Was du tun kannst, wenn du dich zu dick fühlst (es aber nicht bist)

10 Minuten Lesezeit

“Ich glaube, ich denke zu viel über Essen nach.”

“Wie oft denken Sie denn darüber nach?”

“Eigentlich immer. Zu jeder Mahlzeit jedenfalls.”

“Also, ich sehe eine sehr hübsche Frau mit einer beneidenswerten Figur”, sagt meine Therapeutin. “Aber ich glaube nicht, dass Sie eine Essstörung haben. Ich denke, Sie sind psychisch aus dem Gleichgewicht aufgrund der Erlebnisse in den letzten Jahren. Wenn es Ihnen insgesamt besser geht, werden sich diese Gedanken erledigen. Wir behalten das im Auge und schauen am Ende der Therapie nochmal drauf.”

Das war in einer der ersten Sitzungen vor rund anderthalb Jahren. Meine Therapeutin sollte Recht behalten. Aber lass mich von vorn anfangen:

Wenn du meinen persönlichsten Artikel (Kräftig, nicht dick.) in diesem Blog kennst, weißt du, wie ich lange Zeit zu meiner Figur stand. Wie ich immer die dünnen Mädchen beneidete, die in Steckbriefen bedenkenlos ihr wahres Gewicht eintragen konnten. Die ohne zu zögern zur Huckepack-Übung im Schulsport aufsprangen. Die in Klassenfahrt-Freibädern bedenkenlos im Bikini die Rutsche rutschten.

Ich hoffte auf schlechtes (Bade-) Wetter, trug einen vorteilhaften Badeanzug und zog meinen Bauch ein. Auf Fotos checkte ich nacheinander mein Profil, meinen Bauch, meine Oberschenkel – schließlich mein (kräftiges, nicht dickes) Gesicht.

Mit 15 kaufte ich mir Bücher über Ernährung und Sport, fing an zu joggen und machte Kraftübungen auf meinem Teppich.

Heute glaube ich: hätte ich die gleiche Zeit in mehr Selbstliebe investiert, wäre mir Einiges erspart geblieben.

Ein Grund mehr für mich, dich heute mit Tipps über Essen und Bewegung zu verschonen. Du kennst sie alle schon.

Mir geht es allein darum, wie du mit deinen Sorgen umgehen, dich schrittweise annehmen und dein Selbstwertgefühl stärken kannst.

Auch ich habe hier noch viel Lernpotential. Glaub nicht, dass du allein bist.

Die Vielfalt des Unwohlfühlens

In meiner Naivität konnte ich mir früher nicht vorstellen, dass auch dünne Menschen an sich zweifeln könnten (Spoiler: sie tun es!). In den letzten Jahren ist mir jedoch klar geworden: die verschiedensten Menschen hadern aus den unterschiedlichsten Gründen mit sich. Genauer gesagt: fast niemand ist mit sich zufrieden. Jeder hat sein (optisches) Päckchen zu tragen.

  • Eine Freundin von mir ist klein und wird oft fälschlicherweise für eine Jugendliche gehalten. Andere Freundinnen sind groß und schlank, aber bedauern nur schwer kompatible Männer zu finden.
  • Ein Freund von mir fühlte sich jahrelang zu dünn. Nach einer Verletzung nahm er zehn Kilogramm zu (was man ihm nicht ansieht, da der über 1,90 Meter groß ist) – jetzt denkt er, er müsste “dringend mal wieder etwas machen”.
  • Erst letzte Woche klagte eine bildhübsche (und gertenschlanke) Freundin über ihre angeblich nicht straffen Oberschenkel. Ich war fassungslos und meinte: “Wenn Frauen wie du an sich zweifeln, sind wir wirklich am Ende.”
  • Eine weitere junge Frau macht bald Abi, ist hochintelligent, kreativ, sportlich, hat ein tolles Lächeln und wunderschöne Haare. Wenn nur ihre unruhige Haut nicht wäre. Ausgerechnet im Gesicht. So offensichtlich, so groß die Scham. So unnötig – in meinen Augen –, da der Makel verblasst bei all den tollen Einzigartigkeiten an ihr.

