Wie du dein Gehirn debuggst und bessere Gewohnheiten etablierst

Checkst du auch zu oft Facebook, versackst auf der Couch statt rauszugehen oder Sport zu machen? Es geht uns allen so! In diesem Beitrag erfährst du, wie du den Fehler im Gehirn behebst, der dich entgegen deiner Vorsätze handeln lässt. Dazu vergleicht Oliver Emberton in seinem Beitrag die Funktionsweise unseres Gehirns mit der Programmierung. Verstehe wie dein Kopf arbeitet und damit, wie du den Ablauf verändern kannst!

Olivers Beitrag haben wir auf Lifehacker gelesen und ins Deutsche übersetzt. Er ist ein Entrepreneur, Autor, Programmierer und Künstler, der über das Leben schreibt und darüber, wie man das beste daraus macht.


Wäre es nicht toll, wenn du dein Gehirn debuggen (d.h. die Fehler beseitigen) könntest, als sei es schlecht programmierter Code? Wir können uns vielleicht nicht selbst neu programmieren, aber wir können die Prinzipien der Fehlersuche nutzen, um uns selbst zu helfen und bessere Gewohnheiten zu etablieren. So debuggst du dein Gehirn:

Unsere Gehirne sind der fehlerhafteste Schrott seit dem Internet Explorer. Um einen gängigen Fehler zu reproduzieren, versuch deinem Gehirn zu sagen: „Geh ins Fitnessstudio!“. Die Reaktion der meisten Gehirne wird sein: Facebook-Status updaten und Katzenvideos anschauen. Das ist nicht gerade das Verhalten, das wir wollten.

Glücklicherweise habe ich eine Lösung entwickelt. Lass mich dir nur zuerst einmal erklären, wie das gesamte menschliche Hirn funktioniert.

Dieser Code ist Pfusch

Wenn man sich unser Gehirn ansieht, wird offensichtlich, dass es von einem Team von 10.000 Affen entwickelt wurde, die auf Tastaturen saßen. Du weißt schon, wie bei Windows 8.

Das Gehirn ist Event-gesteuert, was bedeutet, dass es nahezu nichts tut, bis ein Event (Ereignis) eintritt, und es darauf reagiert. Deine Hand wird heiß, du ziehst sie zurück. Dein Magen knurrt, du suchst etwas zu essen.

bessere Gewohnheiten1

Leider gibt es viele Events. Es gibt Events für kleine Ablenkungen oder für große Gefahren, und alle diese Ereignisse schießen durch unser Gehirn und ringen um unsere begrenzte Verarbeitungsfähigkeit.

Es ist, als hätten die Entwickler zu spät gemerkt, dass wir zwischen all diesen Ablenkungen hin- und herspringen würden – wie eine Katze, die einem Laserpointer hinterherjagt. So hackten sie in letzter Minute ein Prioritätssystem hinein.

Pioritäten

Leider ist unser Prioritätssystem nicht so toll: die voreingestellte Priorität für Hinsetzen ist höher als für Sport.

Aber Moment! Wir sind klüger als – ooh, ein Eichhörnchen

Aber haben wir denn nicht ein ziemlich cleveres, bewusstes Gehirn? Dieser Teil, der rechnen kann und Schach spielt und Sallys Hausaufgaben abschreibt?

Nun, ja. Dieser Teil ist aber auch Event-gesteuert, was heißt, dass er nicht immer angeschaltet ist. Es zeigt sich, dass unsere Gehirne auf Energieeffizienz optimiert wurden und sie ihren CPU (Consciousness Processing Unit = bewusste Verarbeitungseinheit) nur anschalten wenn unbedingt nötig. Wenn du schon mal festgestellt hast, dass du seit einer Stunde mit dem Auto gefahren bist, ohne dass es dir aufgefallen wäre – dann ist dein Bewusstsein in den Standby-Modus gegangen.

