Warum du nicht drei Liter am Tag trinken musst

Viele Mythen ranken sich um die Frage, wie viel Flüssigkeit wir jeden Tag trinken sollten. Als wenn das Leben nicht schon kompliziert genug wäre, gibt es zahlreiche Ratschläge, die sich auch noch widersprechen.

Bereits nach kurzer Recherche stieß ich auf sechs verschiedene Antworten:

  • 1,5 Liter
  • 2 Liter
  • 2,5 Liter
  • 3 Liter
  • 30 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht
  • 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht

Und: Zwei Drittel der Getränke solle man bis 14 Uhr zu sich nehmen. Aber bitte nicht zu viel trinken, denn das ist auch wieder gefährlich: Ab 7 Litern wird es gesundheitsgefährdend!

Immer schön kompliziert! Diese Zahlen dienen einzig dazu, uns noch mehr zu verunsichern. Meine Faustregel beim Essen und Trinken: Wenn ich mir eine Zahl merken muss, mache ich etwas falsch. Das betrifft meinen Flüssigkeitsbedarf, Kalorien, Nährwerte, glykämische Indizes und alles andere.

Glaubst du, die Menschen vor 100 Jahren – geschweige denn vor 1.000 Jahren – haben sich gefragt, wie viel Flüssigkeit sie trinken oder wie viele Kalorien sie zu sich nehmen sollten? Das sind moderne Fragestellungen, die nur daher rühren, dass unsere heutige Ernährung mit ihren industriellen Produkten schädlich für uns ist.

Warum es nicht die eine Zahl geben kann

Der Flüssigkeitsbedarf deines Körpers ist von so vielen Faktoren abhängig, dass es unmöglich ist, das richtige Volumen auszurechnen. Du kannst damit nur falsch liegen.

Jeder Körper ist anders. Der eine ist größer, der andere kleiner. Einer ist kräftiger (nicht dick), ein anderer schlanker. Und selbst bei gleicher Größe und Gewicht ist nicht ein Körper wie der andere.

Wichtig ist auch, was du isst. Echte Lebensmittel wie Obst und Gemüse bestehen zu 70 Prozent und mehr aus Wasser. Je gesünder du isst, desto mehr Flüssigkeit nimmst du folglich über die Nahrung auf.

Ebenfalls entscheidend: Was du trinkst. Flüssigkeit ist nicht gleich Flüssigkeit. Alkohol trocknet dich aus – er „zählt“ also nicht. Kaffee trocknet dich zwar nicht aus, aber verstärkt den Harndrang und entzieht dem Körper auf diese Weise Flüssigkeit.

Auch das Wetter spielt eine Rolle: Ist es warm oder kalt? Und deine Aktivität: Bist du viel in Bewegung oder sitzt du überwiegend?

All diese Faktoren entscheiden darüber, wie viel Flüssigkeit dein Körper braucht. Es wäre eine Wissenschaft für sich, das auszurechnen und das richtige Maß zu finden.

Wie es richtig geht

Zum Glück brauchen wir das gar nicht. All die Panikmache ist überflüssig, denn dein Körper sagt dir schon was du brauchst. Dafür gibt es den Durst. Den haben wir nicht umsonst mitbekommen.

Als gesunder Mensch genügt es vollkommen, wenn du auf dieses Signal achtest und über den Tag verteilt immer mal wieder etwas trinkst. Falls du den Durst ignorierst oder überhörst, geht dein Körper den nächsten Schritt und lässt dich wissen, dass du etwas trinken solltest. Ich spüre das manchmal in Form eines leichten Hungergefühls, trockenen Mundes, Unwohlsein oder Kopfschmerzen.

Wenn es soweit ist, weißt du, dass du etwas zu spät dran bist und kannst dich darum bemühen, zukünftig früher auf die Signale zu achten.

Also, lass dich nicht verrückt machen. Trinke so viel wie dein Körper braucht.

Was du trinken solltest, ist eine ganz andere Frage, die wir hier schon einmal besprochen haben: Wir trinken hauptsächlich Wasser.

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4 Kommentare

  1. Hallo Patrick,

    klingt in der Theorie sehr gut. Allerdings bräuchte es Blogs wie euren und meinen nicht, wenn ein großer Teil unserer Gesellschaft nicht verlernt hätte auf den eigenen Körper und die Signale zu hören. Wenn wir alle auf die Signale unseres Körpers hören würden, dann gäbe es viel weniger übergewichtige oder chronisch dehydrierte Menschen. Für den Teil von uns, der verlernt hat auf den eigenen Körper zu hören finde ich Zahlen und Daumenregeln als Orientierungshilfe zum Einstieg durchaus geeignet. Ob es jetzt nun heißt man solle 2,5 oder 3 oder 4l am Tag trinken spielt erstmal keine Rolle. Personen, die keine Probleme damit haben werden durch die Zahl eh erstmal nicht angesprochen. Aber Menschen die nur 1l am Tag trinken fühlen sich dadurch angesprochen und achten in Zukunft vielleicht nicht nur auf die Zahl sondern auch auf das Befinden, welches durch ihr Trinkverhalten ausgelöst wird.
    Just my 2 cents.

    LG
    Judith

  2. Ich habe im Studium angefangen, sehr viel zu trinken, dh. 3-4 Liter pro Tag. Ich habe festgestellt, daß ich damit ausgeglichener bin. Wenn ich unleidlich werde – und bei meiner Tochter ist es ganz krass: dann trinke ich erstmal was, und nach 10 min ist alles nur noch halb so wild.

  3. Hi Patrick,

    schwieriges Thema, das du da anschneidest.
    Das natürliche Körpergefühl, für das ich normalerweise auch immer plädiere – in diesem Falle also das Durstgefühl – ist wohl bei vielen Menschen verloren gegangen.
    Oft äußert es sich nämlich auch in anderer Form z.B. als Krämpfe oder Atemnot. Ich persönlich habe früher sogar den Durst mit Hunger verwechselt und erst mal anständig reingehauen …
    Wie du ja auch schreibst, ist es wichtig diese kleinen Signale rechtzeitig wahrzunehmen – muss man lernen.
    Mir hat da übrigens Qigong sehr geholfen, man wird dadurch sensibler im positiven Sinne.

    Gruß Kay

  4. Hallo Patrick,
    ich bin neu auf der Seite….habe sie heute bei Glücksdetektiv…als einer der 10 besten Blogs in Deutschland gefunden. Herzlichen Glückwunsch dazu!!
    Ich blogge auch zum Thema Wasser und merke immer mehr wie vielseitig das Thema ist.
    Auf jedenfall sollten wir genügend gutes und reines Wasser trinken, damit es seine Aufgaben in unserem Körper wahrnehmen kann. Wasser dient als Transportmittel um unsere Zellen mit Nährstoffen zu versorgen und Schlacken und Gifte zu entsorgen…..
    Lieben Gruß und weiterhin viel Erfolg,
    Peter

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