Welches Päckchen hast du zu tragen? Vielleicht magst du deine Zähne nicht,  diesen einen Leberfleck, dein Muttermal, deine Geheimratsecken. Du hättest gern deine Brille los, obwohl Brillen derzeit in sind. Möglicherweise denkst du, du hättest zu dünne Haare, zu dicke Haare, zu wenige Haare, zu viele Haare oder Haare an den falschen Stellen.

Dein bester Feind

Vielleicht hast du Recht. Du, ausgerechnet du, hast eine Extra-Portion Hässlichkeit abgekriegt. Viel wahrscheinlicher bist du aber ein ganz normaler Mensch. Bist einzigartig, hast fesselnde Augen und ein strahlendes Lächeln. Du vergleichst dich mit deinem Umfeld und bist dein schärfster Kritiker. So wie ich. Und Patrick.

So wie er mit zahlreichen Diätversuchen scheiterte, habe auch ich im Laufe der Jahre einiges probiert, um mich meinem Ideal zu nähern. Ich habe mir vorgenommen ab morgen einfach weniger zu essen, Kohlenhydrate zu vermeiden, nie wieder Süßigkeiten zu kaufen und abends zu hungern. Es brachte alles nichts, wie ich in meinen Learnings der letzten Jahre beschrieben habe.

Geerntet habe ich nur selbstdestruktive Gedanken und ein feindliches Verhalten mir selbst gegenüber. Was sollen unrealistische Vorhaben auch bringen außer Enttäuschung darüber, es wieder nicht geschafft zu haben? Wieder nicht durchgehalten zu haben. Wieder schwach geworden zu sein.

Ich habe erst spät begriffen, dass ich mein größter Kritiker bin, nicht die anderen. (Okay, gab es vereinzelte Mobbing-Vorfälle, aber das war noch zu Zeiten von Sailormoon und Tamagochis.)

Warum verhalten wir uns wie unser größter Feind, wenn wir doch genauso gut unser bester Freund sein könnten? Warum trampeln wir auf uns rum, wenn wir doch jemanden bräuchten, der uns auf die Schulter klopft, der uns auch mal lobt, der uns versichert, dass alles gut ist?

Umso bewusster wird mir die Feindlichkeit meiner Gedanken mir selbst gegenüber, wenn ich versuche mich in die Rolle eines Außenstehenden zu versetzen. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Selbstkritik jemand von außen an mich richten würde, wäre ich manchmal schockiert. Ich würde die Person meiden, denn sie tut mir nicht gut.

Ich umgebe mich lieber mit Menschen, die mir auch mal etwas Nettes sagen. Das tue ich im wahren Leben schließlich auch. Nichts gegen ein gesundes Maß an Selbstkritik! Aber wieso dem Hater in mir nicht mal einen Maulkorb verpassen?

Was du und ich lernen müssen, ist freundlich zu uns selbst zu sein. Uns mit uns selbst zu versöhnen. Frieden zu schließen.

Weil wir einzigartig sind. Weil jeder Mensch nun mal anders aussieht. Weil die Optik unwichtig ist, was aber leicht in Vergessenheit gerät – in einer Welt aus gephotoshoppten Hochglanzplakaten.

Werde dein bester Freund

Der Gedanke ist auch für mich relativ neu: Ich kann mich bewusst dafür entscheiden freundlich zu mir zu sein. Wenn ich mich nicht darauf konzentriere, kommt automatisch der Kritiker in mir hervor und waltet – wie seit Jahren – seines Amtes. Daher muss ich mich aktiv bemühen und neue Denkmuster in mir säen. Ich brauche neue Denkgewohnheiten, die oftmals nichts mit meiner Figur zu tun haben.

