Aufruf zu Egoismus – Warum du dich zuerst um dich selbst kümmern solltest

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Egoismus ist verpönt. Wer sagt schon gern: “Ich bin mir selbst am wichtigsten. Erst danach kommen andere Menschen.”? Vielleicht wäre aber allen geholfen, wenn jeder von uns egoistischer handeln würde. Mehr Egoismus kann helfen die Reißleine zu ziehen, bevor du dich völlig verausgabst und in ein Burnout rutschst. Wer mich auf diesen Gedanken brachte und was dahintersteckt, darum geht es in dem heutigen Beitrag.

Erkenntnisse aus einer Psychotherapie

Wenn du dich für dieses Thema interessierst, stehst du vielleicht an einer ähnlichen Stelle wie ich vor einem guten Jahr. Ich musste wegen eines Burnouts eine Auszeit nehmen und fand mich in einem bequemen Sessel meiner Psychotherapeutin wieder (rote Couches sind ein Klischee!). Wie zu Beginn jeder Therapie gingen wir zunächst meine Biografie durch und kamen schließlich bei den ausschlaggebenden letzten Monaten vor der Auszeit an. Ich erzählte von meiner damaligen Arbeitssituation und den Belastungen, denen ich ausgesetzt war.

Mein erstes Learning in Sitzung 1 war: ich sollte dazu stehen, wie es mir geht. Ich sollte meine Gefühle und Bedürfnisse äußern. Also redete ich darüber, wie schlecht ich mich fühlte. Wegen meiner Kollegen, die ich im Stich ließ. Wegen meiner Freunde und der Familie, für die ich nur ein Häufchen überlastetes Elend war. Wegen meiner Beziehung, um die ich mich kaum bemühen konnte. Wegen des Haushalts, den ich vernachlässigte, da mir die Kraft fehlte. Wegen der Menschen, die ich nicht zurückrief, weil ich mich lieber einigelte.

Ich fühlte mich mies, weil ich nicht die war, die ich gern gewesen wäre. Ich war nicht die Jasmin von früher.

Was mir meine Therapeutin daraufhin riet, war ungewohnt. Sie sagte: “Sie müssen sich jetzt erst einmal um sich selbst kümmern.” Damit meinte sie, ich sollte mich nicht zermartern. Vielmehr sollte ich meine Hauptaufgabe, nämlich wieder zu Kräften zu kommen, akzeptieren und an erste Stelle setzen. Dazu sollte ich möglichst ausreichend schlafen, Entspannungsübungen machen, meine Selbstwahrnehmung stärken, lesen, alte Hobbys und soziale Kontakte wieder aufleben lassen sowie lernen Nein zu sagen.

Körper und Geist überdauern Kollegen

“Ihre Kollegen werden im Laufe Ihres Lebens wechseln, aber den Körper und Geist behalten Sie ein Leben lang. Damit müssen sie auskommen.” Dieser Gedanke war mir zu diesem Zeitpunkt neu. Schließlich bemühte ich mich stets für andere da zu sein, Verpflichtungen zu erfüllen, allen gerecht zu werden.

Ist das nicht furchtbar egoistisch?

Doch stattdessen sollte ich nun den Haushalt Haushalt sein lassen, meinen Perfektionismus eindämmen, mir keine Gedanken um meine Kollegen machen und mich selbst an erste Stelle setzen.

Als ich diese Idee mit Freunden diskutierte, bekam ich gemischtes Feedback. Manchen erschien der Gedanke plausibel, aber auch schwer umsetzbar. Andere meinten, dass Egoismus doch keine erstrebenswerte Eigenschaft sei. Dass es der gängigen Erziehung widerspräche.

Dieser Konflikt tauchte auch in meinem Kopf auf. Meine Therapeutin meinte daraufhin: “Sie sind keine Hilfe für andere in Ihrer jetzigen Verfassung.” Das war zwar eine unangenehme Wahrheit, doch sie half mir zu verstehen, warum ich mich schleunigst mit dem Egoismus-Gedanken anfreunden musste. Alles andere würde weder mir noch anderen helfen.

“Es muss uns selbst gut gehen, damit wir anderen guttun”, lernte ich weiterhin. Das schien mir auch einleuchtend. Schließlich hatte ich in den vorangegangenen Monaten nichts besseres zu tun gehabt, als stundenlang über meine Probleme zu reden. Ich war wenig für andere da gewesen. Das war die Wahrheit.

