40 Tipps, um weniger Alkohol zu trinken

Für das Jahr 2014 nahmen sich ca. 12 Prozent der Deutschen vor, weniger Alkohol zu trinken. Wie bei vielen ungesunden Marotten sind wir der Meinung, dass Willenskraft und Wissen allein nicht reichen, um mit etwas aufzuhören. Schließlich wissen wir alle, dass Alkohol eine Volksdroge ist und uns auf Dauer krank macht. Trotzdem fällt es uns schwer, ein Genussmittel weniger zu konsumieren, egal ob es sich um Süßigkeiten oder Alkohol handelt.

Wir zählen uns nicht zu den vehementen Alkoholgegnern. Wir trinken gern zum Genuss in Gesellschaft ein, zwei Bier oder Wein. Das tun wir aber – ab und zu – ganz bewusst, nicht täglich geistesabwesend vorm Fernseher zu Hause. Wenn es dir schwer fällt, das Maß zu halten, helfen dir vielleicht unsere folgenden Tipps, um weniger Alkohol zu trinken. Diese haben auch wir im Hinterkopf.

Bevor du etwas trinkst…

  1. Trinke Wasser statt Alkohol gegen den Durst!
  2. Trinke Alkohol nie aus Langeweile, Frust, Sorgen, Angst oder Einsamkeit! Frage dich nach dem Grund, bevor du den Korken ziehst! Es gibt viele andere Glückstreiber statt Alkohol zu trinken!
  3. Lenke dich von deinem Appetit ab! Erledige bis dahin eine möglichst körperliche Arbeit oder geh deinem Hobby oder einem Herzensprojekt nach. Rufe jemanden an, geh raus oder lenke dich anderweitig ab!
  4. Nutze wie bei den Tipps gegen Heißhunger die 15-Minuten-Regel! Wenn dich der Appetit packt, mach einen Termin mit dir in 15 Minuten aus. Wenn du dann immer noch willst, darfst du etwas trinken. Bis dahin hast du es aber vielleicht auch wieder vergessen!
  5. Sieh einen Cocktail als eine Süßigkeit an und überlege gleichermaßen, ob du ihn dir gönnen willst oder ob es auch ohne geht. Wie du in unserer Zucker-Reihe gelesen hast, sind süße Getränke Dickmacher und machen uns süchtig.
  6. Trinke nie in Hektik! Wenn du keine oder nur wenig Zeit hast, trinke lieber keinen Alkohol!
  7. Sag öfter Nein als Ja! In einem Restaurant, einer Kneipe oder bei einem Menü ist ein alkoholisches Getränk okay. Für jeden Tag ist es ungeeignet. Trau dich, freundlich abzulehnen, wenn dir etwas angeboten wird.
  8. Du brauchst keinen Alkohol! Falls du glaubst, du brauchst erst mal ein Bier, ist das eine erlernte Sucht. Genauso wenig wie du etwas Süßes brauchst, kommst du ohne Alkohol aus. Das einzige Getränk, das du wirklich brauchst, ist Wasser.
  9. Setze Alkoholkonsum nicht mit Entspannung gleich! Es gibt andere Wege, um runterzukommen und den Kopf freizukriegen: Sport, Lesen, deine Lieblingsserien schauen, ins Kino gehen, dich mit Freunden treffen, Kochen, Meditation.
  10. Führe dir vor potentiellen Exzessen den nächsten Tag vor Augen: Alkohol macht müder und kann die Verdauung durcheinanderbringen. Das Ziel eines Genussmittels ist aber, dass es dir guttut. Das funktioniert nur in Maßen.

Es gibt viele gute Bücher über die Gefahren des übermäßigen Alkoholkonsums. Dort kannst du nachlesen, ob du betroffen bist und welche Strategien es gibt. Zu den Amazon-Bestsellern gehören Endlich ohne Alkohol!Alk: Fast ein medizinisches Sachbuch und Nüchtern: Über das Trinken und das Glück.


