Wie eine Psychotherapie abläuft (und was du nicht erwarten solltest)

Aus Filmen und Serien haben viele Menschen eine verzerrte Vorstellung von einer Psychotherapie: Der Patient, meistens der wohlhabenden Oberschicht angehörig, liegt auf einer roten Couch und heult sich über mehr oder weniger banale Probleme aus. Der Therapeut kämpft entweder mit dem Schlaf oder ist ein ständig erreichbarer Ersatzfreund – eine Selbstverständlichkeit und Prestige-Symbol zugleich. Im Zweifelsfall läuft irgendwann mehr.

Mit meinen Erfahrungen deckt sich dieses Bild nicht im Ansatz. Meine Therapie verlief nicht amerikanisch-cool, sondern eher bürokratisch, unspektakulär und: im Sitzen.

Woher sollen Außenstehende es auch besser wissen? Es ist und bleibt ein Tabu-Thema. Irgendwie unangenehm. Peinlich. Ich kenne einige Personen mit Therapie-Erfahrung, aber niemanden, der auf seine Therapie stolz ist.

Als ich vor anderthalb Jahren eine kognitive Verhaltenstherapie anfing, war ich sehr verunsichert. Ich hatte keinen Schimmer, wie das Ganze ablaufen würde. Wie bei so vielen Themen rund um Depressionen und Burnout fand ich im Internet wenig bis nichts Brauchbares. Das ist auch der Grund, weshalb ich mich heute überwinde und meine Erfahrungen teile.

Vielleicht hast du selbst Burnout-Symptome und überlegst eine Therapie zu machen. Dann erfährst du, wie das Prozedere funktioniert und was die Therapie (nicht) leisten kann. Oder du möchtest jemanden besser verstehen, der gerade in Behandlung ist? In jedem Fall soll dieser Erfahrungsbericht zur Aufklärung und Demystifizierung des Themas beitragen.

Der Weg zur Therapie

Als Erstes überlegte ich ein paar Wochen lang – und ging schließlich zu meiner Hausärztin, um meine Symptome zu schildern. Sie machte mir schnell verständlich, dass sie mir fachlich nicht weiterhelfen könne, aber hinter mir stehen und mich so lange wie nötig krankschreiben würde. Weiterhin riet sie mir zu einer Psychotherapie. Da die Nachfrage nach Therapeuten derzeit das Angebot weit übersteigt, rechnete sie mit einer langen Wartezeit. Doch ich sollte Glück haben.

Noch an diesem Tag zapfte mir meine Hausärztin Blut ab und schickte es ins Labor – eine Notwendigkeit vor jeder Therapie. Es soll über das Blutbild ausgeschlossen werden, dass bloß die Schilddrüse nicht richtig arbeitet und die depressive Stimmung verursacht. Meine Werte waren jedenfalls in Ordnung.

Über zwei Ecken bekam ich eine Empfehlung für eine Therapeutin in der Nähe von meinem Zuhause. Ich kämpfte ein paar Tage mit mir, überwand mich schließlich anzurufen und hatte Glück: zwei Wochen später konnte ich zu einem Erstgespräch vorbeikommen.

Im Erstgespräch erklärte die Therapeutin mir das Prinzip der kognitiven Verhaltenstherapie. Laut Wikipedia sind die Schwerpunkte sich dessen bewusst zu machen, was im Kopf passiert, das zu überprüfen und irrationale Einstellungen zu korrigieren. Schließlich soll die Korrektur ins Verhalten überführt werden. In der Praxis hieß das für mich am Beispiel meines Jobs: ich musste erstmal meine Situation sowie meine irrationalen Gedanken („Aber ich kann da doch nicht weg!“) analysieren. Diese konnte ich dann korrigieren („Ich kann sehr wohl weg!“) und die praktischen Konsequenzen ziehen (Gesprächstermin, kündigen, Wohnung auflösen).

