9 Statussymbole, die mir wichtig sind

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„Mein Haus, mein Auto, mein Boot.“

Menschen zeigen anderen gern, was sie haben. Es muss nicht immer so prahlerisch sein wie in der Sparkasse-Werbung, aber das eine oder andere Statussymbol darf es schon sein. Mit Statussymbolen zeigen wir unseren Platz in der Gesellschaft an. Wie erfolgreich und wichtig sind wir? Sollte man uns nachahmen? Wer steht unter uns in der Hierarchie des Lebens?

Der eine oder andere mag nun denken, dass das vermutlich auf alle anderen Menschen zuträfe, aber auf sich selbst ganz sicher nicht. Doch mach dir nichts vor. Jeder trägt Symbole zur Schau, die den eigenen Status kommunizieren. Sie können materieller Natur sein, und damit leicht zu durchschauen, oder etwas subtiler.

Alle Statussymbole haben eines gemeinsam: Sie sind reine Erfindungen unserer Gedanken. Sie funktionieren nur, weil alle mitmachen. Würden nicht so viele Menschen an die Bedeutung von Jobtiteln glauben, hätten sie keine. Auch ein König kann nur König sein, wenn genug Menschen daran glauben, dass das seine Richtigkeit hat. Ohne diesen Glauben wäre jedes Statussymbol wirkungslos.

Egal, mit welchen Symbolen die Menschen in deinem Umfeld prahlen, du musst nichts davon ernst nehmen – es sei denn, du willst ihr Spiel unbedingt mitspielen. Ich empfehle jedoch, nur die Spiele zu spielen, die dir wirklich Spaß machen.

Gängige Statussymbole, die mir unwichtig sind

Statusspiele werden nirgends so intensiv betrieben wie im Beruf. Dort verkommt alles zum Symbol: der unbefristete Arbeitsvertrag, der Jobtitel, das Gehalt, die Betreuung eines Key Accounts, die lobende Erwähnung vom Vorgesetzten. Als Chef war ich damals etwas naiv und unterschätzte die Bedeutung dieser Dinge – besonders der Jobtitel. Auch heute verfolgen mich diese Titel noch. Auf die Frage, was ich beruflich mache, antworte ich, dass ich Blogger sei. Damit ordne ich mich in der Hierarchie zunächst ganz weit unten ein, da der Ruf des Berufs Blogger schlechter ist als der Job selbst.

Auch wenn Blogger im Vergleich zu klassischen Berufen wenig Eindruck schinden mögen, so gibt es innerhalb unserer Branche ebenfalls Statussymbole: Besucherzahlen, Kommentare, Fans. So bestimmen Blogger ihre Hierarchie untereinander.

Im Privatleben zählen viele materielle Dinge zu den Statussymbolen. Wie groß ist meine Wohnung, wie ist sie eingerichtet, in welchem Stadtteil liegt sie? Oder habe ich gar ein Haus gebaut? Wow, ein Haus! Dass ich mich deswegen für 30 Jahre verschuldet habe, ist erst einmal zweitrangig. Ich habe ein Haus! Okay, ich selbst besitze nichts davon. Seit fast drei Jahren habe ich keine eigene Wohnung mehr (das ändert sich jedoch bald). Bei Menschen, für die ein eigenes Haus das größtmögliche Statussymbol ist, stehe ich ganz unten in der Hierarchie.

Weiter geht es mit Autos. Jeder Autobauer feilt an einem Image, das die Käufer gern auf sich übertragen würden. Ob ich einen Audi fahre oder einen Skoda, mag in meinem Alltag keinen nennenswerten Unterschied machen – aber in meinem Status (und meinem Geldbeutel) schon. Faszinierend finde ich auch, dass in Dubai das Nummernschild etwas über den Status aussagt. Je weniger Ziffern auf dem Schild stehen, desto teurer ist es. Und ich? Ich habe privat noch nie ein Auto besessen und stehe abermals weit unten in der Hierarchie.

Auch andere materielle Dinge taugen zum Statussymbol, z. B. Kleidung und Accessoires. Diesen Status versuchen die Unternehmen ihren Produkten anzudichten, um sie teuer verkaufen zu können. Das gleiche gilt für Gadgets wie Smartphones, Tablets, Laptops, Kopfhörer, Kameras & Co. Ich bin oft erstaunt, wie schnell sich neue iPhones verbreiten und auch noch an Leute, von denen ich nicht dachte, dass sie 800 Euro übrig haben. Apple ist der Weltmeister im Statusverkauf. Ich nutze die Produkte auch, aber ich bin zu pragmatisch, um dran zu hängen. Mein iPad der ersten Generation habe ich an meinen Opa verschenkt, mein vier Jahre altes iPhone werde ich irgendwann durch ein höchstens halb so teures Produkt ersetzen. Nur beim Macbook werde ich bleiben, da ich mich ans Betriebssystem gewöhnt habe.