Es ist dein Bewusstsein, dass dir sagt, dass du Sport machen solltest, auch wenn du keine Lust hast, weil es erkennt, dass die langfristigen Vorteile die kurzfristigen Qualen überwiegen. Und wenn es unter Kontrolle ist, tust du es auch. Aber dein Bewusstsein erfordert viel Kraft. Wenn deine geistigen Akkus leer sind, wird es leicht von höheren Prioritäten übermannt, wie Warcraft spielen oder Twitter checken.

Die Fehlerbehebung

Wir werden ein neues eigenes Event hinzufügen, um die Dinge in Ordnung zu bringen. Nicht-Programmierer könnten das als „Gewohnheit“ bezeichnen.

Unser neues Event wird durch einen Übergang ausgelöst. Beispielsweise, wenn du aufwachst, ist das ein Übergang. Am Schreibtisch ankommst – das ist ein Übergang. Zu Hause ankommst — das ist ein Übergang.

Es ist der Übergang, bei dem unser Verhalten am ehesten von dem Event mit der höchsten Priorität gekapert wird, das in dem Moment gerade in unserem Gehirn kursiert. Wenn du zu Hause ankommst, ist das Event vielleicht „Ich bin kaputt“ und du lässt dich auf die Couch fallen. Wir müssen das ändern. Hier ist dein neues Event:

Gewohnheiten verändern 1

Keine Sorge, wenn du noch nicht sehr geübt in Gehirnprogrammierung (B#) bist, merke dir nur drei Worte: „Nein. Genau. Jetzt.” Lass uns das aufdröseln:

1. „Nein”

Wir müssen zuerst alle anderen Events unterbrechen. Es gibt einen Trick, um geistige Ablenkungen zu überwinden: indem du dir deinen Plan wahnsinnig leicht machst. „Nein“ ist so einfach wie ein Plan nur werden kann.

Nein bedeutet einfach alles zu verwerfen. Wenn du Facebook checken willst, ist die Antwort Nein. Wenn jemand fragt, ob du fünf Minuten hast, ist die Antwort Nein. Wenn das jemanden verärgert, ist sie immer noch Nein.

Mach es nicht noch komplizierter mit Ausnahmen. Ausnahmen wird es sowieso geben – wenn dein Haus brennt, werden Urinstinkte die Macht ergreifen. Aber in 99,9% der Fälle ist für uns in unserem modernen Leben die größte Gefahr, dass wir nach unseren veralteten Überlebensinstinkten leben. Fang an, indem du zu allem Nein sagst.

Du befürchtest vielleicht, dass du zu einem soziopathischen Roboter wirst, wenn du alle und alles ablehnst. Du wirst später immer noch Zeit für diese Ablenkungen haben. Sage den Leuten das. Der Trick ist zuerst zu erledigen, worauf es ankommt.

2. „Genau“

Jetzt frage dich, was „genau“ die eine  Sache ist, die du jetzt tun solltest. Ich habe nicht drei Sachen gesagt. Es kann nur eine geben.

Du solltest darüber nicht so sehr nachdenken müssen, denn dein bewusstes Gehirn hat bereits am vorigen Abend für dich entschieden: es ist für gewöhnlich diese eine Sache, die du schon die ganze Zeit tun willst, aber nie die Zeit dazu hast.

Eine wichtige Unterscheidung ist hier Wichtigkeit versus Dringlichkeit. Die wichtigsten Dinge im Leben – wie gesund zu essen – sind selten dringend. Und die Events unseres fehlerhaften Gehirns sind von allein Meister darin mit dringenden Sachen umzugehen – wie wenn dein Handy klingelt. Wenn du also die Wahl hast, wähle Wichtigkeit vor Dringlichkeit. Es wird langfristig am meisten bewirken.

3. „Jetzt“

Fang sofort an, das Richtige zu tun. Nicht nachdem du deine Emails gecheckt hast – sofort. Lass dir keine Zeit, um überhaupt darüber nachzudenken, fang einfach an. Der Anfang ist immer der schwerste Teil; genau die Trägheit, die den Anfang erschwert, kann es gleichermaßen schwer machen damit aufzuhören.

