Warum du aufhören kannst, nach dem Sinn zu suchen

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„Muss denn immer alles einen Sinn ergeben?“

Ich hatte diesen einen Satz. Dann wusste ich nicht weiter.

Seit Jahren suchte ich nach dem Sinn in meinem Tun. Manchmal glaubte ich, ihn gefunden zu haben, doch dann kam er mir wieder abhanden. Es war nie mehr als ein Strohfeuerchen. Und jetzt wollte ich die Sinnsuche an sich infrage stellen?

Ich wusste jedoch noch nicht, worauf ich hinaus wollte. Es blieb bei diesem einen Satz, bis ich ihn Jasmin zeigte. Sie pflanzte mir einen Gedanken ein, der hängen blieb. Seitdem wirkt meine Sinnsucherei geradezu lächerlich. Ich habe die ganze Zeit das Falsche gesucht!

Aber lass uns von vorn beginnen.

Mein Weg vom Ehrgeiz zur Bedeutung

In meinen Zwanzigern packte mich der Ehrgeiz. Ich arbeitete in einem Startup und hatte richtig Spaß dabei. Eine Reihe junger Menschen, die gerade mal das Studium hinter sich hatten, oder noch mittendrin steckten, drehten am großen Rad. Manchmal sah ich mich im Großraumbüro um und freute mich, dass wir alle zusammen an einer Sache arbeiteten. Die Sache selbst war mir dabei egal.

Nach dem Feierabend machte ich zu Hause weiter, denn ich hatte aus Interesse längst begonnen, eigene Websites zu erstellen, mit denen ich bald gutes Geld verdiente. An den meisten Abenden saß ich daran noch drei oder vier Stunden. Am Wochenende ging es weiter. Arbeit war mein Standardmodus und das fand ich völlig in Ordnung. Ich hätte nicht gewusst, was ich sonst machen sollte.

Damals faszinierten mich die Möglichkeiten, die das Internet bot. Ich hatte ein Näschen dafür, wie sich Geld verdienen ließ. Online Marketing war zu jenem Zeitpunkt genau mein Ding. Ich musste nur einigermaßen clever und ambitioniert sein, dann kam das Geld von allein. Womit ich es verdiente, spielte für mich keine Rolle. Das klingt heute merkwürdig, aber damals war das normal. In der Branche der Online Marketer ging es nur um Klicks und Kohle. Klar, dass das nicht ewig gut gehen konnte. Irgendwann merkte auch der Letzte, dass Klicks nicht so viel Kohle wert waren. Doch bis dahin gab ich Gas und hatte wenig Verständnis für Menschen, die trotz aller Möglichkeiten nicht genauso motiviert arbeiteten.

Nach anderthalb Jahren als Feierabendarbeiter ging ich den nächsten Schritt, indem ich eine Agentur gründete. Dafür gab es zwei Gründe: Ich konnte absehen, dass es mir nicht gut tun würde, allein zu Hause zu arbeiten und eine Agentur würde besser skalierbar sein als meine Solo-Projekte. Wenn man erst mal 20 Mitarbeiter hat, redet man von ganz anderen Dimensionen. Dass das in der Praxis oft anders aussieht, wusste ich damals noch nicht.

Als meine Zwanziger sich der Zielgerade näherten, kam alles anders. Ich verließ mein Unternehmen und reiste um die Welt. Als sich diese Wendung abzeichnete gab ich noch einmal richtig Gas und zog einige Websites hoch, die mir ein solides Einkommen sichern sollten. Ein paar davon laufen heute noch. Aber die Motivation ließ bald nach. Als ich unterwegs war und mir die Welt offen stand, konnte ich mich immer weniger fürs Online Marketing begeistern. Arbeitete ich in meinen Zwanzigern noch freiwillig 60 bis 80 Stunden pro Woche, wurde es nun immer weniger. Ich hinterfragte zunehmend die Qualität und den Nutzen meiner Arbeit und je mehr ich mich damit quälte, desto weniger Zeit wollte ich noch für die Altlasten aufbringen. Es war (und ist) wie eine Blockade in meinem Kopf.

Heute arbeite ich weit weniger und denke anders. Wenn Privates und Arbeit miteinander konkurrieren, muss die Arbeit meist hintan stehen. Wenn nach dem Privatvergnügen noch Zeit ist, kann ich was arbeiten. Ich bin nicht mehr ein Getriebener des Geldes. Allerdings treibt mich nun etwas anderes: quälende Sinnfragen.

Warum die Sinnfragen kommen

“Am Anfang schuf Gott die Erde, und Er schaute sie an in seiner kosmischen Einsamkeit.

Und Gott sagte: „Lasst Uns lebende Kreaturen aus Lehm machen, sodass der Lehm sehen kann, was Wir getan haben.“

Und Gott schuf alle lebenden Kreaturen, die sich bewegen, und eine davon war der Mensch. Und nur der Lehm, der Mensch war, konnte sprechen. Gott lehnte sich herab, als der Lehm als Mensch sich aufsetzte, umschaute und zu reden begann.

„Was ist der Sinn von all dem?“, fragte er höflich.

„Muss denn alles einen Sinn haben?“, fragte Gott.

„Selbstverständlich!“, sagte der Mensch.

„Dann überlasse ich es Dir, für all dies einen Sinn zu finden“, sagte Gott. Und Er wandte sich und ging.“

Zitat aus „Cats Cradle“ von Kurt Vonnegut (wiederentdeckt in „Wir können auch anders„)

Mein persönlicher Wandel vom Ehrgeiz zur Bedeutsamkeit dürfte nicht ungewöhnlich sein. Vor einigen Monaten fragten wir in einer Umfrage nach den größten Herausforderungen unserer Leser. Die meist genannte Antwort (47 Prozent): Sinnsuche.

Viele Menschen fragen sich: „Wer bin ich? Warum bin ich hier? Wie kann ich meinen Anteil leisten, damit diese Welt ein besserer Ort wird? Oder: Wie kann ich glücklich sein?“

Man muss sich nicht zwingend Sinnfragen stellen, aber wenn man erst einmal damit anfängt, kommt man kaum mehr von ihnen los. Ich vermute, diese Fragen hat es schon immer gegeben. Nur hatten die meisten Menschen keine Zeit für diesen Luxus. Sie waren damit beschäftigt, ihre Grundbedürfnisse nach Essen, einem Dach über dem Kopf und Sicherheit zu erfüllen. In den letzten Jahrzehnten wurde das Leben diesbezüglich entspannter, aber da gab es immer noch Familien, die durchgebracht werden mussten. Die Kinder sollten im Zweifel noch bis in ihre eigenen Zwanziger unterstützt werden. Erst danach war Zeit für die Midlife-Crisis.

