Kräftig. Nicht dick.


Nur ein paar Kilo weniger. Dann wäre ich viel glücklicher.

Ich weiß nicht, wie ich als Kind und Jugendliche darauf kam, dass sich mit ein paar Kilo weniger alles viel besser anfühlen würde.

Unsere Urahnen werden nicht so gedacht haben, während sie einem Mammut nachjagten. Aus Sicht der Evolution macht dieser Gedanke wirklich keinen Sinn.

Doch es ging mir jahrelang so. Während Patrick mit seinen zeitweise 150 Kilogramm und dessen Folgen zu kämpfen hatte, fühlte ich mich mit ca. der Hälfte des Gewichts ziemlich unwohl.

patrick ich collage 2

Wenn ich heute auf mein früheres, kräftiges, nicht dickes Ich zurückblicke, erinnere ich mich an das Unwohlsein, die Gemeinheiten zu Schulzeiten und was ich tat, in der Hoffnung, die Anderen könnten es vielleicht einfach nicht sehen.

Vielleicht erkennst du dich in meiner Geschichte wieder – egal, ob du 3, 10 oder 50 Kilogramm zu viel wiegst oder gewogen hast.

Mädchenkullerbauch und „Das streckt sich noch“

vor KinderwagenZur Geburt wog ich 4.150 Gramm. Ein ganz schöner Brocken – das sagt meine Mutter heute noch. Was das spätere Leben angeht, ist das Geburtsgewicht nicht unbedingt aussagekräftig, nicht aussagedick. Aber ich war schon ein eher properes Kind.

Als ich in die Schule kam, hatte ich ein rundes Gesicht und einen Mädchenkullerbauch, wie ihn eben Mädchen haben. Der blieb auch und ich hörte meine Oma öfter sagen: „Das streckt sich schon noch“, während sie mir ein Eis gab.

Ich hatte die Oberschenkel meines Vaters (Geburtsgewicht über 5.000 Gramm) geerbt, worauf er seit jeher stolz ist. Ich konnte sie früher noch nicht so schätzen.

Die destruktiven Gedanken fingen in der Grundschule an, als es Mode war, sich in Freundschaftsalben einzutragen.

Wer hat eigentlich die Frage nach dem Gewicht in Freundschaftsalben erfunden? Wozu? Was tut das zur Sache?

Auch als Steckbriefe in der fünften Klasse im Deutschunterricht dran waren, galt meine erste Sorge der Frage nach dem Gewicht. Was sollte ich dort eintragen? Einfach frei lassen?

Ich wusste, dass ich damals schon ca. 10 Kilo mehr wog als die schmächtigsten Klassenkameradinnen. Ich ließ sie unter den Tisch fallen und hoffte, dass sich niemand über meine selbstbewusst geschriebene „35“ wundern würde.

Klassenfahrt und Karateanzüge – yay…

Ferienlager? Klassenfahrt? Ich fühlte mich unwohl, wenn ein Freibad oder Schwimmunterricht anstanden. Es waren gefühlt alle schlanker und hübscher als ich. Ich trug nie einen Bikini, sondern den sportlichen Badeanzug mit streckenden Streifen an der Seite. Dass ich relativ schnell schwomm, tröstete mich nicht.

Ich war diejenige, die das kräftige, nicht dicke, Pferd beim Ferien-Reiten bekam. Den einzigen Schimmel, den ich natürlich nicht gewollt hatte.

Auf Fotos versuchte ich den Bauch einzuziehen und das Oberteil nochmal günstig fallen zu lassen. Als ob das einen Unterschied machte!

Dieses Phänomen beobachte ich häufiger, wenn ich alte Fotos angucke. Wie ich mich damals anstrengte, figurgünstige Sachen anzuziehen, weich fallende Stoffe und streckende Muster zu tragen!

Letztendlich sah man damals sowieso auf den ersten Blick (bzw. heute mit etwas Abstand), dass ich eben kräftig war. Nicht dick.

Bei einem weißen Karateanzug mit farbigem Gürtel gibt es nichts zu kaschieren. Der Anblick war gnadenlos und bereitete mir regelmäßig Schamgefühle.

„Wie viel wiegst du eigentlich?“

Kinder sind grausam. Manche Mädchen fanden es entweder lustig oder dachten sich nichts dabei, mich direkt zu fragen, wie viel ich denn eigentlich wiege. Auch Freundinnen.

Natürlich sagte ich nie die Wahrheit, sondern ließ immer ca. 10 bis 15 Kilo unter den Tisch fallen. Oder sagte gar nichts. Das schürte aber nur noch mehr Neugier und ging somit nach hinten los.

Jetzt kann ich es ja sagen.

In meinen „Topzeiten“ wog ich ca. 74 Kilo, das sind gute 10 Kilo mehr als jetzt. Bei einer Körpergröße von ca. 1,71 m ist das nicht die Welt, aber ich war schon eher kräftig gebaut.

Kräftig. Nicht dick.

Trotz dieser gut gemeinten Formulierung schmerzte es trotzdem, wenn mich jemand als kräftig bezeichnete. Ist schon klar, dass dick gemeint ist. Nicht fett, aber auch nicht schlank.

Es mag komisch klingen, aber ich verhandelte regelmäßig mit meiner Mutter abends am Bettrand, ob sie mit mir die Oberschenkel tauschen würde. Sie hätte es getan. Nur leider ging es nicht.

Meine Mutter stand mir immer uneingeschränkt bei. Das war ein großer Trost. Mit viel Geduld beriet sie mich, was figurschmeichelnde Schnitte und Farben anging.

Im Urlaub verglich sie mich mit viel schlankeren Mädchen, wenn ich sie fragte, wie ich ungefähr aussehe. Sie tröstete mich, wenn ich die durchtrainierten Animateurinnen um deren Körper beneidete.

Sie beruhigte mich, wenn ich Panik vorm Wiegen beim Skiverleih (Bindung einstellen!) hatte.

Ich weiß nicht genau, wie ich aushielt, für Karate-Wettkämpfe gewogen zu werden. Schließlich musste man mich der richtigen Gewichtsklasse zuordnen. Ich glaube, meine Trainer schätzten nur und niemand kontrollierte nach. Es war schließlich kein Profi-Boxen!

Die 90er: Bauchfreie Provokation

Natürlich war ich ein Britney-Spears-Fan der ersten Stunde. Natürlich wollte ich auch gern etwas Bauchfreies anziehen. Nach einem Blick in den Spiegel ließ ich es dann doch.

Nach frustrierenden Shopping-Touren leistete meine Mutter regelmäßig Aufbauarbeit. Psychologische erste Hilfe.

Sie empfahl mir auch eine kühlende Creme für mein hochrotes Gesicht im Sportunterricht, was ich allerdings nie ausprobierte.

