groß raus kommt und ein neues Leben startet. Es ist wie im Märchen oder beim Tellerwäscher, der zum Millionär wurde. Es kommt vor, aber nur bei den Anderen. Doch auch Paul Potts wurde nicht ganz zufällig berühmt. Über Jahre praktizierte er seine Leidenschaft, nahm Unterricht an Opernschulen und stellte sich immer wieder auf die Bühne. Er hat sich nicht wie ein Opfer verhalten, sondern wie einer, der glaubt, etwas Überdurchschnittliches leisten zu können. Das könnte jeder, aber kaum jemand glaubt daran.

Tipp: Warum es keine Naturtalente gibt und wie wir eine Fähigkeit unserer Wahl meistern können.

6. Glaubenssatz: Arbeit ist etwas Schlechtes

Arbeit wird häufig als etwas Schlechtes verstanden, als ein notwendiges Übel. Deswegen fühlte ich mich im Konzern nicht wohl und auch nicht in der Außenhandelskammer. Dort hatte kaum jemand Spaß an seiner Arbeit, sondern saß nur Zeit ab. Im Startup erlebte ich plötzlich eine ganz andere Welt. Die meisten Kollegen waren gern dort und nahmen ihre Arbeit ernst. Wer das nicht tat, war schnell wieder weg. Ich liebte dieses Umfeld. Es inspirierte mich zum Bloggen, zu meinen Nebenprojekten und zu meiner Agentur. Ich würde heute vermutlich nicht meinen Lifestyle leben, hätte ich diese Erfahrung nicht gemacht.

Heute weiß ich, dass Arbeit nichts Schlechtes sein muss. Sie kann mir Spaß machen, aufregend sein, sogar sinnvoll und ich kann etwas dabei lernen. Das habe ich mir bis heute erhalten, deshalb arbeite ich gerne. Je mehr Spaß mir meine Arbeit macht, desto besser sind die Resultate.

Ich vermute, dass mehr Selbständige Spaß an ihrer Arbeit haben als Angestellte. Aber so richtig eindeutig ist es nicht. Ich kenne sowohl Angestellte, die ihren Job mögen als auch Selbständige, die Arbeit als notwendiges Übel sehen. Es ist nicht nur schade, so viel Zeit mit etwas zu verbringen, das man nicht mag. Auch der finanzielle Erfolg wird zu Wünschen übrig lassen.

Fazit

Das sind sechs kollektive Glaubenssätze, die ich heute nicht mehr teile. Sie machen uns unglücklich, abhängig, gestresst und teilweise sogar krank. Wir setzen uns mit ihnen unnötig unter Druck und haben keine Zeit mehr für Dinge, die uns wichtig sind. Sie halten uns davor zurück, unser Potential auszuleben.

Wenn du das alles weiterhin willst, werde ich dich mit diesem Beitrag nicht davon abhalten. Das möchte ich auch nicht. Jeder soll das bekommen, was für ihn richtig ist. Aber falls du das alles nicht willst, ist es an der Zeit, darüber genauer nachzudenken.

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34 Kommentare

  1. Der Artikel fasst mein Leben und meine Einstellungen wirklich gut zusammen. Ist für mich eher eine Art Manifest!

    VG
    Sebastian

  2. Toller Artikel, vielen Dank dafür.
    Ich bin gerade dabei, meinen Weg aus der „Normalität“ zu suchen und Dein Artikel hat mich nun wieder einmal darin bestärkt, MEINEN Weg zu gehen!

    Liebe Grüsse
    Carmen

  3. Mein größtes Problem ist wohl dein 5. Glaubenssatz – Ich bin mittelmäßig. Es ist echt schrecklich, dass ich nach Abitur, Ausbildung und fast fertigem BWL-Studium manchmal echt da sitze und denke, was kann ich eigentlich? Nach dem Bachelor werde ich wohl meinen sicheren Job als Sachbearbeiterin in einem Konzern aufgeben und was anderes machen – hoffentlich wird das dann auch eine sinnvollere Tätigkeit sein. Einen Master werde ich wohl nicht machen. Lieber Französisch im Ausland auffrischen oder so. Ich glaube, dass Gute ist, dass ich keine großen Ansprüche habe und nicht auf einen gut bezahlten Job angewiesen bin. :)

    Grüße aus Leipzig

    Myriam

    • Hallo Myriam,

      die Voraussetzungen scheinen bei dir ja gut zu sein (geringe Ansprüche). Ich drücke die Daumen, dass es klappt und du etwas Sinnvolles findest. Hast du schon etwas im Kopf?