Während du etwas trinkst

  1. Egal, ob du Durst hast oder nicht: Trinke als erstes ein alkoholfreies Getränk! (Andernfalls wirst du wahrscheinlich zu schnell trinken und zu wenig genießen.)
  2. Trinke zu alkoholischen Getränken Wasser dazu, zum Beispiel zum Wein. So füllst du den Magen nicht nur mit Alkohol.
  3. Lege dich an einem Party- oder Kneipenabend auf eine Sorte Alkohol fest und bleibe dabei! So wirst du es schneller über haben und langsamer trinken bzw. aufhören.
  4. Trinke langsam! Nimm dazu einzelne kleine Schlucke!
  5. Nimm den Strohhalm raus, falls der dich zum Dauerschlürfen verleitet.
  6. Wenn möglich, unterhalte dich statt stumm dazusitzen und ein Glas nach dem anderen zu trinken!
  7. Trinke bewusst und konzentriere dich auf den Geschmack und die Konsistenz, statt gedankenlos etwas hinunterzukippen.
  8. Lenke dich nicht ab – mit Bildschirmen (Handy, Fernsehen, Laptop, Tablet, …) oder Streitereien!

Vor der nächsten Runde

  1. Setze mal eine Runde aus, wenn deine Trinkgefährten bestellen!
  2. Falls deine Gefährten sofort nachbestellen, wenn ein Glas leer ist, lass absichtlich einen Rest in deinem Glas.
  3. Lass dich nicht hetzen, wenn dein Glas (oder dein Magen) noch voll ist.
  4. Orientiere dich an Leuten, die wenig oder nichts trinken! Was trinken sie stattdessen? Was sagen sie, wenn ihnen etwas angeboten wird?
  5. Lass Knabbereien weg, die deinen Durst wecken oder verstärken, z. B. Salzgebäck in Kneipen. Dadurch sollst du nur mehr trinken! Außerdem regt der Alkohol wiederum den Appetit an!
  6. Schätze den Grenznutzen ab! Der besagt, wie viel zusätzlichen Genuss uns eine zusätzliche Einheit eines Gutes verschafft. Also ein weiteres Glas Wein, noch ein Bier und noch ein Cocktail. Der nimmt immer ab. Das heißt, das erste Bier verschafft uns noch sehr viel Genuss, das zweite schon weniger. Mit jedem weiteren Getränk nimmt der zusätzliche Nutzen ab. Überlege also, ob du wirklich noch ein Bier bestellen musst!
  7. Lege dir einen Alkoholtester zu (hier bei Amazon ansehen). Er ist nicht teuer und nimmt nicht viel Platz weg. Teste deinen Pegel zwischendurch. Somit kannst du sichergehen anstatt auf deine Schätzungen zu vertrauen.

 

Mit der Gewohnheit „Kein/wenig Alkohol“ langfristig gewappnet sein

Wir sind der Meinung, dass du nur mit Gewohnheiten langfristig gut gewappnet bist. Alle anderen kurzfristigen Aktionen oder euphorischen Vorhaben („nie wieder“) scheitern meistens. Damit du dir die Gewohnheit „Wenig/keinen Alkohol trinken“ aneignest, musst du die Widerstände dagegen verringern. Gleichzeitig solltest du die Widerstände erhöhen, die dich von der Gewohnheit abhalten. Mit festen Regeln wirst du langfristig Erfolg haben. Und jetzt nochmal langsam zum Mitschreiben:

Widerstand verringern

  1. Mache es dir leichter, wenig zu trinken: Lege dir zu Hause einen Vorrat an alkoholfreiem Weizen oder anderen anti-alkoholischen Alternativen zu! Es schmeckt ziemlich gut und ist eine gesündere Alternative zu einem normalen Bier. Du wirst merken, dass es für den Genuss kaum eine Rolle spielt, ob es Alkohol enthält oder nicht.

Widerstand erhöhen

  1. Habe keine oder nur geringe Alkoholreserven zu Hause. Kaufe nichts Neues (sondern stattdessen alkoholfreie Getränke für den Genuss)!
  2. Packe die vorhandenen Alkoholbestände weit weg, z. B. in den Keller. So musst du dir reiflich überlegen, ob dir der Appetit die Mühe wert ist.
  3. Habe nicht stets ein gekühltes Bier oder Sekt im Kühlschrank, sondern kühle alkoholische Getränke erst, wenn du (z. B. für einen Abend mit Freunden) die Entscheidung getroffen hast, etwas zu trinken.
  4. Durch die soziale Verpflichtung gegenüber Freunden, deinem Partner oder der Familie bist du motivierter deine Gewohnheit durchzuhalten. Versuche gemeinsam mit deinem Partner weniger oder z. B. nur am Wochenende Alkohol zu trinken.
  5. Suche dir einen Buddy (nach dem Vorbild der Anonymen Alkoholiker), der mit dir gemeinsam die neue Gewohnheit etabliert und durchhält. Rufe sie oder ihn an, wenn du in Versuchung gerätst! Gestehe deinem Buddy auch deine Rückfälle! Das ist unangenehm und das soll es auch sein. Schließlich ist das ein Hebel, um dich weiter zu motivieren.
  6. Meide Flatrate-Angebote! Egal ob du in einem Club vor einer bestimmten Uhrzeit unbegrenzt trinken könntest – führe dir den nächsten Tag vor Augen. Wie wird es dir gehen? Also führe dich nicht in Versuchung und meide All-you-can-drink-Situationen!
  7. Erkläre dich auf Partys als Fahrer bereit! So kannst du nichts trinken und wirst von anderen kontrolliert!
  8. Benutze zu Hause kleine Gläser, sodass du immer wieder aufstehen musst!

