In 5 Schritten zum gelassenen Umgang mit Geld

Dies ist ein Gastbeitrag von Holger Grethe von zendepot.


Geld ist ein heikles Thema. Eines über das man selbst unter Freunden nur ungern spricht. Probiere doch spaßeshalber mal auf der nächsten Party, das Tischgespräch auf Geld zu lenken. Erzähle freimütig, was du verdienst und was dein letzter Urlaub gekostet hat. Vergiss keinesfalls, dein Gegenüber zu fragen, was er oder sie verdient und beobachte dann, wie schnell die Stimmung kippt.

Den meisten Leuten wird ein derartiges Gespräch ziemlich unangenehm sein. Dir vermutlich auch. Du könntest deinem Gesprächspartner genauso gut deine sexuellen Vorlieben offenbaren. Der Effekt wäre derselbe: peinliche Berührtheit auf beiden Seiten. Kein Wunder, denn „über Geld spricht man nicht“, lautet doch eine alte Volksweisheit! Geld ist neben Sex eines der wenigen großen Tabuthemen.

Doch warum ist das so? Warum haben wir kein Problem damit, mit Freunden, Bekannten und selbst mit wildfremden Menschen über Ernährungskonzepte, Trainingsansätze und Erziehungsmethoden zu diskutieren. Und beim Thema Geld herrscht plötzlich betretenes Schweigen?

Zu viel oder zu wenig

Im Umgang mit Geld neigen die meisten Menschen zu einem der beiden folgenden Extreme: Verdrängung oder Obsession. Während die einen jeden Gedanken über ihre finanzielle Situation am liebsten beiseite schieben, sind die anderen mehr oder weniger dauernd mit der Frage beschäftigt, wie das „große Geld“ zu machen ist.

Natürlich wäre es viel sinnvoller, sowohl selbstbewusst als auch entspannt mit dem Thema umzugehen. Nur wie kommt man dahin, wenn man zu einem der beiden genannten Extreme neigt? Mit den folgenden 5 Schritten gelangst du zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Geld:

1. Akzeptiere, dass Geld eine Rolle spielt

Geld ist ein elementarer Teil unseres Lebens, den wir kaum ignorieren können. Geld nimmt Einfluss auf unser Selbstwertgefühl und bestimmt über unseren Status in der Gesellschaftshierarchie. Geld steht für Sicherheit und Unabhängigkeit. Geldmangel wird schnell zum existenziellen Problem, aber auch Reichtum stellt die „Betroffenen“ vor eine Vielzahl von Herausforderungen. Denn Wohlstand will bewahrt werden.

Ob wir wollen oder nicht: am Thema Geld kommt keiner vorbei. Deshalb sollten wir versuchen, eine eigene Haltung für den Umgang mit Geld zu entwickeln. Das gelingt nur, wenn wir das Thema nicht verdrängen.

2. Sei bereit zu lernen

Sich gesund zu ernähren, erfordert ein gewisses Know-How. Wer sportliche Fortschritte erzielen will, wird ohne Trainingsmethodik nicht weit kommen. Wer in einer Partnerschaft auf Dauer glücklich sein will, muss die Beziehung pflegen.

Ganz allgemein gilt: Von allein passiert relativ wenig.

Das ist beim Thema Geld nicht anders. Es erfordert einen gewissen Zeit- und Energieeinsatz, seine Finanzen zu „meistern“ und eine Haltung zu entwickeln, die einen gelassenen Umgang mit Geld ermöglicht.

Glücklicherweise kommt man mit wenigen einfachen Prinzipien schon sehr weit. Auch wenn es dir vielleicht so erscheint: Bei Finanzen handelt es sich keineswegs um Raketenwissenschaften.

Vielleicht startest einfach mit einem Buch über Geld? Ein hervorragendes Einsteigerbuch ist Rich Dad, Poor Dad von Robert Kiyosaki. Weitere Bücher rund um das liebe Geld findest du hier bei meinen Buchtipps.

3. Konsumiere bewusst und spare

Es macht definitiv Sinn, nicht immer alles auszugeben, sondern einen Teil des Einkommens zurückzulegen. Sei es, um sich größere Anschaffungen leisten zu können oder um fürs Alter vorzusorgen.

Sparen ist im Grunde todsimpel, wenn es dir gelingt, bewusst zu konsumieren. Bewusst konsumieren bedeutet, dass du dir vor dem Bezahlen über deine Kaufmotive im Klaren bist und nicht hinterher versuchst, eine emotional (und damit unbewusst) getroffene Kaufentscheidung vor dir selbst zu rechtfertigen.

Frage dich also, wenn du das nächste Mal in einem Klamotten- oder Was-Auch-Immer-Laden stehst: Brauche ich das Teil wirklich?

Oder kaufe ich es, weil …

  • mir langweilig ist
  • ich gerade Frust habe
  • ich mich für Entbehrungen im Job belohnen muss
  • ich andere damit beeindrucken will
  • noch Geld auf dem Konto ist?

„Shoppen gehen“, also das Kaufen um des Kaufens willen, ist keine wirklich sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Auch wenn die Betreiber von Shopping Malls, die dich mit ihren Pseudorabatten locken, das natürlich anders sehen.