Diesen Wahnsinn der materiellen Statussymbole bringt dieser berühmte Spruch gut auf den Punkt:

„We buy things we don’t need with money we don’t have to impress people we don’t like.“

Wahre Worte.

Statussymbole, die mir wichtig sind

Ich möchte sagen, dass ich keinen Statussymbolen nacheifere. Dass sie mir egal sind. Doch dann wäre ich dir und mir selbst gegenüber nicht ehrlich. Mir sind die oben genannten Statussymbole zwar nicht wichtig. Dafür strebe ich nach anderen Dingen, die keine klassischen Statussymbole sind, aber es zunehmend werden. Ich teile sie mit immer mehr Menschen, und nur deswegen sind sie ja Statussymbole, weil andere mitmachen.

1. Zeit

In der Generation „Keine Zeit“ ist Zeit zu einem hohen Gut geworden. Einige Menschen denken um und nehmen lieber Einbußen beim Einkommen in Kauf, als keine Zeit für sich selbst und ggf. ihre Familie zu haben. Zugegeben, in meinen 20ern hatte ich dafür noch wenig Verständnis. Aber ich entwickle mich ja auch. Und siehe da, bei Menschen, denen Zeit viel wert ist, hat sogar mein Beruf als Blogger plötzlich einen hohen Status. Ich habe heute so viel Zeit für mich wie nie zuvor. Daher kann ich all die gesunden Gewohnheiten durchziehen, von denen wir hier schreiben.

2. Unabhängigkeit

Mindestens genauso wichtig ist mir meine Freiheit. Ich bin von keinem Arbeitgeber mehr abhängig und keinem Key Account mehr Rechenschaft schuldig. Stattdessen lebe ich von Hunderten Kunden, die jeden Monat ein paar Euro in meine Bücher investieren oder die Produkte kaufen, die ich aus Erfahrung empfehle. Dafür muss ich mich nicht verbiegen, keine Fristen einhalten und nichts machen, was mir nicht gefällt. Ich bin in meiner Arbeit unabhängig – sogar unabhängig von Ort und Zeit.

3. Gesundheit

Wer beruflichen Statusspielen zu viel Bedeutung beimisst, mag einen Burnout wie eine Ehrenmedaille mit stolzer Brust vor sich hertragen. Vor ein paar Jahren hätte ich auch ein Kandidat dafür sein können. Nicht unbedingt für den Burnout, aber für den Stolz, alles für meine Arbeit gegeben zu haben.

Heute sehe ich meine Gesundheit als das höhere Gut an. Ich kümmere mich um eine gesunde Ernährung und investiere Zeit und Willenskraft in meine Fitness. Gewissermaßen wird meine Gesundheit zu einem Statussymbol für Menschen, die auch gern eine solche Veränderung bewältigen möchten.

4. Bedeutende Arbeit

Bis vor ein paar Jahren war für mich vor allem wichtig, wie viele Einnahmen meine Arbeit abwirft. Ich wollte am besten Multimillionär werden. Ganz abgeschüttelt habe ich das zwar nicht. Ich möchte immer noch gut verdienen, denn damit kann ich mir Zeit, Unabhängigkeit & Co. leisten. Aber mir ist wichtiger geworden, welchen Zweck meine Arbeit erfüllt. Über eine gesunde Lebensweise zu schreiben und andere Menschen bei positiven Veränderungen zu unterstützen, gibt mir mehr Befriedigung als ein paar Euro extra. Danach sehnen sich auch andere Menschen, die in Büros an sinnlosen Aufgaben versauern. So wird es zum Statussymbol.

5. Werte

Menschen, die ihren eigenen Werten treu sind, genießen einen hohen Status. Prinzipiell könnte das jeder, doch es wird leichter, wenn man sich Unabhängigkeit erarbeitet hat. Wer von anderen Menschen abhängig ist, unterliegt Interessenkonflikten und bleibt sich im Zweifel weniger oft treu. Ich bekomme das heute besser hin. Bloggen ist dafür eines der besten Modelle, denn Authentizität wird belohnt.

6. Informelle Bildung

Bildung gilt gemeinhin als Statussymbol. Besonders bei Menschen mit hohem Bildungsgrad. Da zählt der Ruf der Universität, das studierte Fach und die erreichten Noten. Das ist mir ziemlich egal (wenn auch nicht so sehr, wie ich es gern hätte). Für mich zählt auch kein Allgemeinwissen über Geschichte, Politik, Wirtschaft und das Weltgeschehen. In dieser Hierarchie stehe ich weit unten.

