Lass dich nicht täuschen – Wie wir bei Lebensmitteln in die Irre geführt werden

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„Im Grunde weiß doch der Verbraucher bei den Lebensmittelprodukten ebenso wenig wie bei den Finanzprodukten, was er kauft.”

Diese Aussage von Foodwatch-Gründer Thilo Bode (Quelle) trifft es ganz gut: Bei Lebensmitteln stehen wir ganz schön doof da.

Weißt du, was du isst? Wohl kaum, wenn du Light-Produkte, “Wellness-Drinks”, “Bio-Salz” und Erdbeerjoghurt kaufst.

Vielleicht ist es vielen von uns auch egal – ein wahrhaft gefundenes Fressen für die Lebensmittelindustrie:

„In Deutschland zerbrechen sich viele Menschen eher den Kopf darüber, mit welchem Sprit sie ihr Auto tanken, als darüber, welchen Sprit sie sich selbst zuführen.“

Diese Feststellung von Christoph Maria Herbst in einem Fernsehinterview hat einen bleibenden Eindruck bei Patrick und mir hinterlassen. Wir sind keine Öko-Bio-Freaks, aber einige der in diesem Beitrag folgenden Täuschungen bei Lebensmitteln haben uns erschüttert. Wir sind fassungslos, fast desillusioniert – und fühlen uns wieder einmal bestätigt, dass echte Lebensmittel immer noch die beste Wahl sind.

Ich möchte in diesem Beitrag daher zum Thema machen, was viele von uns über Lebensmittel nicht wissen dürften: kleine und große Schwindeleien, falsche Versprechungen, Pseudo-Claims und Rechentricks.

Mein Ziel ist erreicht, wenn du nach diesem Artikel mit offeneren Augen durch den Supermarkt gehst, skeptischer gegenüber Werbeaussagen bist und deine bisherigen Kaufentscheidungen überdenkst.

Wir haben doch das Internet!

Man möchte meinen, dass wir ausreichend gebildet und dank des Internets gut informiert über unser Essen sind. Trotzdem überraschen mich Dokus und Blogartikel immer wieder. Bei ca. 10.000 Produkten in einem Supermarkt kann ich auch nicht über alles Bescheid wissen! Doch je mehr ich weiß, desto befangener bin ich in meinen Kaufentscheidungen.

Als ich vor einigen Jahren die Doku “Billige Brötchen” sah, war ich schockiert. Backshops konnte ich seitdem nicht mehr ansteuern. Später verstärkten Dokus über Schokoladen- und Kaffeeproduktion meinen Weltschmerz. Seit der ZDF-Doku “Wie gut ist unsere Milch?” weiß ich auch über Milch besser Bescheid.

Immerhin gibt es schon seit einigen Jahren Initiativen für mehr Aufklärung. Foodwatch geht gegen verbrauchertäuschende Praktiken der Lebensmittelindustrie vor und hat dazu beigetragen, dass einige Produkte vom Markt genommen bzw. Werbeaussagen oder Rezepturen geändert wurden (siehe Tabelle hier).

Außerdem gibt es die Portale Lebensmittelklarheit.de (von den Verbraucherzentralen betrieben) und Lebensmittelwarnung.de (vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit). Nicht zuletzt haben die Filme „We feed the world“ (2005)“ und “Food Inc“ (2008) zu mehr Aufklärung beigetragen.

Doch bis sich Irreführung und Täuschung herumsprechen, vergeht Zeit. Bis Unternehmen reagieren, noch mehr. Wir sind immer noch weit davon entfernt, gut Bescheid zu wissen. Wahrscheinlich werden wir es auch nie, da wenige Großkonzerne die weltweite Lebensmittelproduktion dominieren. Unsere Gesundheit liegt zu einem großen Teil in ihren Händen.

