Die Fressformel: Warum Schokolade und Chips süchtig machen

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Kennst du das auch? Du wolltest nur eine Handvoll Chips essen, doch ehe du dich versiehst, ist die Tüte leer. Dabei hattest du dir Disziplin geschworen. Vielleicht hast du es sogar versucht, hast die Tüte gleich wieder verschlossen und in den Schrank gelegt, bist dann allerdings doch noch mal aufgestanden, weil dein Appetit nicht gestillt war. Ein paar mal ging das so. Wenige Minuten später lohnte es sich schon nicht mehr, den kleinen Rest aufzuheben.

Mir geht es vor allem bei Schokolade so. Sobald ich das erste Stück esse, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich alles aufgegessen habe. Da mache ich keine halben Sachen! Deshalb habe ich einmal eine angebrochene Schachtel Pralinen in den Mülleimer geworfen, um mich vor mir selbst zu schützen. Aus demselben Grund habe ich manchmal Schokolade eingefroren. Jetzt weiß ich, dass man auch gefrorene Schokolade essen kann.

Aufgrund meiner Sucht halte ich heute möglichst großen Abstand zu Süßigkeiten, insbesondere Schokolade. Für gewöhnlich habe ich nichts zu Hause. Nur manchmal bekomme ich etwas geschenkt oder kaufe mir an schlechten Tagen eine Tafel Schokolade. Ich habe diese Sucht nach Süßigkeiten nie richtig infrage gestellt. So ist es eben, dachte ich mir.

Doch was mich wirklich irritierte, ist mein Verhalten bei Kartoffelchips. Eigentlich schmecken sie mir nicht. Deshalb habe ich mir noch nie welche gekauft und esse sie auch bei Feiern selten. Aber wenn ich doch mal zugreife, geht die Hand immer wieder zum Teller. Ich esse so lange von diesen Chips, die ich gar nicht mag, bis sie aufgegessen sind. Bei Erdnussflips ist das genauso, aber die mag ich wenigstens. Auch bei Pommes Frites kann ich nicht so leicht wieder aufhören.

Eine Formel, die uns süchtig macht

Das fand ich merkwürdig, da ich vor allem stark auf Zucker reagiere, dieser aber bei herzhaften Snacks nur eine untergeordnete Rolle spielt. Doch dann sah ich vor Kurzem eine ZDF-Dokumentation, in der die „Fressformel“ erwähnt wird. Im Internet fand ich sie anschließend auch unter dem freundlicheren Namen „Naschformel“.

Bei dieser handelt es sich um ein festes Verhältnis aus Kohlenhydraten zu Fetten, das in der Lebensmittelindustrie häufig Anwendung findet. Wenn ein Produkt zu etwa 50 Prozent aus Kohlenhydraten und zu 35 Prozent aus Fett besteht, fällt es uns besonders schwer mit dem Essen aufzuhören. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität konnten diese Formel zumindest im Versuch an Ratten bestätigen. Gab man den Tieren Futter, das im Verhältnis 50:35 gemischt wurde, fraßen die Ratten viel mehr als von ihrem üblichen Futter.

Warum die Tiere und auch wir auf diese Zusammensetzung so stark anspringen, darüber wird bisher nur spekuliert: Kohlenhydrate mögen wir, weil sie uns schnell mit Energie versorgen. Sie werden rasch in Glucose umgewandelt, dem wichtigsten Brennstoff fürs Gehirn. Fett hingegen wird langsamer verwertet. Davon haben wir länger etwas. Außerdem ist Fett ein guter Geschmacksträger, da viele Aromastoffe fettlöslich sind.

Die Fressformel mag ein guter Indikator dafür sein, was uns besonders anspricht, doch sie ist nicht die ganze Wahrheit. Zwar fraßen die Ratten von der speziellen Mischung mehr als sonst. Doch als man ihnen Kartoffelchips gab – mit dem gleichen 50:35-Verhältnis – gab es für sie kein Halten mehr. In kürzester Zeit nahmen sie Unmengen an Energie zu sich. In anderen Experimenten reagierten die Ratten genauso maßlos, als man sie mit einer Mischung aus Zucker und Sahne fütterte.

Es muss also noch mehr Ursachen für maßloses Essen geben, als nur das Verhältnis von Kohlenhydraten zu Fetten. Bei Chips sind es ihr Aussehen, das Salz, der Geruch aus der Tüte und auch die Konsistenz. Chips, die seit Tagen offen herumliegen, isst niemand mit Genuss. Auch nach labbrigen Pommes Frites verzehrt sich niemand. Bei Coca Cola tragen verschiedene Gewürze, Aromen, das Kribbeln der Kohlensäure und vielleicht auch die Marke selbst dazu bei, dass so viele Menschen gleich eine ganze Flasche leeren.