Und wie ich die Zeitschriften-Cover, Werbeplakate und Werbespots hasste! Ich empfand es als völlig unrealistisch, welche Körper dort als normal bzw. erstrebenswert angepriesen wurden. Natürlich wollte ich auch so aussehen, aber mir schien es wie ein völlig utopisches Ziel. Es war in meinen Augen ein Vorführen, was nicht geht. Eine Provokation.

Wampe und Oberschenkel-Döner

Die bauchfreie Oberteile tragenden Mädchen in der Schule hielten sich irgendwann vornehm zurück – immerhin. Obwohl ich mir trotzdem von meiner damals besten Freundin in der siebten/achten Klasse anhören musste, dass ich ja „eine ganz schöne Wampe“ hätte. Ich solle aber trotzdem mal „engere Sachen“ anziehen.

Insgesamt hatte ich trotzdem noch ganz gute Karten, auch wenn es sich zeitweise nicht so anfühlte: Die Schule fiel mir immer sehr leicht, ich war engagiert, hatte Freunde und recht zeitig auch einen Freund. Ich war nie lange Single.

Das hielt aber die Jungs in meiner Klasse trotzdem nicht davon ab, mich zu ärgern. Meist ignorierte ich die Sprüche wie: „Kann man von deinen Oberschenkeln auch Döner machen?“ Manchmal sagte ich etwas zurück. Doch sonderlich spontan war ich damals nicht.

Erst mit zunehmendem Alter hörten die Sprüche auf. Vielleicht wurde es ihnen langweilig, da ich zu wenig Reaktion zeigte.

Schließlich gab es bessere Opfer.

Eine damalige Freundin war nicht nur ebenfalls kräftig, nicht dick, sondern hatte auch noch mit den Noten zu kämpfen. Als ich sie verteidigte, schienen die Jungs etwas mehr Respekt vor mir zu haben und ließen uns beide weitgehend in Ruhe.

Es gab im Laufe der Schulzeit auch Phasen, in denen ich mich mal ganz gut fand. Das lag dann im Zweifelsfall an meinem Freund, der mir Selbstvertrauen spendete.

Die Höchststrafe? Sportstudentenpartys!

Später kam ich mit einem Sportstudenten zusammen. Es mag ein Klischee sein, aber in den meisten Fällen geht das für das Weibchen nicht gut aus!

Mir jedenfalls raubten diese zweieinhalb Jahre viel Selbstvertrauen.

Welches Mädchen will schon mehr Bauch haben als ihr Freund? Unsportlicher sein? Achtung, Höchststrafe: Auf Partys weniger attraktiv als die ganzen anderen hübschen Sportstudentinnen sein?

Inspiriert von meinem dazugelernten Wissen über Sport und Ernährung nahm ich in den letzten Jahren vor dem Abi tatsächlich ab. Gerade in der Zeit zwischen Abi und Studium hatte ich jede Menge Zeit, um Joggen zu gehen und Kraftübungen zu machen.

Wurde ich dadurch selbstbewusster? Vielleicht auf den ersten Blick, aber hinter der Fassade: Nein.

ich Collage teil 1

Im Studium hatte ich weiterhin viel Zeit und trieb viel Sport. Ich war sogar ziemlich fit. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, jetzt wirklich gut auszusehen.

Las chicas mexicanas

Mein Auslandssemester Ende 2008 verbrachte ich in Mexiko. Ich weiß nicht, ob du jemals eine mexikanische Frau gesehen hast, aber sie sind ziemlich klein und schmal.

Zwar ist Mexiko auch ein dem Fast Food geschuldetes, schwergewichtiges Land. Die Elite an der Privatuni, wo ich war, hat jedoch einen Personal Trainer und kann sich gesundes Essen leisten. Sie waren im Schnitt einen Kopf kleiner und 20 Kilo leichter als ich.

in mexiko

Du kannst dir vorstellen, dass das mein Selbstbewusstsein nicht gerade steigerte.

Wenn ich heute Fotos von damals sehe, finde ich mich ziemlich schlank. Doch es fühlte sich nicht so an.

Wie die Wahrnehmung sich verschiebt!

Nach dem Studium arbeitete ich zwei Jahre in Patricks damaliger Agentur, ging ins Fitnessstudio, fühlte mich ganz okay, hatte aber trotzdem phasenweise mit abendlichen Fressattacken zu kämpfen.

Im Masterstudium fuhr ich dann sehr viel Rad, weshalb einige Kilos purzelten.

ich Collage teil 2

Happy End?

Im Gegenteil – und das sage ich nicht, um Mitleid zu erhaschen. Ich schreibe das für alle diejenigen, die denken, dass mit ein paar Kilo weniger alles gut wird.

Ich wog Ende 2012 ein paar Kilo weniger. Ich war schlank durch meine Fahrrad-Pendelei zur Uni und eine regelmäßige Laufgruppe.

langlauf

Trotzdem ging es mir mental schlecht. Das lag am Pendeln, an der Wohnsituation und einem neuen Job, der mir jedes Körnchen meiner Kraft abverlangte.

Ich steuerte geradewegs in ein Burnout hinein.

Darüber werde ich ein anderes Mal ausführlich schreiben, doch nur so viel: Mein Gewicht änderte daran nichts. Warum auch?! Wer in eine depressive Episode abrutscht, kann nichts mehr schätzen, ist erschöpft und zieht sich zurück. Sport half mir zwar, konnte aber nichts aufhalten.

Auf die Waage stellte ich mich damals nicht. Ich war viel zu beschäftigt mit meinen Sorgen, Ängsten, mit Frust und Erschöpfung.

Und dann?

Ich gab mir selbst nochmal den Rest, indem ich meinen Masterabschluss beschleunigte, um den neuen (jetzt festen) Job an der Uni anzutreten. Es ging mir immer schlechter.

Nach einem halben Jahr zog ich die Reißleine bzw. meine Hausärztin. Ich begann eine Therapie und lernte erst einmal wieder auf mich und meinen Körper zu hören.

Ich erzählte meiner Therapeutin auch von meinem mangelnden Selbstbewusstsein und meinen Zweifeln in Bezug auf meinen Körper. Dazu sagte sie nur: „Das haben fast alle Frauen. Ich denke, das ist momentan nicht vordergründig. Wir sollten daran nicht herumtherapieren, sondern Ihnen erstmal helfen, Kraft zu schöpfen. Dann wird sich das von alleine geben.“

Im ersten Moment verletzte mich diese Haltung. Schließlich hatte ich jahrelang daran zu knabbern gehabt. Aber es war selbstverständlich nicht der Grund für meine Krankschreibung gewesen.

Aufbau Kopf

Meine Hausaufgaben nach den wöchentlichen Sitzungen waren u.a. mich bei Freunden zu melden, Dinge zu tun, die mir früher Spaß gemacht hatten und mich nicht unter Druck zu setzen. Das half tatsächlich, obwohl mich natürlich permanente Zweifel quälten.

Meine Familie und mein Freund waren zum Glück sehr geduldig mit mir. Auch die regelmäßigen Treffen mit Patrick halfen mir, um Inspiration, Kraft und Selbstbewusstsein zu schöpfen.