Ich hätte gern eine wohlwollende Stimme in meinen Kopf, die nicht auf mir rumhackt, sondern auch mal sagt: “Du siehst gut aus. Los, zeig’s ihnen!” Oder: “Alles okay. Wenn du es hättest besser machen können, hättest du es besser gemacht.“

Im Folgenden möchte ich dir ein paar Inspirationen geben, wie du einen Schritt Richtung Selbstliebe und Versöhnung mit dir selbst gehen kannst:

  1. Lesetipp: Wenn du ihn noch nicht kennst, lies meinen Artikel Kräftig. Nicht dick. Vielleicht hilft dir das Wissen, dass du mit deinen Zweifeln nicht allein bist. Auch die zahlreichen Kommentare werden dieses Gefühl in dir verstärken.
  2. Lesetipp: Einen berührender, aber auch amüsanter Artikel über eine Frau, die sich nie fotografieren ließ und irgendwann feststellte, dass auf Fotos niemand auf ihre Figur achtet.
  3. Videotipp: Models werden von einer Horde Menschen angezogen, frisiert, gestylt und geschminkt. Trotzdem werden ihre Fotos und Spots danach bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet. Kein Wunder, dass du im Vergleich mit den unrealistischen Idealbildern immer schlechter abschneidest. Wenn du das nicht glaubst, sieh dir dieses Video an.
  4. Schreibübung: Nimm dir einen Zettel. Ja, jetzt, nicht später. Schreib auf, was du alles gut und schön an dir findest. Konzentriere dich auf deine Stärken, statt auf deine Makel. Schließe auch nicht-optische Stärken mit ein. Falls dir nichts einfällt, versetze dich in eine Außenrolle: wenn du ein/e Freund/in wärst, was fändest du schön an dir? Was kannst du gut? Wonach fragen dich andere um Rat?
  5. Visualisierung: Du willst künftig lieb zu dir selbst sein, statt dich zu bekämpfen, dir Vorwürfe oder dich niederzumachen. Stell dir vor, wie sich jemand verhalten würde, der ausnahmslos freundlich zu dir ist. Der nie auch nur einen Funken Kritik äußern würde. Was würde dieser jemand sagen? Womit würde er dich loben? Zur Erinnerung kannst du dir die Gedanken aufschreiben und dir immer mal wieder vornehmen. Du könntest sie vor dem Schlafengehen durchlesen und sie so in deinem Kopf verankern.
  6. Überlegung: Du zweifelst also wegen Makel XY an dir, okay. Überleg mal, ob er noch wichtig wäre, wenn du nur noch ein Jahr zu Leben hättest. Ich weiß, dieser Gedanke ist immer heftig, aber er hilft dir die Relevanz von Problemen einzuordnen. Wie du in dem Artikel übers Fotos-machen-lassen gelesen hast, wartet das Leben nicht. Es lohnt nicht abzuwarten, bis du irgendwann vielleicht schlanker, hübscher oder haariger bist. Während du dir Gedanken machst, geht das Leben einfach weiter.
  7. Reality-check: Eine Technik, zu der mir auch mal eine Psychologin riet, soll eigene Sorgen durch den Abgleich mit der Wirklichkeit entkräften. Du fragst dazu enge Freunde oder Familienangehörige, ob deine Zweifel berechtigt sind. Finden sie deine Nase wirklich groß? Deine Haut unrein? Deinen Bauch schwabbelig? In der Regel werden sie dir sagen, dass ihnen Makel XY noch nie aufgefallen ist. Wenn doch, werden sie dir etwas anderes Wohlwollendes sagen, weil sie dich mögen. Weil sie deine Stärken kennen und schätzen.
  8. Selbstliebe üben: Für mehr Selbstliebe sollten wir mehr Zeit mit uns selbst verbringen. Nicht im Internet surfen oder fernsehen, sondern sich bewusst etwas Gutes tun. Du kannst das in Form von Wonnezeit, einem Rendezvous mit dir selbst oder einem Selbstfürsorge-Date tun (ausführlicher hier beschrieben). In der Praxis heißt das: Verbringe regelmäßig einen Tag (ein paar Stunden/Minuten) mit dir, möglichst ohne Ablenkung. Nimm ein Bad, mache dich schön, brezel dich mal auf, pflege deine Nägel, tu, was dir guttut.
  9. Termin zur Selbstverwirklichung: Nimm dir Zeit für ein Herzensprojekt. Du wolltest schon immer mal einen Tisch bauen, eine Mütze häkeln, ein Aquarell malen oder einen Blog schreiben? Dafür ist dieser möglichst wöchentliche Termin gedacht. Selbstverwirklichung trägt zu deinem Selbstwertgefühl bei, denn du solltest dir immer wieder vor Augen führen, dass du Großartiges leisten kannst.
  10. Wenn du weitere Tipps suchst, findest du hier welche.