Mir waren 25 Sitzungen bewilligt worden (es gibt auch 50 Sitzungen in schwerwiegenden Fällen), die sich mit einer Sitzung pro Woche über ein gutes halbes Jahr erstrecken würden. Die Therapeutin wies mich auch darauf hin, dass ich bis zu fünf probatorische Sitzungen wahrnehmen könne ohne mich für sie als Therapeutin entscheiden zu müssen. Wichtig sei, dass die Chemie zwischen dem Patienten und dem Therapeuten stimme. Das mache 60% des Erfolges aus.

Ich hatte sofort ein gutes Gefühl. Das Gespräch und die Atmosphäre empfand ich als angenehm. Daher entschied ich mich schon nach der ersten Sitzung.

Bürokratie und Angst vor dem MDK

Dann folgte eine Menge Schriftkram. Ich musste abwechselnd von meiner Hausärztin und der Therapeutin diverse Formulare ausfüllen lassen, was mir damals ziemlich belastend vorkam. Allerdings war ich auch nicht im Vollbesitz meiner Kräfte und hatte mit jeder Form von Bürokratie zu kämpfen. Im Nachhinein denke ich, dass der Aufwand überschaubar war.

Kurze Zeit später warf mich ein Anruf meiner Krankenkasse aus der Bahn. Eine Mitarbeiterin erkundigte sich, ob ich schon einen Therapieplatz gefunden hätte oder ob mir die probatorischen Sitzungen schon reichen würden. Sofort fühlte ich mich schuldig und kam mir wie eine Simulantin vor.

Zum Glück konnte ich den Vorfall schon mit meiner Therapeutin besprechen. Sie regte sich sehr darüber auf, da solche Kontrollanrufe kontraproduktiv seien. Schließlich sei ein Symptom der Krankheit, dass man daran zweifle, krank zu sein. Diese Zweifel würden durch die Anrufe nur befeuert.

Als weitere Belastung empfand ich das Thema Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Diese musste ich regelmäßig, d. h. alle ein bis zwei Wochen von meiner Hausärztin besorgen und an meine Krankenkasse schicken. Ständig hatte ich Angst, dass diese einschreiten und überprüfen würde, ob ich wirklich arbeitsunfähig sei. Ich las im Internet Horrorstorys über den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK): Dort berichteten Depressive, dass Ärzte sie Kniebeuge machen ließen und behaupteten: “Sie können doch arbeiten!”

Letztendlich hatte ich Glück und wurde davon verschont. Bei knapp einem halben Jahr Arbeitsunfähigkeit gehörte ich vielleicht noch zu den harmlosen Fällen.

Wie meine Therapie ablief

Die erste Sitzung begann mit meiner Biografie. Ich erinnere mich noch gut an die erste Frage: „Wissen Sie, ob Sie ein Wunschkind waren?“ Weiterhin musste ich mich erinnern, wie ich als Kind bestraft wurde, wie ich einen Umzug, den Schulwechsel und die Trennung der Eltern erlebte. Erst nach insgesamt vier oder fünf Sitzungen waren wir damit fertig.

Daraufhin stellte mir meine Therapeutin ihr Störungsbild vor: ihre Theorie, was bei mir im Argen läge, sowie die Zielsetzung der Sitzungen.

Bei jedem Termin besprachen wir aber auch aktuelle Situationen, Probleme, Sorgen und Ängste. Nach der Biografie drehte sich dann alles um Dinge aus dem Alltag. Wir analysierten, wie ich in Konflikten (besser) reagieren könnte, was ich in Gesprächen zu Person XY sagen könnte, wie ich mich im Fall Z verhalten könnte usw. Wir bereiteten auch unangenehme Termine vor, wie z. B. mein Kündigungsgespräch. Wir sprachen alles durch, sortierten meine Argumente, klärten meine Taktik.

