Burnout Symptome: Woran ich merkte, dass mein Akku leer war


Es ist Zeit von meiner depressiven Episode zu erzählen. Denk nicht, dass mir das leicht fällt. Auch wenn Burnout heute immer häufiger diagnostiziert wird, ist es immer noch ein Tabu-Thema. Was sollen Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen, Ex-Kollegen und -Arbeitgeber denken? Was, wenn mich dann alle nur noch in diesem Licht sehen?

Ich hatte lange Zeit diese Bedenken. Heute komme ich zu dem Schluss, dass es letztendlich eine Krankheit wie jede andere auch ist. Nur, dass kein Gips zu sehen ist, die Nase nicht läuft, sondern der Kopf eben nicht mitspielt.

Vor einem reichlichen Jahr wäre ich sehr froh gewesen, hätte ich im Internet einen echten, ehrlichen und ausführlichen Erfahrungsbericht gefunden. Vielleicht hätte der meinen Weg beschleunigt, d. h. mir schneller zu erkennen gegeben, dass ich längst in einem Burnout steckte.

Du erfährst in diesem Beitrag meine Geschichte, damit du verstehst, woher meine Erkenntnisse kommen. Außerdem will ich dir von den Symptomen erzählen, die ich damals hatte. Ich hoffe nicht, dass sie dir bekannt vorkommen. Wenn doch, beantwortet dieser Artikel vielleicht die Frage in deinem Hinterkopf: „Habe ich ein Burnout?“

Wie es zur Erschöpfung kam

2011 kündigte ich meinen Job in Leipzig und ging für ein Masterstudium nochmal an die Uni. Das kostete mich keine große Überwindung, denn ich mochte das Studieren und das Studentenleben. Aufgrund meiner damaligen Beziehung entschied ich mich fürs Pendeln. Es war sicher Schritt 1 in die Erschöpfung. Ich war teilweise pro Strecke mehr als anderthalb Stunden unterwegs.

Ich war oft gestresst, wenn ich nach einer halben Stunde mit dem Rad einmal quer durch die Stadt zu Hause ankam. Fahrradfahren mag ja entspannen, aber nur, wenn man nicht im städtischen Berufsverkehr um sein Leben fürchten muss.

Von da an ging es gefühlt ständig bergab. Die damalige Wohnsituation nervte mich zusätzlich. Da gab es eine ignorante Hausverwaltung, die gegen Schimmel in allen Räumen nichts tun wollte, und Touristen, die vor der Terrasse vorbeistapften und die Augen mit den Händen abschirmend ins Wohnzimmer glotzten.

es geht bergab

Studentenjob und andere Baustellen

Als wir notgedrungen umzogen, stand die nächste Anstrengung bevor: der Umzug und einige Ausbauarbeiten, da wir einen ehemaligen Dachboden bezogen. Die Beschäftigung in den Semesterferien war damit gesetzt. Mein Weg zur Uni verkürzte sich zwar etwas, doch gerade in dieser Zeit zog ich mir ein weiteres Projekt an Land: einen Studentenjob.

Ich war sofort mit vollem Einsatz dabei und bekam auch gleich viele Aufgaben. Natürlich fühlte ich mich dadurch auch geehrt.

Im Herbst war ich kaum noch zu Hause. Meine Aufgaben ließen mich nicht los. Nebenbei musste ich schließlich auch noch meinen Master schaffen.

Mit dem abnehmenden Sonnenlicht verließen mich Kraft und Energie. Der Winter war hart. Ich war zunehmend gefühlsloser, unausgeglichen und sicher auch schwer zu ertragen. Mit viel Fleiß kämpfte ich gegen die Aufgabenberge an und dachte mir immer: „Wenn ich … erstmal geschafft habe, dann wird es besser.“

So hangelte ich mich von Woche zu Woche. Überraschung: Es wurde nicht weniger Arbeit. Warum auch? Ich machte meine Sache schließlich gut.

Endspurt Master

Bald deutete sich an, dass ich einen Job an der Uni sicher hatte. Um die Stelle zu bekommen, musste ich nur meinen Master beschleunigen und im Juli fertig werden – statt im September.

Also gab ich alles und schrieb meine Masterarbeit in der Hälfte der Zeit. Ich konnte mir immerhin einen 10-tägigen Urlaub in der Korrekturphase der Masterarbeit verschaffen. Danach ging es aber sofort los. Zehn Minuten nach meiner Verteidigung erfuhr ich meine neuen Aufgaben. Nach wenigen Tagen stand die erste Dienstreise an. Vor- und Nachbereitung nahmen mich sofort voll in Beschlag.

Innerhalb kürzester Zeit steckte ich so tief in der Arbeit, als wäre ich seit Jahren angestellt. Es machte mir auch Spaß, aber die Kräfte schwanden merklich. Manchmal war ich so gestresst, dass ich acht Stunden lang nicht auf Toilette ging. Manchmal rannte ich im Gang, um Zeit zu sparen. Manchmal hätte ich schreien können, weil ich so überlastet war.

Ich stand morgens auf und hätte heulen können. Es machte sich eine gewisse Hoffnungslosigkeit breit, denn ich sah kein Ende dieser Hochleistungsphase.

Nach einer weiteren langen Dienstreise waren das Jahr und ich am Ende.

Neues Jahr – kein neues Glück

2014 startete ich mit genau so wenig Energie, wie ich das Vorjahr beendet hatte. Ich brachte auch kaum noch etwas zustande, denn ich konnte mich nicht konzentrieren. Wenn ich eine halbe Minute etwas las, hatte ich das Gefühl, etwas anderes tun zu müssen.

