6 Gründe, warum du keine Kalorien zählen solltest

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Während meiner großen Diät zählte ich jeden Tag Kalorien. Zeitweise sehr genau. Ich könnte sagen, dass mir das Kalorienzählen beim Abnehmen half, schließlich verlor ich 60 Kilogramm. Doch daran glaube ich selbst nicht. In der Zeit habe ich einfach gehungert und auf alles verzichtet, was auch nur im Verdacht stand, schlecht für mich zu sein. Dass ich dabei weniger Kalorien konsumierte, war eine logische Folge dieser Lebensweise, aber keine Ursache!

Trotzdem ließ mich das Zählen für lange Zeit nicht mehr los. Auch Jahre später überschlug ich noch grob die Kalorien in meinem Kopf. Ich glaubte, meine Energieaufnahme stets kontrollieren zu müssen. So, als könnte ich mir selbst nicht trauen. Ich fühlte mich nicht gut dabei und genutzt hat es auch nichts, denn ich nahm langsam aber sicher wieder zu – obwohl mein Kalorienhaushalt theoretisch in Ordnung war.

Erst jetzt weiß ich, dass ich mir das Kalorienzählen hätte sparen können. Es bringt nichts, aber macht uns verrückt. Das ist nicht nur ein Bauchgefühl, sondern es gibt gute Gründe, warum niemand Kalorien zählen sollte. Der eigentliche Hebel in der Ernährung liegt ganz woanders. Hier sind sechs Argumente, die beim Abnehmen gegen das Zählen von Kalorien sprechen:

1. Kalorien sind keine Nährstoffe

Es ist eine Sache, unseren Energiebedarf zu decken. Aber es ist eine ganz andere Sache, dabei auch satt zu werden. Denn Kalorien sind keine Nährstoffe. Wir können rechnerisch die passende Menge an Energie aufnehmen, aber trotzdem hungrig bleiben, weil unsere Nahrung zu wenige Nährstoffe enthält.

Das betrifft vor allem Lebensmittel, die Zucker und/oder Getreide enthalten, und industriell verarbeitete Produkte. Iss eine Tiefkühlpizza, eine Tafel Schokolade und trinke eine Flasche Cola, schon ist dein Energiebedarf für den gesamten Tag gedeckt. Aber damit bleibst du nicht 24 Stunden satt, denn du hast sogenannte „leere Kalorien“ verzehrt. Um nicht zuzunehmen, müsstest du den Rest des Tages hungern. Aber wer soll das auf Dauer durchhalten? Eine solche Ernährung ist zum Scheitern verurteilt.

Die Kunst ist, unseren täglichen Energiebedarf zu decken und dabei auch satt zu werden. Dann erübrigt sich das Kalorienzählen. Ich achte heute darauf, echte Lebensmittel zu essen. Von denen brauche ich viel weniger, da sie mich wirklich sättigen. Auf industriell verarbeitete Produkte, Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke verzichte ich weitgehend. Wenn ich darüber hinaus auch meinen Konsum von Brot, Pasta & Co. reduziere, kann ich von allem anderen essen so viel ich will, ohne nur eine Kalorie zu zählen.

2. Nicht jede Kalorie wird gleich verbrannt

Nicht jede Kalorie wird von unserem Körper gleich verarbeitet. Energie aus einfach verdaulichen Kohlenhydraten (z. B. Zucker und Weißbrot) lässt den Blutzuckerspiegel in die Höhe schießen. Dadurch produziert der Körper viel Insulin, das die Energie in die Zellen abtransportiert. Unsere Muskeln und Organe kommen mit dem Ansturm jedoch nicht zurecht. Alles, was sie nicht so schnell aufnehmen können, geht deshalb in die Fettzellen. Kurz: Je mehr Blutzucker, desto mehr Insulin, desto mehr Fett wird gespeichert.

Echte Lebensmittel hingegen (z. B. Gemüse, Nüsse) lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Dadurch wird weniger Insulin ausgeschüttet. Unsere Muskeln und Organe können die Energie besser verarbeiten, da sie mehr Zeit dafür haben. Die Kalorien aus den gesündesten Lebensmitteln werden vom Körper folglich so verwertet, wie wir es beim Abnehmen wollen.