Das Ziel war schwierige Alltagssituationen besser zu bewältigen. Davon erlebte ich jede Menge zu dieser Zeit (so kam es mir zumindest vor): mein Schlüssel wurde beim Umzug gestohlen, meine Versicherung wollte nicht zahlen, es gab familiäre Konflikte, ich war dann einen Monat arbeitslos, musste 5 Kilogramm Formulare ausfüllen, musste mich für oder gegen eine Selbständigkeit entscheiden uvm.

Eine weitere Hausaufgabe von Beginn an war: Dinge zu tun, die mir guttun. Ich sollte schöne Sachen unternehmen, mich mit Freunden treffen, Hobbys wiederaufleben lassen. So sollte meine Stimmung sich verbessern und meine positive Wahrnehmung stärker werden.

Gegen Ende der 25 Sitzungen à 45 Minuten konnte ich schon erahnen, was meine Therapeutin zu einer beliebigen Situation sagen würde. Wir hatten oft genug über die gleichen Themen geredet.

Seit Ende der Therapie bin ich daher auch nicht wieder bei ihr gewesen, denn ich kann mir schon vorstellen, was sie sagen würde. Sie ist das imaginäre Engelchen auf meiner Schulter, das mir sagt, was zu tun ist. Manchmal ist die Stimme leise, aber wenn ich mich konzentriere, höre ich sie wieder.


Jetzt, wo du meine Erfahrungen kennst, will ich noch ein paar Chancen und Grenzen der Therapie aus meiner Sicht beleuchten.

Was eine Therapie bringt

  1. Auseinandersetzen: Statt Probleme totzuschweigen wirst du gezwungen, dich mit ihnen zu befassen und aktiv zu werden.
  2. Verhalten hinterfragen: Nur weil du seit Jahrzehnten so handelst, wie du handelst, muss es nicht richtig sein. Unter Anleitung durchleuchtest du dein Verhalten und passt es an.
  3. Legitimation: Manchmal braucht es einen Experten, der dir die Erlaubnis gibt Nein zu sagen, dich abzugrenzen und einen gesunden Egoismus an den Tag zu legen.
  4. Fachkundige Außenmeinung: Auch wenn es hauptsächlich auf die Chemie ankommt, helfen dir auch das Fachwissen und die Erfahrung des Therapeuten.
  5. Entlastung: Bevor ich die Therapie machte, heulte ich mich bei der Familie, bei Freunden und Kollegen aus. Die können aber nicht helfen, wenn es ernste Probleme gibt.
  6. Anstöße: Wie oft sagen wir: “Ich müsste mal” und fangen doch nie damit an. Ein Profi kann den notwendigen Anstoß zur Veränderung geben.
  7. Unterstützung: Man hat jemanden auf seiner Seite, der nicht kritisiert, sondern berät und unterstützt. Das bietet Raum für Offenheit und Lockerlassen. Du kannst ehrlich sein und dich verwundbar machen.

Was eine Therapie nicht leisten kann

  1. Es löst Probleme nicht in Luft auf: Familiäre Probleme oder Konflikte auf Arbeit lösen sich nicht von selbst. Du lernst lediglich, wie du besser damit umgehen oder dich entziehen kannst.
  2. Es geht nicht nur (schnell) bergauf: Ab Sitzung 1 wird nicht alles sofort besser. Anfängliche Euphorie kommt vor, aber der Weg ist steinig und lang. Es kommen auch weiterhin Tiefs, die im günstigen Fall aber nicht mehr so tief und nicht mehr so lang sind.
  3. Es ist kein Ersatz für Sozialleben: Ein Therapeut ersetzt keine/n Freund/in, keinen Partner, keine Familie.
  4. Es ist keine Lösung auf Dauer: Ein Therapeut kann nicht lebenslang zur Seite stehen, sondern ist nur eine Unterstützung auf Zeit.