Mich interessiert persönliche Weiterbildung. Ich lese gern Bücher zu den verschiedensten Themen. Wenn mich ein Thema fesselt oder ich mich in eine Richtung weiterentwickeln möchte, lese ich dazu bis ich genug Wissen habe, um meine Ziele umzusetzen. Das gehört für mich zu gesunden Gewohnheiten dazu. Ich möchte z. B. nicht nur die x-te Diät nachahmen, sondern verstehen, wie Ernährung funktioniert.

7. Minimalismus

Ich bezeichne mich nicht als Minimalisten, aber in den drei Jahren ohne Wohnung habe ich eine Abneigung gegen Dinge entwickelt. Wann immer ich mir etwas anschaffte oder mir etwas aufgedrückt wurde, musste ich damit irgendwohin. Mein Rucksack war irgendwann voll. Den Rest musste ich immer zwischen meinem Aufenthaltsort und dem Dachboden meiner Eltern hin und her transportieren. Das war belastend.

Nun richte ich gerade meine neue Wohnung ein und bin dabei sehr vorsichtig. Ich möchte mich nicht zumüllen, sondern gezielt einkaufen. Das heißt nicht, dass es billig wird, denn es soll gut aussehen, lange halten und wertbeständig sein. Um Marken geht es mir dabei nicht. Ich kannte keine der Marken, die ich bisher bestellt habe.

So geht es immer mehr Menschen. Sie haben das Gefühl, dass es langsam genug ist, oder dass sie schon viel zu viel Zeug haben. Daher wird Weniger das neue Statussymbol.

8. Reisen

Reisen kann auf verschiedene Weisen ein Statussymbol sein. Wenn meine Kollegen an die Ostsee fahren und ich auf die Malediven fliege, setze ich damit ein Status-Ausrufezeichen. Bäm!

Teure Reiseziele interessieren mich kaum. Dafür bin ich viel zu sparsam. Ich habe es gern etwas exotischer, mit ein paar Erlebnissen und es darf auch gern preiswert sein. Eine Reise nach Thailand kostet mich weniger als ein Urlaub an der Ostsee. Trotzdem sind auch meine Reisen ein Statussymbol. Dass ich individuell und exotisch reise, sagt etwas über mich aus. Und natürlich auch, dass ich so viel reise. Darin zeigen sich meine Unabhängigkeit und die Zeit, die ich dafür habe.

9. Freunde

Freunde als Statussymbol? Ich habe etwas mit mir gerungen. Auf der anderen Seite sind Ehe und Kinder für viele Menschen ja auch Statussymbole und was ist mit Facebook-Freundschaften? Die absurd hohen Zahlen von 500, 800 oder 1.000 Freunden? Auch das sind Aussagen über einen Status (so wie jeder Like).

Die Anzahl meiner Facebook-Freundschaften ist mir egal. Ich dünne sie sogar immer mal wieder aus, um mir nicht unnötig meine Timeline zuzumüllen. Ich möchte ja ohnehin Facebook eher weniger nutzen. Aber qualitative Freundschaften sind mir wichtig. Ich kann nicht sagen, dass ich hier uneingeschränkt den Status habe, den ich gern hätte. Aber ich finde ihn erstrebenswert.

Das sind neun Statussymbole, die mir wichtig sind. Ich hatte sie bisher nicht als Symbole gesehen, aber wenn ich ehrlich bin, sind sie das. Es lässt sich gar nicht vermeiden. Selbst die bescheidensten Menschen senden Signale aus, die etwas über ihren Status aussagen.

Ein anderes weniger klassisches, aber sehr modernes Statussymbol, ist Achtsamkeit. Diese hat viele Facetten. Die einen achten auf ihren ökologischen Fußabdruck, indem sie Fernreisen vermeiden, kein Auto fahren oder keine Plastiktüten verwenden. Andere konsumieren keine tierischen Produkte. Das mag nicht wie ein Statussymbol wirken, doch letztendlich ist es genau das. Nur deshalb gibt es den Veganerwitz:

„Woran erkennt man einen Veganer? – Er wird es dir erzählen.“

Alles, was wir nach außen kommunizieren, sind Statussymbole. Sie zeigen, wer wir sind. Und das ist völlig okay. Ein Symbol ist nicht besser als ein anderes. Es gibt nur Symbole, die du wichtig findest, und Symbole, die du unwichtig findest. Orientiere dich an den Dingen, die dich begeistern und lass dir keine anderen Statussymbole aufdrücken – das könnte sonst teuer und anstrengend werden.

Was sind deine Statussymbole?

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