Egoismus ist daher Ansichtssache: seine Freunde jeden Tag vollzuheulen und niemanden an sich heranzulassen ist auch egoistisch. Auch wenn es sich nicht so anfühlt.

egoismus

Stimmungen färben ab

Die Stimmung unserer Mitmenschen färbt auf uns ab und umgekehrt. Es ist kein Geheimnis, dass Lachen ansteckt. Wer sich mit positiven Menschen umgibt, ist selber besser gelaunt. Depressive ziehen bewusst oder unbewusst andere mit runter.

Das soll nicht heißen, dass wir uns einigeln sollen, wenn wir nicht in Toplaune sind. Sich abzukapseln ist gerade der falsche Reflex auf eine schlechte Phase. Allerdings sollte uns bewusst sein, dass wir mit unseren Problemen für niemanden eine große Hilfe sind. Erst wenn wir unsere Konflikte lösen und unsere Sorgen angehen, können wir wieder für andere eine Stütze sein.

Wir müssen zuerst bei uns selbst aufräumen, bevor wir uns um andere drehen. Es ist nicht wichtiger sich um andere zu kümmern, als sich um sich selbst zu kümmern. Das mag hart klingen, aber es ist eine Notwendigkeit. Wer Kinder hat oder jemanden pflegt, muss auf sich selbst aufpassen. Auch Therapeuten und Sozialarbeiter müssen auf Seelenhygiene achten.

Falls du dich mit diesem Gedanken anfreunden kannst, schlage ich Folgendes vor:

  1. Nimm dir bewusst Zeit für dich: Bei einem Spaziergang oder auf der Couch bzw. auf dem Bett liegend seinen Gedanken nachzuhängen kann helfen, den Kopf frei zu bekommen. Ich mache das selbst leider auch zu selten. Alles andere scheint immer wichtiger. Doch erfahrungsgemäß ging es mir in der Vergangenheit immer dann besonders gut, wenn ich mir dieses In-mich-hineinhorchen ermöglichte. Besonders gut konnte ich das auch beim Joggen.
  2. Schaffe dir Rituale: Ein Termin mit dir selbst sollte kein einmaliges Zeitfenster zwischen Tür und Angel sein. Besser wäre ein mindestens wöchentlicher Termin, den du auch in den Kalender einträgst. Ich kann beim Yoga gut zur Ruhe kommen und den Kontakt zu mir selbst pflegen. Der wöchentliche Termin während eines Anfängerkurses half mir, das nicht immer wieder aufzuschieben. Da dieser nun vorbei ist, fällt es mir wieder schwerer, aus dem Termin mit mir eine Gewohnheit zu machen.
  3. Geh die Probleme an, die am meisten Kraft kosten: Dieses Thema ist sicher allein mehrerer Artikel würdig. Ich habe für mich festgestellt, dass ich erst wieder besser schlafe und zu Kräften komme, wenn ich die tiefgehenden Probleme angehe. Alles andere ist Zeit- und Energieverschwendung. Wenn ein Job todunglücklich macht, muss ich eben kündigen. Wenn eine Beziehung auf Dauer belastet, muss man ihr ein Ende setzen. Es müssen auch nicht immer so radikale Entscheidungen sein, aber es geht darum seine Probleme als diese anzuerkennen und anzugehen. Nur so kann es vorangehen.
  4. Kommuniziere: Damit sind keine stundenlangen Vorträge über Situation XY auf Arbeit gemeint. Die müssen zwar auch mal sein, aber es geht um die Kommunikation von Bedürfnissen. Wenn du am Anschlag bist, sag es deinen Freunden und deiner Familie. Sie wundern sich wahrscheinlich sowieso schon, warum du dich so selten meldet. Ich trug früher lieber innere Kämpfe aus, statt eine Meldung abzusetzen, dass ich gerade keine Kraft habe und mal eine Weile brauche, um mich zu sortieren.

In der Praxis

Ich glaube, ich handle nach wie vor nicht sonderlich egoistisch. Es fällt mir immer noch schwer, meinen Bedürfnissen die höchste Priorität einzuräumen. Trotzdem habe ich gelernt, mich nicht immer von meinem Perfektionismus antreiben zu lassen. Ich kann sagen: “Nein, die Wäsche lasse ich jetzt. Ich muss mich ausruhen. Das ist für mich und andere wichtiger, als wenn ich später fix und fertig bin.”

