10 Wege, auf denen ich abnehmen wollte, die zum Scheitern verurteilt waren

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Jahrelang hatte ich versucht, abzunehmen. Selten besonders ernsthaft, das gebe ich gern zu. Meistens suchte ich nur eine Abkürzung, die wie durch ein Wunder alles von allein regelt. Als ich es irgendwann doch geschafft hatte, versuchte ich mein Gewicht zu halten. Auch dafür suchte ich nach Abkürzungen, von denen ich heute weiß, dass es sie nicht gibt.

Die folgenden zehn Dinge tat ich, um abzunehmen oder mein Gewicht zu halten. Die meisten davon sind üblich und werden von Millionen Menschen ausprobiert. Meiner Erfahrung nach funktionieren sie nicht und sind vergebene Mühe. Daher teile ich sie hier mit dir. Wir müssen ja nicht alle die gleichen Fehler machen.

1. Ich habe Low-Fat-Produkte gegessen

Ich trank Milch mit nur 0,1 Prozent Fett, ich aß fettarmen Joghurt, fettreduzierten Käse und Low-Fat-Fertiggerichte. Hauptsache wenig Fett. Das musste richtig sein, schließlich wollte ich Körperfett abbauen. Es ist einer der großen Irrtümer, denen die meisten Menschen unterliegen, obwohl sie es längst besser wissen könnten. Sie essen lieber einen 0,1-Prozent-Joghurt als eine Avocado, die als zu fettig gilt.

Low-Fat-Produkte sind ein Musterbeispiel dafür, wie die Industrie mit unserer Ernährung spielt. Nährstoffe, die gerade nicht in Mode sind, werden den Lebensmitteln einfach entzogen. Allerdings fehlt dann etwas – z. B. Geschmack, denn Fett ist ein Geschmacksträger. Kein Problem, das wird durch Zucker ausgeglichen. Fettarme Joghurts sind daher meist Zuckerbomben. Das ist ein ganz schlechter Tausch, zumal Fett sättigend wirkt, während Zucker den Appetit nur weiter befeuert.

Heute weiß ich: Fett macht nicht fett. Statt industriell gefertigter Low-Fat-Produkte esse ich nun hauptsächlich echte Lebensmittel und greife auch gern zur Avocado.

2. Ich habe Low-Carb-Produkte gegessen

Fett wird schon seit Jahrzehnten verteufelt. Kohlenhydrate noch nicht ganz so lange, aber Low-Carb ist derzeit in aller Munde. Eine zeitlang habe ich schön mitgemacht und möglichst kohlenhydratarm gegessen. Die Industrie hat auch dafür Lösungen wie Low-Carb-Müsli (in den USA schon viel verbreiteter als bei uns) oder Eiweißbrot. Im Austausch für die Kohlenhydrate fahren sie den Fettanteil wieder hoch, oder steigern den Anteil an Proteinen. Irgendwas muss in den Produkten ja noch enthalten sein. Es gibt nur die drei Makronährstoffe: Fette, Kohlenhydrate, Proteine. Je nach Gefühlslage der Kundschaft wird der jeweilige Anteil reduziert oder erhöht. Aber es hilft alles nichts. Die Menschen werden trotzdem immer dicker.

Meine Antwort ist die gleiche wie auf den Low-Fat-Wahn: Echtes Essen essen. Echte Lebensmittel enthalten Fette, Kohlenhydrate und Proteine in genau den Mengen, die gut für uns sind.

3. Ich habe Proteinriegel gegessen

Na klar, neben Low-Fat und Low-Carb habe ich auch den Proteinhype mitgemacht. Es bleibt ja sonst nichts übrig, wenn Fette und Kohlenhydrate verteufelt werden.

Wie konsumiert man am leichtesten viele Proteine? Auch dafür hat die Industrie Antworten parat: Es gibt z. B. Proteinpulver für Shakes, Proteinriegel oder das Eiweißbrot.