Es folgt nun eine Auswahl von Lebensmitteln, bei der uns die Industrie in die Irre führt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Was deiner Meinung nach fehlt, kannst du gern unter dem Beitrag kommentieren.


 gummibärchen

Unsportlichkeiten und Rechentricks

Sportler sind oft Werbegesichter für Produkte, die alles andere als sportlich sind, z. B. Kartoffelchips und Schokolade. Gerade bei Kindern und Jugendlichen genießen die Idole großes Vertrauen, weshalb das Ganze noch kritischer zu sehen ist. Zum Beispiel Müller für Müllermilch schreibt Foodwatch: “Thomas Müller scheint seit seiner WM-Leistung schwer beliebt bei der Industrie. Für Müllermilch hat er sich Unterstützung seines Namensvetters Gerd Müller geholt. Und die von Müllermilch haben mitgedacht, denn der Zuckergehalt des Schoko-Drinks reicht mindestens für zwei. Pro Flasche sind es etwa 15 Stück Würfelzucker.” (Quelle)

Auf angeblich glücklich machende Kekse bin ich über “Die Höhle der Löwen” aufmerksam geworden. Sie seien in einem hektischen Alltag auch ein guter Mittagessen-Ersatz – also bitte! “Warum habt ihr es nicht gesund gemacht?”, fragt die Löwin Judith Williams berechtigterweise. Kekse machen langfristig fett und süchtig. Kein Wunder, dass die Investoren in Zeiten von Übergewicht, Diabetes & Co. nicht begeistert waren.

Mit dem Kauf heimischer Produkte glaubte ich lange Zeit Unternehmen aus der Region zu unterstützen. Bis ich hörte, dass sich der Name auf die Rezeptur, die Herstellung oder die Herkunft der Rohstoffe beziehen kann (Quelle). Sachsenmilch Speisequark kann trotzdem Milch aus Bayern enthalten (Quelle). “Schwarzwälder Schinken” muss nicht heißen, dass das Schwein aus dem Schwarzwald kommt (Quelle). Wenn du es nicht glaubst, sieh dir die Hart aber fair Sendung “Wie korrekt muss unser Essen sein?” an.

Eine Prise Betrug betitelte die Süddeutsche Zeitung ihren Artikel über kreatives Salz-Marketing. Eine Bio-Kennzeichnung sei z. B. eine Täuschung, da Salz keinen landwirtschaftlichen Ursprung habe und nicht biozertifiziert sein könne. Auch gut: Himalaya-Salz, das aus Pakistan stammt (200 Kilometer entfernt vom Himalaya). (Quelle)

Ein Lebensmittel enthält viel Zucker oder Fett? Dann machen wir einfach die Portionen kleiner! Nährwertangaben pro Portion auf der Verpackung täuschen darüber hinweg, wie ungesund ein Produkt ist. Kaum jemand schüttet sich beispielsweise nur 40 Gramm von seinen Frühstücksflocken in die Schüssel. Außerdem wird immer die Milch vernachlässigt, welche die meisten Verbrauchen aber verwenden dürften. (Quelle)

Noch ein Rechentrick führt Fruchtgummi mit 35 Prozent Fruchtanteil in der Füllung vor. Die Füllung macht nur 12,3 Prozent des Produkts aus. Wir reden also von 4,3 (statt 35) Prozent Fruchtanteil. Auch schön: ein Schokoladenpudding mit 75 Prozent Kakao. Ups, gemeint sind 75 Prozent Kakaoanteil in der Schokolade. Doof nur, dass die gerade mal 2,5 Prozent ausmacht. Wir sprechen also von 1,875 Prozent Kakao. (Quelle)

Last but not least: Was erwartest du von einer Gemüsefrikadelle? Bestimmt nicht, dass Fleisch enthalten ist – ist es aber! Auch “Mini-Gemüse-Nuggets mit Geflügelfleisch nach Art einer Gemüsefrikadelle“ erregten kürzlich viel Aufsehen (Quelle).

Fazit: Lass dich nicht täuschen und achte auf die Nährstoffangaben pro 100g statt pro Riegel oder pro Portion. Sieh dir genau an, wo die Produkte herkommen. Lass dich nicht von neckischen Prozentangaben ins Bockshorn jagen.

brot brötchen

Brot und Brötchen: Fließbänder, “Frische” und Farbe

“Frisch gebacken” heißt nicht unbedingt, dass ein weißbemützter Bäcker des nachts mit Liebe den Teig geknetet hat. Oft kommen Teiglinge u. a. aus Polen, haben dort monatelang tiefgekühlt gewartet, um in deutschen Backshops “frisch” aufgebacken zu werden. Damit der Teig sich in Fabriken gut verarbeiten lässt und nicht am Fließband kleben bleibt, werden viele Zusätze verwendet. Was diese (irgendwann mal) im menschlichen Körper anstellen, weiß keiner so genau. Es fragt aber auch niemand. Falls du es nicht glaubst, sieh dir die Dokumentation “Billige Brötchen” an!