Meine Therapeutin empfahl mir etwas mit den Händen zu tun, um das Gedankenkarussell anzuhalten. Ich fing also an wieder regelmäßig zu kochen.

Sie riet mir außerdem Sport zu treiben, da dieser nachgewiesenermaßen gegen Depression helfe. Ich ging viel Joggen, allerdings zu viel, wie ich an anderer Stelle bereits erwähnt habe.

Die Kombination aus dem wiederbelebten sozialen Leben, der Lektüre inspirierender Bücher und einer gesunden Lebensweise ließen mich nach einigen Monaten wieder besser fühlen.

Die Idee zu Healthy Habits entstand.

Über einen Zufall kam ich ein paar Monate später zum Bootcamp-Training. Es ist das intensivste, aber auch wirksamste Training, das ich je gemacht habe. Ich nahm nochmal ein paar Kilo ab. Nun befinde ich mich auf meinem gefühlten Idealgewicht.

ich Collage teil 3

Henne oder Ei?

Es war mir jedenfalls noch nie so egal, wie viel ich wiege.

Ist das nicht paradox? 15 Jahre lang habe ich von meinem jetzigen Gewicht geträumt und jetzt bin ich der Meinung, dass Wiegen eher kontraproduktiv ist. Öfter als einmal in sechs bis acht Wochen wiege ich mich nicht.

Vielleicht ist mir die Anzeige auf der Waage auch deshalb so egal, weil ich mich gut fühle. Oder fühle ich mich gut, weil ich mit der Anzeige zufrieden bin?

Ich glaube mittlerweile, dass Zufriedenheit einen schlanken Körper bewirkt und nicht umgekehrt.

Da ich nun einer erfüllenden Arbeit nachgehe, meine sozialen Kontakte pflege und einen Sport ausübe, der mir Spaß macht, fühle ich mich körperlich so gut wie noch nie.

Das macht alles so viel einfacher. Endlich nicht mehr ständig den Bauch einziehen oder Skrupel vor einem Strandfoto haben.

hot springs ranong

So, nun kennst du meine Geschichte. Ich glaube, ich bin immer noch kräftig, nicht dickMein Körperbau ist nicht so zart und schmal wie der von meinen damaligen Mitschülerinnen.

Manchmal tröste ich mich immer noch damit, dass ich wenigstens einen Bierkasten heben, ein Marmeladenglas öffnen und beim Umzug ordentlich anpacken kann.


Wenn du magst, erzähl mir deine Geschichte. Schreibe einfach einen Kommentar. Ich würde mich freuen und bin gespannt auf deine Erfahrungen.

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43 Kommentare

  1. Hut ab! Du sprichst mir aus der Seele. Momentan geht es mir auch besser als sonst. Ich fahre jeden Tag mind. 20 km Rad, gehe seit einem Jahr Rudern und ab und zu ins Fitnessstudio. Meine Ernährung habe ich schon immer unter Kontrolle – Fressattacken kenne ich nicht. Seit eurem Anti-Zucker-Challenge esse ich gar keine Süßigkeiten mehr. Trotzdem sind da die „Fußballerwaden“ von meinem Vater und das gebärfreudige Becken – Makel, die einfach bleiben und bleiben, egal was man tut. Was mich am meisten frustriert ist der Klamottenkauf. Oben eine 36/38 und unten eine 42. Da ist der Hosenkauf quasi unmöglich. Wenn ich eben noch ganz zufrieden mit meinem Körper war, zieht mich der Gang in die Umkleidekabine, oder der Blick in den Spiegel mit meinen schlecht sitzenden Jeans aber immer wieder rein in die Misere. Ich arbeite an mir und hoffe darauf, dass ich auch mal so ein knackiges Bikini-Foto von mir posten kann.

    • Hallo Merle,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Offenheit! Wow, du hast ein ordentliches Sportpensum! Und ich freu mich, dass du immer noch von der Zucker-Challenge profitierst!

      Das mit dem Hosenkauf kenne ich nur zu gut. Ich kaufe seit Jahren nur eine bestimmte Marke, weil ich in die meisten Hosen meine kräftigen, nicht dicken Waden nicht im Ansatz hineinpressen könnte. Auch heute nicht mit „ein paar Kilo weniger“. Ich kann es absolut verstehen. Ich weiß nicht, ob es tröstet, aber: es geht allen so! Für alle ist der Hosenkauf das höchste (oder tiefste) der Gefühle. Es geht auch anderen Frauen in meiner Familie so, die aber mit ihren gazellenartigen Beinen keine Hosen finden. Auch sie sind deprimiert von der Schwierigkeit Klamotten zu finden.

      Ich wünsche dir sehr, dass du mit dir Frieden schließt. Ich bin mir sicher, dass du und insbesondere deine Augen nach wie vor ein Hingucker sind!
      Liebe Grüße, Ex-Kollegin!
      Jasmin

    • Hallo Merle, hallo Jasmin, same here, inklusive „oben 38 unten 42“ Hosen kaufen … es gibt genau *ein* Modell einer Jeansmarke, das mir passt, ich hoffe, das nehmen sie nie aus dem Programm. Ich weiß, die Modeindustrie sollte eigentlich kein Maßstab sein, die hätten, selbst wenn sie wollten, keine Chance, auf alle Körpertypen einzugehen. Meist wird ein Teil in einer sehr kleinen Größe entworfen und dann werden die Maße einfach hochgerechnet – eigentlich kein Wunder, dass die Sachen nicht passen. Wenn ich in einer schlecht ausgeleuchteten, engen Umkleidekabine stehe und möglichst leise schnaufend (die Nachbarkabine!) versuche, eine Hose über meine Oberschenkel zu bekommen, ohne sie kaputt zu machen, hab ich das vergessen. Dann bin ich falsch, nicht die Maße. Und muss ich erwähnen, dass ich mich von Kameras möglichst fernhalte, ebenso von Bikinis, und ein großer Traum von mir ist, einmal im Sommer in der Öffentlichkeit Shorts zu tragen *und* mich darin wohlzufühlen? Wenn ich mir Hosen nähen möchte, muss ich von Taille zu Hüfte zwei bis drei Größen überbrücken. Ich kann noch nicht besonders gut nähen, nehme es mir aber immer wieder vor, es zu üben – besonders, wenn ich nach einem Hosenkauf ohne Hose, aber mit Schnittmusterheft-Frustkauf zurückkomme 😉

      • Hallo Julia,
        diese Gedanken könnten 1:1 von mir stammen. Keine Macht dem Kabinenlicht! Männer machen sich wenigstens nicht so fertig und kaufen manchmal die Hose auch ohne sie anzuprobieren. Nur wir Frauen müssen uns natürlich in dem Licht fertigmachen und von allen Seiten angucken. Dazu meinte mal ein Comedian: „Nur Frauen kommen auf die verrückte Idee, sich im Profil anzugucken!“
        Danke für die amüsante Schilderung, auch wenn es natürlich nicht amüsant ist. Sei stark und dir gewiss: wir sind bei dir 🙂
        LG Jasmin