Übrigens: Ich formuliere bewusst vorsichtig und sage: “Beschäftige dich mit Selbstliebe” und nicht: “Liebe dich einfach selbst!” Letzteres ist als Antwort auf Figursorgen oder Probleme wie Einsamkeit usw. leicht gesagt. Doch ich weiß, wie schwer Selbstliebe ist, wenn sie jahr(zehnt)elang keine Rolle gespielt hat. Schließlich bringt es uns auch niemand in der Schule bei. Daher finde ich, braucht es eine vorsichtige Annäherung an das Thema. Zunächst habe ich mich damit beschäftigt, dass es so etwas geben könnte. Dann habe ich ein paar Blogartikel dazu gelesen und werde mir demnächst ein paar Bücher bestellen. Vielleicht helfen dir und mir aber auch schon die zehn genannten Ideen.

Meine Therapeutin hatte jedenfalls Recht: indem ich mich um mich kümmerte, traten die „Ich-bin-zu-dick“-Gedanken in den Hintergrund. Es kostete viel Mühe, mein Sozialleben zu reaktivieren, meine Selbstwahrnehmung zu stärken und einen gesünderen Egoismus an den Tag zu legen. Doch nach ein paar Monaten ging es mir damit besser. Gleichzeitig stieg mein Selbstbewusstsein. Meine Figur war dann nicht mehr so wichtig. Außerdem aß ich weniger aus den falschen Gründen, da ich einige grundlegende Probleme geklärt hatte. Somit konnte mir mein Gewissen nicht ständig Vorwürfe machen.

Ich denke heute viel weniger darüber nach, was ich wann warum esse. Das heißt nicht, dass ich nicht auch schlechte Phasen habe. Aber ich weiß in solchen Momenten, dass nicht mein Bauch das Problem ist, sondern mein Kopf.

Ich kenne ihn jetzt besser, meinen Kopf. Ich weiß, dass er sich bei allgemeiner Verunsicherung einen Schwachpunkt sucht, auf dem er rumreiten kann. Er weiß schon, womit er mich kriegt. Bei mir ist es die Figur, bei dir vielleicht die Haut oder die Nase. Statt allerdings an diesen Symptomen „herumzutherapieren“, sollten wir tiefer blicken und die wahren Gründe für die Verunsicherung erkennen: ein geringes Selbstwertgefühl und mangelnde Selbstliebe.

Daher: Sei freundlich zu dir. Dann wird vieles leichter.