Auf den Trichter mit den Riegeln kam ich erst durch das Buch „The 4 Hour Body“ von Tim Ferris. Ich weiß nicht mehr, ob er Proteinriegel empfiehlt, aber er ist ein extremer Typ mit extremen Ansichten. Der Weg zu den Riegeln war nicht mehr weit, zumal ich kurz nach der Lektüre in den USA war und es dort ganze Regale voller Proteinriegel gibt. An jedem Tankstellenshop hat man die Qual der Wahl. Damals aß ich sie fast jeden Tag und ersetzte ganze Mahlzeiten damit. Dabei hätte eine echte Mahlzeit besser geschmeckt und wäre gesünder gewesen.

Die Nährstoffqualität industriell gefertigter Proteinriegel ist nicht mit der Qualität echter Lebensmittel vergleichbar. Ich weiß nicht, ob mir diese Proteine überhaupt etwas brachten, außer einer Menge Zucker, mit denen sie zusammen serviert werden. Jetzt habe ich schon lange keinen Riegel mehr angefasst. Die letzten habe ich irgendwann weggeschmissen. Stattdessen esse ich echte Lebensmittel, die ich selbst zubereite (mit diesen Rezepten).

4. Ich trank Diätgetränke

Wann immer ich auf mein Gewicht achten wollte, ersetzte ich zuckrige Limonaden und Säfte durch Diätgetränke. Ich trank dann alles, auf dem „Light“ steht (oder „Zero“). Ich trank aber auch das süße Wasser, das nur 17 Kalorien pro 100ml hat. Von diesen Getränken bekam ich nur noch mehr Hunger. Ich konnte fast die Uhr danach stellen. Nur wahrhaben wollte ich es nicht.

Als ich das Zeug trank, war mir nicht bewusst, dass es auch ohne gehen könnte. Es dürfte keine Sucht gewesen sein, denn Zucker war ja nicht oder kaum drin. Es war vielmehr der Glaube, nur süße Getränke trinken zu können – selbst, wenn sie nicht einmal wirklich gut schmecken.

Erst im letzten Jahr stieg ich auf pures Wasser um. Mein letztes Diätgetränk dürfte etwa acht Monate zurückliegen, die letzte Limonade vermutlich auch. Säfte trinke ich nur selten und ich vermisse nichts. Heute würde ich niemandem ein Diätgetränk empfehlen. Sie machen nichts leichter oder besser, sondern zögern nur die Umstellung auf das einzig wahre Getränk unnötig hinaus: Wasser.

5. Ich hungerte

Wenn ich es nicht mit Low-Fat, Low-Carb, Low-Calorie oder Proteinriegeln versuchte, dann hungerte ich bzw. aß weniger als ich brauchte, um mich wohlzufühlen. Mal ging das für zwei Tage gut, mal nur für ein paar Stunden und oft nur für eine Mahlzeit.

Als ich 17 Jahre alt war, klappte es mal etwas länger. Anschließend war ich schlank, zumindest für ein paar Monate. Danach ging es nur noch bergauf (im negativen Sinne). Das passiert eben, wenn man sich mit Hungern den Stoffwechsel zerstört und der Energieverbrauch so weit sinkt, dass man anschließend wieder zunehmen muss. Reduktionsdiäten funktionieren nicht.

Erst 10 Jahre später nahm ich einen neuen großen Anlauf. Dieses Mal weiß ich es hoffentlich besser und versuche nicht mehr, mein Gewicht mit Hungern zu senken oder zu halten, sondern mit echtem Essen und mit Bewegung und Muskelaufbau.

6. Ich zählte Kalorien

Oh man, was habe ich Kalorien gezählt. Über Jahre waren Kalorien Teil meiner Gedanken. Zeitweise rechnete ich sie ganz genau aus, später überschlug ich sie noch grob im Kopf.

Kalorien sind zwar real, aber sie sind eine Vereinfachung der Ernährung, die uns in die Irre führt. Lies selbst, weshalb niemand mehr Kalorien zählen sollte und weshalb das alles nur schlimmer macht. Aus meiner Sicht ist Kalorienzählen sogar ein Symptom dafür, dass mit der Ernährung etwas falsch läuft. Wichtiger als die Anzahl der Kalorien ist ihre Qualität.

7. Ich joggte fünfmal pro Woche

Ich dachte immer, ich müsste Joggen, um abzunehmen. Als ich noch sehr dick war, glaubte ich, dass es ohne Joggen gar nicht ginge. Ich dachte, es sei die effizienteste Sportart, um Fett zu verbrennen.