  2. Hallo Jasmin,
    ich erkenne mich da auch in vielem, was Du schreibst, wieder.
    Bei mir war es so, dass ich früher auch immer so „5-8 Kilo“ (Wer auch immer das festgelegt hat in meinem Hirn…!!) zu viel gewogen habe. Und da ich als Halbfranzösin auch viele klischeehafte kleine, zierliche französische Cousinen habe, fühlte ich mich mit meinen 1,78m und „5-8 Kilo“ zu viel immer wie ein Riesenbaby neben denen!!
    Letztlich habe ich auch erst in dem Moment, als ich mit mir glücklich und zufrieden war, abgenommen bzw. haben sich die Proportionen alle wieder zu ihrem Vorteil verschoben, haha! Das hat allerdings auch einige Jahre gedauert, dass ich mich und meinen Körper angenommen habe. Vorher hatte ich noch einige gesundheitliche Probleme, die ich dann aber mit einer bewussten, veganen Ernährung angegangen bin – Abnehmen war da eigentlich gar nicht das Ziel, sondern eher gesund zu werden.
    Übrigens habe ich mir auch sagen lassen, dass der Großteil des männliches Geschlechts überhaupt nichts gegen Rundungen (jeglicher Art!) bei uns Frauen hat!!! 😉
    Leider uns da die Werbeindustrie einen falschen Floh ins Ohr gesetzt….

    Danke für Deinen ehrlichen Artikel & liebe Grüße aus Köln,
    Dominique

    P.S.: Und kann mich den anderen Mädels bezüglich des Hosenkaufs auch nur anschließen, der reinste Horror! Daher bevorzuge ich inzwischen Onlineshopping, denn da kann man wenigstens den Spiegel und die Beleuchtung frei wählen!! 😉

    • Hallo Dominique,
      danke für deinen Kommentar! Ja, immer dieser Vergleich. Er kann uns ja nur unglücklich machen, denn – vereinfacht und überspitzt gesagt – all die dicken Menschen, die sich nicht mehr raustrauen – sehen wir ja auch gar nicht, um im Vergleich mit ihnen zur Abwechslung mal gut abzuschneiden. Französinnen sind da wohl wie Mexikanerinnen, ich kann’s mir vorstellen. Ich war neulich nur kurz in Paris, habe aber auch eine Ahnung davon bekommen.

      Ja, diese Theorie, dass das Verhältnis von Taille zu Hüfte entscheidet, nicht die absoluten Werte – auch das tröstete mich irgendwie nicht. Es ist eben doch auch die Ausstrahlung – und die geht vom Kopf aus, nicht vom Maßband.

      Sonnige Grüße nach Köln
      Jasmin

  3. Toller Artikel, Du sprichst aus, was wahrscheinlich Millionen Frauen denken, egal ob Kleidergröße 36 oder nicht 🙂

    • Hallo Jessica,
      vielen Dank für dein Lob! Das bestärkt mich darin so weiterzumachen, denn ganz leicht fällt mir das Hosen-runterlassen nicht!
      LG Jasmin

  4. Hey Jasmin, voll mutig von dir, so auszupacken. Jedes Mal, wenn ich in nem Artikel von euch dein Foto gesehen hab, dachte ich nur: wow, so ne hübsche Frau! 🙂 siehst du mal, wie manchmal der Unterschied von Eigenwahrnehmung zur Fremdwahrnehmung sein kann. Und ich geb dir voll recht, dass Zufriedenheit immer auch nach außen strahlt.
    LG Christoph

    • Hey Christoph,
      vielen Dank! Komplimente tun mit jeder Kleidergröße gut 🙂 Und ja, das mit der Eigenwahrnehmung – das ist schon ein Phänomen!
      LG zurück
      Jasmin

  5. Hallo Jasmin,

    toller Artikel und danke für deine Offenheit. Ich deine Gedanken und die in den Kommentaren so nachvollziehen. Was ich bei mir leicht bedenklich finde: Du bist auf den Bildern aus meiner Sicht total schlank. Bei gleicher Größe und Gewicht fühl ich mich sooo viel dicker. Ich glaube, dass passiert nur in meinem Kopf. Obwohl ich im Moment sogar 38/40 oben und 44 untenrum habe.
    Leider habe ich die Kilos meiner Migräne zu verdanken. Aufgrund der Ernährungsempfehlungen und den prophylaxe Medikamenten wurde es stetig mehr.
    Zum Glück habe ich LCHF entdeckt, damit verschwindet meine Migräne immer mehr und die Pfunde purzeln auch langsam. Das heisst für mich gibt es keinen Zucker, Kohlenhydrate nur aus Gemüse, Beeren und MoPros und dazu viel gutes Fett (Butter, Butterschmalz, Kokosöl, Olivenöl und Leinsamenöl) und ausreichend, aber nicht zuviel Eiweiss. Damit geht es mir so gut. 🙂
    LG aus Australien,
    Dani

    • Hallo Dani,
      vielen Dank! Ich wünsche dir viel Erfolg mit deiner Ernährung. Ich denke ja, wenn man echtes Essen isst und sich halbwegs bewegt, dann purzeln die Kilos. Es sind die Süßigkeiten, die reinhauen und die vermeidest du ja. Ich habe das Glück, dass ich noch nie Migräne gekämpft habe. Patrick dafür schon. Bei erzeugen Kopfschmerzen (nicht das selbe, ich weiß) das Gefühl, dass das mit Zucker weggeht. Was es aber nicht tut. Ich finde gut, dass du dir dafür Wege suchst und guckst, was dir guttut.
      LG nach Australien aus Leipzig
      Jasmin

  6. Jasmin, du siehst toll aus auf ALLEN Fotos! Ich bin so traurig, dass Du und ich und sooooo viele von uns eine so miese Eigenwahrnehmung haben.Ich habe viele deiner Erfahrungen auch gemacht und beim Lesen des Artikels oft staunend zweimal hingeguckt, denn er hätte in großen Teilen auch von mir sein können.
    Einen kleinen Zwinker hab ich noch für dich:Sei froh dass du schon in jungen Jahren so mega weit gekommen bist….ich habe viiiiel länger gebraucht! Es grüßt dich die nun schon 50jahrige Anni (immer noch mit gefühltem Mädchen kugelbauch!!!!)