Als ich vor Jahren über eine Sinnkrise schrieb, rieten mir einige Leser: „Wart’s mal ab, spätestens wenn du Kinder hast, fragst du nicht mehr nach dem Sinn.“ Aber geben Kinder einem Leben wirklich Sinn? So recht einleuchten wollte es mir nicht. Es war sowieso egal, denn ich hatte und habe keine Kinder. Auch andere Menschen gründen ihre Familien heute deutlich später. So bleibt mehr Zeit, sich mit Daseinsfragen zu quälen.

Für gewöhnlich treten Sinnkrisen dann auf, wenn das bisherige Lebenskonzept aus den Fugen gerät. Bei mir geschah das, als ich meine Agenturkarriere beendete und auf Weltreise ging. Es bedarf jedoch nicht unbedingt eines so großen Umbruchs. Die heutige Arbeitswelt ist flexibel geworden. Kaum jemand bleibt noch Jahrzehnte in einem Unternehmen. Wir sind immer wieder Veränderungen unterworfen und führen sie oft auch selbst herbei, indem wir den Job wechseln, die Welt bereisen oder Blogger werden. Mit den unbegrenzten Möglichkeiten kommt erst die Qual der Wahl und dann die Sinnfragen.

Ich glaube, dass häufiger Menschen betroffen sind, die geistig arbeiten und den ganzen Tag nur Gedanken in einen Computer eintippen – wie ich. Sie sind entkoppelt von dem Ergebnis ihrer Arbeit, denn dieses lässt sich nicht anfassen oder vorzeigen. Welch einen Sinn soll es ergeben, wenn sie Powerpoint-Präsentationen und Excel-Tabellen füllen? Marketer sind vielleicht besonders anfällig, denn irgendwann fragen sie sich, wer den ganzen Krempel eigentlich brauchen soll, den sie vermarkten. Mir ging es so. Ich half Unternehmen, mehr Zeug zu verkaufen, indem ich ihre Produkte im Internet besser auffindbar machte. Dabei verdrängt nur ein Unternehmen das andere. Der Krempel ist genau der Gleiche. Aber wozu?

Nicht nur der Job begünstigt Sinnkrisen. Menschen mit hohen Ansprüchen an das Leben und an sich selbst quälen sich häufig mit solchen Fragen, da die Realität mit ihren Erwartungen nicht mithalten kann. Der ständige Vergleich mit anderen Menschen treibt die Erwartungshaltung zusätzlich in astronomische Höhen und natürlich war es nie leichter als heute sich zu vergleichen. Blogs, Facebook und Instagram zeigen, was noch alles geht, während man selbst nur auf dem Sofa herumlümmelt und von der Schokolade nascht.

Ein schwaches Selbstwertgefühl verstärkt diesen Prozess noch weiter. Menschen, für die es nicht ins eigene Selbstbild passt, gut genug und liebenswert zu sein, suchen ihre Bestätigung woanders. Davon kann ich ein Lied singen. An manchen Tagen denke ich, irgendwie rechtfertigen zu müssen, auf der Welt zu sein. Dann frage ich mich: Was habe ich zu bieten? Was hat die Welt von mir? Wie kann ich ihr mehr geben, um mein Dasein zu begründen?

Als die Fragerei nach der Weltreise begann, beruhigte ich mich zuerst mit meinem Reiseblog und mit introvertiert.org. Immerhin erhielt ich oft die Rückmeldung, dass diese Blogs sehr nützlich seien. Aber das nutzte sich ab und irgendwann waren meine Themen auserzählt. Dann starteten wir Healthy Habits und ich dachte: Das ist es! Das gibt mir Sinn!

Aber in schwachen Momenten kommen die Fragen wieder zurück. Dann fällt mir nichts mehr ein, worüber ich schreiben könnte. Alles erscheint nutzlos. Warum soll ich noch mehr Texte schreiben, die schnell in Vergessenheit geraten? Und überhaupt: Bloggen, pff! Ich hätte mal lieber Ingenieur oder Arzt werden oder in die Wissenschaft gehen sollen. Doch ich musste ja BWL studieren und jetzt kann ich nichts. Ich muss mich doch nützlicher machen, als ein paar Texte zu schreiben.

Das sind die schlechten Tage.

Zum Glück gibt es deutlich mehr gute. Dann kann ich besser damit leben „nur“ zu schreiben. Ich mach’s ja gerne und habe die Zeit dafür. Also nutze ich diese Voraussetzungen und lasse andere an meinen Erfahrungen teilhaben. Irgendwem hilft’s bestimmt.

„Wir kommen nicht auf die Welt, um Antworten zu finden, sondern um Fragen zu stellen.“ – aus „Der Trafikant

Im Grunde ist es egal, welche Rationalisierung ich mir einfallen lasse. Die Sinnfragen kommen ohnehin zurück, denn es gibt nicht die eine Antwort. Ich glaube nicht an Berufung oder eine Leidenschaft, die man nur finden müsse. Vermutlich wird jede Frage nach dem Sinn für immer unbeantwortet bleiben, denn es ist die falsche Frage.

Was steckt wirklich hinter Sinnfragen?

Vordergründig möchte ich mein Leben für etwas Sinnvolles einsetzen. Doch in den letzten Monaten musste ich mich ehrlich fragen: Wenn ich das wirklich will, warum mache ich es dann nicht? Ich habe dafür doch alle Voraussetzungen.

Schon vor Jahren suchte ich nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit, um etwas mehr mit mir anzufangen. Doch ich fand nicht das Richtige. Neulich landete ich zufällig wieder auf einer dieser Websites für freiwillige Helfer. Ich klickte mich durch die Angebote, aber nach zwanzig Minuten hatte ich genug. Für mich war mal wieder nichts dabei. Zumindest nichts, was meine Sinnfragen lösen konnte.

“Everybody wants to save the world but nobody wants to help mom with the dishes.“ – Patrick Jake O’Rourke

Da wusste ich bereits, dass ehrenamtliche Aufgaben nicht grundsätzlich glücklich machen, denn ich hatte es schon versucht. Als sich Leipzig nach und nach mit Flüchtlingen füllte, war Hilfe nötig geworden. Beinahe vor meiner Haustür öffnete eine Spendensammelstelle. Da konnte ich mich nicht mehr herausreden. Mein Hilfsangebot war in erster Linie eigennützig. Ich wollte mich nützlich machen, um mal wieder mein Dasein zu rechtfertigen. Ich ging davon aus, mich anschließend wichtig zu fühlen. Doch schon am ersten Tag war klar: daraus wird nichts.

Nach Stunden des Kleidungsortierens und Kistenschleppens fühlte sich alles sinnlos an: Warum sortiere ich alles von einer Kiste in die nächste? Wird das ganze Zeug wirklich gebraucht? Wer soll den Plunder noch anziehen, den die Leipziger nach zwanzig Jahren aus ihren Schränken ausmisten, um sich auch ein bisschen besser zu fühlen? Trotzdem ging ich noch ein paar Mal hin. Es war nun Arbeit und Pflichterfüllung, doch von der Beantwortung meiner Sinnfragen konnte keine Rede sein.