Joggen mag vergleichsweise effizient sein. Vielleicht verbrenne ich beim Laufen mehr Energie als bei anderen Sportarten. Aber dieses Denken basiert auch nur auf dem irreführenden Kalorienzählen. Ich zähle, was ich aufnehme und zähle näherungsweise, was ich abgebe. Zeitweise ging ich daher fünfmal die Woche Joggen, um ja heute noch viel Energie zu verbrennen.

Den daraus resultierenden Hunger konnte ich nur während meiner großen Diät tolerieren, in der ohnehin alles über Willenskraft lief. Anschließend kompensierte ich den Hunger nur mit mehr Essen und hatte nichts gekonnt.

Ich hatte ohnehin viel zu kurz gedacht. Es kommt nicht darauf an, wie viel Energie ich heute beim Sport verbrenne. Wichtig ist, dass ich den Energieverbrauch meines Körpers mit Sport nachhaltig erhöhen kann, sodass er auch Energie verbrennt, wenn ich morgen auf dem Sofa liege. Mehr dazu: Worauf es beim Sport wirklich ankommt.

8. Ich zahlte fürs Fitnessstudio

Ich dachte auch, um abzunehmen, sollte ich in einem Fitnessstudio angemeldet sein (und manchmal sogar hingehen). Allein in meinem letzten Studio ließ ich über mehrere Jahre insgesamt 3.600 Euro und wurde dabei immer dicker. Mal ging ich für einige Wochen hin, dann wieder monatelang gar nicht. Selbst wenn ich dort war, ist es häufig nicht mehr als ein Alibi gewesen.

Heute weiß ich, dass ein Fitnessstudio mich nicht fit macht. Ich mache mich selbst fit. Dafür kann ich ein Studio nutzen, aber notwendig ist es nicht. Ich bin nun seit drei Jahren in keinem Studio mehr angemeldet, aber fitter denn je. Meine Argumente für und wider ein Fitnessstudio liest du hier.

9. Ich kaufte einen Bauchweggürtel

Das ist mir peinlich. Ich suchte nach einer leichten Abkürzung und kaufte für 30 Euro einen Bauchmuskelgürtel. Nur wenige Male legte ich ihn wirklich um, dann verschwand er im Schrank. Irgendwann habe ich ihn entsorgt.

Falls so ein Gürtel überhaupt einen Nutzen hat, war er für mich völlig ungeeignet. Vor dem Fernseher zu sitzen und dabei schlank und muskulös zu werden, funktioniert eben nicht. Es gibt keine Abkürzungen. Fit zu sein, erfordert Aufwand.

10. Ich wog mich (mehrmals) täglich

Erst wog ich mich jahrelang gar nicht, weil ich die Wahrheit nicht wissen wollte. Um den Hebel umzulegen brauchte ich jedoch diese eine Zahl. Ich wollte wissen, wo ich stehe und wohin ich gehen möchte. Daher möchte ich Personenwaagen nicht schlechtreden.

Aber später wurde es zur Obzession. Ich wog mich mehrmals täglich. Auch als ich schon schlank war, wog ich mich jahrelang weiter jeden Tag, weil ich Angst hatte, wieder zuzunehmen. Trotzdem nahm ich zu. Da nutzte auch die Waage nichts.

Nach einer Umstellung meiner Gewohnheiten habe ich heute mehr Vertrauen in mein Gewicht. Ich weiß, dass echte Lebensmittel, tägliche Bewegung und etwas Kraftsport dafür sorgen werden, dass mein Gewicht auf einem gesunden Niveau bleibt. Was für und was gegen regelmäßiges Wiegen spricht, haben Jasmin und ich aus zwei Perspektiven aufgeschrieben.

Das sind die zehn Wege, auf denen ich erfolglos versucht habe abzunehmen. Erst nach einigen Jahren gelang es mir nachhaltig mithilfe von gesunden Gewohnheiten. Welche das sind, erfährst du in unserem Buch „Abgespeckt – 10 Gewohnheiten zum Abnehmen„.

Auf welchen Wegen hast du schon erfolglose Abnehmversuche gestartet? Wovon kannst du abraten?

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Foto: Laptop von Shutterstock

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