Brot ist sowieso gesünder als Brötchen, brachte mir schon meine Oma bei. Beherzt griff ich jahrelang zum “Vital-Brot” oder anderen dunklen “Vollkornbroten” im Supermarkt. Dunkel heißt schließlich gesund, oder? Fehlanzeige. Seit ich von der Färberei erfuhr, riskierte ich fortan einen Blick auf die Zutatenliste und fand dort stets: Zuckerrübensirup, Karamellsirup, Malzextrakt oder Röstmalz.

Was hat Sirup im Brot zu suchen? Eigentlich nichts, aber die dadurch erzeugte dunkle Farbe lässt uns glauben, es handle sich um ein gesundes Vollkornbrot (Quelle 1, Quelle 2).

Fazit: Ich versuche möglichst oft bei echten Bäckern zu kaufen. Darunter verstehe ich Bäcker, die noch selbst backen. Wenn du unsicher bist, ob es ein echter Bäcker ist, kannst du auch nachfragen. Ein gutes Indiz ist ein kleiner Verkaufsraum, hinter dem eine große Backstube liegt.

Falls ich doch mal ein Brot im Supermarkt kaufe, lese ich mir die Inhaltsstoffe durch. Von Sirup lasse ich mich nicht täuschen. Dann nehme ich lieber ein Nicht-Vollkornbrot, das wenigstens nicht vorgibt, eines zu sein.

löffel mit zucker

Light-Produkte: Darf’s noch etwas Milch und Zucker sein?

Light-Produkte sollen fett- bzw. zuckerarm sein. Dafür enthalten sie viele Zusätze, um trotzdem gut zu schmecken. Irgendwo muss das Aroma herkommen, denn ohne Fett fehlt ein wichtiger Geschmacksträger. Ein fettarmer Light-Joghurt wird daher auch mal mit Zucker aufgefüllt. Geschmacksverstärker und andere chemische Zutaten erledigen den Rest. (Quelle)

“Light” bedeutet dann zwar fettarm, aber trotzdem kalorienreich und unnatürlich (Quelle). Die Industrie verwendet auch Süßstoffe oder Wasser mit Bindemittel, um die Produkte schmackhaft zu machen. Teilweise werden sie mit Luft oder Stickstoff aufgeschlagen, um das Volumen zu vergrößern (Quelle). Falls du es nicht glaubst, sieh dir diesen SWR-Marktcheck-Beitrag an.

Eine Sahnesoße, die nicht so reinhaut? Klingt zu schön, um wahr zu sein. Die schlechte Nachricht: Sahneersatz wie z. B. “Rama Cremefine” hat nichts mit dem Ausgangsprodukt Milch und damit auch nichts mit Sahne zu tun. Okay, “Sahne” steht auch nicht drauf!

Es handelt sich um teures Wasser mit Pflanzenfett, ein paar Zusätzen und ein bisschen Milchpulver.

Besser und günstiger als Pseudosahne ist echte Sahne, die du selbst streckst. Falls du es nicht glaubst, sieh dir “Wie gut ist unsere Milch?” an.

Es gibt ein ganzes Arsenal von pseudo-gesunden Frühstücksflocken und Müslis, die immer noch viel Zucker enthalten. „Zuckerfreie, -arme und -reduzierte“ Produkte klingen zwar nach einem guten Deal, doch gesund sind sie nicht unbedingt (Quelle):