Ich konnte nicht schlafen, meine Arbeit kam mir sinnlos vor und die Zweifel machten sich breit, ob so ein Leben lebenswert sei. Natürlich wirkte sich meine Erschöpfung auch auf meine sozialen Beziehungen aus. Es fehlte einfach die Kraft, um mich um meine Beziehung und Freunde zu kümmern. Ich redete auch nur noch von meiner Arbeit und meinen Problemen. Ständig zweifelte ich, wie lange ich das wohl noch durchhalten würde.

das geht zu weit


Falls du zweifelst, ob du an einem Burnout leidest, findest du im Folgenden die Symptome, die ich hatte. In jedem Fall würde ich dir raten, dich von einem Profi (Hausarzt und Psychologen) beraten zu lassen.

15 Symptome, die auf ein Burnout hindeuten

Überschattet wurden die ganzen Monate von einer unglaublichen Kraft- und Antriebslosigkeit. Selbst Wäsche zu waschen erschien mir unvorstellbar anstrengend. Ich schob es möglichst lange vor mir her. Genauso ging es mir mit Anrufen, Erledigungen, Aufräumen, Putzen, Kochen, Abwasch, selbst Duschen.

Ich konnte in der Freizeit an nichts anderes als die Arbeit denken. Meist kam ich nach ein paar Überstunden in meine (wirklich schöne) Wohnung, setzte mich regungslos auf die Couch und ging nach einigen Stunden ins Bett, um dort noch einige Stunden wach zu liegen. Meine Gedanken kreisten um die Aufgaben und Probleme auf Arbeit.

Meine Laune war dauerhaft im Tiefkühlbereich. Selbst bei Fernsehsendungen wie den Simpsons konnte ich nicht mal mehr grinsen. Überhaupt gab es bei mir kaum emotionale Regungen. Kein Witz, keine freudige Nachricht, keine aufmunternden Worte konnten bei mir ein Gefühl der Freude erzeugen. Oft hatte ich schlechte Laune und war traurig, obwohl ich keinen expliziten Grund nennen konnte. Es kamen immer mehrere Dinge zusammen, doch nicht immer konnte ich sie genau erklären. Am ehesten konnte ich noch bei traurigen Filmen weinen, aber insgesamt war ich so emotional wie ein Briefbeschwerer.

Mir kam meine Arbeit sinnlos vor, denn ich strampelte und strampelte, doch es wurde nicht weniger. Meine Freizeit erschien mir sinnlos, denn ich konnte sie nicht genießen.

Als ich merkte, dass meine Kräfte nahe Null waren, ging ich in einen Schutz-Energiespar-Modus, indem ich alle „überflüssigen“ Aktivitäten abwehrte. Ich sagte immer öfter: „Ich kann mich unmöglich darum kümmern.“ Beispielsweise prophezeite ich schon Monate im Voraus, dass ich mich nicht um eine Geburtstagsfeier würde kümmern können.

Dank meines Negativ-Filters kam mir alles schlecht vor. Egal, was passierte. Ich erzählte ausschließlich von meinen Problemen, wenn ich mit jemandem telefonierte. Probleme und Aufreger auf Arbeit waren hoch im Kurs. Heute scheint es mir fast unglaublich, wie viel Zeit und Energie ich darauf verwendete.

Um mich weniger allein mit meinen Sorgen zu fühlen, versuchte ich manchmal, meinen Gesprächspartner mit runterzuziehen. So wollte ich mich selbst weniger schlecht fühlen. Das klappte vielleicht mal für den Moment, aber natürlich nicht langfristig.

Schlafstörungen hatte ich über Monate hinweg. Manche Nächte schlief ich überhaupt nicht. Mein Gedankenkarussell drehte und drehte sich.

Oft war mein Tag in dem Moment gelaufen, in dem ich einen Fuß auf den Boden vor dem Bett setzte. Ich war absolut genervt.

In der Erschöpfung zog ich mich – wie viele andere sicher auch – zurück. Um Kraft zu schöpfen, ließ ich Treffen und Geburtstagspartys aus. Es war ein Trugschluss, denn Freunde können einem noch am ehesten aus der depressiven Episode heraushelfen (oder verhindern, dass man hineinrutscht). Doch der Zurückzieh-Reflex verhindert das.

Auszeit als Exit

Kurz bevor ich aus dem Verkehr gezogen wurde, sank meine Produktivität gen Null. Ich konnte mich kaum länger als eine halbe Minute auf irgendetwas konzentrieren.

Wer viele Aufgaben hat und sie gut löst, bekommt immer mehr. Irgendwann macht sich das Gefühl breit: ‚Ohne mich läuft der Laden nicht‘ und ‚Außer mir kann das niemand machen‘. Es ist natürlich Quatsch. Doch dieses Gefühl bewegte mich lange Zeit zum Durchhalten. Ich sah keinen Ausweg.

Als ich mittlerweile schon einige Wochen krankgeschrieben war und endlich mal wieder zum Frisör ging, fragte mich meine Frisörin, was denn vor soundsoviel Monaten losgewesen sei. Ich hatte genau zum Zeitpunkt der Hoch-Stress-Phase am ganzen Kopf Haare verloren. Die waren gerade dabei wieder nachzuwachsen.

Dass die Haut nicht gerade top aussieht, ist klar. Nicht umsonst gilt sie als Spiegel der Seele.

Wenn du bei Stress eher zunimmst, weil du ein Stressesser bist, beobachtest du dieses Symptom vielleicht bei dir. Ich nahm eher ab, da ich keine Zeit fand, um zu essen, und den Hunger so oft überging.

Hier sind meine Symptome noch einmal übersichtlich dargestellt:

  1. Kraft- und Antriebslosigkeit
  2. Nicht abschalten können
  3. Keine Freude an nichts
  4. Gefühl der Sinnlosigkeit
  5. Abwehren aller „überflüssigen“ Aktivitäten
  6. Negativ-Filter und nur noch über Probleme reden
  7. Versuch andere runterzuziehen
  8. Nicht einschlafen können / Gedankenkarussell
  9. Morgens schlechte Laune
  10. Freunde und Hobbies vernachlässigen
  11. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit / Unproduktivität
  12. Gefühlte Isolation
  13. Haarausfall
  14. Hautprobleme
  15. Zunehmen / Abnehmen

Als ich zu zweifeln begann, ob ich vielleicht ein Burnout habe, klickte ich mich durch ein paar Online-Tests (hier, hier und hier) und siehe da: natürlich beantwortete ich alle Fragen mit Ja. Es wurde immer klarer, dass ich nicht mehr ganz fit sein konnte.