      Viele Grüße aus Lindenau,
      Patrick

  4. Auch wenn mein Werdegang nicht ganz gerade ist, bin ich trotzdem über Studium bei einem ziemlich sicheren, klassischen Job angekommen. Allerdings seit kurzen mit 35 statt 40 Stunden pro Woche – und das bei mehr Kohle ;-)

    Vor allem zwei Dinge, sind mir wichtiger als die Karriere, die „man“ üblicherweise in meiner Position macht:

    Arbeit muss nicht immer und zu jeder Sekunde Spaß machen. Sie darf auch anstrengend sein und manchmal nerven. Im Großen und Ganzen muss es aber etwas sein, das mich interessiert und mit dem ich zufrieden einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Lebens verbringe. Ich weiß nicht, ob es etwas für mich wäre, meine Hobbies zum Beruf zu machen. Denn irgendwann wäre es doch anstrengend und nervig, und genau das möchte ich bei meinen Hobbies nicht. Einen Job oder ein Projekt entgegen meinen Überzeugungen könnte ich nie machen.

    Ich lebe jetzt, nicht irgendwann später. Ein wenig Vorsorge und Blick auf die Rente ist vernünftig. Wenn ich aber sehe, wie manche Kollegen sich kaputtarbeiten, Stunden ohne Ende kloppen und ansparen um irgendwann mal ein halbes Jahr eher in Rente zu gehen – nein danke. Mails vom Chef nach 20h oder vom Wochenende sind Standard, dada würde mich auch dessen hohes Gehalt nicht locken. Neben der Arbeit muss genug Zeit für ein Leben bleiben. Die Kinder werden schnell genug groß, und Zeit mit der Familie ist mir wichtig.

    Manchmal schaut ein Kollege komisch, wenn ich mal um 15:30h meine Sachen packe. Aber so bin ich zufrieden mit meiner Arbeit (mein Chef auch, der hat keinen Grund zur Klage) und dem Gehalt, und mit aller Macht für die höchste Leistungszulage muss ich auch nicht kämpfen. Dann lieber rechtzeitig zu Hause sein, um mit Sohnemann Fahrrad fahren zu üben…

    Grüße
    Jens

    • Hallo Jens,

      das klingt für mich so, als hättest du den Dreh für dich raus :-)
      Dass du keine Jobs gegen deine Überzeugungen machst finde ich sehr gut für dein eigenes Wohlbefinden.

      Aus einem Hobby muss nicht unbedingt ein Job werden, das stimmt schon. Ich merke z.B. bei meinem Reiseblog, wie er mich bei meiner Art zu reisen einschränken würde. Ich habe mich allerdings dafür entschieden, mir von diesem „Job“ nicht mein „Hobby“ diktieren zu lassen.

      Viel Spaß beim Radfahren mit dem Sohnemann!
      Patrick

  5. Zunächst einmal finde ich es super und auch wichtig für unsere Gesellschaft, dass es zu diesem Thema so viele unterschiedliche Sichtweisen gibt, wie Möglichkeiten Nudeln mit Tomatensoße zu kochen. Letztlich stelle ich mir bei diesem Beitrag jedoch die Frage wie allgemeingültig und auf welche Berufszweige diese Sichtweise angewandt werden kann.

    Wie sicher kann die Gründung eines Unternehmens sein, wenn man keinen Erfolgsgaranten hat sondern sich nur auf seine Fähigkeiten berufen kann? Wie sicher kann der Ausstieg aus einem Unternehmen sein, wenn man nicht weiß ob die nächste Geschäftsidee Erfolg verspricht?

    Häufig führt lediglich vorhandenes Kapital dazu, dass man sich sicher fühlt, Dinge zu riskieren und auszuprobieren. Dass Glück und Verstand in der Umsetzung von Ideen dazu gehören, muss hier nicht extra erwähnt werden.

    Warum hältst du dich für konservativ, wenn Du ein Firmengründer, Weltenbummler, Freigeist und unabhängiger Geschäftsmann bist, der sich jedem alt bewehrtem Zwang entsagt hat, in jedem Fall einen besonderen Lebensstil führt und nicht das macht, was ein Großteil der Bevölkerung tagtäglich macht?