4. Vermögen aufbauen

Wenn es dir gelingt, einen Teil deines Einkommens zu sparen, wirst du dich früher oder später fragen: Wohin mit meinen Ersparnissen?

Vermögen aufbauen macht definitiv Sinn. Nicht etwa um reich zu werden, sondern schlicht aus dem Grund, auch später genug zum Leben zu haben, wenn du nicht mehr für Geld arbeiten kannst oder willst.

Sein Geld vernünftig anzulegen ist kein Hexenwerk, erfordert aber ein gewisses Know-How. Leider geht es nicht ohne, es sei denn du möchtest die selben Fehler machen, die ich anfangs gemacht hatte. Muss ja nicht sein.

Kommen wir zum letzten und vielleicht wichtigsten Schritt:

5. Definiere deinen maximalen Lebensstandard

Entscheide aktiv, wie viel genug ist. Stelle dir konkret diese Fragen: Wie viel Geld benötige ich wirklich zum Leben? Bin ich zufrieden mit meinem Lebensstandard? Habe ich alles, was ich brauche?

Oder ist in dir der stetige Wunsch nach mehr? Träumst du vielleicht sogar davon, reich zu werden? Was bist du bereit, für mehr Geld zu tun (zu ertragen)?

Hintergrund der Übung ist dieser: Mit steigendem Einkommen bzw. Alter (beide Größen korrelieren in den meisten Berufen erstaunlich eng) wachsen unbewusst unsere Ansprüche an ein „gutes Leben“. Schuld daran ist unser Umfeld, dass die materiellen Maßstäbe setzt.

Wenn Kollege X sich ein Haus kauft und eine dicke Karre fährt, drängt sich nahezu reflexhaft der Gedanke auf: Warum soll ich das nicht auch haben? „Keeping up with the Joneses“ wird dieses Phänomen im englischsprachigen Raum genannt.

Das Perfide daran: Wir bekommen kaum mit, wie unsere Ansprüche über die Jahre immer weiter in den Himmel wachsen. Und vergessen, dass wir auch mit viel weniger Geld und Besitztümern glücklich sein können.

Es macht also Sinn, seinen maximalen Lebensstandard in Form eines konkreten Monatsbudgets zu definieren, das für ein Leben reicht, mit dem du glücklich und zufrieden bist. Geld, das du darüber hinaus verdienst (z. B. durch Gehaltserhöhungen, Boni etc.) kann nun problemlos gespart werden, ohne dass du das Gefühl hast, auf etwas wichtiges verzichten zu müssen. Mehr über die Idee des maximalen Lebensstandards findest du in diesem Artikel.

Reden ist silber, Schweigen bleibt Gold?

Ich bin dir noch die Antwort schuldig, warum Geld nach wie vor ein Tabuthema ist. Und warum übrigens auch ich der Meinung bin, dass es sich kaum lohnt, offen mit anderen Leuten über Geld, insbesondere nicht über sein Gehalt zu sprechen.

Weil die Wahrscheinlichkeit, dass du damit eine der folgenden zwei Emotionen bei deinem Gegenüber auslöst, extrem hoch ist: Neid oder Mitleid. Verdienst du mehr als dein Gegenüber, provoziert deine Offenheit Neid. Verdienst du weniger, erntest du Mitleid. Nicht alle Leute werden so reagieren, aber insbesondere im deutschsprachigen Raum ist Neid leider ein großes Thema.

Der seltene Fall, dass dein Gegenüber ungefähr soviel verdient wie du, bietet ebenfalls Anlass für Ärger. Denn gefühlt hat jeder von uns den härtesten Job der Welt, während andere sich für ihr Geld einen lauen Lenz machen. Kann doch nicht sein, dass sich dein Gesprächspartner fürs gleiche Gehalt so viel mehr reinknien muss als du …

Auf den Punkt gebracht:

Über Geld reden: muss nicht sein.
Über Geld nachdenken: unbedingt!

Holger Grethe ist freiberuflich tätiger Arzt und beschäftigt sich seit der Finanzkrise im Jahr 2007 als Quereinsteiger mit Geldanlage und privater Vermögensbildung. Geprägt von der Zen-Philosophie ist er davon überzeugt, dass Gelassenheit und die Konzentration aufs Wesentliche im Umgang mit Geld von großem Vorteil sind. Für Fragen rund um deine persönlichen Finanzen schau doch mal in seinem Blog zendepot.de vorbei. Zudem betreibt Holger einen interessanten Podcast.

Übrigens, wir haben vor einigen Wochen auch einen Gastbeitrag bei zendepot geschrieben, der dort gut ankam: Anleitung zur finanziellen Abhängigkeit.


Zur weiteren Lektüre über den Umgang mit Geld empfehlen wir:

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2 Kommentare

  1. Guter Artikel. Sowohl „Rich Dad Poor Dad“ als auch „Der reichste Mann von Babylon“ sind für jeden als Einstieg zu empfehlen und waren auch mein Einstieg in meine finanzielle Bildung bzw. FinancialIQ wie es im Buch Rich Dad Poor Dad genannt wird.

  2. Ein sehr guter, aber vor allen Dingen auch ein sehr informativer Artikel. Den Umgang mit Geld sollte jeder erlernen. Leider gibt es immer noch viel zu viele Menschen, die das aktuell immer noch nicht können.

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