Natürlich gibt es nie einen günstigen Moment, um zu Hause zu bleiben. Doch irgendwann im Februar entschloss ich mich doch mal zu meiner Hausärztin zu gehen. Die zog mich sofort aus dem Verkehr.

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24 Kommentare

  1. Hi Jasmin,

    ich kann mir gut vorstellen, dass es Dir nicht leicht gefallen ist diesen Beitrag zu verfassen! Dir ist es aber wirklich gelungen sehr eindringlich zu beschreiben wie schwer diese Zeit für Dich gewesen sein muss – beim Lesen kann man den Druck, der auf Dir gelastet haben muss, schon fast ein wenig spüren! Toll, dass Du deine Erfahrungen so authentisch und ehrlich in Worte fassen kannst! Du leistet hiermit sicher einen großen Beitrag dazu, dieses Tabu-Thema weiter aufzubrechen.

    Sebastian

  2. Danke für diesen Beitrag, Jasmin. Da fühlt man sich nicht mehr so allein. Für einen Außenstehenden ist das auch alles nicht nachzuvollziehen. Selbst wenn man es selbst erlebt hat, kann man es im Nachhinein schwer begreifen. Es fühlt sich so unrealistisch an.

    Als Ergänzung zu den bereits genannten Punkten kann ich aus eigener Erfahrung noch folgende Symptome hinzufügen:

    Herzrasen, Reizdarm, zittrige Hände, kreisende Gedanken, Appetitlosigkeit.

    Es ist erschreckend, wie sehr sich deine Geschichte mit meiner deckt. 3 Stunden Pendelei täglich, Überlastung auf der Arbeit, stressige Dienstreisen… Dazu dann noch ein drei Monate altes Kind, das einem den ohnehin nicht gerade üppigen, von Einschlafproblemen gebeutelten, Schlaf raubt – Und fertig ist das perfekte Burnout-Rezept.

    Ich habe es dann vollends übertrieben und landete dann mit einer Reisephobie, Angststörung und Depression beim Psychoanalytiker, nachdem ich zuvor einen Nervenzusammenbruch hatte, der in regelmäßigen schweren Panikattaken mit akuter Todesangst und schließlich in der erwähnten Angststörung mit Depression mündete.

    Ich habe fast ein Jahr gebraucht, um halbwegs darüber hinweg zu kommen. Scheinbar hatte ich aber Glück im Unglück, denn die Angststörung ist nicht chronisch geworden. Es ist ein unfassbar beklemmendes Gefühl, wenn einem der eigene Geist nicht mehr gehorchen will. Man weiß genau, dass diese Ängste völlig hanebüchen sind – Aber man kann sich nicht dagegen wehren. So eine Erfahrung verändert einen sehr – und zwar nicht zum Besseren.

    Daher kann ich nur allen, die diesen Artikel lesen, nur eins ans Herz legen: Wenn sich die beschriebenen Symptome häufen, dann besser sofort die Notbremse ziehen.

    Ich wünsche dir alles Gute 🙂

    • Lieber Michael,
      danke für deinen mutigen Kommentar und die Ergänzungen. Da gibt es tatsächlich einige Parallelen. Ich hoffe, dass auch du nachhaltig darüber hinweg bist bzw. nicht so leicht wieder hineinrutschst. Danke dir und alles Gute 🙂

  3. Hallo Jasmin,

    wirklich ein sehr ehrlicher und aufrichtiger Bericht. Dankeschön!

    Ich habe schon öfter gelesen, dass Burnout auch auftaucht, wenn man ein fremdbestimmtes Leben führt. Das klang bei dir jetzt gar nicht so, zumindest auf den ersten Blick. Hast du diesbezüglich mit etwas mehr Abstand eine andere Perspektive auf deine Umstände erhalten?

    Ich bin schon gespannt auf den nächsten Beitrag!

    Lieber Gruß,
    Philipp

  4. Hallo Jasmin!

    Ein sehr wichtiges Thema. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute.

    Ein Burnout zu überwinden kann echt lange dauern. Was viele nicht wissen, es ist tatsächlich ein körperliches Problem dahinter. Durch die übermäßige Stresshormonausschüttung über sehr lange Zeit erschöpfen sich die Hormondrüsen und es kann nach einiger Zeit keine adäquate Stressregulierung über die Hormondrüsen mehr erfolgen.

    Leider dauert es wirklich sehr lange, bis sie wieder richtig funktionieren. Nur mit etwas Ruhe und Verhaltensänderungen ist es leider nicht getan.

    lg
    Maria

    • Danke für deinen Kommentar, Maria. Ich drücke meinen Drüsen die Daumen. Ich hatte bisher von diesem Thema so in der Form noch nicht gehört.

  5. Hallo Jasmin,
    Gratulation zu diesem offenen und ehrlichen Beitrag!

    Das gemeine bei Burnout ist dass man es selbst meist gar nicht mitbekommt. Die, die groß davon reden sind meist weniger betroffen als die, die leise untergehen.