    Berufseinsteiger haben es schwer nachzuweisen, ob sie für einen Job geeignet sind oder nicht, denn vermutlich schafft es kein einziges Studium in extrem kurzer Zeit jemandem den Wissensstand zu vermitteln, um mehrere Jahrzehnte davon zu zehren. Man lernt ein Leben lang und wer denkt nach dem Studium ausgelernt zu haben, hat Bafög oder Studienkredite umsonst gebucht. Das Studium sensibilisiert einen Studenten mit Aufgabenstellungen und Problemen umzugehen, vermittelt Lösungsmöglichkeiten und schafft das Bewusstsein Sachverhalte zu klären. Das Grundwissen eines Studiums dient doch lediglich dazu, um in der Praxis nicht völlig ahnungslos vor gestellten Aufgaben zu stehen. Wer nur in der Vorlesung lernt, braucht sowieso nicht weiterlernen. Menschen die sich fokussieren und wissen was sie wollen, können auch ohne den Professor ihren Wissenshorizont erweitern. Das Studium dient nun mal auch zur Eignungsprüfung und zum Nachweis, dass man für seinen gewünschten Beruf Potenzial hat oder nicht.

    Deine Aussagen zur Notwendigkeit eines festen Jobs finde ich nicht nachvollziehbar. Ich vermute dass hier der Internet-Experte etwas zu sehr durchschimmert, der gänzlich außer Acht lässt, dass das Internet zwar eines der nützlichsten Hilfsmittel ist – für Selbstständige & Angestellte – aber noch kein Garant für eine erfolgreiche Selbstständigkeit, vor allem für nicht „internetbasierte Geschäftsmodelle“. Ich möchte hier gar nicht aufzählen, wie viel Bauherren Ihre Ingenieure & Architekten nicht bezahlen und diese in den Ruin treiben. Klassische Handwerksberufe sind vor negativen wirtschaftlichen Einflüssen ebenso wenig sicher. Deine Aussagen finde ich sehr pauschalisierend und irreführend.

    Ebenso rücksichtslos erklärst du, dass Selbstständigkeit der einzige Weg finanzieller Unabhängigkeit ist, hebst es sogar fett hervor. Welcher Kunde garantiert einem Selbstständigen denn aber bitte die finanzielle Sicherheit, die mir zunächst ein Arbeitsverhältnis bietet? Sicherlich kann man gekündigt werden – ein Selbstständiger kann Kunden verlieren oder der Kunde bezahlt nicht. Gibt es den Spruch „selbst und ständig“ umsonst?
    Über die Philosophien die hinter beiden Arbeitseinstellungen stehen, möchte ich gar nicht urteilen. Hinterfragt werden sollte aber trotzdem, bis zu welchem Punkt Selbstständigkeit auch finanzielle Unabhängigkeit bedeutet. Braucht es dafür wieder ein Grundkaptial für schlechte Zeiten, für riskante Vorhaben?
    Auch ein wichtiger Punkt: Inwiefern ist denn dieses Risiko vertretbar wenn man nicht nur für sich selbst sondern auch andere Sorge zu tragen hat? Funktioniert Selbstständigkeit nur, wenn man nur für sich selbst (ständig) sorgt?

    Ich finde es wichtig, dass es unterschiedliche Sichtweisen zu dieser Thematik gibt, appelliere aber an deine Sensibilität und Aufgeschlossenheit zum großen Ganzen – in Unabhängigkeit des Internet-Universums.

    Florian.

    • Hi Florian,

      ich finde es genauso gut, alle Perspektiven zu diskutieren. Aufzeigen muss ich sie hier jedoch nicht, da ich nur davon erzählen kann, wie ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen zu meiner Perspektive gekommen bin. Daher habe ich auch eine längere Einleitung geschrieben. Der Leser sollte wissen, wo ich herkomme.

      Sonst möchte ich nur eine Sache anmerken: Finanzielle Unabhängigkeit und die finanzielle Sicherheit, am Ende des Monats ein Gehalt zu bekommen, sind für mich zwei verschiedene Dinge. Letzteres hat für mich nichts mit Unabhängigkeit zu tun.