Mittlerweile glaube ich, dass ich mit meiner Sinnsuche auf dem Holzweg war. Egal, wie viele Blogs ich starte, Bücher ich schreibe, Kleidung ich sortiere oder, ob ich ich meinen Beruf wechsle – früher oder später stoße ich auf die gleichen Fragen. Würde ich weitersuchen, machte mich das nur unglücklich. Denn hinter dem Wunsch nach einer sinnvollen Aufgabe steckt etwas anderes. Es ist nicht unser Handeln selbst, das wir als sinnvoll erleben. Sinnvoll wird es erst durch die Reaktion anderer Menschen. Wenn denen egal ist, was ich leiste, bleibt alles sinnlos. Loben und bewundern sie mich, erhält mein Handeln eine Bedeutung. Ich brauchte eine Weile, doch dann erkannte ich in meiner Sinnsuche das eigentliche Motiv: Es war eine Suche nach Anerkennung.

Nachdem Jasmin mir diesen Gedanken eingepflanzt hatte, ging es mir besser. Nicht nur, dass ich ein Thema für diesen Artikel hatte. Ich war auch erleichtert, dass ich nicht einem großen Sinn, meiner Berufung oder einer Rechtfertigung für mein Dasein hinterherrennen muss. Ich will eigentlich nur, dass mir jemand zeigt: „Du bist gut so, wie du bist.“

Fehlende Anerkennung ist ein zentrales Thema für die meisten unzufriedenen Angestellten. Zwar wird laut Arbeitsvertrag nur Leistung gegen Geld getauscht, doch was Menschen wirklich brauchen ist Anerkennung. Sie wollen geschätzt werden für ihren Beitrag, den sie im Team und für das Unternehmen leisten. Sie wollen spüren: Was du tust, ist wichtig! Wer sich unwichtig fühlt, beginnt zu grübeln und überlegt, ob er in dieser Welt woanders einen größeren Beitrag leisten kann.

In der Selbständigkeit ist das nicht unbedingt anders. Auch hier wird Leistung gegen Geld getauscht. Kunden spenden nicht immer Anerkennung, sondern sehen ihren Beitrag mit der bezahlten Rechnung abgegolten. Für uns als Internetunternehmer kommt hinzu, dass das Umfeld wenig Verständnis für den Online-Job aufbringt. Wenn ich von Websites oder vom Bloggen erzähle, ernte ich oft ungläubige Fragen: „Und davon kann man leben?“ Diese Kommentare sind unschuldig und nicht böse gemeint. Dennoch transportieren sie auch immer eine Botschaft: Das ist doch nichts wert. Wer soll dafür bezahlen?

Als Blogger erhalten wir Anerkennung von unseren Lesern, in Form von E-Mails, Kommentaren und Likes. Aber sie nutzt sich schnell ab. War ein Text erfolgreich, steigen unsere Erwartungen für den nächsten. Bleiben die Likes aus, sind wir enttäuscht.

Like = Du bist so geil!

Die Anerkennungstheorie erklärt übrigens auch zwei andere Dinge, die ich bereits angesprochen habe: Eltern stellen sich weniger Sinnfragen, weil ein Kind viel Anerkennung spendet (manchmal kann es das nur nicht so zeigen). Das Kind ist abhängig von seinen Eltern. Es braucht sie. Es zeigt ihnen: Ihr seid wichtig!

Auch bei der Kleidersammelstelle fehlte die Anerkennung. Ich ging hin, sortierte, und ging wieder nach Hause. Meine Mitsortierter waren Menschen, die sowieso ständig helfen, für die war es normal. Freunden habe ich es kaum erzählt, um nicht anzugeben. Und natürlich: Die Menschen, für die ich da sortiert habe, bekam ich nie zu Gesicht. Sie klopften mir deshalb nicht dankbar auf die Schulter.

Wie lösen wir uns von den großen Sinnfragen?

Was bedeutet das nun für uns, wenn wir von Sinnfragen gequält werden? Ich habe für mich in den letzten Wochen drei Lösungswege erkannt. Rückblickend betrachtet wende ich sie teilweise schon länger an.

1. Frage dich, wessen Anerkennung du möchtest

Man muss nicht gleich die Welt retten, damit andere Menschen unser Handeln anerkennen. Als ich über das Leben von Hundertjährigen las, stellte ich fest, dass sie alle eine Aufgabe haben, die sie morgens aus dem Bett treibt. Sie helfen anderen Menschen, aber keiner der in dem Buch erwähnten Hundertjährigen engagiert sich für den Klimaschutz, bohrt Brunnen in Afrika oder bekämpft den Welthunger. Sie bleiben in ihren Gemeinden und helfen dort im Kleinen. Dafür erhalten sie die Anerkennung des Dorfs.

Ich möchte auch nicht die Welt retten. Zwar nahm ich es mir vor, habe mich aber nie ernsthaft darum bemüht, weil sich nichts richtig anfühlte. Wenn ich ehrlich bin, ist mir die große weite Welt nicht so wichtig. Ich gestehe es mir ungern ein, aber es ist die Wahrheit. Wenn ich zufrieden sein will, darf ich mir nichts vormachen. Sonst suche ich immer nach etwas, das ich gar nicht haben will.

Bei meiner Arbeit merke ich, was sich für mich am besten anfühlt: Wenn sie meinen Freunden und Bekannten gefällt. Menschen, die mich nicht nur aus dem Internet kennen. Manchmal erfahre ich, dass sie sich untereinander mit den Themen auseinandersetzen, über die wir hier schreiben. Mir geht das Herz auf, wenn sie sagen: „Darüber haben wir noch lange diskutiert.“ 

Du kannst selbstverständlich anders empfinden. Vielleicht möchtest du dich für die größeren Themen engagieren. Egal, ob es dabei um Anerkennung geht oder nicht. Du solltest dich nur fragen, ob es das ist, was du wirklich möchtest oder ob du es dir aus einem Pflichtgefühl heraus einredest. Möglicherweise liegt dein Sinn genau vor deiner Nase. Wenn du das nächste Mal zweifelst, frage dich, wessen Zuspruch dir am meisten bedeutet. Vielleicht sind es deine Freunde und deine Familie – jene Menschen, die dir nahe stehen und deren Werte du teilst. An diesen Werten kannst du dich orientieren, anstatt auf Dinge zu schielen, die ganz andere Menschen für erstrebenswert halten.

2. Erkenne dich selbst an

Eingangs habe ich es bereits geschrieben: Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl neigen eher zu Sinnkrisen. Da sie sich selbst nicht anerkennen, suchen sie umso mehr Anerkennung von außen. Nun erlangt man ein gutes Selbstwertgefühl nicht über Nacht. Vielleicht erlangt man es auch nie, da die Basis bereits früh im Leben gelegt wird und später schwer veränderlich ist. Aber wenn ich dir einen Tipp geben kann, dann diesen: Mach Dinge, bei denen du dich selbst magst. Zur Erläuterung dieser „Idee“ empfehle ich diesen Artikel.