    Meiner Erfahrung nach fehlt in einem Burnout auch immer ganz stark der Bezug zum eigenen Körper, was hier helfen kann sind Meditation und Körperarbeit. Der Körper zeigt nämlich sehr deutlich an, wann das Ende erreicht ist und du mehr auf dich selbst achten solltest.

    lg Michael

    • Hallo Michael,
      danke für deinen Kommentar. Dies als Gelegenheit für Eigenwerbung zu nutzen, finde ich begrenzt cool.
      LG Jasmin

  6. Hallo Jasmin,
    interessanter und lesenswerter Artikel. „Leider“ erkenne ich mich in einigen Passagen sehr gut wieder. Es ist schwierig darüber zu reden, weil man als Arbeitsverweigerer oder Jammerer abgestempelt wird. Wenn man dann etwas nicht macht und „nein“ sagt, kommt man aufs Abstellgleis denn es gibt immer jemanden der sich mehr aufopfert. Daher sucht man sich jemanden anderes und der andere bekommt das Gefühl versagt zu haben. Sehe das bei Kollegen mit Burn-Out, gibt etliche bei uns. Mitarbeiter auch Fachkräfte sind ersetzbar und „reisende soll man nicht aufhalten“. Kann den Spruch nicht mehr hören.
    Habe selber gerade das Problem, dass ich nicht weiß wie es weiter gehen soll und reden darüber ist ganz schwierig. Vor allem mit wem kann man darüber reden? Das geht eigentlich nur anonym im Internet oder vielleicht mit dem Hausarzt. Das Thema ist stigmatisierend. Wem kann man schon sagen, dass eigentlich alles scheiße ist, wobei andere nur sehen das bei einem angeblich die Sonne scheint?
    Im Büro beginnt meist morgens der Wahnsinn mit überforderten Vorgesetzten die keine Entscheidungen treffen wollen, denn „es muss sich alles so einspielen und geben.“. Sie wollen keine treffen und man selber darf keine treffen, sonst hält man nicht Hierarchie ein.

    Das traurige an dieser Situation ist, dass ich bzw. man es mal anders kannte und das es auch mal anders war. Ich für mich sehne mich nach dem Zustand in dem man mal wieder zumindest eine Teil der Zeit glücklich und zufrieden ist. Ich hoffe das ich wieder auf den Weg komme, nur weiß ich noch nicht wie.

    Ich drücke dir die Daumen und warte gespannt auf den nächsten Teil.

    VG

    • Hallo Alex,
      danke für deinen ehrlichen Beitrag zu diesem schwierigen Thema. Es ist leider ein notwendiger Schritt sich zu offenbaren, denn ansonsten geht alles so weiter wie vorher. Auch ich hatte die Angst abgestempelt zu werden, aber überraschenderweise waren die Rückmeldungen viel positiver als gedacht. Viele standen mir eher bei und bekräftigten meine Entscheidung eine Auszeit zu nehmen. Anonymität mag vorerst angenehmer sein, aber sie hilft dir nur begrenzt. Dein Hausarzt sollte eine Vertrauensperson sein, wenn nicht, würde ich mir einen neuen Hausarzt suchen. Es soll nicht verharmlosend klingen, aber Burnout ist heutzutage (leider) auch nicht mehr so selten, dass ein Arzt völlig überrascht sein wird. Wenn du bei einem Arzt kein gutes Gefühl hast, kannst du ja jederzeit wechseln. In Deutschland ist ja nicht festgelegt, wo du hingehen musst und wie oft du das darfst.
      Leider wirst du einen Cut brauchen, damit du aus dem Loch rauskommst. Ohne eine Krankschreibung/Therapie ist das schwierig, denke ich. Das notwendige Übel ist, dass es dir ein Stück weit egal sein muss, was die anderen denken. Nach dir wird jemand anderes kommen. In ein paar Jahren kräht kein Hahn mehr danach. Aber du musst es ein Leben lang mit dir aushalten, daher musst du dich auch an erste Stelle setzen.
      Ich sehnte mich auch nach meinem Originalzustand zurück, hätte es aber ohne professionelle Hilfe wahrscheinlich nicht geschafft. Vielleicht bin ich da auch noch nicht ganz, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich kann dir daher nur raten: lass dich beraten. Zum Hausarzt zu gehen muss noch nichts bedeuten. Du kannst jederzeit noch alles so weitermachen wie bisher. Es wird aber auch erleichternd sein, wenn du es nicht tust.
      Alles Gute und lass von dir hören! Ich habe ein offenes Ohr für dich.
      LG Jasmin

  7. Hallo Jasmin,

    vielen Dank für deinen offenen und ehrlichen Artikel. Es fällt schwer so etwas zu schreiben und noch schwerer es dann auch zu veröffentlichen. Ich kann deine Situation gut nachvollziehen. Es ging mir zeitweise auch sehr sehr schlecht und manchmal merke ich je nach Lebenssituation auch, dass es wieder so kommen könnte.
    Für mich ist Pendeln auch extrem schlimm, da ich die Zeit nicht so produktiv nutzen kann wie ich will oder auch nicht entspannen kann. Ich höre nun immer Podcasts auf Spanisch, damit ich etwas die Sprache lerne. Aber es zehrt auch an den Kräften.
    Ich bin extrem gespannt, wie du deine Situation gelöst hast und hoffe, dass der nächste Artikel auch so offen und gut geschrieben wird. 😀
    Gruß,
    Ben

  8. danke Dir für diesen Bericht!
    Bei mir ist es ein bißchen andersrum: Mein Mann kann schlecht neinsagen und tut alles für seine Familie, da bleibt er selbst schnell auf der Strecke. Und ich selbst halte ihm den Rücken frei, verreise allein mit den Kindern, damit er mal runterkommt (ab einem bestimmten Streßlevel kann er die Familie nicht mehr genießen sondern ist nur noch angenervt), bin Hausfrau und plane ihn für nichts als aktive Hilfe ein – wie eine Alleinerziehende.
    Das mache ich gern, weil ich als Grundrezept für seine Gesundung eben genau das sehe: Streßreduzierung und nicht das rumlagenschen an einzelnen Symptomen.