Regeln festlegen

  1. Nimm dir beispielsweise vor, nicht unter der Woche, sondern nur am Wochenende Alkohol zu trinken. Das nimmt dir an fünf Tagen der Woche die Entscheidung ab.
  2. Alternativ kannst du dir Alkohol nur zu besonderen Anlässen erlauben. Falls du dann aber ständig mit dir verhandelst, ob das jetzt ein besonderer Anlass ist, lege dich entweder genauer fest oder wähle lieber eine genauer definierte Regel!
  3. Hänge dir deine Regeln auf einem Zettel an deinen Kühlschrank oder an einen anderen sichtbaren Ort!

Auslöser vermeiden oder die Gewohnheit ersetzen

  1. Wann holst du dir gewöhnlich ein Bier? Oder ein Glas Wein? Wenn du etwas isst? Von der Arbeit kommst? Vorm Fernseher sitzt? Erkenne die Auslöser und ersetze die ungesunde Gewohnheit durch eine gesündere. Trinke statt des Weins Wasser mit Zitronen- oder Limettenscheiben, ein alkoholfreies Bier, Saft, einen Smoothie oder einen Soft Drink.
  2. Wenn du gar keinen Durst, sondern Appetit oder Hunger hast, kannst du auch etwas Gesundes knabbern wie z. B. Obst oder Gemüse.
  3. Wenn du auch keinen Appetit sondern ein Bedürfnis nach Entspannung hast, geh eine Runde spazieren, höre Musik, nimm ein (Fuß-) Bad, lies ein Buch oder wähle eine andere Art der Entspannung!

Erfolg dokumentieren

  1. Dokumentiere deinen Erfolg mit einer Checkliste! Dazu legst du dir einen Zettel parat und notierst die Gewohnheit „keinen Alkohol trinken“. Dann hakst du jeden geschafften Tag ab! Du kannst dazu unsere kostenlose Healthy Habit Checkliste nutzen.

Wenn nichts hilft

  1. Wenn keiner dieser Tipps dir hilft und du weiterhin zu viel Alkohol trinkst, suche dir professionelle Hilfe!

  1. Lesetipp 1: Wir nehmen uns oft vor etwas zu tun – und tun dann doch etwas ganz anderes. In unserem Artikel über das Debugging des Gehirns erfährst du, wie du den fehlerhaften Code in deinem Gehirn umprogrammieren kannst.
  2. Lesetipp 2: Alk: Fast ein medizinisches Sachbuch von Simon Borowiak erfährst du von aus der Sicht eines Betroffenen, alles zum Thema Alkoholismus mit all seinen Facetten – fundiert, aber verständlich, witzig-ironisch und schonungslos direkt.
  3. Lesetipp 3: Endlich ohne Alkohol!: Der einfache Weg mit Allen Carrs Erfolgsmethode von Allen Carr zeigt dir Schritt für Schritt einen einfachen Weg, sich nicht vom Alkohol verführen zu lassen.
  4. Lesetipp 4:  Nüchtern: Über das Trinken und das Glück von Daniel Schreiber. Er schreibt über die Krankheit Alkoholismus, von der die meisten von uns immer noch glauben, dass sie keine ist.

Weitere nützliche Tipps für weniger Alkohol findest du auf saufnix.com.