Anders geht’s nicht. Wenn du jeden Abend und jedes Wochenende vor dem Fernseher auf dem Sofa verbringst und dich dafür anschließend selbst hasst, entsteht kein Selbstwertgefühl. Wie sollst du dich dafür selbst anerkennen? Mach Dinge, zu denen du dich überwinden musst, aber für die du dir anschließend selbst auf die Schulter klopfst. Mach aus diesen Dingen Routinen, die fest in deinem Leben verankert sind, denn du weißt ja: Sinnkrisen entstehen dann, wenn das eigene Lebenskonzept aus den Fugen gerät.

Für mich funktioniert das ganz gut. Wenn ich mit beiden Beinen auf dem Boden stehe, mit mir und meinem Tag etwas anzufangen weiß und mich um mein Wohlbefinden kümmere, sinniere ich nicht ständig darüber, was ich für diese Welt noch tun muss. Ich muss die Welt nicht retten. Es genügt schon, mich selbst zu retten.

3. Lass den Gedanken los

Wir haften an dem Gedanken an, dass wir für andere wichtig zu sein haben. Davon werden wir nie ganz wegkommen, denn Anerkennung ist unser Treibstoff. Dennoch ist es nur ein Gedanke, den wir oft überhöhen. Mit etwas gutem Willen können wir ihn zumindest zeitweilig loslassen.

Wenn du das nächste Mal nach einem Sinn suchst oder dir Anerkennung fehlt, akzeptiere, dass nicht immer alles so zu sein hat, wie du es dir im Kopf ausmalst. Mit dem Loslassen kommt die Gelassenheit und vielleicht kannst du dann sogar darüber schmunzeln:

„Ach, ich schon wieder mit meiner Sinnsuche!“


PS: Meine besondere Anerkennung gilt heute (und auch sonst) Jasmin. Nicht zum ersten Mal hat sie aus einem meiner gequälten Ideen einen Gedanken geformt, der mich gelassener machte und diesen Text ermöglichte.

Passend zum Thema solltest du folgenden Artikel lesen: Warum wir es anderen recht machen und uns selbst damit schaden

Foto: Mann sitzt im Sonnenuntergang von Shutterstock

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43 Kommentare

  1. Gerade im Berufsleben sehe ich das genauso. Ein paar anerkennende Worte würde viel mehr für die Mitarbeiter bringen und nur das Fehlen dieser Anerkennung löst die Gier nach mehr Gehalt oder mehr Macht aus. Aber das hat sich in die Führungsebene der meisten Firmen leider nicht herumgesprochen

  2. Wunderbarer Text, der mir aus dem Herzen spricht! Auch ich bin immer getrieben von der Sinnsuche, DER einen Bestimmung im Leben. Aber vielleicht hat man keine große Bestimmung, sondern muss nur danach suchen, was einem am meisten Spaß macht und erfüllt. Und dem gibt man dann einen Sinn. Vielen Dank für diesen wunderbaren, ehrlichen Text!

    • Hallo Annika,

      ja, ich glaube zumindest, dass es keine Berufung gibt. Keinen Sinn, den wir erfüllen müssen. Das ist alles Einbildung. Wir wollen vielmehr für das geliebt werden, was wir sind (und tun).

  3. Wir haben verlernt, auf uns selbst zu hören. Manche nennen das, was fehlt, die „innere Mitte“. Solange man sich zu sehr von außen beeinflussen lässt, oder auf die Anerkennung anderer wartet, ist es schwierig, eine grundeigene Zufriedenheit (was ich mit Sinn gleichsetzen würde) zu erlangen. Allerdings wird man ja meistens von klein auf so erzogen, was es schwierig macht, aus diesen Verhaltensmustern auszubrechen.

  4. Hi Patrick,
    dein Artikel gefällt mir sehr gut! Da ich auch Bloggerin bin, kenne ich dieses Gefühl, alles in Frage zu stellen, wenn die Likes ausbleiben, sehr gut. Momentan leider auch. Und obwohl ich erst mit dem Blog angefangen habe, überlege ich mir schon, ob das Sinn macht und warum ich das mache. Dein 3. Punkt „Lass den Gedanken los“ ist für mich am Bedeutsamsten und hilft mir gerade jetzt sehr. Er erinnert mich an einen Brief von Rainer Maria Rilke:

    Geduld

    Und ich möchte dich, so gut ich kann bitten,
    Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in deinem Herzen,
    und zu verstehen. Die Fragen selbst liebzuhaben
    wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache
    geschrieben sind. Forsche jetzt nicht nach Antworten,
    die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben könntest.
    Und es handelt sich darum, alles zu leben.
    Vielleicht lebst du dann allmählich – ohne es zu merken –
    eines fernen Tages in die Antwort hinein.
    Rainer Maria Rilke

    Vielleich sollten wir tatsächlich aufhören, Antworten zu suchen, sondern „die Frage leben“. Den Gedanken loslassen, dass etwas Sinn haben muss und weitermachen mit dem, was man gerne macht. Vielleicht entsteht durch das „nicht fragen nach dem Sinn“ mit der Zeit automatisch ein Sinn im Leben. Wie so oft im Leben. Man findet etwas – gerade weil man nicht danach gesucht hat.

    Ich möchte den Gedanken loslassen, Sinn im Leben zu suchen. So erspare ich mir die zermürbenden Gedanken, warum ich etwas mache. Ich mache es einfach, weil ich es gerne mache. Und ich hoffe, eines Tages in die Antwort hineinzuleben ;)

    Danke für den Einblick in dein Leben und den hilfreichen Beitrag!

    • Hallo Bettina,

      ich hoffe, es gelingt dir. Es hilft in jedem Fall, diesen Gedanken loszulassen. Auch mir, nachdem dieser Text weit unter meinen Erwartungen bleibt :-)

        • Von allem etwas mehr: Begeisterung, Verständnis, Leser usw. Aber so ist das ja immer mit Erwartungen, wie sollten sie nicht zu hoch schrauben, wenn wir auch mal zufrieden sein wollen :-)

  5. Wieder mal ein sehr guter Artikel der mich zum nachdenken sehr angeregt hat. Besten Dank!

  6. Patrick, der Kreis schließt sich bei mir nicht. Was ist die Kernaussage des Beitrags? „Sinnsuche macht keinen Sinn“ oder „Anerkennung von anderen ist der Schlüssel“?

    • Hi Simon,

      Sinnsuche führt zu nichts, weil ich nicht eigentlich „Sinn“ suche, sondern Anerkennung. Das wiederum ist ein Grundbedürfnis, das sich nicht abschalten lässt. Wenn ich weiß, was ich eigentlich suche, habe ich größere Chancen es zu finden.

