Umgang mit Saboteuren oder „Das ist aber keine Healthy Habit“

Bei Healthy Habits schreiben wir nicht über irgendwelche Themen. Es sind ausnahmslos Themen, mit denen wir uns tagtäglich seit einiger Zeit beschäftigen, die uns wichtig sind, die wir selbst ausprobiert haben und immer noch üben. Jeden Tag versuchen auch wir unsere Gewohnheiten durchzuhalten und das Häkchen am Abend setzen zu können.

Wir bekommen überwiegend positives Feedback und freuen uns darüber sehr. Wir hätten nie gedacht, dass wir in so kurzer Zeit – gerade mal zwei Monate! – schon so viele Leser und Mitmacher haben würden.

Es war trotzdem nur eine Frage der Zeit, wann wir die Anmerkung „Das ist aber keine Healthy Habit“ das erste Mal hören würden. Da es nun schon einige Male der Fall war, möchten wir ein paar Dinge klarstellen.

1. Wir schreiben über Gewohnheiten, nicht über Verbote

Wer überrascht ist, dass wir doch ab und zu etwas Ungesundes tun (ein oder zwei Stück Kuchen essen, Glühwein trinken, Sahne-Mascarpone-Dessert löffeln usw.), hat unsere Botschaft noch nicht ganz verstanden. Dazu muss ich ein bisschen weiter ausholen, denn unser Konzept ist zwar einfach, aber ganz so einfach – nie wieder Kuchen, dann ist alles gut – ist es auch wieder nicht.

Unsere Philosophie basiert auf einer ganzheitlichen Sicht. Wir sind der Meinung, dass es Körper, Geist und Seele gut gehen muss, damit wir langfristig gesund bleiben. Ist das der Fall, sind Schlemmereien ab und zu kein Problem. Es sind doch eher die innere Unzufriedenheit, Einsamkeit, Sorgen und Frust, die zum Dauernaschen und zu Fressattacken verleiten.

Sprich: wenn wir aus Angst, Einsamkeit & Co. einen Muffin nach dem anderen verdrücken, wäre das genau wider der Healthy Habits Philosophie. Sonst ist es – in Maßen – aber kein Ding. (Außerdem bewegen Patrick und ich uns ziemlich viel.)

Wir sind außerdem der Meinung, dass Verbote, auf denen Diäten meist basieren, nichts bringen. Das wäre, als würden wir dir sagen: „Denke jetzt nicht an einen Burger!“ Natürlich denkst du jetzt erst recht an einen Burger! Verzicht führt dazu, dass wir die verbotene Sünde nur noch mehr wollen.

Wir glauben, dass wir unsere Denkgewohnheiten ändern müssen, wenn wir etwas langfristig anders machen wollen. Wer häufiger Sport machen will, muss zunächst seine ganzen Ausreden im Kopf enttarnen und widerlegen. Wer gesünder essen will, sollte ebenfalls die physischen (keine ordentliche Ausstattung zum Kochen, keine frischen Lebensmittel eingekauft) und psychischen Hindernisse (ich habe keine Zeit) überwinden. Es geht nicht nur ums Wollen allein.

Jedenfalls sagen wir nicht, dass du auf dem Weg zum gesunden Gewohnheitstier nie wieder etwas naschen darfst. Ab und an ist das nicht das Problem. Es ist der Alltag mit Fertigessen, schlechten Essensgewohnheiten und unserer Bewegungsarmut, der uns krank und dick macht.

Wir verbieten dir (und uns) nichts, sondern regen nur an, wie du dich an eine gesündere Ernährung gewöhnen kannst und wie diese überhaupt aussieht.

2. Bewusst sündigen ist okay

Wir sündigen manchmal ganz bewusst. In einem neckischen Café in der Leipziger Südvorstadt (Marshall’s Mum) gibt es die leckersten Cupcakes seit es Cupcakes gibt. Wenn wir alle paar Wochen dort einkehren, essen wir manchmal – nicht immer – eine leckere hausgemachte KalorienbombeDas ist okay, solange es nicht jede Woche ist und wir sie nicht gedankenlos verdrücken.

Wie du in der Zucker-Reihe gelesen hast, kann es problematisch sein, wenn du schon zuckersüchtig bist, wie Patrick es war und ist (wie er selbst sagt). Wenn du also nicht aufhören kannst, fang lieber nicht an.

Mir macht es keine Schwierigkeiten nach einem Cupcake aufzuhören, da ich sonst relativ wenige Süßigkeiten esse und daher schon von der Süße des ersten Muffins absolut satt bin. Ich brauche nicht noch einen zweiten. Ich weiß allerdings, dass sich mein Gefühl „etwas Süßes zu brauchen“ verstärkt, wenn ich mehrere Tage hintereinander Kuchen oder Süßigkeiten esse. Es würde zur Gewohnheit werden. Also bleibe ich bei einer süßen Ausnahme.