Die Tipps aus diesem Artikel als PDF:
So trinkst du weniger Alkohol


Foto: Junge Frau mit Alkohol von Shutterstock

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17 Kommentare

  1. Hallo Jasmin,

    Danke für diesen ehrlichen Text. Beim Alkohol ist es doch so: Wir sprechen ständig darüber, aber niemand spricht wirklich darüber. Vor allem über das eigene Verhältnis zum Alkohol wird immer geschwiegen. Man weiß ja nie: Ist es noch Genuss, ober bin ich jetzt schon süchtig? Deshalb finde ich es toll, dass ihr das Thema hier ansprecht.
    Ich merke besonders in der Adventszeit, dass es mir irgendwann zu viel wird mit dem Alkohol. Überall Feiern und Weihnachtsmärkte und Glühwein und Punsch und Wein. Deshalb lege ich regelmäßig nach Silvester eine dreimonatige Abstinenz ein. Ist auch eine gute Entschuldigung, dass man bei einer Party mal nichts trinkt.
    Und man muss sich meistens entschuldigen oder erklären.

    Viele Grüße
    Pia

    • Hallo Pia,

      danke für deinen Kommentar. Ja, wir sehen das auch so. Es ist ein Tabuthema, obwohl es im Vergleich zu anderen Drogen viel mehr Leute betrifft. So eine Abstinenz ist nie verkehrt. 3 Monate sind ordentlich, Respekt!

      Viele Grüße
      Jasmin

  2. Mich würde mal eine gründliche Recherche interessieren ob und ab wie vielen Gläsern Alkohol ungesund ist.

    Laut einer 2006 durchgeführten Metastudie ist es ja angeblich so, dass Abstinente sich gesundheitlich und vom Herzinfarktrisiko gesehen keine Freude machen, v.a. verglichen mit moderaten Trinkern (2-4 Gläser pro Tag bei Männern, 1-2 Gläser bei Frauen)
    http://www.psmag.com/navigation/health-and-behavior/truth-wont-admit-drinking-healthy-87891/

    Dass man Alkohol in Moderation trinken soll ist ja auch eine der Lehren aus dem sehr interessanten Blue Zone Vergleich, oder?

    Wer natürlich ein Problem mit Alkoholkonsum hat oder zu den Wochenendtrinkern gehört, für den ist moderates Trinken keine Alternative, das sehe ich ein.

    • Hallo Florian,

      danke für deinen Kommentar und den Link. Ich habe ihn gelesen, hoffe ihn weitgehend verstanden zu haben und möchte dazu 5 Gedanken äußern:

      1. Ich bin skeptisch, was solche Studienergebnisse betrifft. Ich kann als Nicht-Statistiker und Nicht-Mediziner nicht beurteilen, wer nun „mehr“ Recht hat. Allerdings habe ich ein bisschen Statistik gehabt und etwas Uni-Arbeitserfahrung. Ich behaupte, dass dort und auch in anderen Institutionen immer viele ein Interesse daran haben „irgendetwas“ rauszukriegen – mit welchen Tricks auch immer. Das gilt auch für Metastudien, die ja auch wiederum eine Kunst sind. Es mag schon sein, dass es viele pro-Alkohol-Studien gibt. Aber wie wertvoll und vergleichbar die genau sind, kann sicher kein Outsider beurteilen. Außerdem erinnert es mich an die vielen „ultimativen“ Wahrheiten, die immer wieder durch die Medien gejagt werden. Einmal ist das Lebensmittel krebserregend, dann wieder gesundheitsfördernd. Einmal entzieht Kaffee Wasser, mal doch nicht. Mal macht Fett fett, mal Kohlenhydrate.

      2. Das Gefährliche am Alkohol ist sicher nicht das eine Gläschen zum Essen, sondern das Maß zu halten. Es macht süchtig, das ist nun mal bewiesen. Wir sind der Meinung, dass wir die Kontrolle über unsere Ernährung haben bzw. zurückerobern sollten – egal, ob es um Zucker, Fertigessen oder Alkohol geht. Immer dann, wenn wir das Gefühl haben, „ich brauche jetzt …“, obwohl es um Genussmittel und keine essentiellen Lebensmittel geht, läuft etwas schief.