  • Für den Claim “weniger süß” gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Jeder kann es behaupten.
  • “Reduzierter Zuckergehalt” heißt 30 Prozent weniger Zucker als in vergleichbaren Produkten. Bei 40 Prozent Zucker im Ausgangsprodukt liegt der Zuckeranteil in der zuckerreduzierten Version aber immer noch über dem Durchschnitt.
  • “Zuckerarm” bedeutet immer noch bis zu 5 Prozent Zucker. Glukosesirup wird dabei nicht mitgezählt und wird so versteckt. Er taucht in der Nährwerttabelle nicht beim Zucker auf (siehe gefärbtes Brot).
  • “Mit Süße aus Früchten” klingt gesund. Dahinter verbirgt sich Fruktose. Die Industrie verwendet sie gern in Fertigessen, Joghurt, Getränken und vielen anderen Lebensmitteln, denn Fruchtzucker ist billiger und süßer als Haushaltszucker. Was sich erst langsam rumspricht: Zu viel Fruktose kann zu Insulinresistenzen, Fettstoffwechselstörungen und Fettleibigkeit führen (siehe “Fat Chance”). Wir konsumieren heute schon ca. 50 Gramm Fruktose pro Tag. In den USA sind es ca. 80 Gramm. Unsere Eltern kamen früher mit weniger Fertigessen und einem normalen Obstverzehr nur auf 16 bis 24 Gramm ( siehe “Darm mit Charme”).
  • Ohne Zucker – es klingt immer nach einem guten Deal, wenn kein Zucker enthalten ist. Doch wenn das Lebensmittel süß ist, muss das irgendwoher kommen.

Über Zuckerersatz hat Patrick neulich schon ausführlich geschrieben. Ich möchte das Beispiel Stevia herausgreifen, auf das viele schwören. Nicht nur Coca Cola vermarktet das ursprünglich aus einer Pflanze gewonnene Süßungsmittel als gesunden Zuckerersatz.

Dazu schreibt Patrick: Coca Cola kleidet sein Steviagetränk in ein grünes Etikett, um ein gesundes Produkt zu suggerieren. Wer sich bisher fragte, ob Cola Light gesünder ist als die Original-Cola, kann sich nun für den Kompromiss Cola Life entscheiden: Sie enthält sowohl Zucker als auch Süßstoff, denn Stevia ist nichts anderes als ein weiterer synthetisch hergestellter Süßstoff. […] 

Stevia wird von der Europäischen Lebensmittelbehörde als unbedenklich eingestuft, aber mit Einschränkungen. Die zugelassenen Höchstmengen sind so gering, dass Unternehmen ihre Produkte nicht ausschließlich mit Stevia süßen können, weil sie die Grenzen überschreiten würden (mehr dazu hier). Folglich ist auch das nach seiner Zulassung gehypte Stevia mittlerweile entzaubert und nur ein weiterer Stoff aus dem Chemielabor.”

Abnehmen kann man mit Light-Produkten übrigens mit großer Wahrscheinlichkeit nicht, denn es gibt Studien, die zum Teil dafür sprechen, dass Zuckerersatz-Produkte noch dicker machen (Quelle).

Fazit Wir verwenden keine Light-Produkte und keinen Zuckerersatz, denn wir halten beides für Augenwischerei. Wir mischen unser Müsli selber aus einem langweiligen Basismüsli ohne Schickschnack mit frischem Obst bzw. Trockenobst (in Maßen).

milchprodukte

Snacks und Milchprodukte

Snacks und Fertiggerichte mögen auf den ersten Blick dank eines raffinierten Serviervorschlags gesund anmuten. Langfristig machen sie krank und süchtig. Das haben wir ausführlich in “Esst Echtes Essen!” erläutert. Fertigessen schmeckt nicht zufällig gut. Es ist die Mischung aus Fett, Zucker und Salz, die lecker ist (wenn du nichts anderes kennst) und bei der du schwer wieder aufhören kannst. Versuche mit Ratten haben gezeigt, dass Kartoffelchips die Zentren im Gehirn aktivieren, die sonst bei Drogensüchtigen aktiv sind. Ratten können genauso wenig mit dem Fressen aufhören wie wir auf der Couch. Wenn du es nicht glaubst, sieh dir diese NDR-Doku an.