    • Hallo Anni,
      vielen Dank 🙂 Das habe ich jetzt schon ein paar Mal gehört. Es scheint, dass viele Frauen wirklich die gleichen Gedanken im Kopf haben. Und ja, ich denke auch, mit 26 bin ich noch ganz gut dabei!
      Liebe Grüße an dich und den Mädchenkugelbauch
      Jasmin

  7. Hallo,

    danke für deine Offenheit! Und ich glaube, es geht sehr vielen Frauen so, dass sie sich zu….irgendwas finden. Und das finde ich sehr schade.
    Wer bestimmt denn, was schön ist?
    Ich habe ein paar Kilos, die ich gern weniger hätte, aber wenn ich das Freundinnen erzähle, die aufgrund von Veranlagung etc. wirklich übergewichtig sind, ist das für die ein Schlag ins Gesicht. Und sie würden gerne annähernd so schlank sein.
    Und dann denke ich mir, wozu ich unbedingt weniger wiegen muss. Ich habe daraufhin mal mehr überlegt, welche Frauen für mich Schönheit ausstrahlen und da fallen mir auch welche ein, die im Medienvergleich zu dick sind, oder komische Proportionen haben, aber die strahlen, weil sie zufrieden sind. Weil sie das, was sie machen, lieben.
    Und da möchte ich auch vielmehr hinkommen, das Leben lieben, zufrieden sein, mit dem, was ich habe und mich mögen. Ich probiere manachmal aus, wenn ich in den Spiegel sehe, zu überlegen, ob ich mich schön finde. Und meistens finde ich mich schön, wenn es mir gerade gut geht und nicht so schön, wenn ich gerade, mit dem fast gleichen Gesichtsausdruck, negativ drauf bin.
    Die schönste Schönheit kommt von innen und dem Bewusstsein geliebt zu sein, glaube ich.
    Aber das immer im Denken zu haben….
    Lieb Grüße,
    Barbara

    • Liebe Barbara,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich kann das gut nachfühlen, was du schreibst. Vielleicht wäre für dich auch ein Weg die Waage einfach mal weit wegzuräumen. Denn was machst es schon für einen Unterschied? Das Gefühl kommt sowieso von innen und nicht von der Digitalanzeige. Seine Laune davon abhängig zu machen, ist irgendwie schade.
      Liebe Grüße
      Jasmin

  8. Mir kommt das bekannt vor. Ich war in der Schule immer „der Dicke“. In Sport hat es immer so gerade zur 4 gereicht und Geräteturnen habe ich gehasst. Erst essen, später eine Erkrankung waren Schuld, dass mein Gewicht dreistellig wurde, aber nur knapp über 100. Durch die Behandlung ging es bergab und ich verlor ca. 20 kg, war letztes Jahr sogar zeitweise unter 80, aber nun wieder kurz vor der 90. Naja so ist das halt.
    Obwohl viele sagen, ich wäre ja nicht dick muss ich sagen, dass diese Aussage eigentlich stimmt. Halt an den Oberschenkeln was, ein wenig Wampe… kann man relativ gut kaschieren (trage lieber Größe XL als L *g*). Aber im Vergleich zu anderen, die ich täglich in der Bahn sehe, bin ich ja Vollschlank dagegen :D.

  9. Ich war immer schlank und hab mich trotzdem nie attraktiv gefühlt. Die Problemzonen sind dann eben: Nase, kleiner Busen, weites Becken (über das ich bei den Geburten sehr froh war!), breite Schultern, Hochwasserhosen …
    Meine Schwägerin ist dick und strahlend-attraktiv mit einem viel hübscheren Gesicht als meines.
    Als ich 30 wurde, änderte sich mein Stoffwechsel, ich nahm zu. Weil es mich nervte, ständig außer Atem zu kommen, nahm ich ab (Fasten). Jetzt wiege ich wieder so viel wie früher und fühle mich gut. Weil die Kleidung sitzt und ich fitter bin.
    Insofern denke ich: Abnehmen hilft, ist aber keine Zufriedenheitsgarantie.

    • Hallo Siggi,
      danke für deine Offenheit. Dass Abnehmen keine Zufriedenheitsgarantie bietet, sehe ich genauso!
      LG Jasmin

  10. Ich finde es auch wichtiger das man sich wohl fühlt als das man schlank ist.
    Viele meiner Kunden erzählen mir das gleiche aber meistens kommt durch das schlank sein auch das wohlfühlen wieder, weil man durch das Abnehmen auch viel mehr Energie bekommt.

  11. Hallo Jasmin,
    sehr schöner Artikel. Das so gut aussehende Frauen wie du solche Probleme haben konnte ich kaum verstehen. Ich bin seit über 20 Jahren mit meiner Frau verheiratet, die nach der Geburt unserer Kinder sehr stark zugenommen hat.
    So sehr ich Dir deine Selbstwahrnehmung abnehme, so sehr niederschmetternd sind solche Berichte für wirklich übergewichtige Frauen.
    Schöne Site. Ich wünsche Dir keine bessere Figur ( die hast du ) aber immer schöne Filme in deinem Kopfkino.
    Heiner

    • Hallo Heiner,
      vielen Dank für dein Lob, das Kompliment und die guten Wünsche! Ja, ich kann absolut nachvollziehen, dass es für „wirklich“ Dicke einerseits schlimm sein muss so etwas zu lesen. Andererseits macht der Beitrag vielleicht und hoffentlich gerade darauf aufmerksam, dass sich am Kopfkino auch nichts ändert, wenn die Waage ein paar Kilo weniger anzeigt. Entscheidend ist, was im Kopf passiert. Dort muss man ansetzen, auch wenn es anfangs aussichtslos erscheint.
      Schön, dass du bei uns mitliest.
      Viele Grüße
      Jasmin

  12. Hallo Jasmin,

    in Deinem Artikel habe ich mich auch wiedererkannt. Die in vielen Dingen entspanntesten drei Monate meines Lebens waren auch die „leichtesten“. Damals war es mir nicht so wichtig, wieviel auf der Waage/dem Maßband/dem Konfektionsgrößenschnipsel stand, ich habe gegessen, worauf ich wirklich Lust hatte – dazu gehörte auch mal Schokolade, aber eher eine hochwertige handgefertigte Praline als eine ganze Tafel – und mich in einem gar nicht mal übertriebenen Maße bewegt. Allerdings habe ich es nicht geschafft, diese Entspanntheit nach den drei Monaten weiter „mitzunehmen“.
    Manchmal glaube ich, dass die Unzufriedenheit mit dem Gewicht und diese Zahlenversessenheit, die damit einhergeht, auch daher rührt, dass wir immer der Meinung sind, über das Gewicht die absolute Kontrolle haben zu müssen. Bei mir ist es jedenfalls so, dass ich mit anderen Dinge an mir, die nicht dem üblichen Schönheitsideal entsprechen (zB meine arg kurzen Beine), kaum hadere. Die sind so, das bin ich, das ist gut so. Aber beim Gewicht schleichen sich immer die Gedanken ein, dass ich das doch kontrollieren müsste… obwohl ich weiß, dass Zufriedenheit und Gelassenheit der Weg sind (und noch dazu auch innerlich schön machen 😉 ). Jetzt suche ich – bisher noch nicht richtig erfolgreich – nach diesem Weg.