      3. Moderates Trinken ist schwierig, genauso wie moderates Essen. Ein Stück Schokolade oder ein bisschen Zucker jeden Tag wären kein Problem, trotzdem werden wir dicker und dicker. Insofern stimme ich zu, dass es zwar nicht ehrlich ist, kontroverse Wahrheiten zu verheimlichen, aber es „sozial unerwünscht“ wäre, wenn viele Leute es als Freifahrtsschein verstehen würden. Außerdem sind alle anderen Folgen von Alkohol ausgeblendet, wie z.B. die Auswirkungen auf zwischenmenschliches Verhalten, Gefahren im Straßenverkehrt, dass es unser rationales Denken einschränkt (das z.B. zur Folge hat, dass wir unter Alkohol eher zu ungeschütztem Sex bereit sind, siehe „Predictably Irrational“ von Dan Ariely)…

      4. Ich finde es unseriös zu sagen: „Wir Amerikaner trinken im internationalen Vergleich wenig, sind aber kränker als andere Länder.“ und das allein mit dem Trinken zu begründen. Solche Aussagen können meiner Meinung nach gar nicht wasserdicht sein, weil so viele Variablen eine Rolle spielen. Da ist Alkohol ja nur ein winziges Puzzleteil.

      5. In keiner Silbe wird in dem Artikel darauf eingegangen, dass alkoholische Getränke auch sehr kalorienreich sind. Wie du bestimmt schon bei uns gelesen hast, sind wir der Meinung, dass wir hauptsächlich Wasser trinken sollten. Alles andere sollte eine Ausnahme sein.

      Viele Grüße
      Jasmin

      • Jasmin, erstmal danke für die Mühe mit Deiner wohlüberlegten Antwort.

        Der verlinkte Artikel ist wie so viele aus amerikanischer Sicht geschrieben. Die Behauptungen im Artikel zu Amerikanern sind mir relativ egal. Amis haben aus meiner Erfahrung ein echt gestörtes Verhältnis zu so ziemlich allen Drogen und auch zur Nahrungsaufnahme. Das ist in deutschsprachigen Ländern Gott sei Dank viel besser.

        Ehrlich gesagt, ist mir der ganze Artikel egal. Mir geht’s nur um die entsprechende Meta-Studie oder Studien zu Alkohol-Konsum im Allgemeinen, deswegen habe ich auch das mit den Blue Zones angesprochen, was ja unabhängig davon ist. Oder begrenzen wir es halt auf die mediterrane Diät, die ja einige Gläser roten Wein pro Tag beinhaltet und sehr gesund sein soll.

        Ich bin aus Bayern, d.h. Bier ist für mich Grundnahrungsmittel und ich trinke abends gerne eine halbe Maß. Es wird aber so gut wie nie eine ganze Maß daraus.

        Ein kühles Blondes ist für mich Genuss und wie das bei Genuss so ist, gilt das Gesetz vom abnehmenden Grenzertrag. Mit anderen Worten, der zweite Schluck ist schon lange nicht mehr so toll wie der erste und auf den zwanzigsten kann ich genauso gut verzichten und tu das dann auch.

        Ich bin mit meinem Feierabendbier auch absolut keine Ausnahme. Obwohl Alkohol süchtig machen kann, kenne ich viele moderate Trinker.

        Mit den Kalorien hast Du sicher recht, wobei nicht alle alkoholischen Getränke so kalorienreich sind, wie Bier oder gar Weißbier. Aber je weniger Kalorien das alkoholische Getränk pro Prozent hat, desto weniger hat das wahrscheinlich mit Genuss zu tun.

        Dass wie Du ansprichst mit den fett machenden Kohlehydraten oder sind es doch die Fette, ist sehr verstörend. Warum scheint in der ganzen Ernährungsbranche immer noch so viel Ungewissheit über elementare Grundlagen zu herrschen. Das gibt den Eindruck, dass jeder Ernährungsexperte nur ein weiterer Scharlatan ist, der ein Buch verkaufen will. Ich bin gespannt, was aus Gary Taubes offen gehaltener Super-Studie wird. Ja, der hat auch ein Buch aber wirkt glaubhaft, weil er seinen Ruf auf’s Spiel setzt.
        http://www.wired.com/2014/08/what-makes-us-fat/

        • Hi Flo,

          schön, dass du dich hier einbringst 🙂

          In der Ernährungswissenschaft ist vieles ungeklärt. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist sogar alles ungeklärt. Ein Teil des Problems scheint in der Natur der Wissenschaft zu liegen. Da werden einzelne Aspekte untersucht (ausgewählte Nährstoffe), aber die Wechselwirkungen werden vernachlässigt oder können vielleicht gar nicht so genau untersucht werden.

