Warum wir so offen schreiben

Neulich fragte mich ein Leser, weshalb Blogger ihre Erlebnisse mit Millionen fremder Menschen teilen wollen. Über diese Frage denke ich schon länger nach. Auch deshalb, weil nicht jeder unsere Offenheit versteht. Die einen bewundern sie. Die anderen sehen in ihr eine Art Prostitution, weil wir uns im Internet auszögen, um Aufmerksamkeit zu erhalten.

Diesem Vorwurf sah sich Jasmin schon mehrfach ausgesetzt. Ihr Umfeld war es nicht gewohnt, Jasmins Gedanken im Internet zu lesen. Vieles davon hatte sie bis dahin nur mit engsten Freunden geteilt. Wer sie weniger gut kennt, war bei manchem Text überrascht, was alles in ihr steckt, welche Gedanken sie sich macht und was sie wirklich fühlt.

Kann das authentisch sein? Kann jemand, der unter Bekannten nicht viel preisgibt, tatsächlich mehr zu erzählen haben? Und warum tut er das ausgerechnet im Internet? Der introvertierte Blogger sei ein Widerspruch in sich, hörte ich manches Mal. Dabei finde ich das nicht widersprüchlich.

Ja, es fällt mir schwer offen mit Menschen zu reden. Manchmal will ich das gar nicht. Oft will ich es, aber kann es nicht. In Gruppen ist es mir unmöglich. Bevor ich meine Gedanken sortiert habe, ist das Gespräch längst woanders angelangt. Am Bildschirm hingegen habe ich Zeit meine Worte zu wählen. Ich kann mir genau überlegen, was ich sagen möchte, es aufschreiben, umschreiben und verfeinern. Bis es passt.

Das schriftliche Format hilft mir folglich dabei offen zu sein. Das heißt nicht, dass es mir oder uns leichtfällt. Es ist schwer. Je verwundbarer wir uns machen, desto länger feilen wir an einem Text. Manchmal haben wir regelrecht Angst davor ihn ins Netz zu stellen. Steht der Vorwurf der Prostitution im Raum, so wächst die Angst. Er ist ein weiterer Widerstand, der uns die Arbeit schwer macht. Jasmin fühlt sich dadurch verunsichert. Wie viel darf sie schreiben? Was denkt ihr Umfeld? Ihr Gedankenkarussell kommt dann so richtig in Fahrt. Auch, wenn der Text längst veröffentlicht ist. Einer ihrer Artikel ließ sie solange nicht mehr los, bis sie ihn nachträglich löschte.

Mich verunsichert dieser Vorwurf auch, aber noch mehr ärgert er mich. Ich kann die Idee nicht ausstehen, dass es besser sein soll, wenn jeder seine Gedanken und Gefühle für sich behält. Es gibt genug Menschen, die sich niemandem mitteilen können, sich dadurch einsam und als Außenseiter fühlen. Oft zu unrecht, weil es genügend andere Menschen gibt, die die gleichen Sorgen haben. Nur wissen sie nichts voneinander.

Bei einigen Themen dachten wir vor der Veröffentlichung, wir seien die einzigen Menschen, die sich mit solchen Problemen herumplagen. Teilweise ermutigten wir uns gegenseitig, dass dem nicht so sei. Da wäre mein Geburtstag, den ich nie feiern wollte, oder Jasmins Kinderwunsch, der auf sich warten lässt. Beide Male erfuhren wir von unseren Lesern, dass sie heimlich die gleichen Ängste bzw. Gedanken haben, ohne sie jemals mit anderen zu besprechen.

Besonders eindeutig ist das Feedback zu den Themen Introversion und Hochsensibilität. Man geht davon aus, dass 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung introvertiert und/oder hochsensibel sind. Das sind Millionen Menschen! Dennoch fühlen sich viele von ihnen allein. Sie glauben, die einzigen zu sein, die so denken und fühlen, wie sie es tun. Um sie herum sind gefühlt nur extrovertierte Menschen, die vermeintlich normal sind. Ich zitiere aus E-Mails, die mich immer wieder erreichen:

  • „Ich fühle mich als Außenseiter.“
  • „Ich finde keine Gleichgesinnten.“
  • „Meine Mutter denkt, ich sei nicht normal.“
  • „Schon länger führte ich einen inneren Kampf gegen meine (unbewusste) Introversion.“
  • „In meinen 29 Jahren musste ich mir einiges anhören: Mauerblümchen, arrogant, kalt, unnahbar.“

Diese gefühlte Isolation macht einsam und hat auch einen Namen: Pluralistische Ignoranz.