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13 Kommentare

  1. Hallo Jasmin,

    ein schönes Thema mit dem ich mich zuletzt auch sehr stark beschäftigte. Zuerst wegen einer am Selbstbewusstsein kratzenden Geschichte, dann weil ich vor einer Reise kapierte, welche Rolle Essen vor allem auf Reisen bei mir spielt und das mich das eigentlich stört, weil gerade auf Reisen ja auch die ganzen Bilder entstehen. Zudem musste ich mit meiner Figur eine unschöne Hater-Erfahrung auf facebook machen und lauschte dann noch einem Tischgespräch, das ich so nicht hören wollte. Die ganzen Details stehen in meinem Beitrag, wichtiger aber die Folge, die das für mich hatte:

    Ich veröffentlichte den Beitrag zu dem Thema (wie bei dir ein sehr persönliches Ding) und heute muss ich an schlechten Tagen nur die Kommentare darunter lesen, um wieder bessere Laune zu bekommen. Selbstliebe muss zwar von innen kommen, aber Feedback von außen hilft mir sehr :-)

    Deshalb finde ich deinen Punkt Reality Check auch sehr toll. Was mir zu dem noch einfällt. Eine Variante davon ist Freunde anzuschreiben und zu bitten, drei Punkte zu schicken, die sie schön an dir finden. Denn wenn es dir nicht gut geht, vergisst du ja auch gerne deine guten Seiten :-) Wenn Freunde die positiven Seiten benennen, kann dich das sehr überraschen und bewegen.

    Spannend fand ich auch, dass dieses Unwohlfühlen auf vielen Blogs zum Sommerthema wurde. Fee von Fee ist mein Name hat dazu eine geniale Blogparade gestartet. Ich habe fast jeden Beitrag gelesen. Alle sehr persönlich und alle handeln von unterschiedlichen Punkten (wie von dir beschrieben), die die Menschen an sich stören und wie sie mit dem Thema umgehen. Gerade, wenn es einem nicht gut geht, kann dieses geteilte Leid sehr hilfreich sein.

    Hier der Link zur Blogparade (bitte löschen falls nicht OK)
    http://www.feeistmeinname.de/2015/07/von-dellen-beulen-und-flecken-und-wie.html

    Außerdem auch wichtig, das Thema vielleicht trotzdem anzugehen. Manchmal kannst du ja etwas gegen die Punkte machen, die einen stören und wenn das stören so groß ist, dann hilft es vielleicht. Ich habe eben auch das Thema mit meiner Figur und wollte mir deshalb seit Wochen Eigenkraftübungen am Morgen angewöhnen. Nun bin sehr glücklich mit der Shred Challenge etwas gefunden zu haben, das mir sogar Spaß macht und mich besser fühlen lässt und das ich fast jeden Tag durchziehe. Abgenommen habe ich zwar nicht, aber mein wohlfühlen ist deutlich gestiegen.

    Viele liebe Grüße
    Tanja

    • Hey Tanja,
      danke für deinen offenen und ehrlichen Kommentar und den Linktipp. Ja, etwas zu tun, hilft natürlich. Aber es geht im Kopf los, denke ich. Ich hatte zuerst überlegt, ob ich wirklich mit Tipps wie „Trinke im Default-Modus Wasser“ und „Iss echtes Essen“ komme. Aber ich denke, das wissen die meisten schon. Das Zermürben hört ja auch so schnell nicht auf, selbst wenn ein oder zwei Kilos purzeln. Es schien mir interessanter mal zu überlegen, was man tun kann, ohne das Thema Essen oder Bewegung anzuschneiden. Aber klar, langfristig kann eine richtige Veränderung zufriedener machen. Dazu kommt am Montag der passende Beitrag von Patrick.
      Ich hoffe, du findest einen Weg, um dich voll und ganz zu mögen. Es gibt bestimmt viele gute Gründe dafür.
      LG Jasmin

  2. ich finde eure Homepage echt toll, lese regelmäßig die Beiträge, vor allem dieser spricht mir aus der Seele, ich bin zwar nicht wirklich dick, aber ich fühle mich nicht wohl in meinem Körper (leichtes Bäuchlein, und m.M. dicke Beine, obwohl ich Normalgewicht habe). Es ist aber auch wirklich schwierig damit umzugehen, und nicht andauernd daran zu denken, hach das kleine Bäuchlein muss weg,..etc. – deshalb genau aus solchen Gründen bin ich mit Leib und Seele bei solchen Texten/Themen voll dabei. macht weiter so, will noch viele Beiträge von euch lesen, die mir und bestimmt auch vielen anderen sehr hilfreich sind. :)