Was nützt also das Kalorienzählen, wenn die eine Kalorie von den Muskeln verbrannt wird, während die andere in unseren Fettzellen landet? Das stellt das Zählen völlig auf den Kopf, denn was wirklich wichtig ist, lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken. Auf diese ersten beiden Argumente gehe ich noch genauer in diesem Artikel ein: Qualität statt Quantität – warum das auch für Kalorien gilt.

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3. Wir verschätzen uns deutlich

Kein Mensch weiß, wie viele Kalorien er wirklich isst. Brian Wansink beschreibt in seinem Buch Essen ohne Sinn und Verstand sehr anschaulich die vielen Studien, die er in den letzten Jahrzehnten selbst durchgeführt hat. Demnach unterschätzen Menschen immer die verzehrten Kalorien. Egal, was sie essen.

Das liegt daran, dass unsere Energieaufnahme von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird, die uns gar nicht bewusst sind. Essen die Menschen um uns herum viel, essen auch wir viel. Liegt die Mahlzeit auf einem großen Teller, essen wir ganz selbstverständlich eine größere Portion. Snacken wir direkt aus der Chips-Tüte, essen wir mehr Chips. Das alles hat nichts damit zu tun, ob wir Hunger haben oder nicht. Es gibt einfach zu viele andere Gründe, aus denen wir  (mehr) essen. So kann letztendlich niemand von uns sagen, ob wir heute 200 Kalorien mehr oder weniger gegessen haben als gestern. Am Hungergefühl spüren wir es jedenfalls nicht.

Kalorien grob zu überschlagen bringt folglich nichts. Wir liegen garantiert falsch damit. Um auf Nummer sicher zu gehen müssten wir genauer nachrechnen. Das heißt, auf den Verpackungen nachzulesen. Doch eine Verpackung mit Kalorien- und Nährwertangaben ist ein guter Indikator dafür, dass es sich um industriell verarbeitetes Essen handelt, das ohnehin nicht gut für dich ist und dich nicht so gut sättigt wie echte Lebensmittel. Das heißt, wenn du die Kalorien deiner Nahrung zählst, indem du die Zahl von einer Verpackung abliest, machst du in deiner Ernährung ohnehin schon etwas falsch.

Den Kaloriengehalt frischer Lebensmittel können wir nur näherungsweise aus Kalorientabellen entnehmen. Wenn wir das richtig angehen wollen, wird es sehr aufwendig. Möchtest du vor jeder Mahlzeit die Tabelle heraussuchen und jeden Apfel abwiegen? Das artet nicht nur in Stress aus, es sorgt auch dafür, dass wir uns viel zu sehr mit dem Thema beschäftigen. Unser ganzes Leben dreht sich dann ums Essen und wir werden nur noch hungriger. Wenn du Zeit in deine Ernährung investieren möchtest, dann lerne lieber mehr über echte Lebensmittel und verwende sie zum Kochen. Wir helfen dir dabei gern mit unseren Rezepten.

Übrigens: Viele Menschen zählen nicht nur die Kalorien ihrer Nahrung, sondern auch die Kalorien, die sie durch Bewegung vermeintlich verbrennen. Doch dabei ist es noch viel schwerer, richtig zu liegen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wir die beim Sport verbrannten Kalorien deutlich überschätzen. Einen ausführlichen Artikel dazu hat Jasmin geschrieben: Warum Fettverbrennung beim Sport nicht so wichtig ist.

4. Nicht jeder Mensch ist gleich

Allgemeine Kalorienempfehlungen suggerieren, dass jeder Mensch gleich wäre. Auf Verpackungen wird häufig von einem Tagesbedarf in Höhe von 2.000 Kalorien ausgegangen. Dieser gilt als Anhaltspunkt – allerdings als einer, der irreführend sein kann.