Mir ist folglich bewusst, dass ein Cupcake (oder ein Burger) ernährungstechnisch nicht gerade wertvoll ist, aber für den Genuss ab und zu und in geselliger Runde ist es ein schöner Moment, den ich mir für den Geist gönne.

3. Wir sind auch nur Menschen

Ich weiß nicht, warum viele Menschen sich bedroht fühlen, wenn jemand etwas anders macht als sie. Sobald jemand ausschert aus gängigen Denk- und Essgewohnheiten bekommen manche Leute Angst. Sie fühlen sich vielleicht in Frage gestellt, weil sie seit Jahren anders denken/essen und daran auch nicht rütteln werden.

Wir wollen dir nicht vorschreiben, was du tun sollst. Wir wissen es nicht viel besser als du. Wir haben lediglich Erfahrungen gemacht, die uns geholfen haben. Die geben wir gern weiter und diskutieren sie mit dir.

Ab und zu versuchen die Zweifler und Saboteure, wenn wir über die Etablierung neuer Gewohnheiten reden, uns davon abzubringen. Vielleicht ging oder geht dir das selbst so. Du willst öfter joggen gehen und hörst daraufhin erst mal „Bei der kalten Luft ist das aber nicht gut.“ oder „Laufen ist doch langweilig.“ oder „Der Mensch ist nicht zum stundenlangen Laufen gemacht.“

Alles schön und gut – jeder darf seine Meinung haben. Oft wird aber auch auf der fehlenden Konsequenz rumgehackt. Als Vegetarier habe ich schon gehört: „Aber Eier und Käse isst du ja auch.“ (Ja, ist mir bewusst. Momentan wäre mir eine vegane Ernährung aber zu anstrengend.) Warum versuchen viele Leute die Fehler zu finden? Die Krümel im Käse? Das Haar in der Suppe?

Wenn du uns bei irgendetwas beobachtest, was „keine Healthy Habit“ ist, wir aber ansonsten einen geistig halbwegs stabilen Eindruck machen – sorge dich nicht! Höchstwahrscheinlich haben wir alles unter Kontrolle. Wir haben sogar gute Gründe, nur zu 80 Prozent konsequent zu sein.

Falls du selbst solche Sprüche zu hören bekommst, raten wir dir diese Dinge, die wir selber beherzigen:

  • Besinne dich auf dein Warum! Warum willst du mehr Sport machen, mehr Obst essen oder selber kochen? So fällt dir eine Begründung gegenüber einem Zweifler leichter!
  • Mach weiter! Lass dich nicht von deinem Vorhaben abbringen, auch wenn du mal schwach wirst!
  • Versuch es weiter und leg die Latte tiefer!
  • Meide Saboteure wenigstens in der ersten Zeit, bis du stabil in deinem Denken und Handeln bist!
  • Fühl dich nicht angegriffen! Kritik und Zweifel haben wahrscheinlich mehr mit deinem Gegenüber (Selbstzweifel, Angst) zu tun als mit dir!

Hast du Saboteure in deinem Umkreis? Wenn ja, wie begegnest du ihnen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!


Foto: Lunchbox von Shutterstock

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7 Kommentare

  1. Erst mal ein dickes Lob an euch und eure Seite, macht weiter so und lasst euch auch weiterhin nicht von Saboteuren verunsichern! :-)

    Das Thema „Warum versuchen viele Leute die Fehler zu finden?“ kenne ich auch gut, z. B. werden meinem Mann und mir vorgeworfen, wir leben doch ach so gesund, trinken aber trotzdem mal eine Cola, essen was Süßes etc. 1. „nur“ weil man Vegetarier / Veganer ist, ernährt man sich nicht nur noch von Obst und Gemüse und 2. sind Ausnahmen, Seelenfutter auch erlaubt (solange vegetarisch / vegan) – wie ihr ja schon richtig schreibt :-)
    Wir ignorieren solche Aussagen, oder, wenn die Leute ganz „hartnäckig“ sind, begegnen wir den Leuten mit „und wie gesund lebst du?“ – wirkt Wunder ;-)

    • Hallo Bhakti,

      vielen Dank für dein Lob und die Anregung! Das ist wirklich eine gute Gegenfrage :-)