Die wichtigsten Tipps

  1. Welche Therapie: Informiere dich bzw. lass dich beraten, welche Form der Therapie sinnvoll ist. Je nach Art des Problems kann der tiefenpsychologische Ansatz besser für dich geeignet sein als die häufiger anzutreffende kognitive Verhaltenstherapie.
  2. Suche einen Therapeuten in deiner Nähe: Da du mindestens ein halbes Jahr lang zur Praxis musst, ist es sinnvoll, den Weg so kurz wie möglich zu halten.
  3. Alles oder nichts: Lass dich darauf ein, von Anfang an. So kommst du am schnellsten voran.

Ich hoffe, du wirst diesen Erfahrungsbericht nie für dich selbst brauchen. Falls doch, hoffe ich, dir vielleicht ein paar Bedenken genommen und für etwas mehr Klarheit gesorgt zu haben. In jedem Fall wünsche ich dir viel Kraft. Lass mal von dir lesen!


Foto: Psychologin von Shutterstock

 

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20 Kommentare

  1. Hallo Jasmin!
    Denke für den aufschlussreichen Artikel. Zwar weiß ich etwas über die tiefenpsychologische Arbeit, nicht aber über den verhaltenstherapeutischen Ansatz. Daher sehr interessant, dies aus der Praxis zu lesen.
    Ich hoffe, dass es dir mittlerweile viel besser geht und dir die Therapie auch langfristig und tiefgreifend geholfen hat!
    Großen Respekt vor diesem Schritt und dem Schritt es öffentlich zu behandeln!

    Gruß,
    Ben

  2. Hi Jasmin,

    das ist eine sehr gute Idee von dir, mal Inneneinsicht in so eine Therapie zu geben. Ergänzend wäre noch eine Übersicht über die anderen Therapieformen ganz schön gewesen. Denn der Erfolg der Therapie hängt auch stark davon ab, ob die für dich passende Therapieform gefunden wird. Deshalb sollte man unbedingt die Möglichkeit der bis zu 5 Probesitzungen bei bis zu 5 Therapeuten ausnutzen, bis man merkt, dass das Klima stimmt und erfährt, welche Therapieform angewendet wird.

    Was du erlebt/gelernt hast, klingt sehr gut und zielführend. Ich hing leider viel zu lang in einer Gesprächstherapie fest, obwohl ich auch dringend eine Verhaltenstherapie gebraucht hätte. So schlau war ich aber erst nach meinem Klinikaufenthalt, als mein Therapeut mir die ganzen Unterschiede erklärte und mir sagte, auf was ich in Zukunft achten soll. Auf diesem Weg habe ich danach einen ganz tollen, neuen Therapeuten gefunden, der genau gepasst hat.

    Auf alle Fälle vielen Dank, dass du das Thema immer wieder aufgreifst und viel Durchhaltevermögen bei den Dingen, die dir das Engelchen zuflüstert 😉

    Liebe Grüße

    Mischa

    • Hallo Mischa,
      es war für mich eine große Überwindung davon zu erzählen. Wenn ich mir noch eine Recherche zu anderen Therapieformen vorgenommen hätte, hätte ich diesen Artikel sicher bis in die Ewigkeit vor mir hergeschoben 🙂 Mir war bisher nicht klar, was genau der Unterschied zwischen Verhaltens- und Gesprächstherapie ist. Jetzt habe ich mal kurz dazu ein bisschen was gelesen. Es scheint mir schon sehr ähnlich. Schließlich läuft die Verhaltenstherapie auch über Gespräche, Gespräche, Gespräche.
      Manchmal denke ich, es kann doch niemand mehr hören, aber dein Feedback tut gut, danke, Mischa.
      Liebe Grüße
      Jasmin

      • Es kann niemand mehr hören? Es gibt immer noch zu wenig Artikel dieser Art! (zumindest meine feste Überzeugung und die Lehre aus 17 Monaten Bloggen). Schön, dass du ihn trotz innerer Widerstände geschrieben hast 🙂

        Verhaltenstherapie muss nicht ausschließlich über Gespräche laufen. Es gibt tatsächlich auch Therapeuten, die ihre Patienten dabei begleiten, wenn sie in angstauslösende Situationen gehen (z.B. Menschenmassen, etc). Bei deiner Beschreibung hat mir gefallen, dass es sehr um das Installieren positiver Verhaltensweisen geht und das auch stets beim Patienten „überwacht“ wird. Das unterscheidet sich dann doch stark von den reinen Laberrunden der Gesprächstherapie.