      So jedenfalls meine Sicht der Dinge ;-)

      Viele Grüße aus Leipzig,
      Patrick

      • Hi Patrick, danke. Anerkennung durch andere als Ziel zu formulieren, finde ich schwierig. Natürlich kann man sich davon nicht 100% lossagen, aber damit macht man sich von anderen abhängig und in Extremform kann das ein Teufelskreis werden. Ist es nicht eher die Anerkennung durch sich selbst? Man mag was man tut, erkennt sich dadurch selbst an und führt damit das Leben das einem selbst gefällt.

        • Hi Simon,

          ja, sehe ich auch so. Steht deshalb als Lösungsvorschlag #2 in diesem Artikel :-)
          Aber gleichzeitig halte ich es für unrealistisch. Es ist wie mit „Liebe dich selbst!“. Schön gesagt, aber erstmal machen ;-)

          • hallo patrick,

            ich glaube nicht, dass es unrealistisch ist die basis, das fundament in uns zu verändern, den selbstwert zu stärken.
            ich habe dazu aus eigener erfahrung (folgende theorie: … unser streben nach anerkennung (im außen) kommt meines erachtens nur zustande weil wir glauben (und es wird uns durch die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen verpflichtungen auch ein stück weit suggeriert) uns selbst nicht genug sind (nicht so gut sind wie wir sind).
            das starke fundament fehlt oder ist rissig (vielleicht auch durch frühkindliche erlebnisse) wir haben den draht zu uns selbst verloren und das *tara … trommelschlag* rührt ganz tief … und das möchtest du jetzt sicher nicht lesen: … aus mangelnder selbstliebe … versponnen mit der ‚anerkennung sich selbst gegenüber‘ … aber dazu muss man sich erstmal selbst ERKENNEN (orakel von delphi).
            diese suche nach anerkennung rührt meines erachtens an zu wenig liebe bzw. wertschätzung sich selbst gegenüber (wie kann ich den wert in meinem leben, den sinn in meinem leben suchen wenn ich den tiefen wert in mir nicht kenne? …
            wir müssen diesen wert ihn uns erkennen (ERKENNE DICH SELBST) und das muss man ganz tief an der wurzel, der basis, dem fundament, bei sich selbst: der liebe und wertschätzung sich selbst gegenüber angehen.
            ERKENNEN DICH SELBST (erkenne dich selbst und erwarte nicht von anderen dass sie dich AN ERKENNEN) … Anerkennung sich selbst gegenüber beginnt mit ‚erkenne dich selbst‘ , fruchtet aber auf ‚liebe dich selbst‘ (die basis sozusagen) … und wenn du dich SELBST LIEBST und KENNST dann spürst du und vertraust du auf dich (ohne ständiges gedankenkarussell) dass das leben dich führt … und ich bin davon überzeugt dass sich DER SINN erst später zeigt (vielleicht erst wenn wir alt und grau sind oder aber in vielen kleinen sinngebungen, wer weiss das schon) …

            meines erachtens gehört zum weg der selbstliebe: sich annehmen wie man ist, eine tiefe grundliebe sich selbst gegenüber entwickeln mit all seinen facetten (die perfektion abstreifen, enttarnen), eigene glaubenssätze aufspüren und erkennen … und hat auch auf jeden fall mit vertrauen ins leben und loslassen (alte glaubensmuster über sich selbst, sich selbst auferlegt oder von anderen) … der weg muss zur basis führen und dort muss angenommen werden was ist, dann kann sich das (negative?) selbstbild auflösen.
            also sich (tief drinnen) so annehmen wie man ist, zu lieben wie man ist … dann kann man sich mit festen wurzeln in den anderen SPIEGELN und sich SELBST erkennen und dann fühlt man von tief drinnen was einen erfüllt und man tut es ‚einfach‘ (wobei diesem ‚einfach‘ der steinige weg der selbstliebe und selbstfindung bzw. -anerkennung voraus geht)
            … es ist ein prozess … der FREI macht :-)

            alles liebe für dich und deinen weg,
            vera
            ps: hab mich glaub ich teilweise wiederholt … schicks jetzt einfach ab

          • Hallo Vera,

            genau, sag ich ja und bleibe dabei, dass das so schwierig ist, dass es für die meisten unrealistisch sein dürfte.

  7. Hi Patrick,

    sehr treffend. Für mich ist Anerkennung das Ergebnis jedoch nicht die eigentliche Motivation.

    Nachdem ich einige Bücher und Artikel zu dem Thema gelesen hatte, ist mir einer in Erinnerung geblieben. Die Quintessenz für Glück:
    1. Der Glaube an etwas größeres als man selbst.
    2. Anderen Menschen helfen.
    3. Hedonismus: Die Freude am Genuss.

    Wenn man die Sinnsuche nur durch die letzten beiden Punkte ersetzt, wird immer ein Loch zurück bleiben. Für ersteres ziehen sicherlich Einige die Religion heran.

    Für mich persönlich hat diesen Platz die Politik eingenommen und das Menschenbild das ich daraus ableite.

    Ich freue mich auf unser Wiedersehen
    Tino

    • Hi Tino,

      ich könnte wahrscheinlich Tausende von Glücksdefinitionen finden, wenn ich nur wollte. Hundert davon hab ich auch schon gelesen ;-)

      Wir sehen uns nächste Woche, dann auch gern philosophierend!

  8. Hallo Patrick,
    sehr interessante Gedanken, die du da in deinem Artikel niederschreibst. :) Ein bißchen zwiespältig bin ich mit deiner Aussage, dass es Anerkennung sei, nach der man sucht. Jetzt ist es natürlich so, dass Anerkennung für jeden etwas anderes bedeutet.

    Ich habe jahrelang versucht, Anerkennung zu bekommen. Mittlerweile habe ich aber gelernt, dass es eine Anerkennung war, die mir nichts bedeutete, denn es war die Anerkennung, die das Groß der Gesellschaft als Anerkennung definierte. Das waren zum Beispiel ein großer Extrabonus in der Firma oder ein Lob des Chefs vor versammelter Mannschaft (für etwas, das ich in der Firma gemacht habe, dass mir eigentlich keine Zufriedenheit schenkte). Das führte alles dazu, dass ich immer weiter nach der Suche nach dieser Anerkennung war. Da kam dann der Firmenwagen dazu, eine Beförderung usw. Schlussendlich hat es mich aber nicht zufriedener oder selbstbewußter gemacht, sondern abhängiger.