Ein malerisches Milchglas auf der Verpackung muss noch lange nichts heißen. Die ZDF-Doku “Wie gut ist unsere Milch?” zeigt, dass der Milchanteil eines Snacks gerade bei Kinderprodukten beschönigt wird (Quelle). Experten sprechen daher von Verbrauchertäuschung, schließlich sei die ausgewiesene Zutat Milch nur in geringen Anteilen enthalten. Immerhin den Kinderriegel bewirbt Ferrero seit 2012 nicht mehr mit der “Extra-Portion Milch”, da sie scheinbar eingesehen haben, dass es Quatsch ist! (Quelle)

Wenn wir schon bei Milch sind: „Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch.“ Damit warb Milchschnitte, bis Foodwatch dagegen protestierte, denn der Snack besteht zu 60 Prozent aus Fett und Zucker. Von leicht könne keine Rede sein. (Quelle)

Nicht Böses ahnend packte ich früher öfters einen Erdbeerjoghurt in meinen Einkaufskorb. Damals wusste ich noch nicht, dass ein Becher weniger als eine Erdbeere enthält (siehe “Wie gut ist unsere Milch?”). Bei einem Test kamen nur wenige Joghurts ohne Aromazusatz aus und “für alle aromatisierten Erdbeerjogurts gilt: Mit echtem Erdbeeraroma hat ihre frei komponierte Mischung weniger Aroma­stoffe wenig zu tun” (Quelle).

Das mit der „Natürlichkeit” ist ohnehin so eine Sache. Was erwartest du z. B. bei Himbeerjoghurt, Vanille-Keksen oder Heidelbeer-Früchtetee mit den jeweiligen Zutaten auf der Verpackung und der Aufschrift “natürliche Zutaten” bzw. “natürliches Aroma”? Etwa echte Vanilleschoten, Himbeeren und Heidelbeeren? Du bist ja lustig. Reiskleie als Aromaspender lautet die Antwort!

Natürliches Aroma kann aus irgendwelchen pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen gewonnen werden. Es heißt ja schließlich nicht „natürliches Vanillearoma“ oder „natürliches Himbeeraroma“! Da muss wieder erst ein Gericht (Quelle) entscheiden, dass die Zutaten auf der Verpackung auch enthalten sein müssen. Kommt man ja nicht drauf!  (Quelle 1, Quelle 2)

Fazit: Wir kochen selbst – und zwar mit echten Lebensmitteln. Gekaufte Snacks erkennen wir als das an, was sie sind: Süßigkeiten. Wenn es etwas Gekauftes sein muss, wählen wir möglichst zuckerfreie und ursprüngliche Produkte. Die gesündesten Snacks sind immer noch Obst und Gemüse. Ab und an bereiten wir unsere Snacks auch selber zu. Patrick hat neulich z. B. Energieriegel ohne Zucker gebacken. Erdbeerjoghurt enthält die meisten Erdbeeren, wenn wir sie selbst in den Naturjoghurt geben (frisch oder TK) .

kinderlebensmittel

Falsche Versprechen und Pseudo-Image

Functional food (funktionelle Lebensmittel) liegt im Trend. Da wirbt die Industrie gern mal mit der Verpackungsaufschrift „Verdauungsjoghurt“ oder „wertvolle Wachstumsbausteine (Eisen, Jod und Zink)”. Viele Gesundheitsversprechen sind nicht zugelassen bzw. wurde deren erlaubter Wortlaut verändert, um werbewirksamer zu sein. (Quelle)

Besonders bei Kinderlebensmitteln macht das die Industrie gern (Quelle). Dabei sind sie fast unter Garantie fett und süß. Hauptsache die Verpackung ist bunt! Muss wirklich erst wieder Foodwatch kommen und gesetzliche Regelungen fordern? Freiwillige Selbstbeschränkungen haben jedenfalls keine durchschlagende Wirkung. (Quelle)

Ein prominentes Gesundheitsversprechen machte der Trinkjoghurt Actimel, der laut Foodwatch viel Zucker, aber kaum gesundheitliche Vorteile gegenüber Naturjoghurt zu bieten hat (Quelle). Da helfe auch das Öko-Siegel nichts, denn das hat mit der Wirkung auf die Gesundheit nichts zu tun (Quelle).

Welche Claims auf Verpackungen verwendet werden, welche davon erlaubt sind und welche nicht, erfährst du in diesem Bericht der Verbraucherzentralen.