    Ich schreibe das nicht, weil ich jammern möchte, denn mir geht es gut. Ich achte darauf, daß ich gesund und ausgeglichen bleibe, weil ich verstanden habe, daß das für meine Kinder immens wichtig ist. Ich MUSS gut zu mir selbst sein, damit der Laden insgesamt läuft.

    Manchmal ist mein Mann auf mich eifersüchtig, weil ich eben auch mal schöne Sachen mache, zB zum Musizieren fahre. Und eigentlich würdigt er meine Leistung (im Gegensatz zur Gesellschaft, die Kinder nicht kennt und deshalb auch keine Ahnung hat, wieviel Arbeit (und Freude) sie bedeuten), aber manchmal bekomme ich doch den insgeheimen Vorwurf, mir ginge es ja so gut, und ich hätte ja so viel Freizeit. (Stimmt, ich schreibe gerade einen Kommentar in einem blog.)
    Und ich behaupte mal, die Mehrheit der Gesellschaft hat diese Vorurteile an Hausfrauen und Mütter. Wir brauchen ja auch diese hochqualifizierten Frauen für den Arbeitsmarkt (ich hab einen Uni-Abschluß). Ich kann damit leben, weil ich von meinem Weg überzeugt bin. Und ich glaube, daß es ein Trugschluß ist, die Mütter zur Arbeit zu zwingen, weil damit der soziale Puffer für die Gesellschaft flötengeht. Die Vereine beklagen fehlenden Nachwuchs bei den Ehrenämtern… die Schulen werden zusammengespart, und Eltern müssen einspringen, und trotzdem werden die Kinder – unsere Zukunft und unsere Altersvorsorge – immer schwieriger, dh. schlimmstenfalls Arbeitslose … Wer kann einspringen, wenn bei Freunden ein Notfall entstanden ist, wenn alle nur zusehen müssen, daß sie selbst über die Runden kommen? Ich meine, das betrifft nicht nur die Familien, sondern auch Ungebundene, die wenigstens nur für sich selbst sorgen müssen, wenngleich sie vielleicht nicht das schwächste Ende der Gesellschaft sind. Auch sie kommen vielleicht mal in eine Situation, in der sie dankbar für Nachbarschaftshilfe sind, oder in der eine halbtagsarbeitende Kollegin doch mal etwas mehr Zeit geben kann, weil sie ausgeglichen ist und noch Puffer hat.

    Deshalb rate ich jedem, nicht zu viel zu arbeiten, sondern auf die eigene Gesundheit zu achten – zum Wohle der Allgemeinheit. Es wäre schön, wenn aus dem Verstehen dieses Zusammenhangs auch eine Würdigung für die Leistung der Nichtgeldverdienenden (aber trotzdem Arbeitenden) herauskäme, denn wir brauchen sie als soziale Pufferzone. Nur kein Neid.

    • Interessante Gedanken, Viola. Nächste Woche wird ein Beitrag von uns kommen, der in eine ähnliche Richtung geht. Übrigens ist Burnout auch eine Herausforderung für alle Angehörigen, das deutet der Anfang deines Kommentars an. Danke für die offenen Worte!

  9. LIebe Jasmin,
    vielen Dank für den ehrlichen Artikel. Ich erkenne mich in vielen deiner Beschreibungen wieder, auch wenn es bei mir vermutlich noch nicht ganz so krass ist (wobei mir die Tests – danke für die Links – akute Gefahr gemeldet haben).
    Gestolpert bin ich insbesondere den Punkt „pendeln“, den du und einige andere angesprochen hatten. Das ist bei mir eines der größten Probleme. Ich bin seit einem Jahr Wochenendpendler, das heißt, mein Wohn- und Arbeitsort sind 220 km entfernt, ich bin von Montag/Dienstag bis Donnerstag an meinem Arbeitsort und Freitag-Sonntag zu Hause. Ich dachte, das wäre machbar, aber mittlerweile sehe ich das anders. Es kommt mir so sinnlos vor, so viel Zeit auf der Autobahn und im Stau (der mir garantiert ist bei der Strecke) zu verbringen, mittlerweile kriege ich schon Panik, wenn ich vor dem Losfahren die Stauvorhersage höre. Genau wie du verspüre ich so eine Hoffnungslosigkeit, es ändert sich nichts, egal was ich mache, ich lebe primär für den Job, Freizeitaktivitäten kann ich im Grunde kaum wahrnehmen. Auch wenn es sicher viele mit ähnlichen Lebensmodellen/Pendelsituationen gibt, halte ich so ein Leben nur noch begrenzt für lebenswert. Was nützt mir das Geld, wenn ich keine Zeit zu leben mehr habe? Ich würde sehr gern weniger Stunden arbeiten, da mir Zeit mittlerweile deutlich mehr wert ist, als Geld. In meinen Augen ist das auch ein gesellschaftliches Problem, eigentlich sollte eine Firma dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter pünktlich Feierabend machen, damit sie am nächsten Tag wieder fit und motiviert sind. In der Praxis ist es (bei uns) so, dass Überstunden (die nicht festgehalten oder bezahlt werden) normal sind und man blöd angeschaut wird, wenn man pünktlich geht.
    Auch der Punkt „noch bis… durchhalten, bis die Dienstreise geschafft ist, bis zum Urlaub, bis XXX“ kommt mir bekannt vor. Habe ich auch schon Wochen so durchgehalten, aber es bringt nichts, wenn die Grundsituation nicht passt, wird sich nichts ändern, auch wenn man noch ein paar Wochen weitermacht. Ich komme jedenfalls früher oder später immer wieder an den Punkt, wo ich merke, es funktioniert nicht, mindestens 1/Woche breche ich innerlich zusammen oder sitze heulend im Auto im Stau und verfluche mich, dass ich es wieder und wieder versucht habe.
    Wie dir auch fällt es mir trotzdem so schwer, was zu ändern. Auch wenn ich weiß, dass es so nicht länger geht, ist es immerhin mein Job, der mich ernährt. Die Perspektive, erstmal arbeitslos zu sein, ist nicht prickelnd, zumal ich ja aus der letzten Bewerbungsphase weiß, wie schwer es ist, einen job in meinem Bereich zu finden. Außerdem würde keiner die Entscheidung verstehen, nach außen habe ich einen tollen Job, einen super Karriereschritt nach der letzten Stelle, ein bekanntes Unternehmen.. Ich bin sehr gespannt auf deinen Bericht, wie es bei dir nach dieser Phase weitergegangen ist. Ich denke, es ist sicher erstmal befreiend zu kündigen, aber was kommt dann? Die ganze bürokratische Abwicklung (hast du gekündigt? Hast du ALG gekriegt?) macht sicher auch nicht viel Freude.
    Auf jeden Fall freut es mich zu sehen, dass sich das Leben bei dir so zum Guten gewendet hat (es scheint jedenfalls, dass ihr mit viel Spaß und Elan an Healthy Habits arbeitet). Ich freue mich auf weitere Tipps zu dem Thema.
    Alles Gute.
    Leonie