Egoismus heißt für mich auch, dass ich nicht pauschal bei jeder Veranstaltung dabei bin. Ich klinke mich manchmal aus, wenn ich erschöpft bin oder andere Dinge für mich in dem Moment wichtiger sind.

Egoismus ist ein dehnbarer Begriff. Dies ist kein Aufruf dazu nicht mehr nach rechts und links zu gucken. Du sollst nicht anderen ab sofort jede Hilfe verweigern. Doch ich möchte dir als Möglichkeit aufzeigen – Absolution erteilen –, dass du dich selbst an erste Stelle setzen kannst. Es ist legitim sich eine Weile lang zurückzunehmen und sich um sich selbst zu kümmern. Du kannst kurzfristig egoistisch sein, um langfristig mehr geben zu können.

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25 Kommentare

  1. Danke für den Beitrag!

    Ich habe in meinem Umkreis auch die Erfahrung gemacht, dass diejenigen die am häufigsten ‚Nein‘ sagen meist ganz gut damit fahren. Ich kann das mittlerweile gut, vielleicht zu gut. Oft erwische ich mich dabei zu denken: Das hättest du jetzt ruhig mal machen können.

    Trotzdem ist es tendentiell leichter für mich mit so einer Situation umzugehen als andersrum.

    Außerdem ist mir heute wichtig, mich mit Menschen zu umgeben die autonom sind. Mir ist es extrem wichtig möglichst selten um Hilfe zu bitten, wenn es nicht unbedingt sein muss und das erwarte ich irgendwie auch von Anderen. Auch eine Art Egoismus, vielleicht.

    • Hallo Marc,
      autonome Menschen um sich rum sind schon deshalb angenehmer, weil sie in mir nicht immer dieses ich-muss-irgendwie-helfen-Syndrom auslösen…
      LG Jasmin

  2. Hi Jasmin,

    klasse Artikel, über das Thema kann gar nicht oft genug geschrieben werden. Das ist eines der zentralen Themen, die darüber bestimmen, ob man ein zufriedenes, glückliches Leben führen kann oder das Leben für die Erwartungen anderer führt.

    Ich musst das auch erst in der Klinik lernen, wie wichtig Selbstliebe ist und habe dann vor gut einem Jahr auch einen meiner ersten Blogartikel darüber geschrieben. Ich nenne es aber bewusst Selbstliebe und nicht Egoismus, weil Egoismus zu sehr impliziert, dass einem die anderen vollkommen egal sind. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, wenn du Selbstliebe praktizierst. Du bist anderen gegenüber viel aufgeschlossener, wenn du dich selbst leiden kannst und hast auch viel mehr Energie dafür, einem guten Freund zu helfen, wenn er das bitter nötig hat.

    Dass zu dem Prozess gehört, dass ich auch viele Termine ablehne, nicht jedem bei allem helfen kann, ist auch klar. Aber mit der Zeit legt man sich da eine Hornhaut zu und hört nicht mehr drauf, wenn sich andere drüber aufregen, dass du nicht ihre Erwartungen erfüllst.

    Liebe Grüße

    Mischa

    • Hallo Mischa, danke für das Lob! Ich glaube, der Otto-Normal-Verbraucher setzt Selbstliebe und Egoismus nicht gleich. Das ist vielleicht im abstrakten Sinne das gleiche, aber soweit muss man erstmal denken. Egoismus klingt immer negativ, genau. Aber ans ich selbst zu denken ist nun mal überlebenswichtig. Eigentlich komisch, dass wir soweit gekommen sind, dass man sich dafür fast entschuldigen muss.
      Aber mir fehlt es nach wie vor an Hornhaut. Nein zu sagen oder Erwartungen nicht zu erfüllen fühlt sich immer noch seeehr unbequem an!
      Liebe Grüße
      Jasmin

  3. Ein absolut wichtiger und richtiger Ansatz. Leider auch eine „Baustelle“ bei mir. Gerade gestern habe ich mir vorgenommen ein paar entspanntere Wochen zu leben, für MICH!! JETZT!
    In letzter Zeit gab es so viel Hektik und Sommerterminstress- und immer hab ich den perfekten Salat dabei, bin die perfekte Gastgeberin etc. pp … ab sofort: gesunder Egoismus.