Der sperrige Begriff aus der Sozialpsychologie beschreibt eine absurde Situation: Die Mehrheit einer Gruppe denkt das Gleiche, aber niemand spricht es aus. Deshalb fühlt sich jeder einzelne als Außenseiter. Es ist ein Merkmal von Gesellschaften, in denen jeder seine Gedanken für sich behält. Die Folge sind oberflächliche Beziehungen und Einsamkeit.

Wir gehörten selbst schon oft genug zu den gefühlten Außenseitern. Jasmin mit ihrer Krankschreibung wegen Erschöpfung, ihrer Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, ihren Ängsten. Ich mit meinem Übergewicht, den introvertierten Eigenschaften, Anflügen von Einsamkeit und einem ausbaufähigen Selbstwertgefühl.

Wir sind erleichtert, wenn wir von anderen Menschen erfahren, dass auch sie Probleme haben, oft die gleichen. Vielleicht sind unsere Texte auch eine Art „Reality Check“ – geht es nur uns so, oder gibt es noch mehr Menschen da draußen? Für gewöhnlich gibt es noch mehr. Viel mehr! Ich habe nur kurz in meinen E-Mails gesucht, um Feedback zu meinem Blog für Introvertierte zu finden (teilweise gekürzt):

  • „Danke, ich fühle mich nicht mehr alleine in der Welt.“
  • „Ich bin nicht allein so freakig!“
  • „Eine solche Erleichterung!“
  • „Juchu, ich bin doch normal!“
  • „Vieles ergibt nun einen Sinn.“
  • „Endlich kann ich mich so akzeptieren, wie ich bin.“
  • „Plötzlich bin ich kein Sonderling mehr.“

Wäre es besser, wenn jeder seine kleinen „Geheimnisse“ mit engen Freunden besprechen könnte, anstatt sich nur in Blogs wiederzufinden? Natürlich. Aber viele Menschen haben diese engen Freunde nicht oder zu wenige davon oder fühlen sich von ihnen nicht richtig verstanden. Deshalb wenden sie sich an Menschen, die offen und öffentlich schreiben. Wir haben dadurch einen solchen Vertrauensvorschuss, dass sie uns persönliche Dinge erzählen oder Fragen stellen, auf die sie in ihrem Umfeld keine Antworten finden.

Darin sehen wir den größten Wert unserer Arbeit. Wir möchten, dass sich Menschen bei uns gut aufgehoben fühlen. Wir machen uns verwundbar, damit andere sich weniger allein fühlen und auch selbst offener werden. Wir möchten, dass auf diese Weise Menschen näher zueinander finden.

Das ist nicht einmal uneigennützig.

Wir wünschen es uns auch für uns selbst.


Foto: Notizbuch von Shutterstock


21 Kommentare

  1. Mein lieber Patrick, Du machst Dir viele kluge Gedanken, schreibst darüber wunderbare Texte und bist dabei schonungslos ehrlich und offen. Dazu gehört auch jede Menge Mut und so will ich Dich bestärken und Dir sagen: Du bist (sicher nicht nur für mich) etwas Besonderes im positivsten Sinne. Deine Ängste und Introvertiertheit bringen Dich dazu, kritisch über Dich und Deine Umwelt nachzudenken, eigene Einstellungen ständig zu hinterfragen und gegebenenfalls nachzujustieren. Dies ist etwas Wunderbares und fehlt in dieser Welt täglich mehr. Ich lese Deine in Schrift verfasste Gedanken sehr gern
    und wünsche mir noch viel davon!

  2. Lasst Euch nicht von den Leuten verunsichern, die Euch solche Vorwütfe machen. Was Ihr macht, ist gut und richtig und wichtig, wie Ihr ja schon selbst auch eigentlich wisst. Hätte ich diesen Blog 10 Jahre früher gelesen, wäre vielleicht vieles einfacher für mich gewesen. Ich hab mich durch viele Eurer Themen allein durchwurschteln müssen. Wenn es Leute gibt, die von Euren Erfahrungen auch nur ein bisschen profitieren und ihr Weg dadurch leichter wird, ist das einfach großartig. Und ich hoffe, dass Ihr weiterhin den Mut und die Entschlossenheit habt, über solche Themen zu schreiben, auch wenn Euer Umfeld vielleicht manchmal den Wert solcher Bemühungen nicht versteht.