      Wie immer in meinen Artikeln möchte, kann und werde ich niemandem etwas aufdrängen, sondern bestenfalls dazu anregen, eine andere Perspektive in Betracht zu ziehen. Hier geht’s ja um Glaubenssätze, die sich in unseren Köpfen manifestiert haben, ohne noch hinterfragt zu werden.

      Viele Grüße,
      Patrick

  6. Hey Patrick,
    super Artikel. Auch ich habe jahrelang geglaubt, dass ein „nine to five Job“ einen glücklich macht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Es ist hauptsächlich Zeitverschwendung. Lebenszeit! Mal vom Geld abgesehen, ist es doch viel besser Dinge zu tun, an die man glaubt. Das hält auch den Geist gesund.
    Beste Grüße
    Mathias

    • Hi Mathias,

      Spreadshirts bester Salesman (viele Jahre her, ich weiß) ist nun also selbständig. Finde ich gut und wünsche dir viel Erfolg dabei und viel gute Lebenszeit :-)

      • Hey Patrick, danke für das Kompliment und die guten Wünsche! Lese Deine healthy habits schon länger und vieles ist einfach so WAHR! Bewusstsein erweitern ohne Drogen hält noch dazu gesund. LG Mathias

  7. Hi Patrick, bei Deinen Beiträgen habe ich oft den Gedanken: „Das hätte ich gerne geschrieben.“ :) Wirklich sehr gut dargestellt, kritische Gedanken gegenüber traditionellen Denkmustern, ohne überheblich zu sein. Sehr schön!

  8. Ich habe auch BWL studiert, fand die Inhalte dort aber sehr relevant und bin sehr froh, dass ich studiert habe.

    Im Grundstudium habe ich einen breiten Überblick über viele der Thermen bekommen, die für mich jetzt im Beruf relevant sind, im Hauptstudium konnte ich genau dort vertiefen wo meine Interessensschwerpunkte lagen.

    Gerade das breit angelegte Wissen, das man im Grundstudium sammelt, finde ich heute sehr wertvoll. Während ich selbständig war, hatte ich nicht für jedes denkbare Theme keine Fachabteilung mit Spezialisten zur Verfügung, sondern musste die meisten kaufmännischen Angelegenheiten meines Unternehmens selbst regeln. Heute arbeite ich in einem Konzern, wo es ebenfalls sehr nützlich ist, wenn man bei möglichst vielen Themen kompetent mitreden kann, um seine eigenen Interessen durchzusetzen und nicht inhaltlich von den Fachabteilungen „überfahren“ zu werden.

    Sicher könnte man sich das auch alles im Selbststudium beibringen, mit Coursera, Audible und Kindle e-Books heute noch viel mehr als vor 15 Jahren, als ich studiert habe.

    Allerdings habe ich mein Studium in 8 Semestern abgeschlossen und so viel nebenher verdient wie man normalerweise als Berufseinsteiger in einem Konzern verdient. Ich könnte also nicht wirklich behaupten, dass ich viel Geld oder Zeit gespart hätte, wenn ich mir die Studieninhalte im Selbststudium angeeignet hätte.

    Insofern würde ich dir für den Fall recht geben, in dem jemand die üblichen 10-11 Semester in sein BWL-Studium investiert und die neben dem Studium verbleibende Zeit nur mit seinen Hobbies verbringt. Man kann sein Studium aber auch anders gestalten.

    • Hallo Johannes,

      es sieht so aus, als hättest du aus deinem Studium viel herausgeholt und auch die Zeit drum herum sinnvoll genutzt. Find ich gut!
      Und das stimmt, vor 15 Jahren war ein Selbststudium sicher noch schwerer als heute. Das Wissen dieser Welt ist erst jetzt so richtig zugänglich geworden und das für wenig Geld (verglichen mit dem Gegenwert!).

      Viele Grüße,
      Patrick

  9. Lieber Patrick,

    das ist eine beeindruckende Biografie und ein großartiger Artikel.
    Mir ging es da recht ähnlich. Ich dachte auch, dass das Leben eben aus diesen Dingen besteht. Uni, Arbeit, Rente. Ich absolvierte mein Studium mit Bestnote, bekam einen unbefristeten Vollzeitvertrag und stand kurz vor einer Beförderung. Und dann schmiss ich alles hin.
    Kündigte, reiste durch die Welt und helfe seither Menschen dabei ein glücklicheres und erfüllteres Leben zu leben. Und ich kann sagen: ich habe mich noch nie so lebendig gefühlt.