Auch der Mythos Vitaminmangel ist Ausgangspunkt vieler Gesundheitsversprechen. Beim Thema Nahrungsergänzungsmittel scheiden sich die Geister, weshalb es allein mehrere Blogs füllen könnte. Ich greife daher nur ein paar Beispiele heraus:

  • Der häufig angesprochene Vitamin-C-Mangel besteht nicht, denn damit sind wir in der Regel gut versorgt (Quelle).
  • Eine Studie hat gezeigt, dass die Einnahme von Vitamin E (Anti-Aging-Präparat beworben) und Beta-Carotin (= Vorstufe von Vitamin A) schädlich war und die Sterblichkeit erhöhte (Quelle).
  • Ausgerechnet bei einigen Vitaminen, also den Nahrungsergänzungsmitteln mit dem vielleicht positivsten Image, lauern erwiesenermaßen Risiken. Das gilt vor allem für die fettlöslichen Vitamine, also A, D und E. Beispiel Vitamin A: Bei Überdosierung drohen Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörungen, bis hin zu Katastrophen wie Leberzirrhose oder Überdruck der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit.”, so der Ernährungswissenschaftler Prof. Stehle (Quelle).
  • Eine andere Studie über Multivitamin-Präparate zeigte, dass kein Effekt nachweisbar war (Quelle).
  • Sportwissenschaftler rätseln übrigens auch, warum Magnesium zu dem Ruf kam Krämpfe zu reduzieren, denn darüber gäbe es keine wissenschaftlichen Nachweis (Quelle).

Glaube ich meinen Quellen, z. B. dem Beitrag des Deutschlandfunks, so sind Nahrungsergänzungsmittel überflüssig – selbst bei Vegetariern und Fast-Food-Fans.

Es muss jeder für sich entscheiden, doch im Hinterkopf sollten wir haben: Hinter Vitaminpillen & Co. steht eine mächtige Industrie, die kein Interesse daran hat, dass Nebenwirkungen oder die Wirkungslosigkeit Themen in den Medien werden. Allein deshalb wäre ich skeptisch.

Wellness-Getränke” versprechen Entspannung und Wohlbefinden dank Melisse, Aloe-Vera, Malve – was auch immer gesund klingt und nicht bei drei auf dem Ginkobaum ist. Melisse beruhigt, das ist unbestritten. Ob die gleiche Wirkung bei Melissenextrakten zusammen mit Mineralwasser und anderen Kräutern besteht, ist nicht erwiesen. Dank medialer Berichterstattung über Aloe Vera und Co. übertragen wir Konsumenten den Nutzen aber automatisch auch auf ihren Wellness-Drink (Quelle).

Auch Säfte sind nicht so gesund, wie die frischen Früchtchen auf dem Etikett vorgeben. Das Problem: der Fruchtzucker, von dem wir sowieso schon große Mengen über das Essen aufnehmen (Quelle). Außerdem gehen bei der Verarbeitung die Ballaststoffe im Obst kaputt, die verhindern, dass unser Blutzuckerspiegel in die Höhe schießt (mehr dazu, wie Zucker in unserem Körper funktioniert).

Wasser mit Fruchtgeschmack ist beliebt, aber auch nicht besser. Die enthaltenen Kunstaromen (anstelle von Fruchtnoten) kommentiert die Chefredakteurin der Zeitschrift “test” Anita Stocker: „Das ist irreführend: Keines der Getränke enthält ein vollständiges Fruchtaroma, nennenswerten Fruchtsaft oder Fruchtmark.“ (Quelle sowie Infos zu den einzelnen Produkten)

Von “alkoholfreien” Getränken, die nicht alkoholfrei sind, hast du bestimmt schon gehört. Interessanter ist, dass der WDR 1998 Alkohol in Kindersüßigkeiten aufdeckte (Quelle). Ausschlaggebend war die Gesetzeslücke, dass Alkohol nicht in der Zutatenliste ausgewiesen werden muss, wenn er lediglich ein Hilfsmittel oder Trägerstoff ist. Nestlé und Ferrero hatten daraufhin zwar erklärt, der Alkoholgehalt sei unbedenklich, aber letztendlich doch die Rezeptur geändert. (Quelle)

Fazit: Das einzige Wellness- und garantiert alkoholfreie Getränk, das ich kenne, heißt Wasser und kann mit Früchten oder Kräutern aufgepeppt werden.

eier

Eier

Früher bekam ich regelmäßig glückliche Eier von glücklichen Hühnern, die auf dem Bauernhof meiner Großeltern lebten. Als ich wegzog und der Nachschub versiegte, entschied ich mich manchmal für Eier aus „Freilandhaltung“. Bis ich erfuhr, dass diese eher theoretischer Natur ist, denn in der Realität haben die Hühner nicht immer Freigang.