    Wieder ein Post mit dem richtigen Thema zur richtigen Zeit – dankeschön :)
    Susan

    • Hallo Susan,
      da haben wir eine gemeinsame Baustelle :-) Viel Erfolg dabei, einen entspannteren Sommer anzugehen!
      LG Jasmin

  4. Hallo Jasmin,

    vielleicht hilft eine etwas andere Sichtweise: Ist es überhaupt egoistisch, sich zuerst um sich selbst zu kümmern? Nach außen hin sieht das schon stark nach Egoismus aus und einige Leute werden bestimmt auch genau so urteilen. Meiner Ansicht nach handelt aber eher der/diejenige egoistisch, der nach dem Motto lebt „ich muss allen helfen, denn niemand kommt ohne mich aus“. Wer anderen immer zu Hilfe eilt, verhindert bei diesen Menschen ja einen Lernprozess und schadet ihnen damit langfristig eher als zu helfen. Das sieht man ja oft an Kindern, die von ihren Eltern (meist sind es die Mütter) zu sehr „bemuttert“ werden. Besonders selbstständig werden diese Kinder meist nicht.

    Mit dieser Sichtweise könnte es einem leichter fallen, sein eigenes Wohl in den Vordergrund zu stellen. Den größten Dienst, den man anderen meiner Meinung nach erweisen kann, ist es, ihnen beim Lernen und Wachsen zu helfen. Dieser Prozess wird begünstigt, wenn man nicht immer sofort zur Stelle ist und hilft.

    • Hallo Jan,
      ja, so kann man das auch sehen. Gefühlt sind es leider immer die falschen, die solche Gedanken haben. Nicht die, die sie haben sollten!
      LG Jasmin

  5. Hallo Jasmin,
    ich stimme dir aus ganzem Herzen zu. Genau die Erfahrung habe ich auch gemacht (auch wenn ich sie leider immer wieder vergesse): Ich muss zuerst für mich selbst sorgen, bevor ich an andere denken kann. Wenn es mir selbst schlecht geht, hat keiner was davon, wenn ich überall übellaunig auftauche, wird das niemanden begeistern. Es ist aber leichter gesagt als getan, denn – wie du schon sagst – geht es nicht nur um die kleinen, sonderna auch um die großen Dinge. Bei mir ist gerade der Job ein entscheidendes Thema, und auch da komme ich (nach fast einem Jahr Frust und schlechter Laune) allmählich an den Punkt, wo ich denke, dass ich nicht nur selbst so nicht mehr leben will, ich kann auch meiner Umwelt meine schlechte Stimmung nicht länger zumuten.

    Generell habe ich für mich gemerkt, dass es auch ein Zeitproblem ist. Ich möchte langfristig nicht mehr Vollzeit arbeiten, da ich es sonst oft nicht schaffe, mir meine Auszeiten, Zeit für mich, zum Yoga, für Dinge, die MIR Spaß machen, zu nehmen. Wenn ich Urlaub habe oder am Wochenende klappt das deutlich besser, aber mit nem Vollzeitjob, Überstunden, Fahrzeiten bleibt unter der Woche kaum mehr Zeit zum Leben übrig.

    Allerdings muss man sich auch darüber klar sein, dass man mit „gesundem Egoismus“ schnell anecken kann und sich nicht immer beliebt macht. Ich bin z.B. kein großer Familienmensch und klinke mich bei Familienfeiern oft aus oder gehe nicht hin. Ich weiß, dass das für mich besser ist, weil mir das überhaupt keinen Spaß macht, aber gut ankommen tut das natürlich nicht..

    Alles Gute für dich auf deinem Weg.
    Leonie

    • Hallo Leonie,
      es gehört viel Mut dazu, aber du allein merkst ja, was dir guttut, was du auslassen musst, usw. Ich drücke dir auch die Daumen, dass du deinen Weg findest. Irgendwann wird er sich wahrscheinlich alternativlos anfühlen – so war es bei mir.
      LG Jasmin

  6. Wieder ein sehr guter Artikel, liebe Jasmin (der Podcast dazu ist übrigens super!). Werde ihn am Abend gleich teilen.

    Ich glaube, viele Personen in psychischen Krise vergessen diesen Punkt: Dass es okay ist, sich eine Pause zu gönnen, sich eine Weile nur um sich selbst zu kümmern, um Kraft zu tanken. Oft zwingt man sich dazu, trotzdem weiter zu machen – bis es gar nicht mehr geht.
    Finde die Tipps also sehr sinnvoll – achtsam auf sich zu hören und sich nicht dafür zu verurteilen, Pausen zu brauchen. Gerade das „Gesund werden“ ist manchmal mehr Marathon als Sprint.