          Die Empfehlung, jeden Tag ein bisschen Alkohol zu trinken ist mir bekannt. Aber ist sie wahr? Das kann niemand von uns beurteilen. Zudem kenne ich sie bezogen auf Rotwein, aber wie ist es mit anderen Alkoholika? Keine Ahnung! Daher halten wir uns mit solchen Empfehlungen zurück.

          Ich denke, die wenigsten Menschen haben wirklich das Problem, zu wenig Alkohol zu trinken. Daher gibt’s hier eben Tipps, wie man den Konsum reduzieren kann, falls er etwas aus dem Ruder läuft.

          Wer jeden Tag sein Bier trinken möchte, soll das meinetwegen machen. Wir berichten in der Regel nur davon, was uns guttut.

          Beste Grüße nach Asien,
          Patrick

          • Hi Patrick, wer mir mein Feierabendbier vermiesen will kriegt eben nen Kommentar, hehe.

            Naja ich weiß schon was Du meinst, aber in der Natur der Wissenschaft würde ich net sagen. An der Logik der wissenschaftlichen Methode lässt sich nur schwer zweifeln.

            Aber ganz sicher liegt das Problem in der Natur von Ernährungsstudien. Die meisten von denen sind unkontrolliert und self-reported. Solche „Studien“ ignoriert man eigentlich besser.

            Deswegen meine Hoffnung auf Taube, der richtig Geld in die Sache steckt und auf die richtige Durchführung und Ergebnisoffenheit achtet.

            Was ich damit sagen will, es gibt einen Gold-Standard bei Studien, der bei Ernährungsstudien nicht einmal annähernd erreicht wird. Experimente wie das Mars-Projekt mit absoluter Totalüberwachung und Kontrolle der Ernährung über einen mehrjährigen Zeitraum sind kaum zu finanzieren.

            Wenn so etwas doch mal passiert geht es in Tausenden von schlecht durchgeführten Studien unter. Und so weit ich weiß gibt’s noch nicht einmal Schlussfolgerungen aus der Mars-Studie. War ja leider auch nur ein Nebenexperiment.

  3. Noch ein Grund: Wenn Du schwanger bist oder schwanger werden möchtest, oder andere medizinische Gründe (Epilepsie) anführen kannst.
    Ein Onkel war Alkoholiker und ist seit 15 Jahren trocken. Daß er zum Alkoholiker wurde, ist verwunderlich, da er sonst ein sehr disziplinierter und fleißiger Mann ist. Eine Erklärung kann sein, daß er generell bei Konflikten den Kopf in den Sand steckt. Also damals erstmal einen getrunken hat, eine Alltagsflucht. Daraus leite ich einen weiteren Grund ab: Alkohol löst keine Probleme, sondern verschiebt und verstärkt sie. Frage Dich, ob Du trinkst, um dem Alltag, Konflikten oder Sorgen zu entkommen. Wenn ja, ist genau das der Hebelpunkt. Gehe Deine Probleme konstruktiv statt destruktiv an und suche Dir etwas anderes zum Abhängen.

  4. Die Empfehlung alkoholfreie Getränke daheim zu haben wird leider zur nichte gemacht, mangels Zucker freier Alternativen…

    Tee, Kaffee und Wasser sind halt keine leckere Alternative zu Rotwein oder Bier. Säfte und Softdrinks wiederum fallen auch raus.

    ich mag den Blog sehr, aber mir fehlt die ganzheitliche Betrachtung: Gesund leben ohne 95% Verzicht

    • Hey,

      suchst du nach einer Lösung, die dir alle Sünden erlaubt? 😉 Die gibt’s ja nicht, daher führt der Weg immer über gesunde Lebensmittel. Der Rest sind Ausnahmen. Ob wir die uns zu 5% gönnen oder zu 20% ist vielleicht nicht ganz so erheblich.

      Ich sehe kein großes Problem darin, Wasser oder Tee zu trinken. Für soziale Anlässe ist es zwar weniger geeignet, aber das ist dann eben die Zeit für Ausnahmen.