  3. Hallo Jasmin,

    vielen Dank für deinen Artikel. Als langjährig Therapieerfahrene haben mir hier jedoch ein paar Dinge gefehlt:
    – in schweren Fällen werden nicht nur bis zu 50 Sitzungen, sondern auch weit darüber hinaus bewilligt. Auch je nach Therapieform. So habe ich z.B. eine Psychoanalyse 3 1/2 Jahre 2x die Woche gemacht und später noch eine Tiefenpsychologisch fundierte Therapie 1x die Woche 4 Jahre. Kommt auf deine Biographie an.
    – der Gang zur Hausärztin ist nicht zwingend und das Blutbild auch nicht. Ich hab mich immer direkt mit meinen Therapeuten in Verbindung gesetzt.
    – Zuständiger Arzt ist hier sowieso der Psychiater, der Depressionen etc. behandelt, krankschreibt, in Kliniken einweisen
    – Ich musste nie Formulare für meinen Therapieantrag ausfüllen und die Krankenkasse hat auch noch nie bei mir angerufen, wobei ich auch „nur“ 2x 4 Monate krank war deswegen inkl. Klinikaufenthalt.

    Gut fand ich deine Aufstellung darüber, was Therapie nicht macht. Da finde ich vieles wieder.

    Liebe Grüße, Carolin

  4. Hi Jasmin,

    vielen Dank für diesen offenen und informativen Artikel. Ich hoffe auch, dass ihn niemand brauchen wird, aber wenn doch ist er ein sehr guter Ausgangspunkt. 🙂

    Ich habe mich selbst auch vor drei Jahren für ca. ein Jahr in Therapie begeben. Mir hat damals das Buch „Da gehen doch nur Bekloppte hin“ von Andrea Jolander die Angst genommen und die wichtigsten Details erklärt. Eigentlich dachte ich in dem Buch werden lustige Geschichten aus dem Therapiealltag erzählt, aber ganz anders als erwartet klärt es sehr liebevoll über Psychotherapie in Deutschland auf (mit Erklärung der einzelnen Therapierichtungen). 🙂

    Ich bin damals auch nicht über den Hausarzt gegangen, sondern habe mir direkt von meiner Krankenkasse eine Liste mit zugelassenen Therapeuten schicken lassen. Genau eine Therapeutin darauf kam für mich in Frage. Diese hab ich kontaktiert und hatte eine Woche später das Erstgespräch. Nach dem Gespräch durfte ich dann erstmal darüber nachdenken, ob das passt mit uns. Als für mich klar war, dass ich meine Probleme mit ihr angehen möchte, hat sie sich um sämtlichen Papierkram mit den Krankenkassen gekümmert. Der eigentliche Start der Therapie war aber erst ein halbes Jahr später, die üblichen Wartezeiten halt… Glücklicherweise war ich aber in der Lage zu arbeiten.

    Meine Therapie war auf tiefenpsychologischer Basis. Wir haben Gedankenreisen gemacht und zu jeder Sitzung sollte ich ein selbstgemaltes Bild mitbringen. Klingt erstmal albern, ist aber eine schöne Grundlage für die Gespräche. 🙂

    Auch wenn meine Therapeutin gerne weiter mit mir gearbeitet hätte, hat meine Krankenkasse keine weiteren Stunden mehr genehmigt. Aber wie du schon sagst, habe auch ich heute noch im Kopf, was sie zu einem Problem sagen würde und allein das hilft mir oft, die für mich besten Entscheidungen zu treffen.