    • Liebe Leonie,
      es sind genau solche Kommentare wie deiner, die mich überhaupt zu diesem Artikel motiviert haben. Es ist nicht leicht alles so offenzulegen, aber wenn ich Menschen wie dich in Situationen wie deiner erreiche, dann weiß ich, dass es sich gelohnt hat. Zunächst einmal muss ich sagen: wenn die Tests bei dir akute Gefahr melden, dann solltest du es nicht auf die leichte Schulter legen. Gerade Schlafstörungen sind (schon) ein Problem, wenn sie ein paar Wochen lang andauern. Ich habe viel zu lange gewartet damals. Überhaupt, allein dass du dich hier so ausführlich offenbarst (wofür ich dir sehr dankbar bin), ist ein Zeichen, dass du dich beraten lassen solltest.
      Erstmal zum Pendeln: Ja, ich dachte auch, das geht. Vor allem im Studium, da muss man ja nicht jeden Tag in die Uni. Aber ich musste doch. Mein Stundenplan war blöd, dann kam der Job. Irgendwas ist eben immer. Auch mir erschien es sinnlos. Problematisch bei dir ist, dass ein Ende der Pendelei nicht absehbar ist. Daher auch die Hoffnungslosigkeit. Du könntest versuchen dir das Autofahren zu verschönern mit Hörbüchern, schöner Musik oder Telefonieren, aber es bleibt in gewisser Weise Zeitverschwendung.
      Zum Job: ich kenne das alles, die Argumente, die rationale Sicht. Es war bei mir 1:1 genauso. Das Gehalt war gut, Karriere usw., aber was nützt dir das alles? Das sagst du ja selbst: nichts. Leider ist das Leben zu kurz, um sowas auf Dauer auszuhalten. Ich rede nicht von ein paar Wochen oder Monaten, wo es mal nicht läuft, sondern, wenn es über Jahre geht und keine Aussicht auf Besserung besteht. Auch der Urlaub rettet dich nicht. Wenn du das WE nicht genießen kannst, weil es dir vor Montag graut (kenne ich auch), was bringt dann alles?
      Ich finde, man darf es auch nicht verteufeln, mal eine Weile arbeitslos zu sein. Wahrscheinlich hast du lange genug gearbeitet, um Arbeitslosengeld zu bekommen. Insofern kannst du dich bestimmt eine Weile über Wasser halten. Dank unseres Sozialsystems muss ja niemand ernsthaft um seine Existenz fürchten. Auch wenn du dann wieder den schweren Bewerbungsprozess vor dir hast, ist es das trotzdem wert, wenn du in der jetzigen Lage dauerhaft unglücklich bist.
      Bevor du jetzt kündigst und konkrete Schritte angehst, wäre eine Beratung bei einem Fachmann, deinem Hausarzt, ratsam. Denn so könnte erstmal festgestellt werden, ob du momentan arbeitsfähig bist. Wenn nicht (wie es bei mir damals war), wirst du sowieso erstmal eine Weile nach Hause geschickt. Das wurde mir damals auch von einer Psychologin empfohlen, da sie meinte, ich solle mit etwas Abstand reflektieren, was ich eigentlich wolle und was ich brauche. Mit etwas Abstand sieht man die Dinge oft klarer. Ob du irgendwann nach einer Auszeit kündigst oder nicht, kannst du dann immer noch – und ganz in Ruhe – entscheiden.
      Ich tat das dann, war einen Monat arbeitslos und meldete dann eine Selbständigkeit an. Der Gründungszuschuss, den ich dafür bekam/bekomme, geht aus dem ALG-Topf ab. Man kriegt ihn nur, wenn man noch mindestens 150 Tage (Rest-)ALG-Anspruch hätte. Das heißt, ich musste mich relativ zeitig entscheiden. Da ich aber schon länger mit der Idee gespielt hatte, war der Schritt für mich recht klar.
      Und ja, Healthy Habits kannst du als Beispiel dafür sehen, dass es eine sehr guten Ausgang geben kann. Ich bin heute sehr froh, dass alles so gelaufen ist. Klar, hätte ich gern mein Burnout übersprungen, aber es war notwendig, um dort rauszukommen, wo ich heute stehe.
      Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest. Lass von dir lesen, ich habe gern ein offenes Ohr für dich!
      Liebe Grüße, Jasmin

  10. Liebe Jasmin,

    auch ich danke dir für deinen Mut und deine Offenheit. Mich selbst hat es auch erwischt und ich bin quasi mittendrin. Es ging mir im Laufe des letzten Jahres immer schlechter und ich wusste, dass ich etwas ändern sollte, doch tat es nicht. Dann zog mein Körper die Notbremse, ich lag drei Wochen mit Fieber flach, was kein Arzt erklären konnte und als es auch nach Antibiotikabehandlungen nicht wegging, sagte mein Arzt „Manchmal muss man sich nicht von Menschen trennen, sondern von einem Job, der nicht gut tut“. Aufgrund meiner Fehlzeiten übernahm mein Arbeitgeber das jedoch für mich.