Unternehmen investieren viel Geld, um herauszufinden, was uns zum endlosen Essen verleitet. Sie erforschen, wie ein Produkt aussehen, schmecken, riechen und sich anfühlen muss oder wann ein Kartoffelchip beim Essen zerbrechen sollte und wie er anschließend auf der Zunge zergeht. All das wird an willigen Menschen ausprobiert. Dabei ist nicht entscheidend, was diese am besten bewerten, sondern wovon sie am meisten essen. Schließlich darf man sich nach dem Essen nur ganz kurz gut fühlen, sodass man gleich wieder zugreift.

Drei Zutaten, die (fast) immer dabei sind

Bei der Vielfalt der Zutaten, die uns nimmersatt machen sollen, stechen drei heraus, die du immer wieder in industriell produzierten Lebensmitteln finden wirst. Nicht nur in süchtig machenden Snacks, von denen du nicht mehr die Finger lassen kannst, sondern auch in Fertiggerichten, von denen du aufgrund dieser Zutaten mehr isst, als du essen solltest. Es handelt sich um Zucker, Salz und Fett.

Mindestens zwei dieser Zutaten sind in den meisten industriell gefertigten Lebensmitteln in großen Mengen enthalten. Erst die Mischung macht sie so interessant. Niemand will pures Salz oder Fett essen und selbst Zucker ist pur nicht lecker. Aber Zucker und Fett oder Salz und Fett (und Kohlenhydrate) sind attraktive Kombinationen. Salz und Fett machen z. B. aus einem harmlosen Lebensmittel wie einer Kartoffel etwas, von dem die meisten Menschen nicht genug bekommen können: Pommes Frites und Kartoffelchips.

In der Natur gibt es übrigens keine Lebensmittel, die dem Verhältnis der Fressformel auch nur annähernd entsprechen. In manchen sind viele Kohlenhydrate enthalten, in manchen viele Fette, aber nie beides. Auch Zucker und Salz kommen in der Natur selten vor. Es ist nicht vorgesehen, dass wir so viel davon essen – schon gar nicht in Kombinationen, von denen wir nicht mehr die Finger lassen können. Unser Körper weiß mit diesem Überschuss an Energie nichts anzufangen und geht folglich in die Breite.

Was das für uns alle bedeutet

Die Nahrungsmittelindustrie stellt vorsätzlich Produkte her, von denen wir zu viel essen, obwohl wir wissen, dass sie uns dick und krank machen. Das ist allen Unternehmen bewusst, aber sie werden daran nichts ändern. Würden sie ihre Produkte gesünder, aber dadurch weniger verlockend machen, könnten sie bestenfalls in der Gesundheitsnische existieren. Doch die ist zu klein für Konzerne wie Nestlé, Unilever oder Coca Cola.

Deshalb müssen wir uns darauf einstellen, dass uns diese Produkte weiterhin im Supermarktregal anlächeln werden. Es liegt in unserer eigenen Verantwortung, wie wir damit umgehen: Entweder kaufen wir weiterhin Chips, Schokolade & Co. und schwören uns, weniger davon zu essen oder wir verbannen sie weitgehend aus unserem Leben. Natürlich wird die erste Lösung nicht funktionieren, denn wie du weißt, sind diese Produkte dafür gemacht, dass wir nicht weniger davon essen können. Wer anfällig für ungesunde Snacks ist, wird sich letztendlich nicht zusammenreißen können. Dafür reicht die menschliche Willenskraft nicht aus.

Letztendlich bleibt uns nur ein Weg: Wenn wir nicht immer dicker werden wollen, müssen wir nicht versuchen weniger zu essen, sondern gesündere Lebensmittel. Wie bei jeder anderen Sucht auch, darf man sich der Versuchung nicht immer wieder aussetzen und darauf hoffen, dass man sich im Griff hat. Ich weiß, dass ich süchtig nach Schokolade bin, also gehe ich ihr bestmöglich aus dem Weg. Das Gleiche gilt für andere Produkte, bei denen ich mich nicht zusammenreißen kann. Stattdessen weiche ich auf echte Lebensmittel aus und bereite leckere Mahlzeiten und Snacks selbst zu. Diese sättigen gut, machen mich nicht süchtig und stellen folglich meine Willenskraft nicht immer wieder auf die Probe. Das Weniger ergibt sich daraus von ganz allein.


Weiterführende Lektüre zu diesem Artikel:

Foto: Cola und Chips auf dem Sofa von Shutterstock

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