Was wir von den Thais lernen können und warum

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Am Mittwoch habe ich darüber berichtet, wie ich meinen Backpacking-Trip in Thailand erlebt habe und warum ich denke, dass diese Art zu reisen gesünder ist als ein fauler All-inclusive-Urlaub.

Mir ging außerdem auf der Reise durch den Kopf, dass uns die Thais in mancher Hinsicht weit voraus sind. Es ist ein viel ärmeres Land als Deutschland – und doch reicher in Bezug auf manche Eigenschaften und Sichtweisen.

Was ich damit genau meine und wie wir die positiven Seiten aus dem Land des Lächelns nachahmen können, erfährst du in diesem Beitrag.

1. Lächeln – immer und überall

Das Land des Lächelns hält, was es verspricht. Ich kenne kein anderes Land, in dem ich so häufig angelächelt wurde. Kinder, Alte, Verkäufer, Kellner, Service-Personal – wir haben bis auf wenige Ausnahmen keine schlecht gelaunten oder grimmig guckenden Menschen erlebt.

Ein zweitägiger Trekking-Trip im Norden Thailands brachte uns dem Leben eines Karen-Stammes näher. Wir verbrachten dort eine Nacht bei einer Familie, die eine einfache Holzhütte bewohnt. Fließendes Wasser gibt es nicht. Die Frauen steigen ca. zehn Minuten einen Hügel hinab und schleppen jeden Tropfen von einem Brunnen wieder zum Dorf hinauf.

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Einige unserer Gruppe wuschen sich später an dem Brunnen und ließen sich von der Mama unserer Gastfamilie Wasser auf den Körper schöpfen. Sie kicherte und war entzückt, bestimmt nicht nur, weil die weißen, jungen Leute das kalte Wasser kurz schockierte.

Sie strahlte uns an wie kein anderer Mensch, dem wir begegnet sind. Wir konnten uns nicht unterhalten, aber mit Händen und Füßen ein bisschen verständigen. Wie ein kleines Kind freute sie sich über ein Motiv des Kartenspiels, das wir zur Freude des halben Dorfes auf einem Stein ausbreiteten.

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In Bangkok sah ich die Menschen seltener lächeln. Nicht nur in dieser Hinsicht tickt die Hauptstadt anders als der Rest des Landes. Aber das ist wahrscheinlich in allen Ländern so.

Warum ist das gut?

Lächeln steckt an, erzeugt eine positive Atmosphäre und nimmt die Angst davor, jemanden anzusprechen. Ein Lächeln ist hinsichtlich der beanspruchten Muskeln übrigens weniger anstrengend als eine grimmige Miene. Wäre es nicht schön, wenn auch bei uns öfter mal jemand lächeln würde? Einfach so?

Nachmachen, bitte!

Durch unser Äußeres können wir unser Inneres beeinflussen. Demnach soll Lächeln die Stimmung heben. Statt die Stirn zu runzeln, sollten wir bei schlechter Laune absichtlich lächeln. Das mag schwer fallen, aber vielleicht gelingt es uns im Alltag wenigstens bei einer neutralen Laune die Mundwinkel zu heben?

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Ich habe auf der Reise ein paar Mal daran gedacht und mich bemüht, daran zu denken. Viel zu oft ist der Vorsatz wieder schnell vergessen. Umso mehr werde ich künftig versuchen, immer wieder zwischendurch zu checken, wie mein Gesicht gerade aussieht.

2. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft

Eng verbunden mit dem Lächeln ist die Freundlichkeit der Thais. Es gibt schwarze Schafe, die ahnungslose Touristen abzocken wollen. Doch in 99 Prozent der Fälle helfen Thais, wo sie nur können. Sie fragen, wohin man möchte, wenn man mit einer Karte am Straßenrand steht. Sie rufen für dich beim Busunternehmen an und organisieren dir ein Ticket, auch wenn sie daran kaum etwas verdienen.

Warum ist das gut?

Thais sind in meinen Augen „Geber“ – und Geben machen zufrieden, wie Patrick neulich geschrieben hat. Das liegt auch an deren weiblicher Kultur, bzw. geringen Maskulinität (siehe Hofstedes kulturelle Dimensionen). Das bedeutet, dass Fürsorge und gegenseitige Rücksichtnahme wichtiger sind als der Erfolg des Einzelnen.

Nachmachen, bitte!