  3. Hallo Jasmin!

    Vielen, vielen Dank für diesen sehr offenen und hilfreichen Artikel. Mir erging es ähnlich wie dir. Ich habe mich auch jahrelang unwohl gefühlt in meinem Körper. Bis ich dann ähnlich wie du daheim anfing zu trainieren und auf die Ernährung zu achten. Ich begann damit mir ein Laufband zu kaufen, da ich nicht im Freien trainieren wollte. Also blieb ich dran. Immer weiter, immer schneller, stärker, gesünder, strenger zu mir selbst, disziplinierter…
    Ich nahm viel ab und schaffte es einen sehr sportlichen Körper in sehr kurzer Zeit zu erreichen. Und NEIN es gab keinen Geheimtipp, kein Supplement, kein XY… Nur hartes Training und 100 % saubere Ernährung. Innerhalb einiger Monate und Jahre war ich vom Moppel zum Supersportler geworden. Ja, von dem, der zuletzt gewählt wurde zu dem, der als erstes gewählt wurde im Schulsport.

    Natürlich war ich in dieser Zeit extrem selbstbewusst. Ich hatte ja schließlich ein super Körper. Aber gefestigt war das noch lange nicht. Der Körper ändert sich in ein paar Monaten. Der Geist braucht immer länger! Deshalb waren witzig gemeinte Kommentare für mich immer noch irritierend und teils verletzend. Ich denke du verstehst ganz genau was ich meine.

    Im Lauf der Zeit habe ich gemerkt, dass ich es einfach übertrieb mit dem Sport. eine Stimmung und meine Verfassung litten enorm. Müdigkeit, Lustlosigkeit… Vielleicht meinst du das ja, wenn du schreibst „…wäre mir einiges erspart geblieben.“
    Klar, ich wusste noch nichts von Trainingslehre, Physiologie und Biologie. Ich trainierte nach dem Motto „No pain no gain“ und „The more, the better!“. Heute weiß ich es besser und trainiere hart UND smart.

    Das wichtigste aber was ich erreicht habe und ich hoffe du kannst mir da zustimmen, ist es mich selbst auch zu akzeptieren. Heute habe ich nicht mehr die Bombenform von früher (zumindest optisch – meine Leistung ist um Welten besser, aber das versteht der Normalbürger nicht :D), aber das ist mir auch total egal! Ob ich fünf Kilo zu oder abnehme macht mich nicht verrückt. Ich weiß, dass alles nur temporäre Schwankungen sind.
    Außerdem verfahre ich in etwa wie du in Tipp 7 geschrieben hast. Ich habe einfach im Lauf der Jahre gemerkt, dass KEINER meiner Freunde irgendwie verschwunden ist oder weniger mit mir zu tun haben wollte oder auch nur über mein Aussehen nachgedacht hatte. Als junger Typ dachte ich aber auch, dass es hinsichtlich der Fliterei mit der Damenwelt eine schreckliche Trägodie wäre nicht top in Form zu sein. Heute weiß ich: Auch das spielt (fast) absolut keine Rolle!

    Vielleicht ist das dann ein weiterer Tipp für junge Leser für deine Liste:
    „11. Älter werden.“ ;D

    Nochmal vielen Dank für deinen Artikel. Ich fand ihn sehr gut zu lesen.

    Ach, noch eine Frage:
    Geht es dir ähnlich, dass du früher total viel gegessen hast und seit du dich um dich selbst kümmerst (bspw. mit eurem Blog) du manchmal auch total das Essen vergisst? :D

    Gruß,
    Ben

  4. So ein schöner Beitrag! Ehrlich, tief und doch nicht ‚whoo-whoo‘. Ganz toll. Ist gespeichert in die SOS-Box ;-) Thanks!