    Ich verlor meinen Job, konnte mir von meinem Umfeld anhören, dass ich mich nicht so anstellen solle, ich sei außerdem zu jung für einen Burnout (jetzt 29). Bei mir ging es so weit, dass ich alles tiefschwarz sah, Selbstmordgedanken hatte und wusste, dass ich alleine nicht aus diesem Loch komme. Daher ging ich in eine Tagesklinik für Burnout und Depressionen und erst dort wurde es nach einer Weile besser.

    Inzwischen geht es mir zwar deutlich besser als vorher, aber von „gut“ bin ich meist noch weit entfernt. Aber es wird 🙂 Ich versuche es als Chance zu sehen, mein Leben neu zu überdenken und langfristig zu ändern, aber der Weg ist lang. Vor allem, da es in unserer Gesellschaft zwar immer bekannter wird, was sich hinter diesem Wort „Burnout“ versteckt, es aber doch noch immer diesen Schwächestempel hat, der es den Betroffenen nicht gerade leicht macht, damit offen umzugehen.

    Ich finde es toll und ermutigend, von dir zu lesen und wünsche mir mehr mutige Menschen.

    LG Katharina

    • Hallo Katharina,

      danke für dein Feedback und die Offenheit in deinem Kommentar. Ich hoffe, dass es für dich bald wieder bergauf geht. Ich finde es gut, dass du es als Chance siehst – das ist es auch ganz sicher. Ich drücke dir die Daumen, dass sich ein Weg aufzeigt, der dich langfristig glücklich macht. Lass dich nicht von anderen verrückt machen. Es kann niemand nachvollziehen, wie es dir geht, wer es nicht selbst erlebt hat.

      Lass gern mal wieder von dir lesen! Schön dich auch als Buddy dabei zu haben!
      LG Jasmin

  11. Leider gibt es viele Punkte die mir auch bekannt sind. Wichtig ist das erkennen und dann etwas zu ändern. Bin gespannt wie Du der Spirale entkommen bist.

  12. Hallo Jasmin,
    vielen Dank für diesen persönlichen Beitrag.
    All deine Symptome kenne ich von meinem Ex-Freund, der allerdings an einer Depression litt. Zwei so verschiedene Erkrankungen, mit einer vergleichbaren Symptomatik. Das hat mich etwas überrascht.
    Ich hoffe inzwischen gehts dir besser.

  13. Liebe Jasmin,

    ich wurde heute von meinem Hausarzt krank geschrieben. Zunächst nur für eine Woche. Bei mir ist dieser Punkt, dass nichts mehr geht, schon lange erreicht, aber ich habe immer weiter gemacht, denn es geht ja nicht anders. Doch heute haben Körper und Seele gestreikt. Die in Deinem Artikel beschriebenen Symptome/Wahrnehmung decken sich erschreckend mit meiner. Aber gerade deshalb tat es gut, diesen so authentischen Bericht zu lesen. Ich sehe, ich bin nicht alleine und ich traue mich dadurch ein bisschen mehr, mir einzugestehen, dass ich so nicht weitermachen darf. Nur stehe ich jetzt vor einem riesigen Berg. Ich weiß noch nicht, was der nächste Schritt ist. Mein Hausarzt ist nett und lieb, versteht aber nicht so ganz, dass ein oder zwei Wochen Auszeit vermutlich das Problem nicht lösen werden. Einen Therapeuten zu finden, ist schwer, denn freie Plätze sind rar. Wenn man so antriebslos ist, ist allein das schon eine riesige Herausforderung. Weil ich aber so begeistert bin von Eurem Blog, wollte ich einfach kurz Danke sagen.
    VG
    H.

    • Hallo H.,
      danke für deinen offenen und ausführlichen Kommentar. Ich hoffe, dass dir die kleine Auszeit hilft. Ich war anfangs genau so unsicher, wie es weitergehen soll. Auch ich hinterfragte die „Salami-Taktik“ des Hausarztes. Aber ihm würden die Krankenkassen aufs Dach steigen, wenn er pauschal für zwei Monate krankschreiben würde. Deshalb macht er es nicht.
      Den größten Schritt hast du geschafft. Du findest bestimmt auch einen Therapeuten. Manchmal geht es schneller, als die Medien weismachen wollen. Ich drücke dir die Daumen.
      Viele Grüße und lass gern von dir lesen.
      Jasmin

  14. Vielen Dank für diesen Bericht…

    Ich habe eigentlich nur noch ein / zwei Begriffen gegoogelt, weil ich finde, dass irgendwas so ganz und gar nicht stimmt. Und bin so auf dieser Seite gelandet. Unter anderen Seiten…
    Ich erkenne mich in vielem aus Deinem Bericht wieder.

    (Wochenend-)Pendeln, stressiger Job ohne jegliche Routine, Dienstreisen… dazu kommt kein fester Arbeits-Standort und damit verbunden bin ich fast täglich in einem anderen „Büro“. Immer einen vollen Rucksack aus Büro als Balast auf dem Rücken.

    Ich bin gefühlt nur unterwegs… habe keinen wirklichen Fixpunkt im Leben… und lebe in 11 Berufsjahren nun im 7ten Jahr aus dem Koffer… Herzrasen, Magenschmerzen… immer wieder holen mich Angst ein. Stehe ich mal wieder im Stau, breche ich teilweise in Tränen aus.
    Unter der Woche werde ich in der Regel um 4 Uhr rum wach, und trotzdem schaffe ich es nicht wirklich aus dem Bett kommen. Manchmal bleibe ich einfach liegen, kann den Entschluss nicht fassen, auch aufzustehen. An anderen Tagen fange ich an zu Weinen… einfach so. Irgendwie schaffe ich es aber immer .. irgendwie.