  3. Lieber Patrick,
    sehr guter Artikel, das hast du gut beschrieben. Ich kann dir versichern: NEIN es ist kein Stripteas oder gar Prostitution! Der Wunsch sich mit seinen Gedanken mitzuteilen und dadurch Gleichgesinnte zu finden, den Dialog oder gar die Auseinandersetzung über diese Themen zu bekommen, ist seit es Internet gibt leichter und man sitzt eben nicht mehr einsam mit seinen Gedanken da! So enge Freunde muss man erst einmal haben und dann noch die Möglichkeit dazu die schiere Menge an Themen mit ihnen zu bereden.
    Meist hat man Freunde, die in weiter Ferne verstreut sich befinden, mit denen könnte man … schafft es aber nicht, weil man eine zeitliche Schranke hat, und so weiter. Der Gründe gibt es 1000de. Geht es ja nicht nur darum Gleichgesinnte für das „Leid teilen“ zu finden, sondern wie ihr über verschiedene Themen einen Austausch der vielen Gedanken.
    Ihr reißt damit gängige Schranken nieder! Und das ist gut so. Ein Blog ist eine fantastische Möglichkeit um sich mitzuteilen. Und auch wenn es ab und an eine Gradwanderung ist, so ist diese wichtig.
    Also bitte lasst euch nicht verunsichern. Ihr macht sehr authentische Texte, ich spüre in jedem einzelnen den Kampf und weiß, wie schwierig manche Themen sind.
    Einen sonnigen Sonntagsgruß für Euch.
    Anne

  4. Patrick, ich bin sehr dankbar für eure Offenheit in euren Blogs. Nur so macht das ganze ja auch Sinn. Ich habe mich früher nie für Blogs interessiert, weil ich das meiste belanglos fand. Bis zu dem Tag an dem ich auf introvertiert.org gestossen bin.

    Ich gehöre auch zu denen, die sich lieber abseits der Massen bewegen, die sich nur sehr schwer offenbaren können und auch nur sehr wenigen Menschen Vertrauen schenken können. Interessanterweise weiß ich eigentlich schon sehr lange, dass ich introvertiert bin, aber bis zu dem Zeitpunkt an dem ich auf deinen Blog gestossen bin, war mir die Tragweite meiner Introvertiertheit nicht bewusst.

    Letztendlich war es sehr hilfreich von jemandem zu lesen, der die gleichen Probleme hat, die gleichen Situationen durchlebt. Das gab mir mehr Selbstwertgefühl und auch wieder das Gefühl, das alles normal ist so wie es ist.

    Ihr gebt in euren Blogs sehr hilfreiche Tipps, wie man mit bestimmten Situationen umgehen kann. Alles ist sehr einleuchtend beschrieben und ergibt sofort Sinn, wenn man selbst ähnliches durchlebt. Aber allein die Selbstbestätigung, die man erfährt wenn man eure Texte liest kann schon Wunder wirken.

    Inzwischen lese ich gerne und viel auf healthyhabits.de, introvertiert.org und anderen ähnlichen Blogs, auf die ich durch eure Seiten gestossen bin. Und ich bin dabei mit mir selbst ins Reine zu kommen.

    Vielen Dank dafür
    Hans-Jörg

  5. Danke für die Motivation, selbst weiterzuschreiben. Ich finde die fredemisch gelungen, wenn man die vielschichtigen Blickwinkel mit einfach Mitteln gut beschreiben kann. Schriftlich die Dinge festzuhalten, erlaubt ein genaueres hinsehen, und manche der komplizierten Gedanken lassen sich peux-a-peux dann doch leicht beschreiben.

  6. Ich glaube, für alles, was jemand fühlt oder denkt oder mag oder nicht mag, existieren IMMER Menschen, die das genauso fühlen, denken, mögen oder nicht mögen. Viele davon würden es allerdings nicht zugeben, oder höchstens hinter vorgehaltener Hand einigen wenigen Freunden erzählen.

    Ich finde, das offene, ehrliche Schreiben ist gerade das, was Euren Blog von vielen anderen unterscheidet.

    Bitte macht weiter so.