    Die wirkliche Anerkennung, die ich nun gefunden habe, die mir gut tut, ist Dankbarkeit. Dankbarkeit, die mir Menschen zeigen, sagen und fühlen lassen, dass ich ihnen bei irgendetwas geholfen habe. Und dann kommt das „Selbst“ ins Spiel. Ich bin ebenso dankbar, dass ich dieses Gefühl erleben darf, jemand anderen geholfen zu haben. Dankbarkeit ist nämlich echt, Lob kann man auch einfach nur so aussprechen. ;)

    LG aus Salzburg!
    Stefan

  9. Lieber Patrick,(und auch liebe Bettina)

    nachdenklich und Dir eher zustimmend, Patrick, möchte ich auch ein Gedicht vom Hr. Rilke beisteuern, das ich mir dieser Tage eingerahmt habe und das ganz gut zu Deinen Gedanken passt:

    Es gibt so viele Dinge, von denen ein alter Mann einem erzählen müsste, solange man klein ist; denn wenn man erwachsen ist, wäre es selbstverständlich, sie zu kennen. Da sind die Sternenhimmel und ich weiß nicht, was die Menschen über sie schon erfahren haben, ja, nicht einmal die Anordnung der Sterne kenne ich. Und so ist es mit den Blumen, mit den Tieren, mit den einfachsten Gesetzen, die da und dort wirksam sind und durch die Welt gehen mit ein paar Schritten von Anfang nach Ende. Wie Leben entsteht, wie es wirkt in den geringen Wesen, wie es sich verzweigt und ausbreitet, wie Leben blüht, wie es trägt: all das zu lernen, verlangt mich. Durch Teilnahme an alledem mich fester an die Wirklichkeit zu binden, die mich so oft verleugnet, -da zu sein, nicht nur dem Gefühle, sondern auch dem Wissen nach, immer und immer, das ist es glaube ich, was ich brauche, um sicherer zu werden und weniger heimatlos.“

    Einen schönen Tag uns :)

  10. Hallo Patrick,

    vielen Dank für diesen Artikel, der gerade sehr gut in mein Leben und meine Gedankenwelt passt. Bisher habe ich besonders im beruflichen Bereich nach der Aufgabe gesucht, die mich erfüllt und für die ich jeden Tag voll motiviert aufstehe. Doch erst in den letzten Tagen, ohne wirklich erkennbaren Grund oder Anlass, ist mir klar geworden, dass es den nie geben wird. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich seit einigen Wochen versuche, mehr im Hier und Jetzt zu leben, statt darauf zu hoffen, was die Zukunft so bringt. Diese Gedankenhaltung hat zu mehr Gelassenheit geführt, zeitgleich fühle ich mich durch Sport und Ernährung aktuell sehr wohl in meiner Haut, das kommt sicher noch verstärkend hinzu.

    Auch wenn es sehr platt klingt, ich glaube der Schlüssel für das Ende der Sinnsuche ist die Fähigkeit wirklich glücklich sein zu können. Und das ohne wenn und aber, ohne schlechtes Gewissen oder den Drang, was einen alles noch glücklicher machen könnte. Dabei meine ich nicht, dass man mal einen Moment glücklich und zufrieden ist, sondern dauerhaft, sich auch traut das in der Öffentlichkeit zu zeigen. Habe vor knapp zwei Wochen versucht auf der Zugfahrt möglichst oft vor mich hin zu lächeln, weil es das ist, was ich aktuell empfinde. Warum soll ich das verstecken, nur weil eine grimmige Miene gemeinhin mehr anerkannt ist?! Denke es ist der Sinn unseres Lebens, das Beste für uns selbst daraus zu machen, dabei auch zeitweise andere Menschen glücklich zu machen, ihnen zu helfen, gleichermaßen zu Geben und zu Nehmen und alles anzunehmen, das einem so widerfährt.

    Denn auch jede Begebenheit, jeder Schicksalsschlag hat seinen Sinn, zumindest ist meine bisherige Erfahrung in etwa 30 Lebensjahren, ältere Menschen werden das sicher voll bestätigen können. Zumindest wenn ich mich da in die Worte meiner Großeltern erinnere. Natürlich ist es nicht leicht, dass so zu leben, aber dafür haben wir ja hoffentlich viele Jahre Zeit, um am Ende zufrieden auf das eigene Leben zurückzublicken. Um es mit einer Liedzeile von Parkway Drive zu sagen: „You’ve got ONE life, ONE shot, give it all you got“. Für mich aktuell mein Motto, das ich versuche umzusetzen.

    Allen anderen drücke ich die Daumen, das sie ihren Weg im Leben finden.
    Viele Grüße, Silke

    • Hallo Silke,

      da bist du auf einem guten Weg! Ich denke auch, es gibt im Grunde nur einen Sinn: in diesem Moment glücklich zu sein.

      Manchmal fällt das leichter mit etwas Anerkennung von anderen, wenn man sie sich selbst nicht jederzeit zu 100 Prozent zeigt.

      Viele Grüße und viel Spaß beim Grinsen im Zug :-)
      Patrick

  11. Schon lange stiller Mitleser, noch nie kommentiert, aber jetzt: Danke Patrick für den wunderbaren, toll geschriebenen Artikel, der gerade 1:1 zu meiner Lebenssituation und Gedankenwelt passt. Es mag sich nicht für alle „der Kreis schließen“, aber den Lesern mit denselben Baustellen wird der Text sehr helfen, ihre Einstellung zur Sinnsuche neu zu justieren und unnötige Anstrengungen in Form von Job- und Ortswechseln (kenn ich nur zu gut!!) zu überdenken.

    Dankeschön.

    • Hallo Elisabeth,

      vielen Dank für deinen Kommentar, vor allem als sonst stille Mitleserin :-)
      Ich freue mich wirklich, wenn der Text bei manch einem etwas auslöst, z.B. zu mehr Gelassenheit führt.

      Viele Grüße,
      Patrick

  12. Hallo Patrick!

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Bei der Sinnfrage kommt mir immer Albert Einstein in den Sinn: „Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur darin zurechtfinden.“

    Für mich ein ebenso pragmatischer wie weiser Ansatz. Die Frage nach dem Sinn wird kaum jemand wirklich überzeugend und präzise für sich selbst beantworten können. Macht es also Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen? Und wenn man den Sinn und Zweck des Lebens nicht wirklich ergründen kann, kann einem das auch keine Orientierung sein, wonach man in seinem Leben streben und worauf man hinarbeiten sollte. Ohne Orientierung ist der Weg oft schwierig. Ich denke genau da haben wir oft Schwierigkeiten: Eine Orientierung zu finden, die uns leitet und auch Sicherheit gibt. Letztendlich bleibt diese Aufgabe aber an uns selbst hängen, wir müssen uns diese Orientierung selbst schaffen.

    Wenn wir schon diese Aufgabe haben, warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Für mich geht es darum ein möglichst glückliches Leben zu führen, so versuche ich mich in der Welt zurecht zu finden. Dabei gibt es viele Teilaspekte und Puzzelstücke. Liebe, Freundschaft, Gesundheit, Anerkennung ist mit Sicherheit nicht zu vernachlässigen. Als glücklicher Mensch habe ich auch eine positive Wirkung auf meine Umgebung, das scheint also ein ganz guter Ansatz zu sein.