    Liebe Grüße
    Meli

    • Hi Meli,
      das mit den Bildern ist ja interessant. Das stelle ich mir als große Herausforderung vor – jede Woche kreativ zu sein, wenn schon Wäsche-aufhängen als unüberwindbare Anstrengung erscheint. Ich hoffe, du kommst auch ohne die Verlängerung zurecht und hörst immer schön auf die Stimme im Kopf 🙂
      Mit der Bürokratie ist es scheinbar wie so oft: jeder sagt etwas anderes. Viele Wege führen scheinbar nach Rom, Hauptsache, man bekommt überhaupt Unterstützung. Interessant für Außenstehende ist vielleicht noch, dass nach Abschluss einer Therapie 2 Jahre vergehen müssen und man dann wieder einen neue Therapie machen könnte – als ob nie etwas gewesen wäre.
      Liebe Grüße
      Jasmin

      • Hi Jasmin,

        was die Bilder angeht hätte ich auch in ein paar Sekunden ein Strichmännchen oder ein Chaos aus Buntstiften fabrizieren und mitbringen können. Es sagt wohl aber schon viel über mich aus, dass ich immer ein besonders schönes und aussagekräftiges Bild mitbringen wollte und über dich, wenn du in eine ähnliche Richtung denkst. 😉

        Mir geht es auch gerade ohne Therapie gut, danke. Die brennendsten Themen konnten wir gut aufarbeiten. 🙂

        Ohja, die Wartezeit. Ich glaube zu mir hatte die Therapeutin gesagt, dass wir es in einem Jahr nochmal mit einem Antrag probieren können, aber da stand ich wieder vor der gleichen emotionalen Hürde wie am Anfang und hab es dann bleiben lassen. 1:0 für die Krankenkasse!

        Liebe Grüße
        Meli

  5. Hallo Jasmin,

    es freut mich, dass du dich überwinden konntest, dieses Thema und deine Erfahrungen damit hier öffentlich zu teilen. Ich hoffe sehr, dass dies ein wenig hilft, das Stigma bzw. Mysterium loszuwerden, auch wenn die Gesellschaft dafür sicher noch lange braucht. Interessant ist, dass es die meisten totschweigen, aber wenn man dann selbst von Erfahrungen berichtet, sich öffnet und keine Scheu hat, erfährt man von so manchen in seinem Umfeld, dass sie selbst schon in Therapie waren.

    Leider wissen auch viele Arbeitgeber nicht, wie sie mit Mitarbeitern umgehen sollen, die sich für eine begrenzte Zeit psychologisch betreuen lassen. Viel zu oft spukt da in den Köpfen genau das Bild von der Couch herum, dass du am Anfang deines Beitrags beschrieben hast. Denke es ist für den Betroffenen schon ein großer Schritt, sich helfen zu lassen, da braucht man nicht noch Menschen im Umfeld, die einem Steine in den Weg legen oder ein großes Sorgenpaket mitgeben. Andererseits stellt man in solchen Situationen auch fest, auf wen man sich verlassen kann und von wem man lieber Abstand nimmt.

    Viele Grüße, Silke

    • Dem kann ich nur zustimmen, Silke. Es kostet Überwindung, aber plötzlich trauen sich auch einige andere darüber zu reden. Mittlerweile kenne ich einige junge Frauen, die ebenfalls in Therapie waren. Den Austausch darüber finde ich immer sehr angenehm.
      Viele Grüße
      Jasmin

  6. Hallo Jasmin,

    meinen Respekt hast Du Dir sicher, so offen über Deine Therapie zu sprechen.
    Obwohl das Thema ja leider fast „alltagstauglich“ geworden ist. In jeder Familie bzw. im Bekanntenkreis gibt es jemanden, der schon in einer Psychothrapie war. Und es werden mit Sicherheit nicht weniger.
    Auch den Mut zu finden, nach einer Therapie zu fragen oder diese anzunehmen, ist nicht selbstverständlich.
    So wie du schreibst, ist so eine externe professionelle Begleitung meist schon aus dem Grunde sehr hilfreich, allein um sich und sein Verhalten zu reflektieren, sich entweder zu akzeptieren oder konkrete Änderungen vorzunehmen.
    Aus meinem Umfeld kenne ich auch Langzeitkranke (mit psychosomatischen Beschwerden). Der Druck der dann von Kranken-/Rentenkassen und oder Jobcenter aufgebaut wird ist unglaublich. Unser Leben ist durch und durch ökonomisiert – inklusive unserem Gesundheitssystem. Allein bei dem Gedanken daran, kann man krank werden … 😉
    Nochmal Danke für deinen Beitrag und Dir weiterhin alles Gute!