      Viele Grüße
      Jasmin

  2. ich finde es schwierig, mich von dem zu lösen, was mir andere im Brustton der Überzeugung einreden wollen. Wenn ich nachdenke, geht es, doch im ersten Moment lasse ich mich immer wieder überrumpeln. Aber auch daran kann man arbeiten.
    Mir hat am meisten geholfen, daß Sprüche wie „Schnittverderber“ nicht mein Problem sind, sondern dem Minderwertigkeitsgefühl des Gegenübers. Als ich erkannt habe, daß ich gar nichts falsch mache, sondern daß mein Gegenüber mit sich selbst unzufrieden ist und das auf mich als willigen Sündenbock ablädt, wurde mich sehr leicht ums Herz.
    Also: Bloß nicht rechtfertigen, denn diese Leute wollen ja gerade nicht über eine Sache nachdenken, sondern vor allem ihren Spruch loswerden. Deshalb steige ich da gar nicht erst inhaltlich ein. Was ich zu sagen habe, schreibe ich auf meine Homepage, da kann es jeder nachlesen.

  3. Hi Jasmin,

    was du beschreibst, ist ein Klassiker für alle Dinge, in denen jemand etwas anderes macht als die Masse oder sich zu verändern beginnt. Ich frage mich zwar auch oft, ob die Menschen keine anderen Probleme haben, aber letztlich entsteht die Haltung aus einem schlechten Gewissen heraus, dass derjenige in seinen alten Mustern gefangen ist.

    Also macht bitte weiter so und lasst uns alle beim Sündigen viel Spaße haben :)

    Liebe Grüße

    Mischa

    • Hallo Mischa,
      danke für deinen Kommentar und die Ermutigung. Zum Glück gibt es bis jetzt noch nicht so viele Kritiker, als dass wir ernsthaft an unserer Mission zweifeln würden :-)

      Liebe Grüße
      Jasmin

  4. Ist man irgendwie anders, denkt anders oder handelt anders als die breite Masse, so haben andere häufig Angst oder sind unsicher und beginnen, komisch zu werden. Insbesondere auf den Dörfern.

    Diese Erfahrung habe ich häufig machen müssen, insbesondere seit 2003, da ich seit Anfang 2003 nicht mehr gewerblich arbeiten ging, sondern mich um die Familie / die Projekte (Aussteiger) etc. kümmerte. Dann kamen die Leute sehr oft auch nicht damit klar, daß ich auf Nachfrage offen und ehrlich über meine Vorstellungen, aber auch über meine Probleme sprach.

    Klar, ich war irgendwie schon immer irgendwie eigen, doch verstand ich sehr lange nicht, weshalb man mir plötzlich ablehnend bis feindlich gegenüberstand. Hat lange gedauert.

    Ich und perfekt? Ganz bestimmt! :D Abgesehen davon, daß ich zwischenzeitlich einige Ausreden (auch unbewußte) bei mir auch als solche erkannt habe, durfte ich mich durchaus auch schon dabei ertappen, ähnlich zu reagieren, wie ich es oben beschrieb. Ok, ist die Ausnahme, aber… naja. Mensch halt. Wobei ich nicht relativieren oder mein Vergehen als minder schwer hinstellen möchte. Es hat mir aber sehr geholfen, diese Reaktionsweise als Angst zu erkennen. Seitdem kann ich damit mittlerweile etwas gelassener umgehen oder gar einlenken. Aufgrund dessen konnte ich einigen Groll gegenüber solchen Anfeindungen durchaus auch schon „vergessen“.

    Die schlimmsten Erlebnisse diesbezüglich waren a) Verfolgung und Verleumdung, so daß unsere Absichten, nach Norwegen auszuwandern, zunichte gemacht wurden; und b) eine Anzeige beim Jugendamt, weil wir keinen TV hatten und die Kinder ihr Kinderzimmer selber aufräumen mußten (wirklich wahr!).

    Auch wenn ich die Ursache „Angst“ für solche Reaktionen, jemandem gegenüber als Saboteur aufzutreten, soweit erkannt habe, verstehe ich doch den jeweiligen Auslöser nicht. Zumal man zuvor noch an einem Strang zog.

    lg Ralf

  5. oje, und wir haben auch keinen Fernseher, und unsere Kinder müssen auch mal angreifen! Willkommen im Club! Ich hab mal Zeugen Jehovas, die mich von der Wickelkommode geholt haben, Hausverbot erteilt, und sie haben daraufhin bei der Gemeinde eine Eingabe gemacht, sie machten sich Sorgen über unsere Familie… Machtkämpfe, mehr nicht. Wer selbst nichts zu sagen hat, bekommt durch gute Beispiele leider keine Anregungen, sondern Gewissensbisse, weil er ja sieht, daß alles doch geht, was er sich eingeredet hat nicht schaffen zu können. Buhmann ist dann der, der dieses bequeme Weltbild zerstört hat – also Du.

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