    Viele Grüße
    Kirstin

  13. Ich weiß ja nicht, ob die Fotos so halbwegs den erzählten Zeitraum abdecken, doch was ich auf allen Fotos sehe, ist eine attraktive und gutaussehende junge Frau. Doch das erzähle einmal dem Kopf der betreffenden Person… 🙂

  14. Hallo Jasmin,
    deine Berichte gefallen mir sehr gut und vor allem das Resultat aus diesem, bzw. die Schlussfolgerung, die Du daraus ziehst! Mir gefällt die Idee, dass nicht das Gewicht oder die Figur ausschlaggebend sind, sondern das Gefühl und der Lifestyle, und das Gefühl, das Richtige zu tun.

    Ich selbst beschäftige mich schon lange mit Ernährung. Zwischen 2011 und 2012 hatte ich eine Essstörung und musste dann ins Krankenhaus, um wieder 13 der 16 Kilo zuzunehmen, die ich mir krankhaft abtrainiert hatte. Seitdem habe ich mehrmals wieder ein wenig mehr zu- und dann wieder abgenommen, und mache auch sehr viel Sport. Allerdings habe ich mich von zu leistungsorientiertem Sport abgewandt, da mich das psychisch immer wieder unter Druck setzt. Jetzt mache ich gerne Pilates, spiele Basketball und gehe sehr gerne laufen.
    Mit meiner Ernährung muss ich immer wieder neu Frieden schliessen. Ich neige dazu, in Stressituationen mehr zu essen als gut ist, ich schätze, das kommt durch das akribische Teller – Leeressen, das zum Zunehmen im Krankenhaus natürlich auch unverzichtbar war. Auch Essanfälle sind mir bekannt. Im Moment geht es mir mit dem Essen aber wieder sehr gut. Ich versuche, mir keinen Plan für das Essen mehr zu machen und mich von allen Regeln abzuwenden. Meine Waage habe ich vor ein paar Wochen unter den Schrank verbannt und werde mich wohl auch nicht mehr daraufstellen – das ist einfach nicht gut für mich.
    Stattdessen werde ich jetzt, nach dem ganzen Abistress, wieder lernen auf meinen Körper – und nur auf meinen Körper – zu hören und mich von allen Regeln abzuwenden. Ich weiss für mich, dass veganes Essen mir am besten tut, und dass ich letztendlich viel lieber Obst und Gemüse esse, als ungesundes Essen.
    Manchmal ist mein Problem genau das: „Gönn Dir doch mal ein Stück Schokolade!“, von meiner Mutter, oder das „Ja, bei Dir muss ja immer alles ganz gesund sein!“, von meinem Vater, das ich öfter mal zu hören bekomme.
    Dabei ist es für mich einfach SCHÖNER, gesund zu essen und ich muss auf meinen Körper hören, sonst werde ich nie wieder intuitives Essverhalten lernen. Und dies bedeutet für mich echte Gesundheit und somit auch einen Teil Zufriedenheit.

    Ich finde euren Blog super, weil ihr keine Regeln aufstellt. Das ist die einzige Möglichkeit, mal wieder zu lernen, wie wir eigentlich ticken – und dass das auch in Ordnung ist!

    Viele liebe Grüße und geniesst den Frühling!
    Hannah 🙂

    • Hallo Hannah,
      vielen Dank für deinen Kommentar, dein Lob und dass du deine Geschichte hier erzählst. Ich finde es auch immer wieder gar nicht so leicht, sich nicht davon beeinflussen zu lassen, was andere denken – auch über Ernährung. Und entscheidend finde ich tatsächlich, was sich SCHÖNER anfühlt – schön gesagt! 🙂
      Liebe Grüße und schön, dass du bei uns mitliest
      Jasmin

  15. Hallo Jasmin,
    in deinem Artikel erkenne auch ich mich wieder. Bei mir sind es auch die 5-7 kg, die ich gerne weniger hätte. Ich habe mich noch NIE in meinem Körper wohl gefühlt, war immer kräftig, nicht dick. Bis ich mir vor einigen Jahren eingestehen mußte, dass ich eine Essstörung habe. Lange Jahre wußte ich nicht, warum mich regelrechte Fressanfälle heimsuchten, die ich dann durch Sport und „Nahrungsverbote“ versuchte wieder gut zu machen. Seit 1,5 Jahren folge ich nun dem Weg „Sehnsucht und Hunger“ von Maria Sanchez. Es ist ein längerer, manchmal auch schmerzhafter Weg, welcher sich aber lohnt. Maria sagt: „Wenn wir mehr essen, als unser Körper braucht, essen wir nicht wegen eines körperlichen, sondern aufgrund eines seelischen Hungers.“ Das ist so wahr! Diäten bekämpfen nur das Symptom, „Sehnsucht und Hunger“ die Ursache. Jetzt erkenne ich, wann ich emotionalen Hunger habe und wann körperlichn (echten) Hunger.
    Jeder, der aus „unerklärlichen“ Gründen isst, sollte sich fragen „Wie geht es mir?“ oder „Wonach hungert es mich wirklich?“
    Herzliche Grüße

    • Hallo Susann,
      danke für den offenen Kommentar. Ich hoffe, du findest deinen Weg zur Zufriedenheit mit deinem Körper. Die Fragen „Wonach hungert es mich wirklich?“ finde ich ganz wichtig.
      Liebe Grüße
      Jasmin

  16. Vielleicht ist das für manche ein Trost: Wunsch-Kleidergröße 36/38 – mag sich erstrebenswert anhören..ist aber relativ!! ich bin nur 1,58 groß und zu allem Überfluss sind auch meine Beine im Verhältnis zur Größe nicht gerade lang geraten, wie bitteschön sollte ich denn dann in eine 40 oder größer passen?? Ich müsste jedes Hosenbein und jeden Ärmel umnähen…und nähen kann ich nicht mal-mag ich auch nicht. Ich habe immer die großen Frauen beneidet (speziell während der Schwangerschaft) wo sich alles „besser verteilt“ während mein Format eher als „quadratisch, praktisch, gut“ durchgeht. Können sich die Großen vorstellen, wie man als Kampfzwerg mit solchen -auch ererbten Fußballerwaden ausschaut??…es gibt tatsächlich Hosen mancher Hersteller in Größe 36 die mir fast passen-meist spannen sie an den Oberschenkeln und schlabbern im Bund da meine Taille und der Bauch dank viel Bewegung und gesundem, zu 90% echtem Essen ok sind…Ihr schreibt einen supersympahtischen und ehrlichen Blog der mir immer wieder mal hilft, das eine oder andere Problem zu relativieren.
    Liebe Grüße, Kati