    LG
    Henrik

  7. Hallo Jasmin,

    vielen Dank für deinen Mut zu diesem Beitrag und zu dem Bericht selbst. Besonders der Punkt, was Therapie nicht ist, hat mir sehr gefallen. Denn immer wieder stehen auch Patienten vor dem Therapeuten, die oft erwarten, dass dieser nicht nur ihre, sondern auch gesellschaftliche Probleme löst (das klang ja auch in den von dir genannten Punkten an). Mittlerweile raten auch Arbeitsämter vermehrt zur Krankschreibung und Klinikaufenthalten; teils aus Mitgefühl, teils, weil die Leute dann das „Problem“ der Krankenkassen sind.
    Das ist oft nicht hilfreich, weil dann bei Klarstellung (Was leistet PT) der Therapeut dem Menschen mit einem Anliegen vor sich, unter Umständen vermittelt, dass dieser Verursacher all seiner Probleme ist. Immerhin will sich ja offenbar keiner so recht kümmern (das könnte so als Eindruck entstehen).
    Daher ist dieser Beitrag Gold wert, einfach, weil er aufklärt und zwar aus erster Hand. Vielen Dank.

    Ganz nebenbei hast du gleich noch mit einem Vorurteil zur Kognitiven Verhaltenstherapie aufgeräumt :). Oft heißt es, die würden sich nicht mit der Biografie oder frühkindlichen (Bindungs)Mustern auseinandersetzen .. Unter bestimmten Umständen und mit einem schreibfesten Therapeuten kann die KVT auch bis auf 80 Stunden erweitert werden. Aber das ist ziemlich schwer. Normal sind 25 oder 45 h. Die Höchststundenanzahl für die zugelassenen 3 Therapierichtungen wurden übrigens vollkommen willkürlich von den KK festgelegt, unabhängig von Störungsbild oder individuellen Voraussetzungen.

    Und ob der Verhaltenstherapeut „nur“ mit einem spricht und Hausaufgaben gibt oder mit dem Patienten rausgeht, hängt auch oft vom Störungsbild ab. Dem Vorschlag aus den Kommentaren, die Probatorik vollumfänglich zu nutzen, um 5 Therapeuten „anzutesten“ kann ich nicht ganz folgen. Da muss man bei 5 Leuten immer wieder die gleiche Geschichte erzählen, ohne uU Infos zur anstehenden Therapie zu bekommen. Das ist für beide Parteien Zeit und Aufwand (und stiehlt anderen Patienten für diese Zeit den kostbaren Platz). Am Besten, man informiert sich vorher kurz über die Art der Therapie (bisher sind nur Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und KVT von den KK zugelassen) und wenn es mit dem Therapeuten passt, dann bleibt man da. Größter Wirkfaktor ist nach wie vor die Beziehung der beiden, genau wie Jasmin hier geschrieben hat.