  7. Hallo ihr zwei! Ein für mich ziemlich absurder Gedanke, dass es verwerflich sein sollte, offen auf dem eigenen Blog zu schreiben. Ein guter Blog lebt von Authentizät, einem ehrlichen Diskurs, Kontroverse, Kritik,… (Das Miteinander im Übrigen auch!) Und nicht zuletzt dem eigenen Stil. Die altbekannten Floskeln kann ja jeder runterleiern. Aufmerksamkeit, ja klar? Ihr lebt schließlich davon. Kann ich auch nicht mitgehen, dass man es verurteilt, wenn jemand Aufmerksamkeit möchte – ich muss sie ihm im Zweifel ja nicht geben. Macht weiter so. Man muss nicht alle(s) verstehen und von allen verstanden werden. 😉

  8. Hallo Jasmin & Patrick!
    Auch von mir zunächst ein Danke für eure Offenheit und euren Mut dazu. Für mich einer der Hauptgründe, hier regelmäßig zu lesen und auch ab und zu mal zu kommentieren 😉
    Vieles finde ich klasse und hilfreich. Manche Dinge sehe ich nicht ganz so wie ihr, und manche Tipps sind nichts für mich. Aber auch in diesen Fällen lese ich eure Beiträge gerne, denn durch eure Offenheit seid ihr ehrlich und authentisch. Damit sind eure Beiträge für mich wertvoller als das distanzierte blabla so manches Experten.
    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese Offenheit nicht bei jedem gut ankommt. Irgendwo habe ich dazu aber mal einen interessanten Gedanken gelesen: Man sollte nicht allzu viel Beifall erwarten, wenn man gegen den Strom schwimmt, sein eigenes Leben in die Hand nimmt, nicht alls so macht wie die Masse und dabei auch noch glücklich ist. Denn die Masse, die mit dem Strom schwimmt ist neidisch und fühlt sich dadurch bedroht.
    Recht drastisch formuliert, aber ich denke der Grundgedanke ist nachvollziehbar. Durch eure Offenheit „zwingt“ ihr eure Leser auch dazu, sich mit sich selbst zu diesen Themen auseinanderzusetzen und zu reflektieren. Das ist nicht immer einfach und angenehm. Unterm Strich denke ich aber: Wer hier aktiv mitliest sollte dazu bereit sein. Denn dadurch, dass ihr eure Offenheit schenkt, haben wir alle die Möglichkeit davon zu profitieren und ein Stückchen weiter zu kommen.

    In diesem Sinne: Danke und weitermachen…

    Liebe Grüße
    Jens

  9. Hallo ihr zwei,
    Offenheit ist für mich ganz entscheidend fürs Bloggen, denn sonst kann ich auch einfach einen Zeitungsartikel lesen. Ich finde es großartig, wenn ich beim Lesen eines Blogs eifrig nicken kann oder erstaunt eine ganze andere Position oder Sicht aufs Leben kennenlerne. Offenheit ist verbunden mit Verletzlichkeit, Authentizität, Persönlichkeit und Individualität – aber ganz bestimmt nicht mit Prostitution.

    Ich glaube, diese Meinung hängt stark mit der Annahme zusammen, Blogger seien Narzissten oder Egozentriker und es sei falsch und verwerflich, seine innersten Gedanken mit der Welt zu teilen. Über solche Vorwürfe würde ich mir keine großen Gedanken machen. Sie zeigen einzig und allein die persönlichen Grenzen des anderen auf. Es gibt tausende Menschen, denen ihr (und viele andere toller Blogger) helft und Mut gebt und das ist alles, was zählt!

    Viele Grüße
    Maike

  10. Hallo ihr Beiden!

    Bei mir ist es auch so: Sagen möchte ich viel, es vernünftig aussprechen fällt mir schwer, schreiben könnte ich Romane. Vor allem, weil man alles nochmal umformulieren kann, bis die Aussage passt! So wie jetzt. Das riesige Gedankenknäuel kann man in Ruhe entwirren und als roten Faden in seinen Text laufen lassen.

    Wer Eure Texte als Prostitution verurteilt, hat das Leben nicht verstanden. Man MUSS seine Gedanken und Sorgen heraus lassen, sonst platz man doch irgendwann. Immer, wenn ich etwas von mir preisgebe, bin ich danach viel befreiter. Der dazugehörige Schritt erfordert Mut, das gebe ich zu.

    Wenn Ihr Euch öffentlich mitteilt, profitiertieren auch wir Leser. Fühlen uns eventuell verstanden oder finden eine Denkanregung.