    „Ich wünsche mir die Gelassenheit, Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann. Und die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“.

    Grüße
    JayPee

  13. Hallo Patrick!

    Ein echt toller Artikel der zum Nachdenken anregt. Danke dafür!

    Viele Grüße,
    Nico

  14. Hallo Patrick!

    Touché – voll ins Schwarze. Mein letztes Problem in der Arbeit hatte sicher genau damit zu tun – fehlende Anerkennung (eher das Gegenteil nämlich) und es ging so richtig bergab.

    Ich habe einmal gehört „der Sinn des Lebens besteht darin, die Herausforderungen des Lebens zu meistern – nicht mehr und nicht wenige“

    Irgendwie kann ich viel damit anfangen.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      eine solche einfache Antwort finde ich auch erleichternd. Besser, als nach etwas zu suchen, das nicht da ist.

  15. Hallo Patrick,

    vielen Dank für deine spannende Reise. Du hast für dich die Anerkennung als eigentliches Bedürfnis gefunden. Manche schreiben in den Kommentaren, das ist es für sie nicht. Ich denke, dass es sehr individuell ist, was genau hinter der Sinnsuche eines jeden Suchenden steckt.

    Ich habe mich beim Lesen mehrfach gefragt, ob ich jemals nach dem Sinn gesucht habe so wie du. Das habe ich nie getan. Irgendwie hatte für mich immer alles einen Sinn, was ich machte. Und wenn ich keinen sah, bin ich weitergezogen. Unruhig oder rastlos, weil ich suchte oder glaubte, etwas finden zu müssen, war ich nie.

    Das hat mich überrascht. Auch ich brauche Anerkennung und habe viele andere Bedürfnisse, wie wir alle. Doch die Sinnfrage ist mir für mich selbst fremd. Ich beobachte nur manchmal, dass die Antwort auf diese Frage einem anderen Menschen sehr helfen könnte.

    Ich bin sicher, ich werde in den nächsten Stunden darüber nachdenken, was an mir anders ist, dass ich ohne diese Sinnfragen durchs Leben gehe ;-)

    Herzliche Grüße
    Dunja

  16. Ich hatte durch die Kinder begriffen, daß der Sinn des Lebens darin besteht, Kinder zu kriegen, – so doof sich das auch anhören mag, es ist die Wahrheit.

    Aber eigentlich ist der Sinn des Lebens, etwas zu hinterlassen.

    Kinder sind ein einfacher, wenn auch unbequemer Weg: Kinder zeugen, Erbgut weitergehen, Erziehung und Alltag machen den Rest, fertig. Anstrengend, aber nicht weiter kompliziert. Wer keine Kinder hat, muß sich mehr Gedanken machen. Wie ich Dir schon vor 2 Jahren schrieb: Dein Reiseblog hat mir zB sehr geholfen, eine unvergeßliche Reise zu erleben. Ohne Dich wäre ich sehr viel unsicherer gewesen, wie ich sie angehen soll. Und so geht es uns allen regelmäßigen Lesern Deiner blogs, und wahrscheinlich auch noch ein paar Querlesern, die dann nur einen Satz zum Nachdenken mitnehmen. Auch mit Deiner geistigen Arbeit hinterläßt Du Spuren bei anderen. Das ist der Sinn.
    Schön ist es, wenn Du die Anerkennung auch noch direkt bekommst, aber viele sind zu schofelig, als daß sie überhaupt merken würde, daß Dank wichtig wäre, oder daß es überhaupt Mühe gekostet haben könnte, einen Artikel zu schreiben oder überhaupt einen blog einzurichten und regelmäßig zu pflegen. Die Anerkennung brauchst Du, damit Du zufrieden bist, aber der Sinn liegt in Deinen Worten selbst.
    – meine Meinung –
    und vielen Dank, daß Du teilst, was Dich bewegt. Du sprichst mir meist aus der Seele.

    • Hallo Viola,

      danke fürs Mitlesen und deine regelmäßigen Rückmeldungen! Du hast recht, wir brauchen das auch. Nur für uns allein zu schreiben und zu hoffen, dass es mal jemand liest, reicht ziemlich schnell nicht mehr aus.

  17. Hallo Patrick,
    auch ich fühle mich mit deinem Artikel „getroffen“. Grade auch das mit der Anerkennung hat was. Denn natürlich kennen die meisten ja den Bibelspruch Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST. Und die meisten interpretieren ihn eben ohne den „zweiten Teil“. Sie lesen immer „Liebe deinen Nächsten“ aber ohne Liebe zu sich selbst gibt und gibt man immer wieder und meint man müsste immer mehr geben damit einen die anderen lieben. Aber wie du ja auch schon erkannt hast ist es eben nicht leicht. Aber man kann daran arbeiten. Aber auch mit deinem Abschnitt über das gemocht werden hast du recht. Und mit dem Austausch mit anderen Menschen das ist mir in letzter Zeit immer deutlicher bewußt geworden. Viele, viele Jahre habe ich in einem Unternehmen zugebracht in dem ich „IT“ und Menschen unter einen Hut gebracht habe. Ich habe eine Software betreut UND die Menschen die damit Probleme hatten. Vor Ort. Wenn also jemand ein Problem hatte bin ich zu demjenigen hin und habe es mir zeigen lassen und dann versucht es zu lösen oder habe an meinem Platz weiter daran gearbeitet um dann irgendwann wieder mit dem Mitarbeiter zu kommunizieren und ihm eine Lösung anzubieten. Vor einigen Jahren ging diese Firma leider in Konkurs und ich bin zur Zeit bei der Firma die diese Software vertreibt und auch einen Support hat. Dort sitze ich jetzt an einem Schreibtisch und löse Probleme in dem ich meist nur irgendwohin klicke und Lösungen austeste. Das Ergebnis wird dann in irgendwelchen Portalen hinterlegt wo die User wieder drauf antworten können. Per Mail oder Portal. Ein direkte Kommunikation ist recht selten. Und irgendwie macht mich das nicht so richtig glücklich. Ich mag es, wenn man sich mit anderen (Kollegen) austauscht. Ideen bespricht, Lösungen entwickelt. Und das ist bei dieser Arbeit eben nicht so. Daraus schöpfe ich Kraft und nicht daraus nur stumm am Schreibtisch zu sitzen. Mir fehlt der menschliche Kontakt und – so kann man das auch interpretieren die sofortige Anerkennung (oder auch nicht^^) oder Energie. Keine Ahnung wie es in der Firma weitergeht, aber ich habe jetzt ein halbprivates Ziel Museumsführerin. Wahrscheinlich erst als Springerin und dann mal sehen wie es weitergeht. Ich bin sehr oft in einem ganz bestimmten Museum einer bestimmten Stadt und ich habe auch schon ein bißchen Praxis auf dem Thema aber eben erst ein bißchen. Und wenn es klappt kann ich das tun was ich eigentlich schon länger in mir trage:Menschen, Geschichte(n) erzählen, Wissen vermitteln, direkter mündlicher Kontakt. Ich bin echt gespannt
    Vielen Dank nochmal für deinen Artikel

    • Hallo Birgit,

      aus der Beschreibung deiner beiden Jobs lese ich auch heraus, dass dir heute das direkte Feedback der Menschen fehlt, denen du mit deiner Arbeit hilfst. Das könnten wir wohl als fehlende Anerkennung beschreiben. Helfen tust du ja immer noch, aber bekommst kaum noch direkte Rückmeldung. Das ist schade!