Outdoor-Erlebnisse bleiben aus, wenn Seuchengefahr besteht (noch Wochen später können die Eier als Freilandhaltung deklariert werden), sich die Hühner aufgrund ihrer Art erst ab einem gewissen Alter raustrauen, am Wochenende niemand aufmacht bzw. nicht genau kontrolliert werden kann (Quelle).

Die Vorgabe lautet, dass bis zu 500 Hühner jeweils einen Ausgang mit einem Meter Breite haben. In einer Halle leben bis zu 6.000 Hühner. Es ist unwahrscheinlich, dass jedes Huhn jeden Tag den Ausgang findet (“Tiere Essen”). Bio-Hühnern geht es leider auch oft nicht viel besser (Quelle).

Fazit: Wir sind dafür, den Eierkonsum zu drosseln und möglichst Eier von einem Bauernhof/Hofladen/Bioladen mit vertretbarer Quelle zu besorgen. Der Stempel auf den Eiern gibt Aufschluss über die Herkunft (Infos zum Kennzeichnungssystem). Wer noch Großeltern mit eigenen Hühnern oder Kontakte zu Haltern von glücklichen Hühnern hat, ist fein raus.

fleischtheke

Fleisch

In der Fleischabteilung suggerieren “Frischeboxen” mit malerischen Landschaften, viel Grün und romantischen Markennamen wie “Purland” die pure Idylle. Doch davon kann wirklich keine Rede sein. Billiges Fleisch enthält bekanntermaßen viel Wasser (Quelle) und kann nur so günstig sein, weil die Tiere unter entsprechenden Bedingungen leben (siehe Informationen über verschiedene Siegel).

Ohne eine Grundsatzdebatte über Fleischverzehr anzustoßen: Die Tiere zahlen einen hohen Preis für unseren wachsenden Bedarf bei niedriger Zahlungsbereitschaft. “Ferkel werden mit den Schlachtüberresten von Artgenossen gefüttert, Muttersauen über Wochen mit Metallbügeln fixiert und Eber beißen sich gegenseitig blutig” (Quelle). Selbst wenn nur die Hälfte davon auf alle Betriebe zutrifft, ist das im wahrsten Sinne des Wortes eine Riesensauerei. Da kann die Verpackung noch so grün und die Aufschrift noch so verklärend sein!

Viele denken, Hühnchen sei noch die bessere Wahl, weil das Fleisch fettarm ist. Doch in konventioneller Massenproduktion kippen im Eiltempo hochgezüchtete Hennen vornüber, sie können sich kaum normal bewegen oder auf einer Stange sitzen, so viel Gewicht schleppen sie mit sich herum (Teil 1, Teil 2 der ZDF-Zeit-Doku “Projekt Hühnerhof”). Die Missstände bei der Geflügelzucht würden allein einen ganzen Artikel füllen. Hühnchen mag ein gesundes Image haben, doch auch das basiert auf Unwissen, wie ich in “Darm mit Charme” gelernt habe (ich versuche es kurz zu machen):

Salmonellen gelangen in Hühnerfleisch und Eier, da Hühnerfutter oft aus Afrika mit frei lebenden Schildkröten stammt. Salmonellen gehören zu deren Darmflora. Schildkröten machen ihr Häufchen in Getreidefeldern, deren Ernte unsere Hühner fressen. So landen die Salmonellen im Hühnerdarm bzw. im Kot und an Eiern. Wenn die Schale kaputtgeht, befallen die Salmonellen auch Eier. Ins Fleisch kommen die Salmonellen durch die Verarbeitung in Schlachtbetrieben. Bei Hitze gehen sie zwar kaputt und stellen kein Problem mehr dar, beim Auftauen im Waschbecken bleiben Salmonellen allerdings zurück und befallen dann den Salat, den wir dort abwaschen.