    • Liebe Kati,
      jaja, die Wunsch-Kleidergröße. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Kleine Frauen haben es nicht leicht. Schon als normal-große Frauen habe ich Probleme, Hosen mit passender Länge zu finden. Doch zwei sehr groß gewachsene Frauen in meiner Familie haben genauso Probleme Hosen zu finden. Dabei sind sie schlank wie Gazellen. Auch für sie ist der Hosenkauf die höchste Kunst.
      Eine andere Freundin ist auch unter 1,60m groß und kauft oft Kindersachen, weil ihr sonst einfach nichts passt. Klar, dass sie oft auch viel jünger geschätzt wird. Das kann schön sein, aber in den 20ern möchte man das nicht unbedingt.
      Ich habe auch eher kräftige Beine, wie gesagt, die Oberschenkel meines Vaters. So lange habe ich innerlich dagegen angekämpft. Dann gab es zwei, drei Situationen, in denen mir jemand sagte, ich hätte mehr Muskeln als mancher Sportler – und das änderte meine Sicht.
      Ich wette, du bist sehr hübsch, denn „auch“ kleine Frauen mit Kurven sind oft der totale Hingucker. Schon oft habe ich solche Frauen gesehen, die ihr Taille betonen, vielleicht noch schön geschminkt sind oder coole Haare haben – und vor allem: strahlen!. Sie sind für mich viel schöner als 36/38-Kandidatinnen ohne jeden Charme. Obwohl das für letztere auch wieder ein Problem sein kann: wenn frau einfach durchschnittlich aussieht, keine Kurven, 0815-Haarfarbe, etc. Aber dass Ausstrahlung entscheidend ist, ist ja nichts Neues…
      Liebe Grüße zurück und danke für dein Lob und deinen Kommentar!
      Jasmin

  17. Großes Lob, für die Offenheit und die ehrlichen Worte!
    Ich wiederhole mich gerne, dir zu sagen, dass du selbst nach einer durchgestandenen OP in einem Klinikbett, am „Tag danach“ zauberhaft aussahst! Versprochen 😉
    Es ist schon ein Phänomen, dass „körperliche Schönheit“ nicht als solche empfunden werden kann und durch Selbstzweifel einzig Makel wahrgenommen werden, obwohl alle Welt Schönheit sieht! Was sollen denn die weniger „gesegneten“ Menschen tun?
    Güte und Großherzigkeit sind eh viel wichtiger, als bloße äußere Schönheit, jedoch ist sie ein Geschenk! Auch mit 10kg „zuviel“.
    Lieber Gruß Anne

    • Ach Anne, my dear. Vielen Dank 🙂 Ja, diesen Denkfehler werde ich wohl nie ganz ausmerzen können. Aber es ist schön, es zu lesen. Umso mehr von nahestehenden, nicht völlig fremden Menschen – wie dir!

  18. Hi Jasmin !
    Toller Artikel! Ich gehöre auch zu den kräftigen Frauen und habe leider gerade sehr mit meinem Gewicht zu kämpfen..
    Ich habe auch ständig Menschen um mich herum die meinen ich soll mich doch mal „weiblicher“ anziehen …ich habe für eine Frau ein wirklich breites Kreuz und schmale Hüften (44/46 oben, 40/42 unten). Zudem habe ich Bauch und einen netten Schwimmring???? In engen Klamotten fühle ich mich wie „eine Wurst in der Pelle“! Ich stimme dir vollkommen zu dass es einem leichter fällt durchs Leben zu gehen ( und abzunehmen) ,wenn man mit sich Frieden schließt und es entspannter angehen lässt …dein Artikel spricht mir aus der Seele !! Ich wünsche dir viel Glück für deine Zukunft !Mach weiter so ????

  19. Liebe Jasmin,

    vielen Dank für deine Offenheit! Auch ich habe eine verblüffend ähnliche Geschichte.
    Ein wirklich umgreifendes Phänomen unserer Zeit, sich selbst und den eigenen Körper abzulehnen und dabei all das Gute, all die Geschenke, die uns jeden Tag vor die Füße fallen, zu übersehen. Manchmal glaube ich, dass es genau das ist, was eigentlich so weh tut. Weil ein Teil von uns weiß, dass wir da etwas Falsches glauben und blind für die wirkliche Schönheit sind.
    Wenn man denkt, irgendwelche Körperteile sollten anders aussehen, als sie aussehen, ist es doch ein bisschen so, als würde man wollen, dass eine Rose wie ein Vergissmeinnicht aussehen soll. Gerade die Vielfalt ist doch das Tolle – klein, groß, rund, lang, hell, dunkel, mit oder ohne Sommersprossen, Streifen, Dellen, Haare, Narben, usw. Aber scheinbar mag es der menschliche Kopf, sich ein seltsames Idealbild auszumalen oder auszusuchen und sich damit zu quälen. (Ich spreche aus eigener Erfahrung 😉 Und das natürlich nicht nur, was den Körper betrifft.
    Deshalb stimme ich dir voll zu, dass wir als Erstes an unserer Einstellung arbeiten müssen und nicht an unserem Körper. Wenn wir es schaffen, uns den Unsinn von alten Glaubenssätzen á la „dünner ist besser“ bewusst zu machen, kommt das auch unseren Kindern zu Gute. Vielleicht haben sie es dann leichter, Schönheit unabhängig von irgendwelchen Idealen zu erkennen. 🙂

    Vielen lieben Dank, dass ihr so offen seid und eure Erkenntnisse mit uns teilt! 🙂

  20. Ach ja, das kenn ich auch so gut, und habe es mittlerweile auch langsam überwunden 🙂 Nicht nur beim Gewicht, auch bei meiner Nase, wegen der ich wirklich Komplexe hatte. Jetzt mit über 30 finde ich es schade, wie viel Energie und Zeit man für diese Probleme immer aufwendet, kann aber jeden umso besser verstehen, dem es ähnlich geht. Dabei denke ich von außen fast immer: Was?? Die/der sieht doch toll aus! Das habe ich bei deinen Fotos auch gedacht 🙂

    • Liebe Anna,
      danke für deinen Kommentar. Ja, ich finde es heute auch manchmal unglaublich, wie viele Sorgen ich mir darum gemacht habe. Übrigens zum Thema Nasen: ich bin ein Nicht-Nasen-Mensch, d.h. mir fallen Nasen nie auf. Auch richtig große Nasen (von denen mir andere im Nachhinein erzählen) nehme ich einfach nicht wahr. Vielleicht tröstet es dich, dass wir uns ja oft auf unsere eigenen Makel konzentrieren, die aber anderen wirklich nicht auffallen. Dazu ein interessanter Artikel: http://greatist.com/grow/shut-down-negative-body-talk
      LG Jasmin

  21. Hallo Jasmin

    starker Artikel! Das allein zeugt von Selbstvertrauen, wie ich finde. Auch wenn es jetzt nahe zu egal ist, kann ich Dir im Nachhinein sagen, dass Deine Vorlesungen an der Uni einen echten Mehrwert brachten und gut angesehen waren. Auch wenn es ab und zu Unruhen gab. Aber das ist ja inzwsichen normal in den heutigen Vorlesungsälen.
    Für mich waren die Vorlesungen bei Dir immer informativ und niemals langweilig. Dadurch das du auch mal Videomaterial oder Beispiele aus der Wirtschaft / Werbung eingebunden hast, war es nicht eintönig.