    Und wer ein Problem mit Eurer Offenheit hat, der sollte einfach Euren Blog meiden! Der kann gerne übers Wetter oder die aktuelle Mode sprechen. Mir gefallen Eure Posts mit Tiefgang!

    Gruß
    Steffi

  11. Wenn es sich für euch richtig anfühlt, pfeift auf die Hater. Ich hätte nicht drauf, mich so nackig zu machen. Aber es dient dem Thema.
    Außerdem sind die Texte knackig und gut strukturiert, nicht langatmig verjammert. Es waren schon gute Anregungen für mich dabei.
    Möge der Rubel rollen und rauschender Erfolg euch beschieden sein!

  12. Hallo !
    Wenn man sich für das Bloggen entscheidet, dann entscheidet man sich für das offen sein.Die vielen Leser geben Euch doch Recht, das Richtige zu tun.
    Nur für das stille Kämmerlein entsteht kein Blog.Ansonsten kann man ja Tagebuch schreiben…so wie früher.Ich kenne das halt noch.
    Mir gefallen Eure Beiträge.
    Alles Gute Gabi

  13. Ihr Lieben,
    Ihr seid klasse.
    Ich bin als Introvertierte gerne und viel auf euren Seiten und heilfroh, dass es sie gibt.
    Genau deswegen: weil ich introvertiert bin. Deshalb bin ich auch so dankbar dafür, dass ich dort Verbündete finde, dass ich in sicherem Terrain nach Infos suchen kann, Gefühle teilen…
    Es entlastet einfach ungemein. Und wenn ihr davon leben könnt, es euch erfüllt, umso besser.
    Offen sein und etwas von sich preisgeben erfordert Stärke, Größe und Mut.
    Die, die meckern und euch kritisieren, sind wohl weniger besorgt um euer Wohl (ist doch eure Entscheidung, wenn ihr das so macht), sondern gehören vielleicht eher zu den „tumben“, lauten Vertretern oder haben Angst sich selber zu öffnen oder sind neidisch oder haben gar keine Probleme oder wollen einfach nur stänkern oder oder… Die können dann ja auf die „sachlichen“, unpersönlicheren, oberflächlicheren Seiten ausweichen. Davon gibt es ja auch genug. Das Internet hat ja zum Glück für jeden Geschmack etwas.
    Also, danke nochmals und bleibt so offen wie ihr seid. Und wenn ihr das mal nicht sein wollt… Auch ok. Alles zu seiner Zeit und je nach Situation.
    Herzlichst, Martina

  14. Danke für die Offenheit. Ich bekomme Euren Newsletter schon länger und finde die Ernährungstipps total gut- alles andere habe ich immer mehr oder weniger überflogen weil ich dachte, naja, da schreiben zwei sportliche, selbstbewusste, gut aussehende junge Menschen, wie man so toll werden kann wie sie. Das schaffe ich ja sowieso nicht. Ok. Ich habe mich getäuscht. Ihr seid offensichtlich viel mehr als das und viel tiefgründiger als ich dachte. Und ich werde von jetzt an ALLES von Euch so gründlich lesen wie die Ernährungstipps!
    Lieben Dank, liebe Grüße und weiter so!

  15. Liebe Leute,

    wir danken euch ganz herzlich für eure Kommentare! Über den Zuspruch freuen wir uns sehr, auch wenn wir ihn ein bisschen erwartet haben, weil wir auch glauben, dass Offenheit ein Grund dafür ist, weshalb hier viele Menschen mitlesen.

    Wir sind ermutigt, so weiter zu machen 🙂

    Viele Grüße
    Patrick

  16. Ihr zwei,
    inhaltlich ist in den vorherigen Kommentare schon alles geschrieben worden, was mir an eurem Blog und eurer Art so sehr gefällt. Daher ein ganz einfaches DANKE! 😉