Fazit: Es täte uns allen und der Umwelt gut, wenn jeder Mensch seinen Fleischkonsum hinterfragen bzw. drosseln würde. Patrick und ich leben vegetarisch, wobei ich Fleisch esse, wenn ich mit der Haltung und der Schlachtung einverstanden bin. Das kommt nur wenige Male im Jahr vor, wenn ich Fleisch aus dem Dorf meiner Schwiegereltern beziehe.

fisch

Fisch

Dann lieber Fisch? “Challenge accepted”, sprach Fischers Fritze. Doch wer sieht schon durch im Angebotsdschungel?

Wildlachs oder Wildwasserlachs? Ist das nicht das Gleiche? Nö! Ersterer wurde in freier Natur gefischt, letzterer stammt aus Fischfarmen, wo die Fische in fließendem Wasser aufwachsen (Quelle). Früher dachte ich: Lieber in Aquakulturen gezüchteter Fisch, der ist wenigstens nicht vom Aussterben bedroht. Dann las ich in “Tiere essen” von den beengten Käfigen, dem Antibiotika-Einsatz und dachte: doch lieber nicht!

Vom Regen in die (Meeres-) Traufe: Selbst Käpt’n Blaubär wäre geschockt über den Raubbau an den weltweiten Fischbeständen: “Auf zehn Thunfische, Haie und andere große Raubfische, die vor 50 bis 100 Jahren in unseren Meeren schwammen, kommt heute nur noch einer.” (“Tiere Essen”).

Der Beifang ist dabei ein großes Problem, wie J. F. Foer ausführt: “Ein durchschnittlicher Garnelenkutter wirft 80 bis 90 Prozent der Meerestiere, die er fängt, tot oder sterbend wieder über Bord. (Dieser Beifang besteht zu einem großen Teil aus gefährdeten Arten.)” Beim Thunfischfang werden auf gleiche Weise regelmäßig 145 andere Arten unnötigerweise getötet.

Das blaue Marine-Stewardship-Council-(MSC)-Siegel bietet dem verwirrten Fischkäufer eine erste Orientierung am (Tief-) Kühlregal. Es steht für nachhaltigen Fischfang aus Wildbeständen, schließt allerdings keine Fangmethode aus, d. h. es kommen auch Grundschleppnetze mit Eisenhaken zum Einsatz, die über den Meeresboden gezogen werden und tiefe Furchen hinterlassen (Quelle). Greenpeace sagt dazu in seinem Fisch-Einkaufsratgeber:

“Mittlerweile gibt es einige zertifizierte Fischprodukte: Das „Marine Stewardship Council“ (MSC) zertifiziert Wild-Fischereien, das neue „Aquaculture Stewardship Council“ (ASC) Produkte aus Aquakultur. […] Alle Zertifizierungen haben aus der Sicht von Greenpeace Stärken und Schwächen. Jedoch kann der Verbraucher bei keinem der genannten Siegel bedenkenlos auf nachhaltige Produkte vertrauen. Greenpeace empfiehlt daher auch zertifizierte Produkte mit dem Greenpeace-Fischratgeber zu vergleichen.”

Fazit:  Ich halte es beim Fisch wie mit Fleisch. Kann man Fisch noch essen? Es gibt laut Greenpeace kein pauschales Ja oder Nein. Es komme darauf an, über welche Arten aus welchen Regionen wir sprechen. Genaues erfährst du im aktuellen Fisch-Einkaufsratgeber von Greenpeace oder WWF, aber wer hat schon Lust das alles zu lesen?

Immer abzuwägen und genau zu recherchieren wäre uns zu kompliziert. Wenn es dir nicht zu anstrengend ist, mach dich schlau. Sieh dir die Siegel auf den Verpackungen an und sei kritisch.

“Es lieber nicht wissen wollen” ist für uns kein Argument.


Wie sagte noch Kant? “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.”

Seien wir doch so mutig, uns unseres Verstandes zu bedienen – nicht nur an der (Tief-) Kühltheke.


Erwähnte und weiterführende Literatur:

Fotos: Leerer Supermarktgang, verschwommen, Gummibärchen auf weißem Teller, Viele Brote und Brötchen von oben, Milchprodukte, Milch, Käse, Ricotta, Löffel mit verschiedenen Zuckerarten, Kind isst Frühstücksflocken mit Glas Milch, Hühnereier, Ladenregal mit Hackfleisch, Fischsteaks auf Marktauslage von Shutterstock

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