    Kurzum: Das mit dem Selbstvertrauen ist manchmal auch tückisch. Entscheidend ist immer, was das innere Ich sagt. Genau! Zumindest nach Außen hin, hast Du stets profesionell und souverän gewirkt. Aber gut, dass ist ja nur der eine Teil. Den Rest hast Du ja beschrieben.

    Beste Grüße
    Sören

    • Hallo Sören,
      vielen Dank für das Lob. Ja, es gibt durchaus Bereiche, in denen ich auch selbstbewusst bin, da ich meine genug zu wissen. Aber wie das so ist, jeder hat seine Baustellen im Kopf 🙂
      Viele Grüße
      Jasmin

  22. Liebe Jasmin,
    deine Erlebnisse, die du schreibst, berühren mich ganz tief. Auch in meinem Hirn hat sich fest gesetzt, dass ich mit 5-8 Kilo viel glücklicher bin. Ich war auch schon schlanker, dann wollte ich jedoch weiter abnehmen. Allerdings ist es jetzt, ich glaube auch objektiv gesehen, etwas zu viel Gewicht für meine Körpergröße (also auch laut BMI usw). Ich ernähre mich meiner Meinung nach wirklich ausgewogen und gut inzwischen, ich bewege mich auch, da ist allerdings noch Luft nach oben 🙂 Allerdings reduziert sich mein Gewicht gar nicht, ob es vielleicht auch daran liegt, dass in meinem Kopf sich alles darum dreht? ich mich deswegen selbst abwerte? und an kaum etwas anderes denken kann?-ich weiß es nicht.
    Ich habe vor ein paar Monaten bemerkt, ich kann nicht noch weitere Jahre so leben. Den Sommer zwar lieben mich aber in der Wohnung verstecken weil der Bikini mir angst macht, Verabredungen mit Freunden absagen, weil ich angst habe zu viel zu essen, mich vor jedem Foto zu verstecken, weil ich das Bild danach nicht ertragen kann usw. Ich habe jetzt eine Therapie begonnen, die mir auch gut tut. Ich wünsche mir so sehr mich selbst lieben zu können. Aber mein Kopf kann noch nicht los lassen, dass ich mich mit weniger Gewicht auch wohler fühlen würde.
    Viele Grüße, Carolin

    • Liebe Carolin,
      ich bin froh, dass du dir therapeutische Hilfe gesucht hast, denn es klingt ganz so, als hättest du die Denkmuster sehr fest verankert. Dagegen kommst du ohne professionelle Hilfe wahrscheinlich nur schlecht an. Sicher sind deine Gedanken zu sehr mit deinem Gewicht befasst. Schließlich geht es ja im Leben nicht darum irgendeine fiktive Zahl zu halten, sondern darum, glücklich zu sein. Wahrscheinlich solltes du wieder lernen, dir schöne Erlebnisse zu schaffen und etwas Positives zu empfinden, ohne dass es irgendetwas mit dem Essen zu tun hat. Ich drücke dir die Daumen, dass du das schaffst!
      Bei mir ist es mittlerweile so, dass ich mich gar nicht mehr wiege. Es bringt sowieso nichts. Ich lebe jetzt so, wie es sich gut anfühlt, d. h. ich esse zu mindestens 80% sehr gesund und gönne mir aber auch immer mal etwas. Damit hat sich mein Gewicht irgendwo dort eingependelt, wo es sich gut anfühlt. Die Hosen passen und das ist mir wichtig. Zuletzt habe ich mich noch alle 6 bis 8 Wochen mal gewogen, aber eher schlechte Laune davon bekommen. Es war deutlich mehr als zu meinen leichtgewichtigsten Zeiten. Aber das ist auch klar, denn seitdem habe ich an Muskeln zugelegt und die sind nun mal schwerer als Fett. Insofern hat das Gewicht (und auch der BMI) ohnehin eine begrenzte Aussagekraft. Daher rate ich den meisten, die mich fragen, auch vom Wiegen ab. Aber es kommt natürlich auch immer auf das persönliche Profil und den Startpunkt an. Ich wünsche dir alles Gute. Lass ruhig von dir lesen!
      Liebe Grüße
      Jasmin

  23. Hallo Jasmin,
    du hast einen echt tollen Post geschrieben! Ich bin zwar noch vor dem Abi, bin vom Körperbau aber auch kräftig, nicht dick und hatte seit jeher Probleme damit. Begonnen haben diese Probleme im Kopf mit der Pubertät. Ich bin jahrelang geschwommen und hatte Kampfsport gemacht. Irgendwann hatte ich im Kopf „ein paar Kilo weniger“. Am Anfang hatte ich gar keine Probleme damit und habe tatsächlich abgenommen. Dann kam alles wieder zurück in Form von Fressattacken. Zwischendurch eine Phase von Kalorienzählen, aber von den fressattacken „profitiere“ ich heute noch. Einige meiner Freundinnen sind sehr schmächtig und zierlich und es ist sehr kräftezehrend sich selber klar zu machen, dass man eben anders gebaut ist. Ich bin muskulös (auch, wenn mir es selber nicht so auffällt – es könnte mehr sein), aber am meisten probleme habe ich mit dem richtigen Essen. Es ist phasenweise: erst klappt es richtig gut, sich bewusst und ausgewogen zu ernähren, dann folgen wieder Fressanfälle. Ich habe eine Woche im Urlaub auf Zucker verzichtet und es hat echt gut geklappt. Es war eine Challenge mit meinem Vater und am 1. Tag, an dem es quasi wieder „erlaubt“ war, könnte ich gar nicht mehr aufhören. Jetzt bin ich auf euren Blog gestoßen und werde das Projekt wieder in Angriff nehmen, denn es fällt mir soviel leichter, wenn ich es komplett weglasse. Aus einem Stück Schokolade wird immer die ganze Tafel.

    Viele liebe Grüße
    Pauli

    • Hallo Pauli,
      danke für dein Feedback und die Offenheit. Wir haben bestimmt einiges gemeinsam. Ich wurde kürzlich gefragt, ob ich eine Schwimmerin bin 😀
      Ja, so eine Umstellung klappt meist nicht von heute auf morgen. Bei uns war es ein jahrelanger Prozess. Eine kurzfristige Kasteiung bringt meist gar nichts, weil dann der Rückfall umso heftiger ist. Ich würde dir empfehlen, ganz langsam eine Gewohnheit nach der anderen umzustellen. Das Ziel ist, dass du dich wohlfühlst – nicht was andere oder die Waage sagen. Meiner Erfahrung nach klappt es dann insgesamt am besten, wenn man nicht ständig darüber nachdenkt.
      Alles Gute für dich und liebe Grüße
      Jasmin

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