Dieser einfache Kniff funktioniert, weil dein Gehirn ungewöhnlich aufnahmefähig für Events ist, wenn du dich in einem Übergang befindest. Es muss sich für einen neuen Handlungsablauf entscheiden, und wenn es sich einmal entschieden hat, bleibt es meistens dabei.

Leider neigen wir dazu dumme Entscheidungen bei Übergängen zu treffen, weil wir nicht darüber nachdenken:

Gewohnheiten verändern2

Unterbrich deine Übergänge mit den richtigen Entscheidungen, und du wirst dich viel öfter dabei ertappen, dass du das tust, worauf es ankommt:

brain debugging (6)

Merke dir einfach: „Nein. Genau. Jetzt.“ Drei Wörter, um eine lebensverändernde Gewohnheit zu programmieren.


Wir hoffen, dass dir dieser Ansatz hilft, deinen schlechten Gewohnheiten den Kampf anzusagen. Passend zum Thema haben wir unserer Handy- und Internetsucht auf humorvolle Art  den Spiegel vorgehalten. Wenn dich interessiert, wie weit es kommen kann, dann lies den Artikel: “Zuletzt online heute um 06:02 Uhr” – Die digitale Generation im Stress

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10 Kommentare

  1. Toller Beitrag! Jetzt muss das ganz nur noch umgesetzt werden. Ich sollte mich jeden Abend an meine Diplomarbeit setzen, schiebe das wirklich schon Monate vor mir her! Vorgestern habe ich den Anfang gemacht und mit der Unterstützung von diesem Artikel wird das jetzt einfach durchgezogen 🙂 LG

  2. Hallo zusammen,
    es funktioniert !! Und ich bin euch wirklich dankbar!
    Die Möglichkeit Gewohnheiten an dem Punkt des „Überganges“ ändern zu können war mir zwar bekannt, doch mir hat ein kurzes knackiges Programm gefehlt um im richtigen Moment einzuhaken. „Nein“ ist einfach und effektiv. „Genau“ ist mir zumindest immer glasklar 🙂 und die erste Sekunde von „Jetzt “ hasse ich wie die Pest – und bin danach total Stolz es trotzdem durchgezogen zu haben !!
    Vielen Dank an euch beide und macht weiter mit dieser tollen und informativen Seite.
    LG

    • Hey Sanny,

      danke für dein Lob und vor allem für das Feedback, dass dir unsere Beiträge etwas bringen.
      Das freut uns, denn dafür machen wir das hier 🙂

  3. …toller Beitrag, Der theoretische Exkurs ist sehr interessant!
    Wenn man sich erst mal gesetzt hat, fällt es tatsächlich schwer, wieder aufzustehen. Das „JETZT“ ist die Chance…
    Ich komme aber auch ganz gut klar, wenn ich bei der Ankunft zu Hause mit vornehme, genau um xx:xx Uhr zu starten. Das klappt bei mir auch ganz gut. Aber auch dazu braucht man einen starken Willen und man muss sich bewusst machen, dass die eigenen Erfahrungen sagen, dass es nach der Überwindung und dem Start … viel Spaß gemacht hat und wieder machen wird, also Freude auf die bevorstehende Freude.

    LG
    Euer treuer Leser Volkmar

    • Hallo Volkmar,
      danke für das Lob – das bedeutet uns sehr viel! Eine Zeit xx:xx Uhr zu definieren ist auch wie eine Abmachung mit sich selbst – die Entscheidung ist schon getroffen. Das erleichtert die Sache. Die Freude auf die Freude ist auch meine größte Motivation. So überwinde ich mich auch zum Bootcamp-Training bei Kälte, Nässe und Dunkelheit 🙂
      LG Jasmin

  4. Ihr Lieben, danke für den Tipp. Habe mir einen Zettel gemacht mit den drei Worten und wende sie mehrmals am Tag an. Habe schon mehrere Sachen flott erledigt.
    Liebe Grüße
    Ute

  5. Wow, ich hätte nie gedacht, dass das funktioniert .. aber tatsächlich. Ich mache auf einmal Dinge, die ich sonst immer vor mir herschiebe. Man muss es einfach machen, nicht lange nachdenken, JETZT.

    Also, vielen Dank 🙂

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