Mein persönlicher Energiebedarf dürfte weit über 2.000 Kalorien liegen, während eine zierliche ältere Frau, die sich kaum bewegt, mit 1.500 Kalorien auskommen wird. Auch übergewichtige Menschen, die dauerhaft auf Diät sind, haben häufig einen geringen Energiebedarf. Mit jeder Diät sinkt der Grundumsatz des Körpers. Nach einer Weile ist er so gering, dass man trotz normaler Ernährung weiter zunimmt.

Außerdem hängt unser Energiebedarf ganz entscheidend von der Nahrung ab, die wir unserem Körper zuführen. Wie du schon weißt, werden Kalorien auf unterschiedliche Weise verlangt. Verzehre ich nur gesunde Lebensmittel, die von den Muskeln und Organen verwertet werden, ist mein Energiebedarf geringer, als wenn ich „leere Kalorien“ esse, von denen ein großer Teil in den Fettpolstern landet.

Selbst wenn wir einen Kalorienrechner verwenden, kommt bei jedem etwas anderes heraus. Einige rechnen auf Grundlage oberflächlicher Informationen (Geschlecht, Alter, Größe, Gewicht). Andere gehen etwas tiefer, aber beruhen auf subjektiven Angaben unsererseits (wie dieser Tagesbedarfsrechner der TK). Kein Kalorienrechner berücksichtigt die Qualität unserer Nahrung!

Alle Empfehlungen und alle Rechner haben eines gemeinsam: Sie werden nie meinen tatsächlichen Kalorienbedarf ermitteln. Mein Körper verbrennt die Energie ganz anders als deiner – das liegt an unserer unterschiedlichen Ernährung, der täglichen Bewegung, unseren Muskeln, unserem Schlaf und vielen anderen Faktoren.

5. Verzicht ist nicht nachhaltig

Jede Kalorie zu zählen bedeutet Verzicht. Wir verzichten dabei auf Energie, die unser Körper gern hätte. Mit Verzicht erzeugen wir stets das Gegenteil von dem, was wir erreichen wollen. Denke jetzt mal bitte nicht an einen Schokoriegel. Denke nicht an einen schönen Snickers aus Schokolade, Karamell und Erdnüssen. Du sollst nicht daran denken, habe ich gesagt! Aber natürlich hast du diesen Schokoriegel vor Augen.

Verzicht erzeugt Verlangen. Wenn wir den ganzen Tag daran denken, was wir alles nicht dürfen, um unseren Kalorienhaushalt nicht überzustrapazieren, wollen wir nur noch mehr essen. Diese Form von Selbstkontrolle kann funktionieren, wenn du motiviert bist und es dir mental gut geht. Doch nach einer Weile lässt die Willenskraft nach. Dann wirst du wahrscheinlich rückfällig und der ganze Kampf war umsonst. Reduktionsdiäten funktionieren einfach nicht auf Dauer. Das ist längst bekannt, und trotzdem versucht es fast jeder auf diese Weise.

6. Kalorienzählen ersetzt keine gesunden Gewohnheiten

Kalorien zu zählen hat für mich den Beigeschmack, dass wir machen können was wir wollen, solange wir nur die Kalorienzufuhr einschränken. Doch das ist Quatsch.

Wie du anhand der ersten fünf Gründe bereits gesehen hast, liegen die Probleme woanders. Anstatt uns an Kalorien aufzureiben, sollten wir gesunde Gewohnheiten in unseren Alltag etablieren. Frische Lebensmittel zubereiten statt Fertiggerichte aufwärmen, achtsamer essen statt große Portionen verschlingen, weniger snacken und uns mehr bewegen. Für mich waren es nur fünf kleine Veränderungen mit großer Wirkung.

Kalorienzählen ist keine Lösung. Es ist nur ein unschöner Nebeneffekt einer ungesunden Lebensweise, mit der wir immer unzufrieden sein werden. Die Aufgabe ist, gesunde Gewohnheiten in unseren Alltag zu integrieren. Dann brauchen wir nichts mehr zu zählen. Da das aber leicht gesagt und schwer umgesetzt ist, haben wir alle Informationen in einem Buch umfassend aufbereitet.

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