    Lg, Moni

    • Danke, Moni! Für den Überlebensmodus (nur noch irgendwie funktionieren) bin ich ein gutes Beispiel. Aber Einsicht ist ja die halbe Miete…
      LG Jasmin

  7. Hi,
    schöner Artikel. Das Wort „Egoismus“ wird in dem Zusammenhang aber mehr von den Personen verwendet die darunter „leiden“. Also darunter leiden, dass man mehr auf sich selber achtet als sich verfeuern zu lassen.
    Reiner Egoismus impliziert für mich, dass man sich nur noch auf sich selbst konzentriert. Bin ich dann überhaupt noch in der Lage eine Beziehung oder soziales Leben zu führen? Denn wenn nichts wichtig als meinem Ego ist, warum gehe ich dann überhaupt noch aus dem Haus?
    Sich selber feste Grenzen im Umgang mit anderen Menschen inkl. Arbeit usw. zu stecken ist ungemein wichtig, sonst wird man von „Energie-Vampieren“ wie es einige Menschen sind ausgesaugt. Aber hat dieser Selbstschutz etwas mit Egoismus zu tun?

    Ich kenne das von mir selber auch. Ich hätte mir damals jemanden gewünscht der mir ein Break verschrieben hätte oder mich in den Urlaub geschickt hätte. Ich muss und musste lernen, das ich nicht alleine die Welt retten kann.
    So brennt es zwar gerade lichterloh überall im Job, nur wenn Chef und Stellvertreter krank sind, kann man nicht alleine das Feuer löschen und vieles löscht sich auch von ganz alleine. Das hätte ich früher versucht zu regeln, stattdessen gehen ich morgen in meinen geplanten Urlaub. Den hätte ich früher sicherlich abgesagt, nur schreibt mir dies auch keiner auf den Grabstein. Einige meinen Egoismus pur, ich meine es ist eine für mich überfällige Auszeit, sonst bin ich bald auch in Kur wie der Stellvertreter.

    Das wichtigste neben der Selbstliebe ist, es sollte immer noch Platz für Kompromissbereitschaft bei den Leuten bleiben, sie einem am Herzen liegen. :)

    VG Alex

    • Hi Alex,
      Selbstschutz ist eine gewisse Portion Egoismus auch, stimmt. Wortdefinition hin oder her – es steckt irgendwie ego = ich drin und darum geht’s. Finde ich richtig, dass du in den geplanten Urlaub gehst. Ich wäre genau so eine Kandidatin gewesen, die alles versucht hätte zu managen. Aber es kräht eben auch kein Hahn danach, wenn du das Unternehmen mal verlässt. Keiner besucht dich, wenn du mit Herzinfarkt im Krankenhaus liegst. Richtig so und weiter so!
      LG Jasmin

  8. Hi Jasmin,

    ist Dir und den Lesern schon mal aufgefallen, dass man im Flugzeug bei der Sicherheitsbelehrung „höchst amtlich“ darauf hingewiesen wird, man möge bei Druckabfall in der Kabine erst seine eigene Atemmaske aufsetzen, bevor man dem Nachbarn helfen soll…

    So besteht die beste Chance, beiden zu helfen, …sich und dem Nachbarn.

    LG Volkmar

  9. Liebe Jasmin,
    vielen Dank für diesen wirklich guten und WICHTIGEN Artikel. Ich kenne diese Situationen sehr gut und stecke gerade auch in einer Phase, in der ich das Nein-Sagen, das Weniger-machen und das meine-Bedürfnisse-kennenlernen üben muss. Danke daher für diesen ermutigenden Artikel.

    Danke auf für das neue Audio-Tool, das ich bei euch zum ersten Mal sehe. Es war wirklich sehr entspannend, sich den Artikel anhören zu können. Ich lese sehr viele Blogbeiträge und zwischendurch ist es wirklich sehr angenehm, sich den Artikel anzuhören und die Augen mal zu entlasten. Danke also insbesondere auch für die damit verbundene Mühe! – und gerne mehr davon.