    • Hallo Rex,
      herzlichen Dank für dein Lob und für deine hilfreichen Ergänzungen. Ich kann das aus Erfahrungsberichten nur unterschreiben, dass Ämter und KKen die Probleme gern wegschieben wollen – und sich der Patient dadurch noch elender fühlt. Ich möchte das nicht nochmal durchmachen müssen.
      Viele Grüße
      Jasmin

  8. Liebe Jasmin (und lieber Patrick)! Ich kann nur wiederholen: Ich liebe eure Artikel! Sie sind sehr hilfreich für Betroffene 🙂 Lg Moni

  9. Hallo Jasmin,
    Respekt, dass du dazu stehst so eine Therapie zu machen. Ich finde das ist defintiv ein Zeichen von großer Stärke sich erst einmal einzugestehen, dass etwas nicht richtig läuft und man professionelle Hilfe benötigt. Leider gibt es viel zu viele Leute, die sich solche Probleme nicht eingestehen wollen und dann irgendwann komplett zusammenbrechen.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass du vielen Leuten mit diesem Artikel geholfen hast!

  10. sehe das wie Jonas: Allein, bis man so weit ist, daß man sich eingesteht, Hilfe zu brauchen, das ist wahrscheinlich der wichtigste Schritt überhaupt. Denn nur, wer fragt, will auch eine Antwort hören. Wer nicht fragt, will nix ändern oder wissen.
    Ich habe mich bei meinem Sohn gegen einen tiefenpsychologischen Ansatz entschieden, weil ich mir sicher bin, daß seine Probleme nicht in einer falschen Erziehung begründet sind. Ich stecke sehr viel Gedanken in die Erziehung und hätte es nicht verkraftet, mich prinizipiell immer mißträuisch beäugen zu lassen. Ich habe ja selbst lange genug gebraucht, um zu akzeptieren, daß er trotz aller Mühen immer noch echte Schwierigkeiten hat. Ich habe zum Glück liebe Freundinnen, die mich unterstützen: „Wie schlimm wäre es mit Deinem Sohn, wenn er 0815 erzogen worden wäre!“. Daran halte ich mich, wenn ich mich zu sehr von den Nörglern überrumpeln lasse.
    Ja, das Umfeld spielt beim Thema Psychologie eine schwierige Rolle. Es sind nicht die schlichten Geister, die zu sehr zweifeln und sich zu viel Mühe geben. Das sind nur die mit der größten Klappe, der plakativsten Meinung und den geringsten Zweifeln. Nur durch dieses dicke Fell schaffen sie es, Leute wie uns zu verunsichern.
    Manchmal braucht man professionelle Hilfe. Das Gespür kann man nicht studieren, man muß es mitbringen. Ich schätze, am schwierigsten ist es, einen guten Therapeuten zu finden. Therapeuten haben den Vorteil, daß sie per se auf meiner Seite stehen und andererseits einen kritischen (konstruktiven) Blick von außen auf mich haben. Dadurch kann ich ihrem Rat vertrauen und mir helfen lassen.
    Ich suche schon lange nach einem Verhaltenstherapeuten für meinen Sohn, aber es gibt hier im Landkreis keine. Ich wünsche mir aber auch ein Verhaltenstraining, also ein konkretes Üben in typischen Konfliktsituationen. Viele unserer Handlungen machen wir nach altem Muster. In der Therapie, stelle ich mir vor, kann man diese Muster bewußt durchbrechen und Alternativen ausprobieren.
    Wer keinen Verhaltenstherapeuten hat oder keine komplette Therapie braucht, dem empfehle ich Kinesiologie. Kinesiologen haben einen Zugang auf das Unterbewußtsein und können Blockaden durchbrechen oder helfen, alte Leichen im Keller endlich ruhen zu lassen.
    Auch mit einer Familienaufstellung habe ich schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Dort heißt es, daß eine Aufstellung 25 Std. Therapie ersetzen kann. Doch auch hierfür braucht man sehr gute Therapeuten mit dem richtigen Riecher. Ich würde dort nur auf persönliche Empfehlung hingehen, weil man das nicht einfach lernen kann.
    Das nur als Anregung, wenn man erst mal mit kleinen Schritten anfangen möchte. Wer’s ausprobiert, kann gewinnen. Und wenn’s nix war, sind halt 50,- futsch, na und. Meine Erfahrungen über die Jahre mit meinen Kindern sind zu 90% positiv, ich hatte kaum Reinfälle.

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