      Viele Grüße,
      Patrick

    • ich denke auch nicht, daß es in diesem blog um 95% Verzicht geht. Sondern um eine Umstellung der eigenen Haltung zu den Dingen.
      Wenn ich keinen Alkohol gewöhnt bin, vermisse ich ihn nicht. Jedes Jahr eine Schwangerschaft, und man ist das Problem elegant los… Im Ernst, es geht nicht darum, auf Alkohol zu verzichten, weil er so toll ist, sondern es geht darum, sich an von der Gewöhnung zu verabschieden, daß Alkohol zu einem zufriedenen Leben dazugehören muß.
      Genauso ist es mit dem Zucker. Wer unausgesprochen erwartet, daß er Süß ißt, wird jedes andere – noch so leckere Essen – als Verzicht oder Verlust empfinden. Wer gar nicht erst erwartet, daß er jeden Tag etwas Süßes bekommt, dem fehlt nichts.
      Es geht um die innere Erwartungshaltung, was man für Normal und Gewöhnlich hält. Wenn man sie nicht ändert, wird man halt ungesund weiterleben, weil kein Mensch auf Dauer aushalten kann, mit nur 5% Spaß zu leben.

  5. Hallo Jasmin und Patrick!
    Sehr interessante Themen, die hier besprochen werden. Zum Thema Ernährung würde ich sagen, dass der Faktor Sport eine immens wichtige Rolle spielt: Ein Bekannter von mir arbeitet seit Jahren in einer Geologischen Bohrfirma und läuft auch regelmäßig Halbmarathons in meist unter 1h40min.
    Also als Muskelmensch ist das wirklich nicht schlecht. Und wegen der Muskelmasse verzeiht sein Körper eben auch größere Kalorienzufuhr. Oder die Tour de France-Fahrer: Bei 200km-Etappen können schon mal 7000-8000kcal pro Tag beim Essen weggehen..Ich denke, keiner von uns sollte diese Dinge nachmachen müssen, aber es zeigt, dass man eben durch Sport sein schlechtes Gewissen in den Griff kriegen kann. Die einen stehen auf vegetarisch, die andern auf mehr Fleisch, die große Mehrzahl ernährt sich -wie ich- omnivor. Mir persönlich ist aufgefallen, dass wenn ich ausreichend Sport betreibe, dass ich hin und wieder so etwas wie eine sommatische Intelligenz meines eigenen Körpers vernehme: Man hat also Lust auf etwas, was dem Körper (und Geist) gerade guttut. Bei mir z.B. große Lust auf Salat mit Essig und Öl anstatt French-Dressing usw.
    Aber auch Wurstsalat mit Pommes ein- bis zweimal die Woche können einem gesunden und fitten Menschen durchaus zufrieden stellen und es muss nicht zwangsläufig schädlich sein. Wo ich mich aber immer selbst kritisiert habe, war das sog. Frustessen, welches ich zuhauf betrieb. Dank Eurer website und dank einiger anderer Erlebnisse sehe ich Chancen, diesem suboptimalen Verhalten auf den Grund zu gehen…
    Allen eine schöne Woche
    LG Boris

  6. Ab heute lebe ich absolut alkoholfrei. Dieses Versprechen habe ich mir selbst schon ziemlich oft gegeben, aber bis dato nicht eingehalten. Jetzt muss es geschehen, müssen meine Träume zu mir runter oder ich zu ihnen gegen! Ich kündige also hier und heute den Anfang des letzten Versuches vor dem freien Fall an und schwöre, bei allem, was mir heilig ist, fortan auf die Alkoholerei zu verzichten:
    Jetzt!

    • Hallo Michael,
      hat es geklappt.
      Bei mir waren so fromme „Schwüre“ eher unproduktiv. Bisweilen mit Schuldgefühlen beladen weil die Ziele doch zu hoch gesteckt waren.
      Freundliche Grüße
      Martin

  7. Warum weniger Alkohol trinken? Warum überhaupt Alkohol trinken? Ich habe noch nie Alkohol getrunken, um meinen Durst zu löschen, sondern immer nur der Wirkung wegen. Und ich kenne auch niemanden, der Alkohol aus anderen Gründen trinkt. Alkohol wird der Wirkung wegen getrunken, was darauf hinweist, dass derjenige, der das tut, ein Problem hat. Er braucht ihn, um in Stimmung zu kommen, aus sich rausgehen zu können und so weiter. Das ist nicht gut. Ich selbst habe als Jugendlicher zum ersten Mal Alkohol getrunken, um beim Tanzen Mädchen auffordern zu können. Ohne hätte ich mich das nie getraut. Auch das ist bedenklich, ganz klar. Nach und nach aber wird es bei den meisten oder doch bei vielen Menschen dann immer mehr. Kontrolliertes Trinken funktioniert nicht. Ich plädiere für eine Gesellschaft und Kultur frei von Alkohol. Und das werde ich selbst so auch leben ab sofort.

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