  5. Liebe Jasmin,
    was für ein schöner Artikel.
    So authentisch, deep und inspirierend. Vielen Dank dafür.
    Deine Geschichte hat mich auch sehr berührt. Es stimmt, dass auch dünnere Menschen Selbstzweifel haben. Ich war auch davon betroffen.

    Was wirklich heilt, ist die Liebe zu sich selbst.

    Alles Liebe,
    Ezgi

  6. Liebe Jasmin,

    Durch deinen Artikel hast du mich sehr inspiriert und mir noch mehr verinnerlicht, wie sehr ich mich selbst akzeptieren soll. Ich habe eine gute Freundin die eine wunderschöne Figur hat, aber das sieht sie leider nicht. Ihre bzw. auch meine Freunde sagen ihr sie soll zunehmen, weil sie viel zu dünn ist, was ich aber schade finde und ich mich sehr ärgere, wenn sie sagt: „Ja, ich weiß. Ich esse eh schon viel mehr als sonst.“ Mir wird das selber auch gesagt, dass ich zu dünn bin, aber ich denke mir nur, dass es sie nichts angeht, wie ich aussehe. Meine gute Freundin hört auf ihre „Freunde“ und isst dadurch auch extrem viele Süßigkeiten, obwohl viele Mädchen sie dafür beneiden, wie sie aussieht(wunderschöne Augen, strahlendes Lächeln, zarte Haut). Sie sieht die 10 Dinge, die sie nicht ist, aber sie sieht nicht die 100 Dinge, die sie so einzigartig machen. Ich würde ihr gerne helfen, sich wohl zu fühlen, aber weiß nicht wie…..

    LG Anna-Lena❤️

    • Liebe Anna-Lena,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ja, es ist schwer, wenn man so viele Kommentare und Ratschläge von außen bekommt. Leider hilft das erfahrungsgemäß selten bis nie oder ist sogar kontraproduktiv. Ich denke, wenn du ihr mal genau diesen Kommentar (und evtl. den Artikel) schickst, wird das für sie ein wunderbares Kompliment sein. Vielleicht ist es gerade mal schön, wenn jemand mal etwas positives sagt (v. a. weil du ein nahestehender Mensch und nicht irgendwer bist), anstatt dass immer alle sagen, was man nicht ist und deshalb tun sollte.
      Alles Gute und viele Grüße
      Jasmin

  7. Auch wenn der Artikel schon älter ist, möchte ich trotzdem ein paar Worte hierlassen.
    Ich selbst hatte (oder habe auch noch) eine Essstörung, das Thema Selbstwert beschäftigt mich gerade im meinem Kampf damit sehr. Auch wenn ich im Moment Normalgewicht habe, bin ich nicht zufrieden. Doch wenn ich mich an meine „schlimmsten“ Zeiten mit 15kg weniger erinnere: ich habe die selben Makel gesehen wie jetzt auch und war an der Grenze zum Untergewicht. Egal wie viel ich abgenommen habe, es hat mich nicht glücklich gemacht. Weil ich mich dadurch nicht selbst geliebt habe, sondern eher sogar den Hass verstärkt habe.
    Deine Tipps haben mir sehr geholfen. Ich weiß, wo es hakt und wohin ich will. Doch mir fehlen die Ideen zur praktischen Umsetzung um etwas für meinen Selbstwert zu tun. Danke daher für diesen Artikel!

    • Danke, Nadja, für dein Feedback. Freut mich sehr, wenn dir mein Artikel geholfen hat. Ich wünsche dir, dass du deine Vorzüge erkennst und sanft mit dir umgehst. Bestimmt gibt es keinen Grund, so an sich zu zweifeln. Alles Gute für dich und viele Grüße!
      Jasmin

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