  17. Guten Abend, es ist das erste mal, daß ich hier einen Kommentar zu einem Artikel abgebe. Und ich möchte auch gleich bestätigen, daß das was von dir angesprochen wird, auch stimmt. Ich selbst habe auf facebook in mehreren Gruppen die Möglichkeit gefunden, mit anderen zu kommunizieren, mit denen ich im „normalen“ Leben nie in Kontakt gekommen wäre.Außerdem habe ich über das Internet die Möglichkeit, mich über Dinge zu unterhalten, die mich persönlich betreffen und mir sozusagen eine zweite ( oder dritte oder vierte Meinung) einzuholen. Sei es, daß ich über meine Erkrankung Informationen bekomme, die mir sonst nicht zugänglich wären, oder in meiner persönlichen Lebenssituation Bestärkung erfahre.Natürlich kommt man dabei auch mit Personen in Kontakt, die verschiedene Dinge anders sehen als man selbst. Aber auch das bereichert .Und im Internet habe ich (seltsamerweise?) nicht die Probleme, solche Themen anzusprechen, als ich dies im persönlichen Gespräch habe. Deshalb sehe ich diesen Austausch nicht als geistige Prostitution. Auch, das haben ja schon andere mehrfach angesprochen, habe ich hier die Möglichkeit, mir beim Schreiben über einige Dinge klar zu werden. Etwas, wofür andere Bücher schreiben. Jedenfalls finde ich die Möglichkeit, sich anderen mitzuteilen, egal ob in einem Blog oder in einer Diskussion im Internet sehr gut.Und nun hoffe ich, Euch nicht zu sehr zugetextet zu haben.

  18. ein blog ist damals als Gegenstück zur Homepage entstanden, weil er unsortierter als Tagebuch gedacht war und nicht als gezielte Informationsquelle. Inzwischen sind Homepages an sich veraltet, wer was öffentlich von sich geben will, tut das über einen blog. Doch die Grundidee war das Tagebuch! Es liegt also im Wesen des bloggens begründet, daß man persönlich schreibt. Er sollte deshalb strenggenommen zu den sozialen Medien zählen, nicht anders als facebook oder was es da noch so gibt, um sich auszuziehen.
    Und wie überall gilt (früher war es Fernsehkonsum, dann öffentliches Telefonieren in der U-Bahn): Der Umgang damit muß gelernt werden.
    Ich finde Eure Artikel gut ausgewogen, und der inzwischen gelöschte Artikel hat mir persönlich auch sehr weitergeholfen, obwohl ich auch froh bin, daß er jetzt unerreichbar ist, denn er war tatsächlich sehr, sehr persönlich und hat die Grenze im Vergleich zu den anderen Artikeln etwas überschritten. Es ist eine Gratwanderung, aber Ihr unterscheidet zwischen Uninteressantem aus dem Alltag, das keinen interessiert, und zwischen allgemeineren Aussagen, die auf Euren persönlichen Erkenntnissen beruhen.
    Laßt Euch nicht verunsichern. Wenn Ihr nicht persönlich schreiben würdet, wäre es kein blog. Neider gibt es überall.

  19. Hallo Patrick!

    Ich sehe das ganz genau so wie Du es beschreibst, es trifft auch auf mich zu. Speziell die Sache mit „wenn ich die Gedanken sortiert habe…“ und auf meinem Blog habe ich die Zeit, am Text zu feilen kann ich ganz und gar unterschreiben!

    lg
    Maria

  20. Ich glaube was den Eindruck der Prostitution erweckt ist der Umstand, dass ihr mit dem Blog zu einem großen Teil euren Lebensunterhalt verdient/verdienen wollt und somit abhängig von seinem Erfolg seid. Wer ein bisschen in den einschlägigen Kreisen (Onlinemarketing) unterwegs ist, weiß, dass sich die offene Verletzlichkeit vor allem sehr gut verkauft. Um im übergroßen Sammelbecken der Gesundheitsangebote hervorzustechen, seid ihr auf den Fokus auf eure persönlichen Erfahrungen angewiesen. Der Vorwurf der gezielten/markterzwungenen „Prostitution“ ist deshalb erstmal naheliegend, ob nun berechtigt oder nicht.

    In der Leserwahrnehmung gibt es für mich in der Hinsicht deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bloggern. Manche kommen sehr authentisch rüber (darunter du), da nehme ich die Inhalte gerne an und kaufe ggf. auch mal ein Produkt. Es gibt aber auch andere, da zweifle ich stark an der Authentizität, was die „offene Verletzlichkeit“ natürlich ad absurdum führt und sie entsprechend negativ ankommen lässt.

    Insgesamt sehe ich die zunehmende Kommerzialisierung des Hochprivaten, Intimen sehr kritisch. Schließlich kann man auch offen sein, ohne damit Geld zu machen oder machen zu wollen und die eigene Verletzlichkeit kommerziellen Logiken zu unterwerfen.

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