      Dein neues Standbein klingt umso interessanter! Ich hoffe, das wird so klappen, wie du es wir wünschst!

  18. Hallo Patrick, ich kann Dich verstehen. Ich denke aber auch, dass Anerkennung zwar ein möglicher, aber dennoch ein individueller Grund der Sinnsuche ist. Ich denke an Anerkennung hat es mir in den letzten
    Jahren in keinem Bereich gemangelt, trotzdem kam für mich in einer großen Umbruchssituation die Sinnfrage plötzlich auf. Auch wenn sie sehr nervig ist, ist sie teilweise auch wichtig – zumindest bezüglich dem beruflichen, finde ich. Ich weiß jetzt, dass ich gerne einen sinnvollen Beitrag zum Funktionieren unserer Gesellschaft leisten will – und das muss nicht riesig sein, aber ich will auch nicht nur sinnlos immer weitere Konsumbedürfnisse wecken (komme auch aus dem Marketing). Sinnvolle Produkte zu vermarkten finde ich aber okay. meine Gedanken zur allgemeinen Sinnsuche: ich bin der Ansicht wir und das Leben allgemein ist ein Wunder und ein Geschenk. Auch wenn es uns nicht immer gut geht. Wir sind hier zuhause und es ist einfach toll zu sein, deshalb bedarf es gar keinen Sinn. Der „Sinn“ ist für mich sozusagen „zu lieben, zu leben und zu sein“. Wichtig ist es nur seinem eigenen Leben selbst „Sinn“ zu verleihen – und zwar dadurch, dass Du das machst was für Dich wichtig ist und viell auch etwas zum funktionieren der Gesellschaft beiträgt – wenn dir das wichtig ist. Und während du das machst den Weg mit Dir wichtigen Menschen teilst und das Leben zwischendrin auch einfach genießt und auch mal Dinge tust in denen du keinen Sinn siehst, die aber Spaß machen und dir gut tun. Liebe Grüße und danke für deine Offenheit. Lotta P.S.: viell wäre das Buch „Wer dem Glück hinterher rennt, rennt daran vorbei“ was für Dich. Ich finde es hat hilfreiche Ansatzpunkte…

  19. Hi Patrick and Jasmin
    Since yesterday I am reading your articles. Before I write my detailed comments, I just want to congratulate both of you for what you are doing.. I am feeling a bond between us already. Interesting, isn’t it?
    Ok have a nice week und bis bald
    :)

  20. Hallo Patrick,
    auf der Suche nach Backpacking-Urlaub in Sri Lanka bin ich auf dieser Seite gelandet. Ich danke dir sehr für diesen Beitrag. Ich erkenne mich darin wieder und die Erkenntnis, dass es anderen auch so geht, hilft mir enorm, mich nicht so „abartig“ zu fühlen.

    Danke

  21. Chapeau Patrick,

    gerade (mal wieder) in eine Depression gerutscht, fällt mir in den letzten Tagen wie Schuppen von den Augen, dass es immer zu diesem „Problem“ kommt, wenn ich keinen Sinn habe, Anerkennung fehlt und ich keinen Nutzen schaffe. Ich bin vor einigen Monaten sehr ambitioniert freiwillig aus meiner Festanstellung ausgestiegen, „um endlich mein Ding zu machen“…es wird ja gerade an sämtlichen Fronten dahingehend förmlich motiviert und propagiert und nun merke ich, 1. so einfach ist das nicht mit der Erfüllung, 2.sind die Umstände noch so, dass es nicht richtig vorwärts geht und ich Geduld üben muss. Großartig, wie gut Du mich und viele mit Deiner Schreibe hier abholst. Danke dafür. Und tatsächlich, ich besuche gerade seit ein paar Tagen meine Mum und werde die Zeit mit ihr nutzen, ihr auch mal das Geschirr zu spülen und ihr den Tag zu erleichtern. Depressionen werden kleiner und die „Welt retten“, muss heute auch gar nicht sein. :-)

  22. Patrick – Vielen Dank für diesen Artikel! Ich musste, als gestandener Mann, an einigen Stellen wirklich in Tränen ausbrechen, weil ich mich endlich mit meinen Gedanken in Gesellschaft gefühlt habe. Ich habe mich auch immer gefragt, was denn die Triebfeder meiner Sinnsuche denn ist – sie kam mir immer ein wenig suspekt vor und außerdem abhängig von meiner momentanen Verfassung! Glückliche Menschen fragen selten nach dem Sinn!

    Seit meinem Abitur begleitet mich diese Frage nach dem Sinn und die Suche nach einer sinnvollen Arbeit/Beschäftigung. Eine 1,3 in der Klausur im Studium bedeutet mir nichts, es ist nur eine Ziffer im Internet – da ist kein Lehrer mehr, der einem diesen lohnenden Blick zuwirft. Durch deinen Anstoß bin ich mir jetzt darüber bewusst geworden, dass es tatsächlich die fehlende Anerkennung meiner Leistungen ist, die mir so zusetzt und die mich schon zwei mal in eine schwere Depression hat stürzen lassen.

    • Hallo Niko,

      danke für deinen mutigen Kommentar! Ich hoffe, du wirst dein Leben dahingehend ausrichten können, wieder etwas mehr Anerkennung zu bekommen.

      Viele Grüße
      Patrick

  23. Sehr intensiver Artikel! Ich bin in einer selbstgegründeten partei der Vorstandschef und arbeite aktuell daran die Menschheit von Rückenschmerzen zu befreien. Nebenher mache ich noch Musik und allerhand andere Dinge und bin tatsächlich den Großteil der Zeit wirklich glücklich. Sowohl innerlich als auch von der äußeren Anerkennung. Aber das Grundproblem was du hier beschrieben hast, ist irgendwo auch in mir noch immer verwurzelt. Ich weiß allerdings noch immer nicht wie ich dieses genau löse, zumal es nicht so groß ist wie bei dir einst (glaube ich zumindest). Aber ich lese mir erstmal deine verlinkten Artikel dazu durch, vielleicht bin ich dann erleuchteter. Danke in jedem Falle, du hast mich grad wieder massiv zum grübeln angeregt!

    LG
    Ben

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