    Adieu Glaubenssätze, Willkommen Leben!
    LG, Katharina

    • Hi Katharina,

      danke für dein Feedback und schön, dass du jetzt an deinem Herzensprojekt arbeitest. Ich habe mich letztens schon in deinem Youtube-Kanal umgesehen :)

  10. Hallo Patrick,

    ui. Ich hoffe, mein Youtube Kanal hat dir gefallen?!?
    Ich stehe noch ganz am Anfang, aber habe große Lust, dass Ganze nach vorne zu bringen.

    LG, Katharina

    • Hallo Katharina,

      ich finde die Qualität deiner Videos sehr hoch, vor allem daran gemessen, dass du gerade erst angefangen hast. Ich glaube, du bist auf einem guten Weg und bin gespannt, wie das für dich funktionieren wird. Um Video drücken wir uns noch ein bisschen herum ;-)

      • Vielen Dank Patrick! Das freut mich!
        Ich bin auch gespannt, wie das für mich funktionieren wird. Aber das Feedback ist bisher durchweg positiv.
        Sagt Bescheid, wenn ihr Videos auch für euch entdeckt. Dann könnten wir vlt. eine kleine Video-Kooperation starten :-)

  11. Hallo Patrick,
    ein toller Artikel, der mich während des Lesens doch sehr nachdenklich gestimmt hat, denn einige Glaubenssätze hatte auch ich mir noch vor ein paar Jahren zu Herzen genommen. Allerdings würde ich vor deinem ersten Glaubenssatz noch „Ich muss eine Ausbildung machen“ und „Mache die Ausbildung auf alle Fälle zu Ende“ einordnen. Beide Sätze bekam ich vor mehr als zehn Jahren indirekt eingetrichtert. Im Nachhinein waren es drei Jahre, die ich sicherlich besser hätte nutzen können.
    Dein Lebenslauf bestärkt mich auf alle Fälle darin, die mir gesteckten Ziele weiterhin zu verfolgen und das zu tun, was Spaß macht, um langfristig damit erfolgreich zu sein.
    Viele Grüße, Daniel.

    • Hi Daniel,

      klar, die gute alte Ausbildung kann man hier genauso einordnen wie das Studium. Da ich in meinem Leben mit Ausbildungen kaum Berührungspunkte hatte und mich mit dem Thema Studium mehr identifizieren kann, habe ich nur darüber geschrieben.

      Ich wünsche dir auch viel Erfolg dabei, deine Ziele zu erreichen!

      Viele Grüße,
      Patrick

  12. Hallo Patrick,

    meist lese ich nur die Artikel von Jasmin, die auch ganz toll und beeindruckend schreibt.
    Doch am Karfreitag hat man etwas mehr Zeit und ich habe heute mit viel Vergnügen Deinen Beitrag gelesen. Wow. …viel Lebenserfahrung und weise Aussagen habe ich vorgefunden. Und das bei Deinem noch geringen Alter (aus meiner Sicht :-)).

    Ich bin schon eine Generation „weiter“ als Ihr beiden. Gleich nach der Wende habe ich ähnliche Erfahrungen gesammelt und mich ähnlich wie Du entschieden. Nachdem ich nach der Wende in einer bundesdeutschen Forschungseinrichtung „angekommen“ war und eine sehr interessante Arbeitsaufgabe im internationalen Umfeld übertragen bekommen hatte, habe ich innerhalb weniger Monate die Nachteile und Einschränkungen des „öffentlichen“ Dienstes erfahren. Als ich 1992 mit Eigeninitiative (wie Du 2006 mit Deinem ersten Blog) eine Nebentätigkeit angehen wollte, verwies mich der Arbeitgeber ganz schnell in die Schranken mit der Konsequenz, künftig keine interessanten Aufgaben mehr übertragen zu bekommen. Man wollte nicht in einen Mitarbeiter „investieren“, der früher oder später „weg“ sein würde. Meine Konsequenz war, dass ich genau acht Tage später kündigte und mich in die private Wirtschaft „verabschiedete“.
    Seitdem habe ich immer wieder Chancen genutzt, um neue Betätigungsfelder zu erschließen. Einige (wenige) Versuche sind mit finanziellen Verlusten schief gegangen. Aber andere laufen recht erfolgreich. Dabei spielen auch viele internationale Projekte eine wesentliche Rolle. Diese sind besonders aufregend. Jeder Versuch mit negativem oder positivem Ausgang brachte eine spannende Erfahrung und hat Spaß gemacht. Obwohl auch ich dem Grundsatz nach eher konservativ bin und das Risiko scheue, lies ich mich auch jedesmal (zumindest teilweise) vom Bauchgefühl leiten, denn alle Risiken und Erfolgsaussichten kann man im Vorfeld sowieso nicht überblicken.

    Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich in meinen aktivsten Jahren (seit 1990) mindestens (!) doppelt so viel erlebt habe, als wenn ich im öffentlichen Dienst angestellt geblieben wäre. Die Selbständigkeit gibt viele Freiheiten (aber auch Verpflichtungen, wenn man Mitarbieter hat), die das Lebensgefühl erheblich verbessern. …und…, wir brauchen in der gesamten Gesellschaft mehr Bereitschaft zur Selbständigkeit.

    Vielleicht ergibt sich mal die Gelegenheit, Dich persönlich kennenzulernen? Ich bin da ganz zuversichtlich.

    Viele Grüße
    Volkmar

    • Hallo Volkmar,

      dein Lebenslauf und deine Projekte finde ich auch sehr spannend. Von dem einen oder anderen habe ich natürlich schon gehört.
      Ein Kennenlernen ist bestimmt mal machbar. Wir haben’s ja nicht weit ;-)

      Viele Grüße,
      Patrick

  13. Toller Artikel, die Frage ist was nehme ich mit… Ich weiß momentan nach meinem Studium auch nicht wo es hingehen soll und hoffe das sich das mal ändert. LG

  14. Ich finde ganz und gar nicht, dass die Selbständigkeit die finanziell bessere Alternative zum Angestelltendasein ist, weil man nur als Selbständiger leistungsgerecht bezahlt werden würde. Ich kann aus eigener Erfahrung (über 3 Jahre selbständig) sagen, dass es nicht so ist. Die Unternehmer drücken die Preise erheblich („Wir können nicht mehr zahlen.“) und die, mit denen man um Honorare verhandelt, interessiert es nicht, was man eigentlich für das Unternehmen macht. Sie wissen es schlicht nicht, weil sie sich nicht dafür interessieren und können folglich auch nicht beurteilen, was die Arbeit wert ist. Und dann kommt das nächste: Der hohe Grad an Technologisierung, die inzwischen JEDES Gebiet betrifft (vielleicht ausgenommen die Pflege und Medizin). Sie hat zur Folge, dass die eigene Leistung immer mit der der Maschine verglichen wird und folglich nicht an dem, was der Mensch leisten kann, sondern an dem, was die Maschine leisten kann, gemessen wird. Meine Arbeit wird nicht an ihrem tatsächlichen Wert gemessen, sondern daran, wie die Maschine (Google) sie bewertet. Ich empfinde das als demütigend und um keinen Deut besser als als Festangestellter zu einem Lohn zu arbeiten, der von anderen üblicher Weise (trotz Berufserfahrung, trotz 2 Uniabschlüsse) als unterdurchschnittlich eingestuft wird. Übrigens wieder mit dem Kommentar: „Mehr können wir uns nicht leisten.“. Ich kann es mir leider langsam auch nicht mehr leisten, für so wenig überhaupt zu arbeiten. Denn das ist demütigend.

    • Hallo Monika,

      offenbar bist du mit beiden Varianten unzufrieden. Zur Selbständigkeit kann ich nur aus meiner Erfahrung berichten. Ich habe noch nie als Freelancer gearbeitet. Durchaus als Dienstleister, aber nicht als Freelancer, der Zeit gegen Geld tauscht, was aus meiner Sicht kein großer Unterschied zur Festanstellung ist (nur noch unsicherer).

  15. Hallo Patrick,
    Ich bin Ute, 59 und habe einen spannenden 9 to 5 job. Deine Artikel und Healthy Habits finde ich toll und inspirierend.
    Allerdings muss ich dem Glaubensatz Nr. 4 widersprechen. Ich freue mich sehr auf meinen Ruhestand und plane schon viele Dinge, die mein Leben total verändern werden, wie ausgedehnte Werk and Travel Aufenthalte usw
    Viele Grüsse und weiter so
    Ute

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