    • Hallo Lina, es freut mich sehr, dass die Hörversion so gut angenommen wird :-) Kann mir vorstellen, dass gerade Bürojobber mal die Augen entspannen wollen!
      LG Jasmin

  10. Hallo Jasmin,

    ich versuche diese Worte schon eine ganze Weile zu beherzigen. Aus meiner bisherigen Erfahrung kann ich nur sagen: Es funktioniert. Und es wirkt letztlich nach außen hin gar nicht so egoistisch, wie ich zunächst dachte, weil andere Menschen davon profitieren, wenn es mir gut geht.

    Lieber Gruß,
    Philipp

  11. Hallo Jasmin!
    Danke für den tollen Artikel. Ich beschäftige mich auch schon seit geraumer Zeit mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung, da ich auch schon dort, am Rande des Burn-outs stand, beruflich wie sozial. Weil so viele immer forderten und forderten und forderten und man selbst immer glaubt ständig geben zu müssen. Die Wahrheit ist: Nein, muss man nicht! Und seit ich das „Nein“ und „Ich“ gelernt habe, ist noch keine Katastrophe ausgebrochen und auf einmal werden auch die Forderer weniger :))
    Es tut durchaus gut, wenn man wieder daran erinnert wird, dass man sich selbst zum Zentrum seines Lebens macht, weil man es ja auch dann und wann wieder vergisst. Es dauert eben seine Zeit mit alten Gewohnheiten zu brechen und das wichtigste ist wohl dass man auch Geduld hat mich sich und von sich selbst auch nicht ständig nur fordert. In meiner Wohnung hängen daher überall Post-its, die mir diese Dinge sagen :))

    Freue mich auf weitere Artikel zum Thema! Liebe Grüße
    Nela

  12. Hallo,

    ich wollte Euch mal ein allgemeines Feedback zu Eurer Seite geben.
    Zur Erklärung: ich bin als Pflegedienstleitung in einem Krankenhaus tätig. Nebenbei habe ich einen Lehrauftrag an einer FH und werde gelegentlich als Speaker gebucht.
    So auch heute.
    Thema war die Gesundheitsförderung von Praxisanleitern (das sind diejenigen, die sich besonders um die praktische Ausbildung von Gesundheits-und Krankenpflegekräften kümmern).
    Neben etwas Grundlagen (Salutogenese, Antonovsky, Resilienz,…) wollte ich den Vortrag möglichst „praxistauglich“ gestalten. Die Zuhörer sollten also nicht mit Theorie überfrachtet werden, sondern praktische Tipps erhalten, wie sie im Job gesund bleiben können.
    Und dazu hat mir Euer Blog einige hervorragende Inspirationen geliefert (u.a. auch dieser Post).
    Mein Vortrag ist übrigens sehr gut angekommen.
    Ich hoffe, Ihr verzeiht mir das Ideenklauen von Eurer Seite ;-)
    Macht bitte weiter so.
    Lieben Gruß
    Philipp

    • Halo Philipp,
      das Feedback freut uns sehr! Wunderbar, wenn wir Menschen erreichen, die sich dadurch angesprochen fühlen und denen es hilft. In diesem Sinne: Spread the word! :-)
      Viele Grüße
      Jasmin

  13. Hallo!

    Ein sehr schöner, interessanter Beitrag. Tatsächlich sehe ich das auch so. Aber ich habe auch bemerkt, das genau diese Meinung – so richtig und logisch sie auch ist – fast nie akzeptiert wird.

    Ich sehe mich dennoch bestärkt, schreiben hier doch nicht gerade dumme Leute (diesen Artikel). Aber ich muss auch akzeptieren, das diese Einstellung letztlich auch zu mehr Feinden als Freunden führt – eben weil kaum jemand die Dinge so sieht, wie es dieser Artikel beschreibt, sie sehen so sollen, bzw. zu sollten.

    Fazit; wie will man für andere Gutes tun, wenn es einem selber nicht gut geht?

    Und; es gibt – leider – auch prozentual immer mehr Leute, denen es nicht gut geht. Finde ich echt schade :-(

    Grüße
    Jürgen B.