„Jemandem helfen“ ist eine der 15 Healthy Habits in unserem gleichnamigen eBook. Oft ergeben sich im Alltag kleine Gelegenheiten, wenn jemand etwas fallen lässt, Touristen verirrt mit einer Karte dastehen, wir eine Tür aufhalten oder jemandem an der Kasse den Vortritt lassen können. Wir müssen dafür nur die Augen offen halten!

3. Gelassenheit und Zufriedenheit

Thais sind nicht aus der Ruhe zu bringen. (Hunde, Katzen und alle anderen Tiere schon gar nicht.) Vielleicht tun sie alles aus so langsam, weil sie sonst genau so viel schwitzen würden wie wir Touristen.

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Trotz widriger Umstände, wie ich es oben in Bezug auf das Bergdörfchen beschrieben habe, mögen sie ihr Leben. Sie sagen, es ist einfach. Man brauche sich keine Sorgen zu machen. Das ließ mich immer wieder an den Thai-Bauern denken, der in einem TED-Talk erklärte, wie das Leben einfach sein kann.

Warum ist das gut?

Viele sagen, dass wir uns und unsere Gedanken zu ernst nehmen. Wir denken ständig über die Vergangenheit und die Zukunft nach, anstatt im Hier und Jetzt zu leben. Achtsam zu sein.

Wenn wir nochmal die kulturellen Dimensionen heranziehen, erklärt sich, warum wir im Vergleich zu den Thais viel eher über das Morgen grübeln: Unsere long-term orientation ist deutlich höher als bei den Thais. Wir denken also langfristiger.

In Sachen Natur- und Umweltschutz ist das zu begrüßen. Doch in vielen anderen Belangen würden wir uns manchmal wünschen, den Kopf und die (Zukunfts-) Sorgen ausschalten zu können.

Nachmachen, bitte!

Ich bin selbst jemand, der alle Eventualitäten vorhersehen und vermeiden möchte. Ich bin eher ängstlich und pessimistisch. Manchmal lähmt mich das. Ich werde künftig versuchen, meine Gedanken als das zu erkennen, was sie sind: Gedanken. Nicht mehr und nicht weniger. Es sagt sich so schön: Du musst deinen Gedanken nicht folgen. Für mehr Gelassenheit.

4. Gesundes Essen trotz widriger Umstände

Als wir in der Holzhütte morgens um eine kleine Feuerstelle saßen und beobachteten, wie unsere Gastgeber ein reichhaltiges Frühstück zubereiteten, staunte ich wirklich. Unter primitivsten Verhältnissen kochen die Einheimischen öfter, vielfältiger und anspruchsvoller, als wir.

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Trotz High-Tech-Induktionsherd und Geschirrspüler scheuen wir oft den Aufwand. Ein Omelett? Unter der Woche? Zu anstrengend! Stattdessen werfen wir fertiges Müsli in die Schale oder halten beim Bäcker an. Diese Optionen haben die Einwohner dieses abgelegenen Dörfchens nicht.

Instant-Kaffee und Sojamilch sind die am stärksten verarbeiteten Lebensmittel, die sie verwenden. Der Rest ist echtes Essen.

Warum ist das gut?

thailand 5Echtes Essen ist gesünder. Selber Kochen macht zufrieden und enthält weniger Zucker, Fett und Salz als Fertigessen. Es fällt weniger Müll an. Es gibt viele Gründe, warum diese Lebensweise bzw. Einstellung besser ist. Auch für uns in der westlichen Welt. (Wie hieß es bei Loriot? „Sag jetzt nichts!“ oder: Ja, das ist eine Nudel an meinem Mund…)

Nachmachen, bitte!

Ich koche schon seit einiger Zeit viele Rezepte selbst und kaufe keine Fertigprodukte. Doch nachdem ich mich fast vier Wochen nicht ums Kochen kümmern musste, fällt mir der Einstieg momentan gar nicht so leicht.

Wenn ich mich beim Zögern ertappe, versuche ich mir bewusst zu machen, wie einfach ich es habe. Im Vergleich zu diesen Bergvölkern ist es für mich viel leichter, ein paar Zutaten in die Pfanne zu werfen, etwas zu kochen und danach den Abwasch von einer Maschine erledigen zu lassen.

Ich kaufe außerdem wieder verstärkt echte Lebensmittel, die ich für die Komponenten brauche und leicht verarbeiten kann. Im Einkaufskorb landen daher Grundnahrungsmittel anstelle von Fertigprodukten. So führe ich mich gar nicht erst in Versuchung.

 

Hast du Ähnliches in Thailand oder einem anderen Land beobachtet und dir zum Vorbild genommen? Dann schreib doch einen Kommentar. Ich bin gespannt auf dein Feedback.

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