    Ich vergesse vieles, kann mich nicht mehr wirklich konzentrieren. Schreibe teilweise Sätze… die überhaupt keinen Sinn ergeben – und merke es noch nicht einmal. Erst denn, wenn ich später noch einmal drüber lese. (auch diesen Text hier habe ich am Ende noch einmal gelesen — und grade noch viele ändern müssen… ich zweifle langsam echt an mir selbst…)

    Oder ich spreche Worte total verquert aus… Grade am Wochenende wieder – als ob ich teilweise von rechts nach links lesen würde.
    Konzentrieren geht echt schlecht – sowohl im Geschäft, als auch Privat. Bücher lesen geht mittlerweile gar nicht mehr… nach einer Seite weiß ich schon nicht mehr, was ich grade gelesen habe.
    Ich vergesse auch wirklich alles… und mit Mitte 30 sollte das noch nicht so extrem sein.

    Dazu kommt diese Angst… und Hoffnungslosigkeit. Ich sollte irgendwie mitten im Leben stehen… und bin eigentlich zu nichts mehr im Stande. Die Kraft ist weg…. und ich wünsche mir so sehr, dass es mir endlich mal wieder besser geht. Das die Energie, die ich ins Leben stecke… sich auch endlich mal auszahlt. Aber egal was ich mache… es klappt nicht.

    Im Job kan ich machen und machen was ich will…. die anderen scheinen immer besser und schneller zu sein. Teilweise frage ich mich, was ich da eigentlich soll. So der Sinn darin eigentlich liegt. Welchen Beitrag ich eigentlich leisten kann.
    Dann packt mich der Ehrgeiz… aber dass, was ich an Energie reinstecke… es ist sooo viel. Und es scheint nicht zu reichen.
    Freitags, wenn ich dann wieder im Auto sitze und für 110 Kilometer wieder einmal 2-3 Stunden brauche… das ist immer ganz schlimm. Teilweise weine ich die ganze Strecke…
    Und bin ich dann am Wochenende zu Hause – ich kann mich zu nichts aufraffen. Mein Mann macht mittlerweile die Wäsche. Er kocht und geht auf den Markt.
    Mich muss er immer motivieren, dass ich was mache. Wenn er das nicht machen würde… ich würde sitzen bleiben. Da ist immer so ein Gefühl: die Woche wird wieder lang und stressig… jetzt bleibe ich hier sitzen und gucken noch eine Serie… und dann zappe ich durch die Kanäle…. und mache nebenher was anderes… meist bekomm ich gar nicht wirklich mit, was da eigentlich läuft.

    Aber nun schriebe ich das hier runter… und weiß nicht, was ich weiter machen soll.
    Zu nem Arzt zugehen….. wann? wie?
    Mein Hausarzt ist nicht an meinem Arbeitsplatz. Ich weiß gar nicht, wie ich das machen soll. Oder was ich da erzählen soll.
    „Hallo, mit mir stimmt was nicht?!?!“…. Stress hat doch sicher jeder mal…. oder nicht?
    Ich hab keine Ahnung, wie ich das angehen soll.
    Ich hatte grade eine Woche Urlaub… ich dachte, danach könnte ich wieder gut in den Alltag starten. Fehleinschätzung. Den nächsten Urlaub haben wir erst wieder Ende Oktober.
    Ich weiß nicht wirklich, wie ich das bis dahin durchhalten soll.

    Aber ich hab auch Angst, das mit keiner glaubt…. wie es geht geht, was ich teilweise nicht mehr kann. Wo ich grade an meine Grenzen komme. Dann denke ich auch wieder: wahrscheinlich ist der neue Job auch nichts für mich. Vielleicht bin ich generell nicht für das ganze geeignet. Wahrscheinlich ahben sich alle meine Chefs bisher geirrt.

    Es ist Burnout.? oder bin ich einfach nicht geeignet? Würde ein neuer Job anders laufen? Wäre ich da dann besser? Was wäre wenn….
    Ich weiß es nicht… nur, das ich das so nicht mehr kann… Aber dann kommt wieder die Angst… wenn ich vielleicht doch länger krank bin, was passiert denn? Habe ich dann noch einen Job? wie können wir dann noch weiter unter Leben finanzieren, wenn ich meinen Job verlieren sollte… wie können wir uns unsere Träume erfüllen…

    Irgendwie drehe ich mich im Kreis….

    • Hallo Julia,

      da Jasmin gerade im Urlaub ist, antworte ich dir erstmal auf deinen Kommentar. Von außen betrachtet, ist zumindest klar, dass es so nicht weitergehen sollte. Was hast du von irgendwelchen „Träumen“, wenn du gleichzeitig nichts mehr vom Leben hast? Das macht keinen Sinn. Wenn du meinst, Geld für Träume zu brauchen, empfehle ich dir unseren neuesten Artikel über finanzielle Freiheit.

      Kurzfristig kann ich nur empfehlen, zu einem Arzt zu gehen. Egal, ob dein Hausarzt bei deiner Arbeitsstelle liegt. Dann meldest du dich einen Tag krank (das geht ja auch ohne Begründung/Krankenschein) und gehst an diesem Tag zum Arzt. Dem erzählst du genau das, was du hier geschrieben hast. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er/sie das alles nicht zum ersten Mal hört und dich gleich erstmal vorübergehend krank schreibt. Wenn nicht, suche dir einen anderen. Es ist nicht so gedacht, dass Menschen aufgrund der Arbeit so fertig sein sollen.

      Wenn du dir selbst nicht den Ruck dazu geben kannst, besprich das mit deinem Mann. Dem ist wahrscheinlich auch viel daran gelegen, dass du wieder richtig auf die Beine kommst, anstatt dich von einem Tag zum nächsten zu retten und freitags verheult nach Hause zu kommen.

      Viele Grüße
      Patrick

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