Was mir im Moment der Einsamkeit hilft

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Vor zwei Wochen steckte ich in einem Loch. Ich war in einen negativen Gedankenstrudel geraten und fühlte mich infolgedessen einsam. Es kam ganz unvorbereitet. An meiner Lebenssituation hatte sich nichts geändert – allerdings an meiner Bewertung derselben. War ich bis dahin noch gut damit zurechtgekommen, häufig allein zu sein, änderte sich das innerhalb kürzester Zeit. Viel mehr ist Einsamkeit nicht: Die Bewertung eines Zustandes. Plötzlich wird aus dem halb vollen Glas ein halb leeres und bald sind gefühlt nur noch wenige Tröpfchen drin.

Wäre ich bei dieser Bewertung geblieben, würde ich mich noch lange einsam fühlen. Allerdings liegt es in meiner Hand, die Situation umzudeuten, denn es war ja meine negative Deutung, die mich erst einsam machte.

Die Umdeutung ins Positive ist aus meiner Sicht der Schlüssel, um Einsamkeit langfristig überwinden zu können. Doch das gelang mir nicht im Moment der Traurigkeit, als alles düster wirkte. In den ersten Tagen ließ ich mich hängen und wusste nicht viel mit mir anzufangen. Erst dann begann ich aus dem Loch zu klettern, indem ich etwas für mich tat. Dinge, die mir gut tun. Im Rückblick war das innerhalb weniger Tage ziemlich viel:

  • Ich schrieb meine Gedanken auf.
  • Ich traf mich mit Jasmin zum Reden, Essen und Arbeiten.
  • Ich lag im Park und konzentrierte mich allein auf die Natur (Leben im Hier und Jetzt).
  • Ich rief jemanden zum Geburtstag an, was ich sonst selten mache.
  • Ich kochte mal wieder etwas.
  • Ich verausgabte mich beim Sport.
  • Ich nahm mir Zeit, um im Café zu lesen.
  • Ich beendete zwei langweilige Bücher vorzeitig und fing ein Neues an.
  • Ich fuhr einen Umweg, um leckere Kirschen von einem freundlichen Menschen zu kaufen.
  • Ich ging zu einem Poetry Slam.
  • Ich fuhr zum Stand Up Paddling an den See, obwohl ich keine Begleitung fand.
  • Ich überwand mich, eine Einladung zum Dinner auszusprechen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich zu all dem aufraffen konnte, weil ich mich schon etwas besser fühlte oder ob ich mich besser fühlte, weil ich diese Dinge für mich tat. Ich möchte glauben, dass sich beides gegenseitig verstärkte.

Nun war ich in der Lage, nicht nur meine Situation wieder rosiger zu sehen, sondern auch die positiven Seiten meiner einsamen Phase zu erkennen:

Die positiven Seiten der Einsamkeit

  1. Im Moment der Einsamkeit fühlt es sich nicht so an, aber die gleiche Medaille hat auch eine sehr schöne Seite: Ich lebe ziemlich frei und unabhängig, ich kann tun, was mir Spaß macht, ich habe viel Zeit für mich. Das sind Statussymbole, nach denen sich andere verzehren. Niemand kann alles haben. Werte wie Unabhängigkeit und Zugehörigkeit sind immer nur unter Kompromissen miteinander vereinbar.
  2. Einsamkeit ist ein Signal dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sie gibt mir Anlass zur Selbstreflexion und motiviert mich zu einer neuen Ausrichtung meiner Prioritäten im Leben. Schließlich bemühe ich mich erst dann um Korrekturen, wenn der Schmerz groß genug ist.
  3. In einer einsamen Phase habe ich die Gelegenheit, mich zu mehr Offenheit zu überwinden. Jasmin bohrte nach, bis ich erzählte. Später verschaffte ich mir mit Alles, was ich will noch mehr Luft. Diese Ehrlichkeit gegenüber anderen gibt mir den notwendigen sozialen Druck, um anschließend die gewünschten Veränderungen anzugehen.

Aus diesen Erkenntnissen kann ich nun die richtigen Schlüsse ziehen bzw. waren sie mir längst bekannt. Zu großen Teilen habe ich sie im letzten Jahr bereits gelebt. Doch so eine sentimentale Phase schiebt sie wieder nach oben auf meine Agenda. So bekomme ich leichter den Hintern hoch, anstatt mich wieder auf die faule Haut zu legen und auf die nächste Phase zu warten.

In einem der nächsten Beiträge erfährst du, was ich mache, um Einsamkeit nachhaltig zu überwinden.


Foto: Mann liest im Park von Shutterstock

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