  14. Fazit; wie will man für andere Gutes tun, wenn es einem selber nicht gut geht?
    Und; es gibt – leider – auch prozentual immer mehr Leute, denen es nicht gut geht. Finde ich echt schade :-(

    Antwort: Für andere gutes tun ist recht simpel lösbar. Es reicht eine Kleinigkeit der Dankbarkeit des anderen. Egal wie verschissen es einem geht, freut es einem wenn man sieht das z.B. Ein Kind Glücklich ist weil wir ihm Fussball Bilder geschenkt haben. Dir geht es zwar immer noch verschissen. Doch dieses Gefühl der Menschlichkeit macht das du dich Freuen kannst das dieses Kind durch dein Geschenk eine Riesen Freude hat.

    2 Es gibt immer mehr Menschen denen es nicht gut geht weil oft erst zu spät gemerkt wird das es jemandem nicht gut geht. Wir alle Menschen sollten lernen, mehr zu reden. Zuzugeben das es einem schlecht geht ist keine Schande. Fehler ein zu gestehen ist sogar sehr wichtig und gut. Dann merkt man WOW sie merkt es und jetzt macht sie etwas dagegen. Viele denken sie sind eine Belastung. Das ist eine blöde Scheiss Lüge!!! Manche denken es wäre besser zu sterben dann belasten sie niemand mehr. Welche Belastung ist wohl schlimmer, die das alle wissen wie man Fühlt oder die Belastung für das Umfeld nach einem Suizid? Alle fühlen sich Schuld! Denken sie hätten mehr machen sollen ec. ec…. Die Belastung das jemand gestorben ist, ist 10000x schlimmer, als die Belastung das ich und mein Umfeld, ertragen muss weil es mir schlecht geht. Egal wie ver… ich mich Fühle, freut sich meine Schwester das ich trotzdem an ihr Fest gekommen bin. Es ist enorm Egoistisch nur an sich selbst zu denken!!! Nein sagen ist nicht egoistisch. Lieber sagt man ich versuche zu kommen als einfach, nein ich komme nicht es geht mir schlecht! Denn dann kommt es irgendwann zurück. Dann wirst du gefragt, wo warst du dann? Ich hätte dich gebraucht, weil du mir wichtig bist. Stell dir vor du hast ein Kind, das Heiratet. Du bist nicht dabei an dem Tag der für das Kind sehr wichtig ist. Das ist schlimm. Zu sich schauen geht auch ohne Egoismus! Du musst ja auch jeden Tag Duschen, sonst stinkst du irgendwann. Genau so kann man zu sich schauen. Sich was gönnen z.B. Mal Ausschlafen. Mal ein Tag für sich sein. Sich Helfen alleine wird leider nicht Funktionieren. Das wäre wie nichts mehr Trinken. 3 Tage geht das etwa und dann verdurstet man. Also du musst etwas Trinken. Helfen ohne Begleitung geht nicht. Ohne Medikamente ev. auch nicht. Ich wäre längst gestorben ohne diese Hilfe von aussen! Ich bin schwer Psychisch Krank. Ich habe eine sehr schlimme Angsterkrankung und die schwerste Stufe der Depression. Es ist ein Wunder das ich noch Lebe! Die meisten Menschen mit der Stärkste Depressionsform nehmen sich das Leben. Ich habe noch nie, ein Selbstmord versuch gemacht. Ich habe schon mind. 6 Menschen an Suizid verloren. Ich kenne jemand der als Kind 2 Versuche Überlebt hat. Ich war auf der Intensiv Station bei einer Frau die einen Versuch Überlebt hat. Wie geht das? Wie schaff ich das??? Das fragen mich jetzt schon Psychiater. Denn wissenschaftlich ist es nicht mehr möglich das ich mich nicht umbringe. Die Antwort, die ich gebe, wollen die meisten nicht hören. Ich will nicht sterben, ich will Leben. Damit ich ein Vorbild werde für andere. Damit sie denken, sie hat es auch geschafft, dann schaff ich es auch. Ich möchte Kämpfen, ich möchte nicht aufgeben. Es lohnt sich zu Leben. Mein Glaube macht das ich Leben möchte. Denn ich weiss das jedes Leben, wirklich jedes Leben einen Sinn macht! Die es schaffen, werden zu einer Wundervollen, Wertvollen, schönen Blume! Sie werden zum Vorbild anderen, auch von Kinder. Die behalten das Vorbild ihr Lebenslang und werden somit selber wieder zum Vorbild. Und so würde es unendlich weiter gehen. Wäre das nicht wunderbar???

    LG Cleony

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